Griechenland: Flüchtlingshilfe von Ärzte ohne Grenzen

Unsere Hilfe in Griechenland gilt in erster Linie den Flüchtlingen und Migranten. Das Foto zeigt unser Team beim Impfen von kleinen Kindern in dem Flüchtlingslager, das im ehemaligen Flughafen Elliniko in Athen eingerichtet wurde.

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen leistete im Jahr 2017 humanitäre Hilfe in Griechenland: Flüchtlinge und Migranten standen im Mittelpunkt der Aktivitäten auf dem Festland und auf den Inseln Lesbos, Samos und Chios.

Unsere Hilfe in Griechenland für Flüchtlinge im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen hat bereits seit vielen Jahren medizinische und humanitäre Flüchtlingshilfe in Griechenland geleistet. Im Jahr 2014 wurden diese Aktivitäten ausgebaut, da die Anzahl der Menschen, die von der Türkei aus an den griechischen Küsten ankamen, zunahm. Seit dem EU-Türkei-Abkommen im März 2016 wurden viele Menschen daran gehindert, die griechischen Inseln zu verlassen, während sie auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag warteten. Sie verbrachten viel Zeit ohne angemessenen Zugang zu medizinischer Hilfe und in Furcht vor einer erzwungenen Rückführung in die Türkei. Diejenigen Menschen, die das griechische Festland erreichten, lebten oft unter prekären Bedingungen, während sie auf ihren Flüchtlingsstatus oder eine Umsiedlung in ein Flüchtlingslager oder eine Wohnung warteten. Ärzte ohne Grenzen leistete medizinische Hilfe in Athen und in anderen Teilen des Festlands sowie auf den Inseln Lesbos, Samos und Chios. Zwischen Januar und Dezember 2017 hielten die Teams rund 19.600 Konsultationen ab.
  • Ärzte ohne Grenzen betreute 2017 eine Klinik auf Lesbos, die seit Oktober 2016 die Behandlung von chronischen Krankheiten, sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung und psychologische Hilfe anbot. Ab August 2017 konzentrierte sich diese Flüchtlingshilfe in Griechenland auf die Bedarfe von Überlebenden von Folter und sexueller Gewalt sowie auf Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Im November 2017 eröffneten die Teams eine weitere Klinik vor dem Lager Moria, um Jugendlichen unter 16 Jahren und Schwangeren einen besseren Zugang zu medizinischer Hilfe zu ermöglichen.
  • Auf der Insel Samos betreute Ärzte ohne Grenzen eine Übergangsunterkunft für rund 80 Personen für die Familien von Schwangeren, Neugeborenen oder Alleinerziehenden. Die Teams boten psychologische Hilfe und – in Kooperation mit dem griechischen Flüchtlingsrat – individuelle Rechtsberatung an. Sie führten zudem eine Impfkampagne für Kinder durch, verbesserten die Lebensbedingungen auf der Polizeistation in Vathy und sorgten für einen besseren Zugang zu medizinischer sowie psychologischer Hilfe für die Inhaftierten.
  • Im Dezember 2017 nahm Ärzte ohne Grenzen die Arbeit auf der Insel Chios auf, indem ein Team im lokalen Krankenhaus kulturelle Vermittlungsdienste anbot.
  • Ärzte ohne Grenzen arbeitete in drei Gesundheitszentren in Athen, der Hauptstadt Griechenlands: Flüchtlinge konnten in einem Tageszentrum sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung, psychologische Hilfe und Behandlungen gegen chronische Krankheiten in Anspruch nehmen. In einer weiteren Klinik boten die Teams eine umfassende Versorgung für Überlebende von Folter und diversen Gewaltformen an. Diese Klinik lief in Kooperation mit dem Tageszentrum Babel und dem griechischen Flüchtlingsrat. Das Angebot umfasste eine medizinische und psychologische Versorgung, Physiotherapie, soziale Unterstützung und Rechtsberatung. In einer dritten Klinik nahe dem Viktoria-Platz leistete Ärzte ohne Grenzen bis Dezember 2017 basismedizinische und psychologische Hilfe.
  • Bis Dezember versorgten die Teams die Bewohner von Ioannina und Umgebung mit psychologischer und psychiatrischer Hilfe. Mehrere mobile Teams arbeiteten im Verlauf des Jahres zudem in der Region Attika sowie in Zentral-Griechenland. In der Umgebung der Hafenstadt Thessaloniki boten sie psychologische und psychiatrische Hilfe an, klärten in mehreren Camps über Gesundheitsfragen auf und unterstützten bis Juli 2017 mehrere lokale Krankenhäuser. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage bleibt es eine große Herausforderung für Griechenland, Flüchtlinge angemessen zu versorgen.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1991 Hilfe in Griechenland an.