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Unsere Hilfe in Syrien

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Die aktuelle Situation in Syrien

Nach elf Jahren des Bürgerkriegs befindet sich Syrien in einer der schwersten humanitären Krisen weltweit. Steigende Preise für Grundgüter, der Mangel an Nahrung und Wasser, Gewalt, Vertreibung und die Covid-19-Pandemie machen den Menschen zu schaffen. 14 Millionen der 21,3 Millionen Einwohner*innen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Wir helfen den Menschen im Nordwesten, in der Region Idlib, und im Nordosten des Landes. Zu den Gebieten, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden, wurde uns der Zugang nicht gestattet.

Insbesondere im Nordwesten Syriens ist der Bedarf an humanitärer Hilfe groß: Von den 4,4 Millionen Menschen, die in dieser Region leben, sind 4,1 Millionen Menschen auf diese Unterstützung angewiesen. Mehr als 60 Prozent von ihnen sind Vertriebene.

Aktuell sorgt eine UN-Grenzresolution dafür, dass wir über den einzig noch offenen Grenzübergang Bab al-Hawa an der türkisch-syrischen Grenze humanitäre Hilfe in die Region bringen können. Zuletzt wurde Anfang Juli 2022 im UN-Sicherheitsrat lediglich eine erneute Verlängerung dieser Resolution um sechs Monate erzielt. 

Die Resolution wird mitten im Winter auslaufen, wenn die raue Witterung die bestehende humanitäre Situation noch verschlechtert. Jeden Winter fordern eisige Temperaturen, Überschwemmungen und Schneestürme einen hohen Tribut für die Gesundheit und das Leben der Syrer*innen. Die grenzüberschreitende Hilfe wird dann genauso wichtig sein wie jetzt. Es gibt keine praktikable Alternative.

- Francisco Otero y Villar, unser Landeskoordinator in Syrien.

Wie wir in Syrien helfen  

  • In den Teilen Syriens, die wir betreten können, betreiben oder unterstützen wir Krankenhäuser und Gesundheitszentren.
  • Im Nordosten des Landes leiten wir Impfkampagnen zu Routineimpfungen, zum Beispiel gegen Masern.
  • Wir kümmern uns um die medizinische Grundversorgung von Vertriebenen. Wir verteilen bei Bedarf auch Hilfsgüter, zum Beispiel Hygiene-Kits, Matratzen und Decken.
  • Wir versorgen mangelernährte Kinder  in der Stadt Raqqa.
  • In Hassakeh behandeln wir seit August 2021 minderjährige Häftlinge, die an Tuberkulose erkrankt sind.
  • Wir informieren die Bevölkerung, wie sie die Übertragung von Krankheiten verhindern kann.
  • Wir unterstützen bei der Behandlung von Covid-19-Patient*innen.

Warum wir in Syrien helfen

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Nordwesten Syriens: Verteilung von Hilfsgüter für Vertriebene
Unsere Mitarbeiter*innen verteilen warme Kleidung, Planen, Matratzen und Decken an rund 14.500 Familien in Vertriebenenlagern im Nordwesten Syriens.
©Abdul Majeed Al Qareh/MSF

Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg. Mehr als 12 Millionen Menschen sind seitdem auf der Flucht, das entspricht etwa der Hälfte der syrischen Bevölkerung. Die Kämpfe zwischen Rebellengruppen und der syrischen Armee und ihren Verbündeten haben sie dazu gezwungen. Sie übernachten unter freiem Himmel, in Zelten oder in umfunktionierten Gebäuden wie ehemaligen Schulen. Doch in Sicherheit sind sie nicht: Schulen, Marktplätze und Vertriebenenlager, sogar Krankenhäuser, werden immer wieder zu Angriffszielen.

Der Krieg in Syrien hat das einst relativ gut funktionierende syrische Gesundheitssystem zerstört. Hunderte von medizinischen Einrichtungen wurden bombardiert, eine große Zahl medizinischen Personals wurde getötet oder ist geflohen, und in vielen Teilen des Landes mangelt es an medizinischer Versorgung.

Obwohl die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen im Jahr 2021 stieg, gingen die Mittel für humanitäre Hilfe weiter zurück. Wir erhielten immer mehr Anfragen zur Unterstützung von Krankenhäusern und Gesundheitszentren, denen es häufig an wichtigen Medikamenten und medizinischem Material mangelte. Um kritische Versorgungslücken zu schließen, bauten wir unsere Arbeit im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie unsere Aktivitäten zur Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene aus.

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Gemeinsam mit mehr als 120.000 Vertriebenen leben Abdullah Mohammed Al Hassan und seine Familie im Camp Deir Hassan.
©Abdul Majeed Al Qareh

Der Krieg hinterlässt seine Spuren auf der Seele der Menschen

Viele Frauen leiden unter Angstgefühlen und sind an Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen erkrankt.

"Vor Kurzem habe ich eine 25-jährige Mutter an eine psychologische Fachperson überwiesen. Sie hatte Anzeichen einer Depression. Sie war so von Traurigkeit überwältigt, dass sie nicht mehr in der Lage war, ihr Neugeborenes zu stillen", berichtet unsere Gesundheitsberaterin Soumaya*.

Doch nicht nur die Psyche leidet. Für viele Frauen in Nordwestsyrien werden selbst Menstruation, eine Schwangerschaft oder Stillen zu einer großen Herausforderung. Während des Konflikts wurden Hunderte von medizinischen Einrichtungen beschädigt oder zerstört. Viele Mitarbeitende im Gesundheitswesen haben ihr Leben verloren oder sind geflohen. Wichtige Medikamente und medizinisches Material sind oft nicht erhältlich. Deshalb haben wir unsere Hilfe ausgeweitet. Doch die Hilfe, die wir leisten, deckt bei weitem nicht alle Bedürfnisse.

Hinzu kommen weiterhin - trotz vereinbarter Waffenruhe - regelmäßige Luftangriffe und Bombardieren im Nordwesten des Landes. Die Sicherheitslage und fehlender Zugang zu vielen Teilen Syrien erschweren humanitäre Hilfe drastisch.

Wir helfen den Menschen im Nordwesten, in der Region Idlib, und im Nordosten des Landes. Zu den Gebieten, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden, wurde uns der Zugang nicht gestattet.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 2009 Hilfe in Syrien.

*Name geändert

Im Multimedia-Bericht "10 Jahre Krieg - Ohne Ausweg?" erzählen Syrer*innen ihre Geschichten von der Belagerung Ghutas, der Bombardierung Aleppos, der Herrschaft des IS in Rakka und der millionenfachen Flucht nach Idlib.

  • 74.3
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 71.2
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 548
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 32.5
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: WHO (2019), MSF International Activity Report 2021 (2022)

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Arzt untersucht ein Kind im Deir Hassan Camp in Syrien.
Im Lager Deir Hassan, 30 Kilometer östlich von Aleppo, leben Tausende syrische Vertriebene. Mit Einbruch des Winters behandelten unsere Ärzt*innen im Februar 2020 viele Kinder mit Bronchitis oder Ohrenentzündungen.
©Abdul Majeed Al Qareh

Unsere Hilfe in Syrien im Jahr 2021

  • 1.114.000 ambulante Sprechstunden

  • 132.200 Routineimpfungen 

  • 43.900 Krankenhausaufnahmen 

  • 18.100 Entbindungen

  • 3.450 psychologische Einzelgespräche 

  • 12.200 chirurgische Eingriffe

  • Hilfsgüter für 60.300 Familien

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Mobile Hilfe in der Region Idlib und Aleppo

Im Nordwesten Syriens, den Gouvernements Idlib und Aleppo bieten unsere mobilen Teams grundlegende Gesundheitsdienste an. Die anhaltende Militäroffensive in dieser Region hat rund eine Million Menschen zu Vertriebenen gemacht. Wir unterstützen acht Krankenhäuser, darunter die einzige Station für Opfer von Verbrennungen in der Region. Unsere Mitarbeiter*innen verteilen Hilfsgüter und setzen alles daran, die Wasser- und Sanitärversorgung zu verbessern, doch der Mangel an sauberem Wasser macht den Menschen in der Region schwer zu schaffen.  Mit mobilen Kliniken und Gesundheitszentren vor Ort versorgen wir die Menschen in den Vetriebenencamps. Wir behandeln Infektionskrankheiten, chronische Erkrankungen sowie Hautkrankheiten, die auf die schlechten Lebensbedingungen zurückzuführen sind, und leisten Geburtshilfe. Zudem unterstützen wir die Menschen psychologisch. Zusätzlich kommt es immer wieder vor, dass die medizinischen Teams in von uns unterstützten Kliniken viele schwer Verletzte auf einmal empfangen und behandeln müssen. 

Medizinische Hilfe im Vertriebenenlager Al-Hol

Im Al-Hol-Camp - dem größten geschlossenen Vertriebenencamp im Nordosten Syriens, in dem überwiegend Frauen und Kinder untergebracht sind - helfen wir mit medizinischer Grundversorgung. Rund 57.000 Menschen leben in dem Camp. Im Oktober 2021 eröffneten wir eine Klinik und konzentrierten uns auf die Behandlung nicht übertragbarer Krankheiten.  Wir verteilen darüber hinaus Hilfsgüter und helfen bei der Verbesserung der Versorgungslage. Im Laufe des Jahres 2021 lieferten wir durchschnittlich mehr als 600.000 Liter Wasser pro Tag an das Camp und bemühten uns um einen kontinuierlichen Ausbau sanitärer Einrichtungen. 

2021 kam es wiederholt zu gewalttätigen Zwischenfällen: Bewohner*innen des Camps starben und wir mussten unsere humanitäre Hilfe zeitweise einschränken oder einstellen.

Im Einsatz gegen Covid-19 in Syrien

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In Idlib unterstützen wir das städtische Krankenhaus bei der Behandlung von Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind.
©Abdul Majeed Al Qareh/MSF

2021 erlebte die Menschen im Nordwesten Syriens eine der schwersten Infektionswellen im Land. Aus diesem Grund haben wir unsere Isolationszentren im Gouvernement Idlib und kommunale Behandlungszentren in Afrin und Al-Bab im Gouvernement Aleppo wiedereröffnet. Außerdem unterstützten wir eine pädiatrische Covid-19-Station, führten Hausbesuche für Patient*innen ein, die nicht ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten, und verteilten in den Camps COVID-19-Präventionskits, die Masken, Hygienematerial und Informationen über das Virus enthielten. 

Nur 3 Prozent der Gesamtbevölkerung waren bis Ende 2021 vollständig geimpft. Unsere Teams verteilten in den Gemeinschaften Informationen über die Wirksamkeit und Sicherheit des Covid-19 Impfstoffes.  

Nicht nur die hohen Zahlen der Erkrankten sind eine Herausforderung, auch die Folgeeffekte der Pandemie, die unsere Mitarbeiter*innen beobachten, wiegen schwer: Medizinisches Personal erkrankt und kann nicht mehr arbeiten, Kontaktpersonen müssen in Quarantäne, Einrichtungen müssen schließen.

Letztes Update: 14. Juli 2022