Der Syrien-Konflikt und unsere Hilfe

Eine Mutter behandelt ihr Baby mit einem Inhaliergerät in unserer Klinik im Bezirk Asas, nördlich von Aleppo. Luftangriffe auf etliche Gesundheitseinrichtungen in dieser und anderen Landesregionen erschwerten unsere Hilfe im Syrien-Konflikt im vergangenen Jahr erheblich.

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Der Syrien-Konflikt hielt 2017 mit ungezügelter Gewalt an. Millionen Menschen benötigten dringend humanitäre Hilfe.

Unsere Hilfe im Syrien-Konflikt im Einzelnen (Auszug):

  • Im Syrien-Konflikt wurden auch 2017 zivile Einrichtungen direkt angegriffen. Tausende Menschen wurden getötet oder verwundet, Hunderttausende Syrer flohen vor der Gewalt. Auch elf von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Kliniken wurden gezielt bombardiert oder bei willkürlichen Angriffen getroffen. Weder der Islamische Staat noch die syrische Regierung gaben Ärzte ohne Grenzen die für die Arbeit notwendigen Sicherheitsgarantien. In anderen Gebieten, für die ein sicherer Zugang verhandelt werden konnte, unterstützten die Teams 2017 sechs Krankenhäuser und sieben Kliniken. Zudem wurden sechs mobile Teams und sechs Impfteams in den von Oppositionskräften kontrollierten Norden des Landes entsandt. In den Gebieten, in denen keine Teams vor Ort arbeiten konnten, umfasste die Hilfe im Syrien-Konflikt die Lieferung von Medikamenten und Hilfsgütern sowie finanzielle und technische Hilfe für den Betrieb der Einrichtungen. Im Jahr 2017 wurden in den von Ärzte ohne Grenzen auf diese Weise unterstützten Kliniken 647.600 ambulante Konsultationen abgehalten und 10.000 größere und kleinere chirurgische Eingriffe vorgenommen, mehr als 11.400 Geburten begleitet und mehr als 30.100 Patientinnen und Patienten zur stationären Behandlung in Kliniken gebracht. 
  • Nachdem im November 2017 die Kämpfe in al-Raqqa nachließen, war Ärzte ohne Grenzen eine der wenigen Organisationen, die medizinische Hilfe in der Stadt anbot. Als die Bewohner in die Stadt zurückkehrten, wurden viele durch versteckte Sprengfallen und Minen getötet oder verletzt. Die Teams behandelten 233 Personen bis zum Jahresende. Im Krankenhaus in Tal Abyad, Provinz al-Raqqa, arbeiteten die Teams im Rahmen der Hilfe in Syrien auf der pädiatrischen Station, Geburtshilfe, Chirurgie und Impfstation. Während der Offensive nahmen sie Hunderte Patienten auf, die operiert werden mussten. 73 Prozent der Eingriffe wurden als lebenswichtig eingestuft. Im Vertriebenenlager Ain Issa, im Norden der Provinz al-Raqqa, verteilte Ärzte ohne Grenzen Hilfsgüter und kümmerte sich um die Wasser- und Sanitärversorgung. Im Juli renovierten die Teams eine Klinik in Tabqa und boten medizinische und psychologische Hilfe an. Im Vertriebenenlager in Twahena führten sie eine Masern-Impfkampagne durch und leisteten basismedizinische Hilfe für die Opfer des Syrien-Konflikts.
  • In der Provinz al-Hasaka renovierte Ärzte ohne Grenzen in der gleichnamigen Stadt die Notaufnahme des Überweisungskrankenhauses. Die Teams behandelten dort im Jahr 2017 rund 3.800 Patientinnen und Patienten und nahmen 563 chirurgische Eingriffe vor. Zudem betreuten sie zwei Kliniken in Hasaka sowie eine mobile und eine permanente Klinik in den Camps.
  • Im Rahmen der Hilfe im Syrien-Konflikt leistete Ärzte ohne Grenzen in der Provinz Aleppo ambulante und stationäre Hilfe im Krankenhaus in al-Salama und nahm ab März 2017 die Arbeit in einer Klinik in Manbidsch auf. In Kobanê unterstützten die Teams die Notaufnahme, Intensivstation, Geburtshilfe, Chirurgie und Pflege im Allgemeinen Krankenhaus.
  • In der Provinz Idlib unterstützte Ärzte ohne Grenzen Impfkampagnen und betreute mobile Klinken in Camps. In den Kliniken in Taqad und Tal Krysian konzentrierten sich die Teams auf die Behandlung chronischer Krankheiten. Ärzte ohne Grenzen entsandte auch fünf Teammitglieder ins Regionale Krankenhaus nach Kunaja. In Atme boten die Teams im Verlauf des Syrien-Konflikts fachmedizinische Hilfe in einer Klinik für Verbrennungen an.
  • In der Provinz Homs unterstützte Ärzte ohne Grenzen acht Kliniken aus der Ferne.
  • In der Provinz Rif Dimaschq musste 2017 aus Sicherheitsgründen die Unterstützung von 33 Kliniken auf 22 reduziert werden.
  • In den Provinzen Dara und Kuneitra leistete Ärzte ohne Grenzen medizinische, technische und logistische Hilfe in acht Kliniken. Im Rahmen der Hilfe in Syrien arbeiteten die Teams auch daran, für das Jahr 2018 telemedizinische Unterstützung anbieten zu können.

Ärzte ohne Grenzen war erstmals 2009 in Syrien tätig, im aktuellen Syrien-Konflikt seit 2011.