Menschen auf der Flucht
Sie fliehen vor Gewalt, Hunger oder Naturkatstrophen. Sie suchen Schutz und ein Leben in Würde. Viele Menschen legen dabei hunderte oder sogar tausende Kilometer zu Fuß zurück – und ertragen unvorstellbare Strapazen, die ihre Gesundheit gefährden und oft lebensbedrohlich sind.
Fast 118 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die Mehrheit von ihnen – Männer, Frauen und Kinder – sucht Schutz in den Nachbarländern ihrer Heimat. Menschen mit Zielen wie Nordamerika (3,6%) oder Europa (15,4%) sind gezwungen, immer gefährlichere Routen auf sich zu nehmen, weil sichere Fluchtwege abgebaut oder bereits blockiert sind.
- 26 % leben in den wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Ländern.
- 39 % dieser Menschen sind Kinder.
- 1,43 % der Menschen weltweit lebt als Vertriebene bzw. Geflüchtete.
Die wichtigsten Fakten zu Flucht und Migration
Oft geht der Entscheidung zur Flucht eine konkrete Bedrohung, eine lange Phase großer Unsicherheit oder sich existentiell verschlechternde Lebensumstände voraus. Die Gründe sind vielfältig – oft kommen mehrere zusammen:
- bewaffnete Konflikte oder Kriege
- Verfolgung und Gewalt, häufig verbunden mit Folter oder sexualisierter Gewalt
- Naturkatastrophen wie Erdbeben sowie Wetterextreme wie Dürren, Überschwemmungen oder Stürme
- langfristige Folgen der Klimakrise, etwa steigende Temperaturen, Wüstenbildung oder der Anstieg des Meeresspiegels
- der Zusammenbruch von Gesundheits‑ und anderen grundlegenden Versorgungssystemen
Viele Menschen – aktuell fast 69 Millionen – suchen als Binnenvertriebe Schutz innerhalb ihres eigenen Landes. Besonders sichtbar ist das zurzeit beispielsweise im Sudan, in Kolumbien oder in Syrien.
Bei der Wahl eines Zufluchtsorts spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Schutz vor Gewalt, die Nähe zur Heimat, familiäre oder soziale Netzwerke sowie ganz grundsätzlich die Verfügbarkeit legaler und sicherer Fluchtwege.
Die große Mehrheit derjenigen, die ihr Land verlassen, sucht Schutz in einem direkten Nachbarland.
- Rund 4,5 Millionen Sudanes*innen sind in die umliegenden Länder Tschad, Südsudan, Ägypten und Libyen geflohen.
- Mehr als 1 Million Rohingya sind vor der Gewalt in Myanmar nach Bangladesch geflohen.
- Im Nahen Osten haben vor allem der Libanon und Jordanien in den vergangenen Jahren viele Schutzsuchende aufgenommen.
Immer wieder kommt es dazu, dass Menschen auf der Flucht an einem Ort festsitzen oder gegen ihren Willen dort festgehalten werden. Mal müssen sie in großen Camps ausharren, mal in kleineren provisorischen Unterkünften, etwa an geschlossenen Landesgrenzen. Häufig leben sie in prekären Verhältnissen und müssen jederzeit gewaltsame Übergriffe befürchten.
Auch wenn die Fluchtroute nicht unterbrochen werden muss, lauern unterwegs viele Gefahren. Etwa gewaltvolle Konflikte, extreme Armut und ein mangelnder Zugang zu Nahrungsmitteln sowie medizinischer Versorgung.
Die meisten Menschen, die weltweit zur Flucht gezwungen werden, bleiben in ihrer Herkunftsregion. Rund 65% der Menschen leben in unmittelbar an ihre Heimat angrenzenden Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Nach Europa kommen lediglich 15,4% der weltweit Geflüchteten.
Infolge der russischen Vollinvasion der Ukraine stiegen die Zahlen 2022 vorübergehend an: Der Anteil der Schutzsuchenden in Europa lag zeitweise bei über 25%. Inzwischen hat sich dieser Wert wieder auf etwa 15,4% eingependelt.
Seit 12.6.2026 muss zudem in der EU das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) von den Mitgliedstaaten angewendet werden, das die Möglichkeiten für Menschen, Asyl in Europa zu suchen, weiter einschränkt. Die voraussichtliche Folge: Schutzsuchende weichen auf zunehmend gefährlichere Routen aus.
Quelle: UNHCR Global Trends Report, Global Trends | UNHCR
Fluchtrouten sind meist lang, beschwerlich und gefährlich. Immer wieder sitzen Menschen über Monate oder Jahre an einzelnen Orten fest oder werden gegen ihren Willen festgehalten. Nicht selten erstreckt sich eine Flucht über tausende Kilometer und mehrere Jahre, wenn die Menschen weder Hilfe noch Schutz in der Nähe finden.
Viele Menschen leben in großen, überfüllten und unhygienischen Camps oder in provisorischen Unterkünften. Andere sind obdachlos, halten sich in Wäldern auf oder suchen in besonders gefährlichen Stadtteilen Schutz. Nahezu jede Etappe der Flucht gefährdet die Gesundheit und setzt Männer, Frauen und Kinder neuen oder re‑traumatisierenden Erfahrungen aus: Gewalt, Misshandlungen, extreme Armut sowie fehlender Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung.
Wir unterstützen Menschen auf der Flucht in vielen Regionen der Welt: u.a. in Bangladesch, im Sudan, in Mexiko, an den EU-Außengrenzen, in Transitländern wie Libyen sowie auf dem Mittelmeer. Unsere Hilfe richtet sich dabei immer nach dem jeweiligen Kontext und den konkreten Bedürfnissen der Menschen.
- Entlang von Fluchtrouten leisten unsere Teams häufig notfallmedizinische Versorgung.
In Camps für Geflüchtete, in denen Menschen oft über Jahre leben müssen, bieten wir medizinische Grundversorgung an – etwa für Mütter und Kinder.
Nahezu überall legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf psychologische Unterstützung, da viele Menschen schwere traumatische Erfahrungen gemacht haben. Zusätzlich unterstützen wir bei der Aufbereitung von Trinkwasser und dem Aufbau sanitärer Infrastruktur.
So helfen wir
- Notfallmedizin: Wir behandeln akute Verletzungen, die Menschen auf wochenlangen Fußmärschen, durch gewaltsame Übergriffe oder infolge der prekären Lebensumstände auf der Flucht erleiden.
- Medizinisch Grundversorgung: Mobile Teams versorgen Vertriebene und Geflüchtete in Camps: Wir behandeln chronisch Erkrankte, begleiten Geburten und kümmern uns um die Gesundheit von Müttern und Kindern.
- Behandlung von Mangelernährung: Mangelernährung ist in vielen Geflüchtetencamps ein Problem. Besonders betroffen sind Kinder unter 5 Jahren sowie Schwangere. Wir führen Screenings durch und behandeln Betroffene.
- Wasseraufbereitung: Wir bohren Brunnen oder organisieren den Transport und die Verteilung von sauberem Trinkwasser. So reduzieren wir u.a. das Risiko für einen Cholera-Ausbruch.
- Sanitäre Infrastruktur: Wir errichten Latrinen und die notwendige Infrastruktur zur Abwasser‑ und Abfallentsorgung. Das ermöglicht ein Mindestmaß an Hygiene.
- Psychologisch Unterstützung: Wir unterstützen Kinder und Erwachsene psychologisch und helfen Überlebenden von Ausbeutung, sexualisierter Gewalt und Folter.
- Hilfsgüter verteilen: Menschen, die ihre Heimat zurücklassen müssen, tragen oft weniger als das Nötigste mit sich. Wir versorgen sie deshalb mit Dingen des täglichen Bedarfs wie Seife, Zahnbürsten und Kleidung.
Das fordern wir
- Menschenwürdige und angemessene Versorgung für Menschen auf der Flucht
- Legale und sichere Fluchtwege, damit Menschen, die fliehen müssen, Asyl beantragen können
Menschenrechte müssen im Zentrum der EU-Asyl- und Migrationspolitik stehen.
- Menschenwürdige Unterbringung und uneingeschränkter Zugang zu medizinischer und psychosozialer Versorgung
- Faire Asylverfahren, die rechtsstaatlichen Standards entsprechen
- Staatliche Seenotrettung im Mittelmeer – proaktiv, dauerhaft und ausreichend ausgestattet
- Schutz für humanitäre Hilfe: Organisationen dürfen nicht behindert oder kriminalisiert werden.
- Keine Unterstützung der libyschen Küstenwache: Rückführungen nach Libyen bedeuten Haft, Gewalt und Folter.
Unsere Themen im Detail
Sahelzone: Konflikte, Krisen und Klima zwingen zur Flucht
Klimawandel, knappe Ressourcen bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum, schwache staatliche Strukturen und bewaffnete Konflikte prägen den Alltag der Menschen in der Region.
Seenotrettung auf dem Mittelmeer
Seit Mai 2015 ist Ärzte ohne Grenzen an Bord von Rettungsschiffen im zentralen Mittelmeer im Einsatz. Jedes Menschenleben zählt. Seenotrettung ist eine Pflicht.
Rohingya auf der Flucht
Die Verfolgung der Rohingya hat eine der größten humanitären Krisen unserer Zeit ausgelöst, die weltweit mehr Aufmerksamkeit erfordert.