Der Syrien-Konflikt und unsere Hilfe

Eine Mutter behandelt ihr Baby mit einem Inhaliergerät in unserer Klinik im Bezirk Asas, nördlich von Aleppo. Luftangriffe auf etliche Gesundheitseinrichtungen in dieser und anderen Landesregionen erschwerten unsere Hilfe im Syrien-Konflikt im vergangenen Jahr erheblich.

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Der Syrien-Konflikt zeigte 2016 keinerlei Anzeichen nachlassender Gewalt gegen die Zivilbevölkerung.

Der Syrien-Konflikt und unsere Hilfe im Einzelnen (Auszug):

  • Der Syrien-Konflikt hat dazu geführt, dass weit mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung fliehen musste. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) haben mehr als 4,8 Millionen Menschen außerhalb Syriens Zuflucht gesucht, und rund sechs Millionen Syrer leben als Vertriebene im eigenen Land. Medizinische Einrichtungen, Fachkräfte und Patienten wurden willkürlich und gezielt angegriffen: Im Jahr 2016 führte der Syrien-Konflikt dazu, dass 32 Krankenhäuser und Kliniken, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wurden, 71 Mal bombardiert oder beschossen wurden. Die syrische Regierung erteilte Ärzte ohne Grenzen trotz wiederholter Versuche keine Genehmigung, im Land zu arbeiten. Gleichzeitig schränkte sie die Möglichkeiten medizinischer Hilfe in Gebieten ein, die von der Opposition kontrolliert wurden. Die Teams mussten sich auch aus Regionen, die von Kämpfern des Islamischen Staats beherrscht wurden, zurückziehen, da es keine Sicherheitsgarantien gab. 2016 konnte Ärzte ohne Grenzen allerdings in sechs medizinischen Einrichtungen arbeiten, die im Norden des Landes von anderen Oppositionskräften kontrolliert wurden. Zudem wurden syrische medizinische Netzwerke in Gebieten unterstützt, in denen keine Präsenz internationaler Teams möglich war.
     
  • Im Syrien-Konflikt gelang es im August 2016, rund 100 Tonnen medizinisches Material nach Ost-Aleppo zu bringen. Danach war keine direkte Hilfe mehr möglich. Als die syrische Regierung im Dezember die ganze Stadt einnahm, flohen Tausende Menschen in die Provinzen Idlib und Aleppo. Ärzte ohne Grenzen setzte dort mobile Kliniken ein und verteilte Hilfsgüter. Im Bezirk Asas, nördlich von Aleppo, betreuten die Teams ein Krankenhaus mit 34 Betten in al-Salama. Sie hielten 85.737 Konsultationen ab, führten 1.598 chirurgische Eingriffe aus und nahmen 3.692 Patienten stationär auf. Kämpfe in Asas führten dazu, dass rund 100.000 Syrer im April zwischen den Frontlinien und der türkischen Grenze fest saßen. Ärzte ohne Grenze verteilte Hilfsgüter an 26.070 Menschen und Zelte an 1.330 Familien.
     
  • Im Rahmen des Syrien-Konflikts entsandte Ärzte ohne Grenzen 2016 fünf Teams in das Gebiet von Kobanê. Sie hielten mehr als 101.680 Konsultationen ab und nahmen 138 chirurgische Eingriffe vor. In einem Krankenhaus in Kobanê behandelten sie mehr als 190 Menschen, die in der Stadt Manbidsch durch Sprengkörper verletzt worden waren. In Jarablus unterstützten sie mit der türkischen Organisation „AID“ drei Kliniken.
     
  • In der Provinz Idlib betreute Ärzte ohne Grenzen im Verlauf des Syrien-Konflikts ein Krankenhaus für Verbrennungen in Atme. Im Jahr 2016 hielten die Teams 2.883 Nothilfe-Sprechstunden ab und nahmen 3.696 chirurgische Eingriffe vor. 439 Patientinnen und Patienten wurden stationär aufgenommen und 398 Menschen zur Weiterbehandlung in die Türkei überwiesen. In Kunaja erweiterte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe für das Regionale Krankenhaus. Die Teams unterstützten aus der Ferne alle Stationen mit Material und technischer Hilfe. Im Jahr 2016 wurden dort 105.168 Konsultationen abgehalten und 12.011 Patienten stationär behandelt.
     
  • In der Provinz al-Hasaka unterstützte Ärzte ohne Grenzen drei Kliniken mit einem Fokus auf Mutter-Kind-Hilfe und chronische Krankheiten. Die Teams hielten 44.873 Konsultationen ab, behandelten 951 Patienten mit chronischen Krankheiten und halfen bei 170 Geburten monatlich.
     
  • Der Syrien-Konflikt hat seit 2011 dazu geführt, dass Ärzte ohne Grenzen zahlreiche Kliniken auf verschlungenen Wegen mit Medikamenten, medizinischem Material, Training, technischer und finanzieller Hilfe unterstützte. Diese Hilfe im Untergrund war unverzichtbar, da im Syrien-Konflikt medizinische Lieferungen bei offiziellen Hilfskonvois meist nicht zugelassen wurden.

Ärzte ohne Grenzen war erstmals 2009 in Syrien tätig, im aktuellen Syrien-Konflikt seit 2011.

Zudem arbeiten unsere Teams in den Nachbarländern Libanon, Jordanien und Irak. Darüber hinaus unterstützen wir Menschen auf der Flucht mit Projekten in Tunesien, Italien, Griechenland, Serbien und Kroatien und leisten Seenotrettung im Mittelmeer.