Unsere Hilfe in Syrien

Die Zivilbevölkerung flieht vor dem Bombardement der Stadt Ras al-Ain durch das türkische Militär. In Nordost-Syrien müssen wir nun die Mehrzahl unserer Aktivitäten einstellen.

Aktuell: Zur Situation angesichts des Militäreinsatzes der Türkei in Nordsyrien

15.10.2019 Nach dem Beginn der türkischen Militäroperation in Nordsyrien waren zunächst noch internationale Teams von Ärzte ohne Grenzen vor Ort. Jetzt musste die Organisation wegen der sehr instabilen Lage vor Ort die schwierige Entscheidung treffen, die Mehrzahl der Aktivitäten einzustellen und die internationalen Mitarbeiter*innen abzuziehen.

11.10.2019 Nachdem das türkische Militär mit Operationen im Nordosten Syriens begonnen hat, sorgt sich Ärzte ohne Grenzen um das Schicksal der dort lebenden Menschen. Die internationale Hilfsorganisation fordert alle am Konflikt beteiligten Parteien auf, den Schutz der Zivilbevölkerung, von Krankenhäusern, Krankenwagen und des medizinischen Personals, zu gewährleisten. Lebensrettende humanitäre Hilfe und unparteiische medizinische Versorgung müssen überall in der Region ungehindert möglich sein.

Menschen fliehen vor Konflikt

Ärzte ohne Grenzen hat gesehen, wie Menschen in Syrien aufgrund des Konflikts aus Orten entlang der Grenze zur Türkei vertrieben wurden. In der Grenzstadt Tal Abjad hat die Bombardierung die überwiegende Mehrheit der Menschen gezwungen, zu fliehen. Das einzige öffentliche Krankenhaus, das von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wurde, musste geschlossen werden. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind umgezogen, um den Bedarf in anderen Teilen der Region zu decken.

In Tal Tamer, einer kleinen Stadt im Westen der Al-Hasaka-Provinz, haben unsere Teams fast 2.000 Menschen angetroffen, die aus Ras Al-Ain vertrieben wurden. Die Teams verteilen Hilfsgüter an die Menschen, die dort an verschiedenen Orten Zuflucht vor dem Konflikt gesucht haben.

Militäroperation in Nordsyrien: Neues Trauma für Bevölkerung

„Diese Eskalation kann das Trauma, das die syrische Bevölkerung durch jahrelangen Krieg und ein Leben unter prekären Bedingungen erlitten hat, nur noch verschlimmern", sagte Robert Onus, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Syrien. „Vertreibung und kampfbedingte Verletzungen drohen die vorhandenen, ohnehin knappen Ressourcen in den Krankenhäusern zusätzlich zu belasten."

Ärzte ohne Grenzen ist auch besorgt darüber, dass durch den Konflikt die vielen Tausend Frauen und Kinder, die in Lagern wie Al-Hol und Ain Issa in Nordsyrien leben, jetzt besonders gefährdet sind, da humanitäre Organisationen möglicherweise ihre Hilfe aussetzen oder einschränken müssen.

Unsere Teams sind weiterhin in Nordost-Syrien präsent. In Ain al-Arab (Kobane), Ain Issa, Al-Mallikeyeh (Derek), Rakka, Al-Hol und Tal Kosher sind wir nach Beginn des Militäreinsatzes der Türkei in Nordsyrien darauf vorbereitet, Hilfe zu leisten.

 

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Unsere Aktivitäten im Rückblick 2018:

Ärzte ohne Grenzen setzte 2018 die Hilfe in Syrien fort, da Millionen Menschen aufgrund des anhaltenden Krieges dringend medizinische und humanitäre Hilfe benötigten.

Unsere Hilfe in Syrien im Einzelnen (Auszug):

  • Auch im Jahr 2018 wurde unsere Hilfe in Syrien durch Unsicherheit und Zugangsverbote stark eingeschränkt. Unsere Teams führten unabhängige Evaluierungen durch, um die medizinischen Bedarfe zu ermitteln. In Gebieten, zu denen wir den Zugang verhandeln konnten, unterstützten wir Krankenhäuser und Kliniken und leisteten medizinische Hilfe in Vertriebenenlagern. In den Gebieten, zu denen wir keinen direkten Zugang erhielten, spendeten wir Medikamente, medizinische Ausrüstung und Hilfsgüter an medizinische Einrichtungen. Zudem trainierten wir medizinisches Personal, gaben technisch-medizinische Unterstützung sowie finanzielle Hilfe, um die laufenden Kosten einiger Einrichtungen zu decken. Insgesamt hielten wir 569.300 ambulante Konsultationen ab, halfen bei 17.800 Geburten, nahmen 16.900 Personen stationär auf, nahmen 9.070 größere chirurgische Eingriffe vor, hielten 15.500 psychologische Einzelgespräche ab und nahmen 22.500 Routine-Impfungen vor.
  • In den nördlichen Provinzen Idlib und Aleppo leisteten wir mit mobilen Kliniken Hilfe in Syrien: Wir behandelten allgemeine und chronische Krankheiten, verteilten Hilfsgüter und verbesserten die Wasser- und Sanitärversorgung. Zudem organisierten die Teams Massenimpfkampagnen. Sie unterstützten auch die ambulante und stationäre Versorgung in mehreren Krankenhäusern und Kliniken nahe der Städte Idlib und Aleppo. In Kobane, im Nordosten der Provinz Aleppo, unterstützten wir die basismedizinische Versorgung. In Atme, Provinz Idlib, betreuten wir eine Klinik, in der Opfer mit Verbrennungen behandelt wurden. Monatlich nahmen die Teams rund 150 Eingriffe vor. Schwere oder komplexe Fälle wurden mit dem Rettungswagen in die Türkei gebracht. In der nördlichen Provinz Idlib kooperierte Ärzte ohne Grenzen zudem mit drei Referenzkrankenhäusern.
  • Unsere Hilfe in Syrien umfasste auch die Behandlung von Hunderten Menschen, die in die Städte al-Hasaka und Rakka zurückkehrten und durch versteckte Sprengfallen und Minen verletzt wurden. In den Provinzen al-Hasaka, Rakka und Deir ez-Zor betreuten die Teams zudem umfangreiche Aktivitäten in diversen medizinischen Einrichtungen. Im Krankenhaus Tal Abyad unterstützten wir ein Thalassämie-Programm ("Mittelmeeranämie"). Im Rahmen der Hilfe in Syrien boten wir 2018 als eine der wenigen Akteure medizinische Hilfe in der Stadt Rakka an und renovierten Teile des Krankenhauses.
  • Als der Kampf um Ost-Ghuta begann, unterstützten wir dort noch 20 medizinische Einrichtungen. Am Ende waren bis auf eine Klinik alle Einrichtungen zerstört oder verlassen. Nördlich von Homs unterstützten wir acht ländliche Krankenhäuser und Kliniken bis Mai 2018.
  • Im Juni 2018 mussten wir auch die medizinische, technische und logistische Unterstützung von acht Kliniken in den Provinzen Darra und Kuneitra beenden. Im Rahmen unserer Hilfe in Syrien boten wir im ersten Halbjahr zudem noch telemedizinische Unterstützung an.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2009 Hilfe in Syrien an.