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Unsere Hilfe in Syrien

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Die aktuelle Situation in Syrien

Seit September 2022 breitete sich im Norden Syriens Cholera aus. Allein im Nordosten des Landes haben wir von September bis Mitte November 2022 3.000 Cholera-Patient*innen behandelt. Mehr als 20 Prozent der an Cholera erkrankten Menschen waren stark dehydriert. Wir reagierten gemeinsam mit den örtlichen Gesundheitsbehörden und unterstützen ein auf Cholera spezialisiertes Behandlungszentrum in al-Rakka. Das ist der erste Cholera-Ausbruch in Syrien seit 15 Jahren. Deshalb ist es wichtig, die Menschen dafür zu sensibilisieren, wie sie eine Ansteckung vermeiden können und wie Cholera behandelt wird. Die schlechte Infrastruktur für Wasser und Sanitär sowie die sinkenden humanitären Mittel begünstigen die Ausbreitung solcher Krankheiten.

Aktuell sorgt eine UN-Grenzresolution dafür, dass wir über den einzig noch offenen Grenzübergang Bab al-Hawa an der türkisch-syrischen Grenze humanitäre Hilfe in die Region bringen können.

Die Entscheidung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die grenzüberschreitende Resolution zu verlängern und Bab Al-Hawa offen zu halten, ist ein entscheidender und wichtiger Schritt. Er verhindert eine plötzliche Unterbrechung der Hilfslieferungen für die 2,4 Millionen Menschen, die im Nordwesten Syriens jeden Monat auf diese Hilfe angewiesen sind.  Eine Verlängerung um nur sechs Monate ist jedoch unzureichend und gibt Anlass zur Sorge. Diese kurzfristige Verlängerung hat bereits im vergangenen Jahr zu Einschränkungen für die im Nordwesten Syriens tätigen Organisationen geführt. Auch langfristige Projekte und Lösungen, um auf die humanitären Bedürfnisse der Menschen zu reagieren, wurden behindert.

- Francisco Otero y Villar, unser Landeskoordinator in Syrien

Nach elf Jahren des Bürgerkriegs befindet sich Syrien in einer der schwersten humanitären Krisen weltweit. Steigende Preise für Grundgüter, der Mangel an Nahrung und Wasser, Gewalt, Vertreibung und die Covid-19-Pandemie machen den Menschen zu schaffen. Mehr als 14 Millionen der 21,3 Millionen Einwohner*innen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Wie wir in Syrien helfen  

  • In den Teilen Syriens, die wir betreten können, betreiben oder unterstützen wir Krankenhäuser und Gesundheitszentren.
  • Im Nordosten des Landes leiten wir Impfkampagnen zu Routineimpfungen, zum Beispiel gegen Masern.
  • Wir kümmern uns um die medizinische Grundversorgung von Vertriebenen. Wir verteilen bei Bedarf Hilfsgüter, zum Beispiel Hygiene-Kits, Matratzen und Decken.
  • Wir versorgen mangelernährte Kinder.
  • Wir informieren die Bevölkerung, wie sie die Übertragung von Krankheiten verhindern kann.
  • Wir unterstützen bei der Behandlung von Cholera- und Covid-19-Patient*innen.
  • Wir arbeiten daran, den Zugang zu sauberem Trinkwasser sicherzustellen, indem wir Wasserstellen chlorieren und präventiv Wasserkanister, Seife und Chlortabletten verteilen.

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Warum wir in Syrien helfen

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Nordwesten Syriens: Verteilung von Hilfsgüter für Vertriebene
Unsere Mitarbeiter*innen verteilen warme Kleidung, Planen, Matratzen und Decken an rund 14.500 Familien in Vertriebenenlagern im Nordwesten Syriens.
©Abdul Majeed Al Qareh/MSF

Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg. Mehr als 12 Millionen Menschen sind seitdem auf der Flucht, das entspricht etwa der Hälfte der syrischen Bevölkerung. Die Kämpfe zwischen Rebellengruppen und der syrischen Armee und ihren Verbündeten haben sie dazu gezwungen. Sie übernachten unter freiem Himmel, in Zelten oder in umfunktionierten Gebäuden wie ehemaligen Schulen. Doch in Sicherheit sind sie nicht: Schulen, Marktplätze und Vertriebenenlager, sogar Krankenhäuser, werden immer wieder zu Angriffszielen. Der Krieg in Syrien hat das einst relativ gut funktionierende syrische Gesundheitssystem zerstört.

 

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Hilfe in Syrien
Abdullah Mohammed Al Hassan und seine Familie im Camp Deir Hassan.
©Abdul Majeed Al Qareh

Hunderte von medizinischen Einrichtungen wurden bombardiert, eine große Zahl medizinischen Personals wurde getötet oder ist geflohen, und in vielen Teilen des Landes mangelt es an medizinischer Versorgung. Wir helfen den Menschen im Nordwesten, in der Region Idlib und im Nordosten des Landes. Zu den Gebieten, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden, wurde uns der Zugang nicht gestattet. Insbesondere im Nordwesten Syriens ist der Bedarf an humanitärer Hilfe groß.

Obwohl die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen im Jahr 2021 stieg, gingen die Mittel für humanitäre Hilfe weiter zurück. Wir erhielten immer mehr Anfragen zur Unterstützung von Krankenhäusern und Gesundheitszentren, denen es häufig an wichtigen Medikamenten und medizinischem Material mangelte. Um kritische Versorgungslücken zu schließen, bauten wir unsere Arbeit im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie unsere Aktivitäten zur Wasser- und Sanitärversorgung und Hygiene aus.


Der Krieg hinterlässt seine Spuren auf der Seele der Menschen

Viele Frauen leiden unter Angstgefühlen und sind an Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen erkrankt.

"Ich habe beispielsweise eine 25-jährige Mutter an eine psychologische Fachperson überwiesen. Sie hatte Anzeichen einer Depression. Sie war so von Traurigkeit überwältigt, dass sie nicht mehr in der Lage war, ihr Neugeborenes zu stillen", berichtet unsere Gesundheitsberaterin Soumaya*.

Doch nicht nur die Psyche leidet. Für viele Frauen in Nordwestsyrien werden selbst Menstruation, eine Schwangerschaft oder Stillen zu einer großen Herausforderung. Während des Konflikts wurden Hunderte von medizinischen Einrichtungen beschädigt oder zerstört. Viele Mitarbeitende im Gesundheitswesen haben ihr Leben verloren oder sind geflohen. Wichtige Medikamente und medizinisches Material sind oft nicht erhältlich. Deshalb haben wir unsere Hilfe ausgeweitet. Doch die Hilfe, die wir leisten, deckt bei weitem nicht alle Bedürfnisse. Die Sicherheitslage und fehlender Zugang zu vielen Teilen Syrien erschweren humanitäre Hilfe drastisch.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 2009 Hilfe in Syrien.

*Name geändert

  • 74.3
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 71.2
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 548
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 32.5
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: WHO (2019), MSF International Activity Report 2021 (2022)

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Arzt untersucht ein Kind im Deir Hassan Camp in Syrien.
Im Lager Deir Hassan, 30 Kilometer östlich von Aleppo, leben Tausende syrische Vertriebene. Mit Einbruch des Winters behandelten unsere Ärzt*innen im Februar 2020 viele Kinder mit Bronchitis oder Ohrenentzündungen.
©Abdul Majeed Al Qareh

Unsere Hilfe in Syrien im Jahr 2021

  • 1.114.000 ambulante Sprechstunden

  • 132.200 Routineimpfungen 

  • 43.900 Krankenhausaufnahmen 

  • 18.100 Entbindungen

  • 3.450 psychologische Einzelgespräche 

  • 12.200 chirurgische Eingriffe

  • Hilfsgüter für 60.300 Familien

Im Multimedia-Bericht "10 Jahre Krieg - Ohne Ausweg?" erzählen Syrer*innen ihre Geschichten von der Belagerung Ghutas, der Bombardierung Aleppos, der Herrschaft des IS in al-Rakka und der millionenfachen Flucht nach Idlib.

Mobile Hilfe in der Region Idlib und Aleppo

Im Nordwesten Syriens, den Gouvernements Idlib und Aleppo bieten unsere mobilen Teams grundlegende Gesundheitsdienste an. In dieser Region leben rund eine Million vertriebene Menschen. Wir unterstützen Krankenhäuser, darunter die einzige Station für Opfer von Verbrennungen in der Region. Unsere Mitarbeiter*innen verteilen Hilfsgüter und setzen alles daran, die Wasser- und Sanitärversorgung zu verbessern. Mit mobilen Kliniken und Gesundheitszentren vor Ort versorgen wir die Menschen in mehr als 100 Vertriebenencamps. Wir behandeln Infektionskrankheiten, chronische Erkrankungen sowie Hautkrankheiten, die auf die schlechten Lebensbedingungen zurückzuführen sind, und leisten Geburtshilfe. Zudem unterstützen wir die Menschen psychologisch. Zusätzlich dazu behandelten die medizinischen Teams in von uns unterstützten Kliniken viele schwer Verletzte.

Medizinische Hilfe im Vertriebenenlager al-Hol

Im Al-Hol-Camp - dem größten geschlossenen Vertriebenencamp im Nordosten Syriens, in dem überwiegend Frauen und Kinder untergebracht sind, helfen wir mit medizinischer Grundversorgung. Rund 53.000 Menschen leben in dem Camp. Im Oktober 2021 eröffneten wir eine Klinik und konzentrierten uns auf die Behandlung nicht übertragbarer Krankheiten.  Wir verteilen darüber hinaus Hilfsgüter und helfen bei der Verbesserung der Versorgungslage. Im Laufe des Jahres 2021 lieferten wir durchschnittlich mehr als 600.000 Liter Wasser pro Tag an das Camp und bemühten uns um einen kontinuierlichen Ausbau sanitärer Einrichtungen. 

Kriminalität und Ausbeutung gehören zur Tagesordnung. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind hohen Risiken ausgesetzt. Allein im Jahr 2021 sind 79 von ihnen ums Leben gekommen. Die häufigste Todesursache im Al-Hol-Camp ist Tod durch Verbrechen. Diese tragische Entwicklung setzt sich auch in diesem Jahr fort: Zwischen Januar und August 2022 kam es zu 34 Todesfällen durch Mord. 

Im Einsatz gegen Covid-19 in Syrien

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In Idlib unterstützen wir das städtische Krankenhaus bei der Behandlung von Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind.
©Abdul Majeed Al Qareh/MSF

2021 erlebten die Menschen im Nordwesten Syriens eine der schwersten Infektionswellen im Land. Aus diesem Grund haben wir unsere Isolationszentren im Gouvernement Idlib und kommunale Behandlungszentren in Afrin und al-Bab im Gouvernement Aleppo wiedereröffnet. Außerdem unterstützten wir eine pädiatrische Covid-19-Station, führten Hausbesuche für Patient*innen ein, die nicht ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten, und verteilten in den Camps COVID-19-Präventionskits, die Masken, Hygienematerial und Informationen über das Virus enthielten. 

Nur 3 Prozent der Gesamtbevölkerung waren bis Ende 2021 vollständig geimpft. Unsere Teams verteilten in den Gemeinschaften Informationen über die Wirksamkeit und Sicherheit des Covid-19 Impfstoffes.  

Nicht nur die hohen Zahlen der Erkrankten sind eine Herausforderung, auch die Folgeeffekte der Pandemie, die unsere Mitarbeiter*innen beobachten, wiegen schwer: Medizinisches Personal erkrankt und kann nicht mehr arbeiten, Kontaktpersonen müssen in Quarantäne, Einrichtungen müssen schließen.

Letztes Update: 11. Januar 2023