Unsere Hilfe in Griechenland

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen leistete auch 2015 humanitäre Hilfe in Griechenland: Flüchtlinge hatten dort nur eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Das Land wurde zur Haupteintrittspforte für Menschen, die nach Europa gelangen wollten: Mehr als 856.000 Flüchtlinge und Migranten kamen 2015 auf dem Land- und Seeweg in Griechenland an. 

Unsere Hilfe in Griechenland für Flüchtlinge im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen leistete medizinische Hilfe in Griechenland: Flüchtlinge erhielten zudem Unterstützung durch viele Freiwillige und zivilgesellschaftliche Organisationen. Ein Drittel der Menschen, die an den griechischen Küsten  anlandeten, waren Frauen und Kinder. Etwa 91 Prozent von ihnen kamen aus Ländern, in denen Krieg und Gewalt herrschte. Die Flüchtlinge waren vor allem Syrer, Afghanen, Iraker und Somalier. Die meisten kamen auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios, Kos und Leros an. Allein im Oktober 2015 erreichten täglich fast 6.000 Menschen die Insel Lesbos. 
  • Im Juli eröffnete Ärzte ohne Grenzen in den Lagern in Moria und Kara Tepe, auf der Insel Lesbos, Gesundheitszentren. Zudem wurde eine mobile Klinik am Hafen eingesetzt, wo Tausende Menschen in drückender Hitze im Freien darauf warteten, nach Athen weiterreisen zu können. Die Teams verbesserten die Wasser- und Sanitäreinrichtungen, kümmerten sich um die Abfallentsorgung und errichteten chemische Toiletten und Wasserstationen in Moria. Zudem organisierten sie Busse, um die Neuankömmlinge zu den Empfangszentren zu bringen, die 70 Kilometer entfernt waren. Andere mussten aus medizinischen Gründen ins Krankenhaus gebracht werden. In Matamados wurde ein Transitzentrum eröffnet, um den Neuankömmlingen zu helfen, die Unterkünfte, Transport, Nahrung, Decken und Wi-Fi benötigten, um mit ihren Familien und Freunden zuhause kommunizieren zu können. Die Teams führten mehr als 16.100 medizinische Sprechstunden durch. 3.000 Personen nahmen psychologische Hilfe in Anspruch.
     
  • Ab Oktober 2015 erweiterte Ärzte ohne Grenzen die medizinische Hilfe in Griechenland: Flüchtlinge, die auf der Insel Samos ankamen, wurden von einem mobilen Team zum Empfangszentrum am Haupthafen gebracht, wo sie auch medizinisch untersucht wurden. Das Team verteilte zudem Hilfsgüter und rund 540 Mahlzeiten täglich an die Menschen, die im Empfangszentrum lebten. Ärzte ohne Grenzen war die einzige humanitäre Organisation, die auf Agathonisi arbeitete, einer kleinen Insel nahe Samos. Ein Team versorgte die Flüchtlinge mit Unterkünften und bot medizinische Hilfe an.
     
  • Da es keine offiziellen Empfangszentren auf der Inselgruppe Dodekanes gab, verteilte Ärzte ohne Grenzen ab März 2015 Unterkünfte und Nahrungsmittel auf Kos. Die Teams boten dort auch medizinische Hilfe an. Im September schlossen die Behörden das Lager Kapitän Elias, ein verlassenes Hotel, das die Asylsuchenden zeitweilig als Unterkunft nutzten. Die Teams versorgten die Menschen dort basismedizinisch. Die Migranten und Flüchtlinge hatten daraufhin keine andere Wahl, als auf den Straßen der Stadt Kos zu schlafen, bis Ärzte ohne Grenzen in der Nähe eines archäologischen Parks ein Zeltlager errichtete. Gemeinsam mit anderen Organisationen bot ein Team dort basismedizinische und humanitäre Hilfe an. 
     
  • Ab Juni ergänzte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Griechenland: Flüchtlinge auf Leros, Simi, Tilos und den Kalymnos-Inseln wurden mit mobilen Kliniken versorgt. Auf Leros errichteten die Teams ab September eine permanente Basis. Sie boten dort Unterkünfte an, verbesserten die Wasser- und Sanitärverhältnisse und leisteten medizinische und psychologische Hilfe. Auf den beiden Inseln Kos und Leros hielten sie rund 14.000 medizinische Sprechstunden ab und boten psychologische Hilfe für etwa 6.000 Personen an. Zudem verteilten sie 35.358 Hilfspakete, die u. a. Seife, Decken usw. enthielten, da viele Menschen während der Reise all ihre Habseligkeiten verloren hatten.
     
  • In Athen führte Ärzte ohne Grenzen 708 medizinische Konsultationen im Transitzentrum Eleonas durch, in dem diejenigen untergebracht waren, die Asyl beantragen wollten für Griechenland. Flüchtlinge, die nachweislich Folteropfer waren, erhielten im Reha-Zentrum in Kypseli fachmedizinische Hilfe. Sie wurde in Kooperation mit dem psychologischen Tageszentrum BABEL und dem griechischen Flüchtlingsrat geleistet. 
  • Im Transitcamp Idomeni, nahe der Grenze zu Mazedonien, betreute Ärzte ohne Grenzen eine mobile Klinik, die basismedizinische und psychologische Hilfe anbot sowie Hilfsgüter wie Decken und Waschutensilien verteilte. Zwischen April und Dezember 2015 wurden hier mehr als 13.000 Sprechstunden durchgeführt. Die Teams bauten im Lager Idomeni Unterkünfte, Duschen und Latrinen für mehr als 1.500 Personen. Zudem hielten sie das Stromnetz und die Sanitäranlagen instand. Zwischen Juni und Dezember boten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter psychologische Einzel- und Gruppengespräche für mehr als 14.000 Menschen an. Dann beschlossen die Behörden die Schließung des Lagers in Griechenland: Flüchtlinge und Migranten, die nach Mazedonien weiterzogen, mussten stundenlang an der Tankstelle in Polykastro waren, die etwa 20 Kilometer vom ehemaligen Lager entfernt war. Ärzte ohne Grenzen organisierte dort Unterkünfte, bot medizinische Hilfe an und verteilte Nahrungsmittel und Wasser an Sammelstellen entlang der Straße im Grenzgebiet. 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1991 Hilfe in Griechenland an.

Aktuelle Informationen zu unserer Hilfe für Flüchtlinge in Griechenland finden Sie hier.