Unsere Hilfe in Syrien

Krieg in Syrien: Die Angriffe galten den Menschen, die in der Provinz Idlib eingeschlossen sind. Schon vor dem Beschuss litten die Flüchtenden in diesem Lager in Nordwest-Syrien.

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Seit neun Jahren ist Krieg in Syrien: Millionen Kinder und Erwachsene sind auf der Flucht. Viele von ihnen sind bereits mehrfach vertrieben worden. Sie übernachten unter freiem Himmel, in Zelten oder in bereitgestellten Gebäuden, wie ehemaligen Schulen. Doch auch hier sind sie nicht sicher.  Besonders schwierig ist die Situation in der Region rund um Idlib im Nordwesten des Landes. Laut UN-Angaben wurden alleine seit Dezember 2019 nahezu eine Million Menschen durch Kampfhandlungen vertrieben. Wir leisten überall dort Hilfe, wo es noch möglich ist.

Nordwest-Syrien

Den Menschen in den Flüchtlingslagern der Region Idlib fehlt es an allem: Die Wasser- und Sanitäreinrichtungen reichen nicht aus. Zelte fehlen ebenso wie Material zum Heizen oder Hygieneartikel. In den vergangenen Monaten haben wir etwa 17.000 Menschen in 19 Lagern mit Hilfsgütern versorgt und in mehr als 15 Lagern Wasser für etwa 40.000 Menschen bereitgestellt. Doch insbesondere medizinische Hilfe für die Menschen in Idlib bereitzustellen bleibt schwierig. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen und die wenigen verbliebenen Einrichtungen sind nicht vor sicher vor den Auswirkungen des Konflikts, wie zuletzt ein verheerender Bombenangriff vom 25. Februar 2020 gezeigt hat.

Unser Kollege Christian Reynders, der mit den Ärzten in Idlib in Kontakt stand, berichtet von der schwierigen Lage:

„In einer humanitären Krise wissen wir als Organisation, wie wir reagieren müssen. Egal, wie groß die Krise ist, wir wissen es. Aber was sollen wir machen, wenn Krankenhäuser bombardiert werden? Was sollen wir tun? Wir können es eine menschliche Krise nennen, eine Krise der Menschlichkeit.“

Stand: 01.04.2020

 

Unsere Aktivitäten im Rückblick:

Ärzte ohne Grenzen setzte 2018 und 2019 die Hilfe in Syrien fort, da Millionen Menschen aufgrund des anhaltenden Krieges dringend medizinische und humanitäre Hilfe benötigten.

Unsere Hilfe in Syrien im Einzelnen (Auszug):

  • Auch im Jahr 2018 wurde unsere Hilfe in Syrien durch Unsicherheit und Zugangsverbote stark eingeschränkt. Unsere Teams führten unabhängige Evaluierungen durch, um die medizinischen Bedarfe zu ermitteln. In Gebieten, zu denen wir den Zugang verhandeln konnten, unterstützten wir Krankenhäuser und Kliniken und leisteten medizinische Hilfe in Vertriebenenlagern. In den Gebieten, zu denen wir keinen direkten Zugang erhielten, spendeten wir Medikamente, medizinische Ausrüstung und Hilfsgüter an medizinische Einrichtungen. Zudem trainierten wir medizinisches Personal, gaben technisch-medizinische Unterstützung sowie finanzielle Hilfe, um die laufenden Kosten einiger Einrichtungen zu decken. Insgesamt hielten wir 569.300 ambulante Konsultationen ab, halfen bei 17.800 Geburten, nahmen 16.900 Personen stationär auf, nahmen 9.070 größere chirurgische Eingriffe vor, hielten 15.500 psychologische Einzelgespräche ab und nahmen 22.500 Routine-Impfungen vor.
  • In den nördlichen Provinzen Idlib und Aleppo leisteten wir mit mobilen Kliniken Hilfe in Syrien: Wir behandelten allgemeine und chronische Krankheiten, verteilten Hilfsgüter und verbesserten die Wasser- und Sanitärversorgung. Zudem organisierten die Teams Massenimpfkampagnen. Sie unterstützten auch die ambulante und stationäre Versorgung in mehreren Krankenhäusern und Kliniken nahe der Städte Idlib und Aleppo. In Kobane, im Nordosten der Provinz Aleppo, unterstützten wir die basismedizinische Versorgung. In Atme, Provinz Idlib, betreuten wir eine Klinik, in der Opfer mit Verbrennungen behandelt wurden. Monatlich nahmen die Teams rund 150 Eingriffe vor. Schwere oder komplexe Fälle wurden mit dem Rettungswagen in die Türkei gebracht. In der nördlichen Provinz Idlib kooperierte Ärzte ohne Grenzen zudem mit drei Referenzkrankenhäusern.
  • Unsere Hilfe in Syrien umfasste auch die Behandlung von Hunderten Menschen, die in die Städte al-Hasaka und Rakka zurückkehrten und durch versteckte Sprengfallen und Minen verletzt wurden. In den Provinzen al-Hasaka, Rakka und Deir ez-Zor betreuten die Teams zudem umfangreiche Aktivitäten in diversen medizinischen Einrichtungen. Im Krankenhaus Tal Abyad unterstützten wir ein Thalassämie-Programm ("Mittelmeeranämie"). Im Rahmen der Hilfe in Syrien boten wir 2018 als eine der wenigen Akteure medizinische Hilfe in der Stadt Rakka an und renovierten Teile des Krankenhauses.
  • Als der Kampf um Ost-Ghuta begann, unterstützten wir dort noch 20 medizinische Einrichtungen. Am Ende waren bis auf eine Klinik alle Einrichtungen zerstört oder verlassen. Nördlich von Homs unterstützten wir acht ländliche Krankenhäuser und Kliniken bis Mai 2018.
  • Im Juni 2018 mussten wir auch die medizinische, technische und logistische Unterstützung von acht Kliniken in den Provinzen Darra und Kuneitra beenden. Im Rahmen unserer Hilfe in Syrien boten wir im ersten Halbjahr zudem noch telemedizinische Unterstützung an.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2009 Hilfe in Syrien an.