Unsere Hilfe in Griechenland

Menschenunwürdige Zustände: Das völlig überfüllte Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Unsere Teams leisten Hilfe in Griechenland.

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Ärzte ohne Grenzen leistet seit 2015 medizinische Hilfe für Asylsuchende auf den griechischen Inseln, weil die EU-Staaten seit Jahren darin versagen, menschenwürdige Aufnahmebedingungen zu gewährleisten. Teams unserer Organisation behandeln besonders schutzbedürftige Menschen auf Lesbos und Samos – insbesondere Kinder sowie Überlebende von Folter und sexueller Gewalt. Sie sind täglich mit der verheerenden Situation konfrontiert, in der sich die Menschen in den völlig überfüllten Lagern befinden.

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Griechische Inseln: Lage eskaliert

Anfang März spitzte sich die Lage auf den Inseln Lesbos und Samos zu, und Ärzte ohne Grenzen muss die Hilfe auf den griechischen Inseln täglich an die aktuelle Lage anpassen, nachdem humanitäre Helfer*innen angegriffen worden waren. Zeitweise müssen Aktivitäten ausgesetzt werden. Die Organisation ist aber äußerst entschlossen, Flüchtlingen und Asylsuchenden auf den griechischen Inseln weiterhin zu helfen.

Hilfe in Lesbos: Schwerkranke Kinder müssen aufs Festland gebracht werden

Im Januar 2020 verwehrte die griechische Regierung mindestens 140 Kindern mit chronischen, komplexen und lebensbedrohlichen Krankheiten im Lager Moria auf der Insel Lesbos die notwendige medizinische Versorgung. Ärzte ohne Grenzen fordert Griechenland auf, alle schwerkranken Kinder sofort auf das griechische Festland oder in andere EU-Mitgliedsstaaten zu bringen, damit sie eine angemessene medizinische Versorgung erhalten.

Kinder mit Suizidgedanken

Bereits im November 2019 berichtete der internationale Präsident von Ärzte ohne Grenzen von der verheerenden Situation auf Lesbos und Samos. So erzählt er von einem zwölfjährigen Jungen, der so verzweifelt war, dass er sich wiederholt mit einem Messer selbst am Kopf verletzte, und von einem neunjährigen Mädchen, das sich nach mehreren Monaten auf Lesbos vollständig zurückzog und aufhörte zu reden und zu essen: „Diese Kinder haben Krieg und Verfolgung überlebt. Aber viele Monate an einem unsicheren und erbärmlichen Ort wie Moria waren zu viel für viele unserer kleinen Patientinnen und Patienten und haben sie in Selbstverletzung und Suizidgedanken getrieben.“ In einem offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der EU protestierte Ärzte ohne Grenzen gegen die Pläne Griechenlands, Asylsuchende auf den griechischen Inseln in geschlossenen Lagern einzusperren. Die Organisation appellierte auch an Bundekanzlerin Angela Merkel, „sich für ein Ende dieser zynischen Abschreckungsstrategie, eine sofortige Schließung der Lager und die unverzügliche Evakuierung der verwundbarsten Menschen in andere europäische Staaten einzusetzen.“

Lesen Sie auch unsere Analyse „Ein ‚Schild’ der Gewalt: Europas jüngste Antwort auf Migrant*innen“ zur Krise an der Eu-Außengrenze.

Unsere Aktivitäten 2019 im Rückblick:

Ärzte ohne Grenzen setzte im Jahr 2019 die medizinische Hilfe in Griechenland für Flüchtlinge und Migrant*innen fort, vor allem in Athen und anderen Teilen des Festlandes sowie auf den Inseln Lesbos, Samos und Chios.

Unsere Hilfe in Griechenland 2019 im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen leistete im Jahr 2019 medizinische und psychologische Hilfe in Griechenland. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte verschlechterte sich die humanitäre Lage in den fünf Aufnahmezentren in Lesbos, Chios, Samos, Kos und Leros rasant. Gleichzeitig erließ die neue griechische Regierung ein strengeres Gesetz, dass es Asylsuchenden erschwert, medizinische Hilfe zu erhalten. Es erlaubt zudem die Inhaftierung von Jugendlichen und entzieht Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung das sie schützende Kriterium der Verwundbarkeit. Letzteres bedeutet, dass sie längere Zeit unter prekären Bedingungen untergebracht werden können.
  • Im Rahmen unserer Hilfe in Griechenland betreuten wir auf Lesbos weiterhin eine pädiatrische Klinik außerhalb des Lagers Moria. Die Teams boten dort medizinische und psychologische Hilfe für jugendliche Flüchtlinge sowie Geburtshilfe für Schwangere an. In der Stadt Mythilene behandelten wir Überlebende von Folter und sexueller Gewalt sowie Menschen mit schweren psychischen Störungen.
  • Da es auf der Insel Samos zu einer massiven Zunahme von Neuankömmlingen kam, erweiterten wir unsere Hilfe in Griechenland: Die Teams installierten ein Wasser- und Sanitärsystem für Flüchtlinge, die in der Nähe des offiziellen Aufnahmezentrums lebten. Zudem betreuten wir ein Tageszentrum, in dem wir psychologische Unterstützung sowie sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung anboten.
  • Auf der Insel Chios umfassten unsere Aktivitäten die sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung, psychologische Hilfe sowie soziale Unterstützung.
  • Unsere Hilfe in Griechenland schloss auch die Betreuung von zwei Gesundheitszentren in Athen ein: In unserem Tageszentrum boten wir sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung, psychologische Unterstützung, Behandlung von chronischen und komplexen Krankheiten, Sozial- und Rechtshilfe an. Im zweiten Zentrum, das wir mit dem Tageszentrum Babel und dem griechischen Flüchtlingsrat betreuten, versorgten die Teams Überlebende von Folter und anderen Gewaltformen. Diese Hilfe in Griechenland folgte einem interdisziplinären Ansatz, der medizinische und psychologische Hilfe, Physiotherapie sowie soziale und rechtliche Unterstützung umfasste.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1991 Hilfe in Griechenland an.