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Unsere Hilfe in Syrien

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Die aktuelle Situation in Syrien

Nach elf Jahren Bürgerkrieg befindet sich Syrien in einer der schwersten Krisen weltweit. Steigende Preise für Grundgüter, der Mangel an Nahrung und Wasser, Gewalt, Vertreibung und die Covid-19-Pandemie machen den Menschen zu schaffen. 14 Millionen der 21,3 Millionen Einwohner*innen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Im Nordwesten des Landes leben 2,8 Millionen als Vertriebene, davon sind 80 Prozent Frauen und Kinder.

Der Krieg hinterlässt seine Spuren auf der Seele der Menschen: Viele Frauen leiden beispielsweise unter Angstgefühlen, sind an Depressionen erkrankt oder haben eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten. "Vor Kurzem habe ich eine 25-jährige Mutter von fünf Kindern an eine psychologische Fachkolleg*in überwiesen. Sie hatte Anzeichen einer Depression. Sie war so von Traurigkeit überwältigt, dass sie nicht mehr in der Lage war, ihr Neugeborenes zu stillen", berichtet unsere Gesundheitsberaterin Soumaya**.

Doch nicht nur die Psyche leidet. Für viele Frauen in Nordwestsyrien werden selbst Menstruation, eine Schwangerschaft oder Stillen zu einer großen Herausforderung. Während des Konflikts wurden Hunderte von medizinischen Einrichtungen beschädigt oder zerstört. Viele Mitarbeitende im Gesundheitswesen haben ihr Leben verloren oder sind geflohen. Wichtige Medikamente und medizinisches Material sind oft nicht erhältlich. Deshalb haben wir unsere Hilfe ausgeweitet. Doch die Unterstützung, die wir leisten, deckt bei weitem nicht alle Bedürfnisse.

Hinzu kommen weiterhin - trotz vereinbarter Waffenruhe - regelmäßige Luftangriffe und Bombardierungen im Nordwesten des Landes. Die Sicherheitslage und fehlender Zugang zu vielen Teilen Syriens erschweren die humanitäre Hilfe drastisch.

** Name geändert

Wie wir in Syrien helfen

  • In den Teilen Syriens, die wir betreten können, betreiben oder unterstützen wir Krankenhäuser und Gesundheitszentren.
  • Wir kümmern uns um die medizinische Grundversorgung von Vertriebenen.
  • Wir betreiben in 90 Camps für Vertriebene Wasser- und Sanitäranlagen für insgesamt 30.000 Menschen.
  • Wir versorgen mangelernährte Kinder im Vertriebenenlager Al-Hol.
  • Wir verteilen bei Bedarf auch Hilfsgüter, zum Beispiel Hygiene-Kits, Matratzen und Decken.
  • Wir informieren die Bevölkerung, wie sie die Übertragung von Krankheiten verhindern kann. 
  • Wir unterstützen bei der Behandlung von Covid-19-Patient*innen.

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Warum wir in Syrien helfen

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Nordwesten Syriens: Verteilung von Hilfsgüter für Vertriebene
Unsere Mitarbeiter*innen verteilen warme Kleidung, Planen, Matratzen und Decken an rund 14.500 Familien in Vertriebenenlagern im Nordwesten Syriens.
©Abdul Majeed Al Qareh/MSF

Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg. Mehr als 12 Millionen Menschen sind seitdem auf der Flucht, das entspricht etwa der Hälfte der syrischen Bevölkerung. Die Kämpfe zwischen Rebellengruppen und der syrischen Armee und ihren Verbündeten haben sie dazu gezwungen. Sie übernachten unter freiem Himmel, in Zelten oder in umfunktionierten Gebäuden wie ehemaligen Schulen. Doch in Sicherheit sind sie nicht: Schulen, Marktplätze und Vertriebenenlager, sogar Krankenhäuser, werden immer wieder zu Angriffszielen.

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Gemeinsam mit mehr als 120.000 Vertriebenen leben Abdullah Mohammed Al Hassan und seine Familie im Camp Deir Hassan.
©Abdul Majeed Al Qareh

Der Krieg in Syrien hat das einst relativ gut funktionierende syrische Gesundheitssystem zerstört. Hunderte von medizinischen Einrichtungen wurden bombardiert, eine große Zahl medizinischen Personals wurde getötet oder ist geflohen, und in vielen Teilen des Landes mangelt es an medizinischer Versorgung.

Wir helfen den Menschen im Nordwesten, in der Region Idlib, und im Nordosten des Landes. Zu den Gebieten, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden, wurde uns der Zugang nicht gestattet.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 2009 Hilfe in Syrien.

  • 78.1
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 67.9
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 939
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 41.4
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Unsere Hilfe in Syrien 2020

  • 416.700 ambulante Konsultationen 

  • 177.300 Routineimpfungen 

  • 10.600 Entbindungen, einschließlich Kaiserschnitten

  • 31.100 stationäre Aufnahmen 

  • 1.080 psychologische Einzelgespräche 

  • 16.900 chirurgische Eingriffe

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Arzt untersucht ein Kind im Deir Hassan Camp in Syrien.
Im Lager Deir Hassan, 30 Kilometer östlich von Aleppo, leben Tausende syrische Vertriebene. Mit Einbruch des Winters behandelten unsere Ärzt*innen im Februar 2020 viele Kinder mit Bronchitis oder Ohrenentzündungen.
©Abdul Majeed Al Qareh

Im Multimedia-Bericht "10 Jahre Krieg - Ohne Ausweg?" erzählen Syrer*innen ihre Geschichten von der Belagerung Ghutas, der Bombardierung Aleppos, der Herrschaft des IS in Rakka und der millionenfachen Flucht nach Idlib.

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Mobile Hilfe in der Region Idlib

Im Nordwesten bieten wir mithilfe mobiler Teams grundlegende Gesundheitsdienste an. Die anhaltende Militäroffensive in dieser Region hat rund eine Million Menschen zu Vertriebenen gemacht. Unsere Mitarbeiter*innen verteilen Hilfsgüter und setzen alles daran die Wasser- und Sanitärversorgung zu verbessern, doch der Mangel an sauberem Wasser macht den Menschen in der Region schwer zu schaffen. Im Krankenhaus von Idlib haben wir eine Station eingerichtet, um Patient*innen mit Flüssigkeitsmangel zu behandeln. Zusätzlich kommt es immer wieder vor, dass die medizinischen Teams in von uns unterstützten Kliniken viele schwer Verletzte auf einmal empfangen und behandeln müssen. Aus der Ferne unterstützen wir verschiedene Krankenhäuser und Gesundheitszentren in der Umgebung von Idlib, indem wir beratend zur Seite stehen.  

In Idlib versorgten wir außerdem rund 100 Patient*innen, die eine Nierentransplantation erhalten hatten, mit Medikamenten und setzten unsere Arbeit in einer Station für Verbrennungsopfer fort.

Medizinische Hilfe im Vertriebenenlager Al-Hol

Im Al-Hol-Camp - dem größten geschlossenen Vertriebenenlager im Nordosten Syriens, in dem überwiegend Frauen und Kinder untergebracht sind - helfen wir mit medizinischer Grundversorgung. Zudem betreiben wir eines der verbliebenen fünf Gesundheitszentren im Camp und kümmern uns um mangelernährte Kinder in einem therapeutischen Ernährungszentrum. Mitarbeiter*innen von Ärzte ohne Grenzen verteilen darüber hinaus Hilfsgüter und helfen bei der Verbesserung der Versorgungslage. Allein im Juli 2020 halfen wir bei der Aufbereitung von mehr als 85 Millionen Litern Wasser.

Im Einsatz gegen Covid-19 in Syrien

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In Idlib unterstützen wir das städtische Krankenhaus bei der Behandlung von Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind.
©Abdul Majeed Al Qareh/MSF

Die Covid-19-Pandemie hat Syrien ebenfalls stark betroffen. Unsere Priorität lag im vergangenen Jahr darauf, trotz der Pandemie unsere lebensrettende medizinische Hilfe weiter anbieten zu können. Darüber hinaus haben wir jedoch auch Schutzkleidung (PPE) bereitgestellt und Krankenhäuser sowohl im Nordwesten als auch im Nordosten des Landes bei der Einrichtung eines Triagesystems sowie von Isolierstationen und Behandlungszentren unterstützt. Darüber hinaus halfen wir bei Präventionsmaßnahmen in der Bevölkerung.  

Nicht nur die hohen Zahlen der Erkrankten sind eine Herausforderung, auch die Folgeeffekte der Pandemie, die unsere Mitarbeiter*innen beobachten, wiegen schwer: Medizinisches Personal erkrankt und kann nicht mehr arbeiten, Kontaktpersonen müssen in Quarantäne, Einrichtungen müssen schließen. 

Zuletzt aktualisiert: 12.04.2022