Unsere Hilfe in Nepal

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen konzentrierte die Hilfe in Nepal auf medizinische Nothilfe, nachdem sich am 25. April und 12. Mai 2015 zwei verheerende Erdbeben ereignet hatten. Schätzungsweise 8.500 Menschen wurden getötet und etwa 20.000 Personen verletzt.

Die Hilfe in Nepal im Einzelnen (Auszug):

  • Hubschrauber waren ein sehr wichtiges Transportmittel für die Hilfe in Nepal: Nach dem ersten Erdbeben, das eine Stärke von 7,8 auf der Richterskala erreichte, konzentrierten sich die Teams auf die Menschen, die in entlegenen Bergregionen lebten. Das Epizentrum des Erdbebens lag im Bezirk Gorkha, etwa 80 Kilometer westlich von Kathmandu.
  • Die Hubschrauber ermöglichten es, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter medizinische Hilfe leisten und Notfälle ins Krankenhaus überweisen konnten. In den Bezirken Gorkha, Dhading, Nuwakot, Rasuwa, Sindhupalchowk und Dolakha arbeiteten sie in normalen Gesundheitszentren. Die Hilfe in Nepal umfasste hier auf Wunsch der Gemeinden vor allem die medizinische Versorgung von Kindern unter fünf Jahren und Schwangeren sowie psychologische Hilfe.
  • In Arughat, Bezirk Gorkha, errichtete Ärzte ohne Grenzen ein aufblasbares Krankenhaus mit 20 Betten, das über einen Operationssaal, eine Notaufnahme, eine Mütterstation und einen Wiederbelebungsraum verfügte. Es ersetzte so lange das lokale Gesundheitszentrum, das durch das Erdbeben zerstört worden war, bis die Behörden Ende Juni eine halbstationäre Einrichtung eröffneten. Die Teams bauten zudem eine temporäre Zeltklinik in Chhapchet, Bezirk Dhading, auf, wo das Erdbeben große Schäden verursacht hatte. Sie leisteten Basisgesundheitsversorgung und führten kleinere chirurgische Eingriffe durch, beispielsweise bei Patienten, deren Wunden sich infiziert hatten.
  • Als sich am 12. Mai 2015 das zweite Erdbeben ereignete, konnte unsere Hilfe in Nepal sofort starten. Da viele entlegene Dörfer völlig zerstört worden waren und sich die Regenzeit näherte, war es oberste Priorität, Unterkünfte zu verteilen und Sanitäranlagen zu bauen. Die Teams lieferten auf dem Luft- und Landweg 6.000 Familienzelte, 13.000 Wellbleche und 3.000 Wiederaufbaukits in die Bergregion, um mehr feste Unterkünfte zu bauen. Als die Regenzeit begann, hatten fast 10.000 Haushalte in Dhading, Nuwakot, Dolakha, Gorkha und an anderen Orten im Budhy-Gandaki-Tal irgendeine Art von Unterkunft.
  • Zwischen April und Juli 2015 umfasste unsere Hilfe in Nepal mehr als 2.500 Sprechstunden sowie psychologische Gespräche für rund 7.000 Personen. Diese Hilfe war meist nur per Helikopter möglich. Zudem wurden 240 Notfälle versorgt und mehr als 1.200 psychotherapeutische Gespräche im orthopädischen Krankenhaus in Kathmandu geführt. Die Teams verteilten darüber hinaus Nahrungsmittel, Unterkünfte sowie Koch- und Hygieneutensilien an rund 15.000 Haushalte. Im Vertriebenenlager Cheechipathi in Kathmandu bauten sie ein Trinkwassernetzwerk für 7.000 Menschen sowie Sanitäranlagen in mehreren Camps in der Umgebung der Stadt.
  • Nach dieser Nothilfephase verringerte Ärzte ohne Grenzen ab Juli 2015 die Aktivitäten, setzte die Hilfe in Nepal aber in Sangha und Charikot fort. In Sangha, östlich von Kathmandu, arbeiteten die Teams im Rückenmarks-Rehabilitations-Zentrum, das über 50 Betten verfügt. Nach dem Erdbeben benötigten viele Patienten chirurgische Eingriffe, da sie vor allem an den unteren Gliedmaßen verletzt waren. Sie erhielten externe Fixateure (um die Enden der gebrochenen Knochen mit einer Schiene oder mit Gips zu stabilisieren bzw. zu verbinden) oder einen Streckverband. Ärzte ohne Grenzen erweiterte die Kapazitäten für die postoperative Versorgung der Patienten durch Physiotherapie, Verbandswechsel, medizinische Nachsorge und psychologische Hilfe. Zudem bauten die Teams eine neue Station für die allgemeine Rehabilitation mit einer Kapazität für 50 Patienten. Alle Aktivitäten wurden zum Jahresende 2015 an das Rückenmarks-Rehabilitations-Zentrum übergeben.
  • Im Bezirk Dolakha arbeitete Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit dem Personal der Gesundheitsbehörden in einem Basisgesundheitszentrum in Charikot, dem Epizentrum des zweiten Erdbebens. Im Rahmen der Hilfe in Nepal betreuten die Teams hier die Notaufnahme, die stationäre Versorgung und den Operationssaal. Zudem unterstützten sie das Labor und die Röntgenabteilung. Alle Aktivitäten wurden Ende des Jahres an eine öffentlich-private-Partnerschaft übergeben.
  • Am 2. Juni 2015 verloren drei Teammitglieder von Ärzte ohne Grenzen und der Pilot bei einem Hubschrauberunfall ihr Leben. Sandeep Mahat, Jessica Wilford und Sher Bahadur Karki (Raj) sowie der Pilot Subek Shrestha waren auf dem Rückflug nach Kathmandu, als der Unfall passierte. Sie hatten zuvor Hilfe in die Dörfer des Bezirks Sindhupalchowk gebracht.

Ärzte ohne Grenzen bot zuletzt von 2002 bis 2009 Hilfe in Nepal an.