Unsere Hilfe in Syrien

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Der Syrien-Konflikt hat seit seinem Beginn im Jahr 2011 zur größten Vertreibung seit dem Zweiten Weltkrieg geführt. Millionen Menschen benötigen dringend überlebenswichtige humanitäre Hilfe.

Unsere Hilfe im Syrien Konflikt: Aktivitäten im Einzelnen (Auszug):

  • Der Syrien-Konflikt hat dazu geführt, dass etwa 4,3 Millionen Menschen über die Grenze geflohen sind und rund 6,6 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben wurden. Regierungstruppen, Oppositionskräfte und bewaffnete Gruppen kämpften weiterhin um die Macht und Kontrolle des Territoriums. Der Konflikt zeichnete sich durch extreme Gewalt aus: Zivile Wohngebiete wurden regelmäßig bombardiert, oft sogar in zwei Wellen: Dem ersten Angriff folgt ein zweiter, der auf Rettungsteams zielt oder auf Gesundheitseinrichtungen, die die Verletzten aufnehmen. Nach einigen Angriffen zeigten zudem einige Menschen Symptome chemischer Giftstoffe. 
  • Die Regierung verweigerte Ärzte ohne Grenzen trotz mehrmaliger Anfragen die Genehmigung, in den von der Regierung kontrollierten Gebieten zu arbeiten. Im Syrien-Konflikt wurde das Recht auf medizinische Versorgung weithin nicht respektiert, und die Konfliktparteien nahmen die Gesundheitsversorgung oft aus politischen Gründen ins Visier.
  • Nach der Entführung und Freilassung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) im Jahr 2014 und nach der Verweigerung dieser Gruppierung, Sicherheitsgarantien für das Personal von Ärzte ohne Grenzen und die Patienten zu geben, traf Ärzte ohne Grenzen die schwierige Entscheidung, sich aus den vom IS kontrollierten Gebieten zurückzuziehen. Die Aktivitäten wurden auf Regionen beschränkt, die unter der Kontrolle der Oppositionskräfte waren bzw. auf Einsätze, die die Überquerung der Frontlinie ermöglichten oder auf grenzüberschreitende Hilfe für medizinische Netzwerke.
  • Während des Syrien-Konflikts gelang es Ärzte ohne Grenzen 2015, sechs medizinische Einrichtungen an unterschiedlichen Standorten im Norden des Landes zu betreuen. Dabei kam es zu einem Anstieg von Patienten mit medizinischen Komplikationen durch die verzögerte Behandlung. Es kam auch zu Todesfällen durch einen Mangel an Antibiotika.
  • 2015 weitete Ärzte ohne Grenzen zudem die Hilfe für rund 70 Gesundheitseinrichtungen aus, die von syrischen Ärzten betreut wurden. Ärzte ohne Grenzen gab technische Empfehlungen und lieferte medizinischen Nachschub und Benzin. Zudem wurden weitere 80 Gesundheitseinrichtungen punktuell in Notsituationen mit medizinischen Lieferungen unterstützt, z. B. bei einem Massenansturm von Verletzten. In all diesen Kliniken arbeitete kein Personal von Ärzte ohne Grenzen. 
  • Während des Syrien-Konflikts wurden 2015 insgesamt 23 syrische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen getötet und 58 Kollegen verletzt. Außerdem kam es zu 94 Angriffen auf 63 von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Gesundheitseinrichtungen, von denen zwölf vollständig zerstört wurden.
  • Die Lage in der Stadt Aleppo verschlechterte sich 2015 beträchtlich. Es kam zu gezielten Angriffen auf Märkte, Wasserversorgungen und Gesundheitszentren. Die Zuspitzung des Syrien-Konflikts in den Provinzen Hama und Idlib führte dazu, dass Tausende Familien in die Provinz Aleppo flohen. Die Teams hielten in einem Krankenhaus mit 28 Betten im Bezirk Azaz mehr als 32.500 Sprechstunden ab, behandelten 17.000 Notfälle und nahmen 1.200 chirurgische Eingriffe vor. Zudem gaben sie 6.000 vor- und nachgeburtliche Beratungen und halfen bei der Geburt von 409 Babys.
  • Im Mai 2015 wurde Ärzte ohne Grenzen über Angriffe auf neun Gesundheitseinrichtungen in Aleppo informiert, darunter auch das von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Sakhour-Hospital in der Stadt Aleppo. Im Juni musste Ärzte ohne Grenzen aufgrund der unsicheren Lage die provisorische Feldklinik in Maskan schließen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Team dort 5.834 Sprechstunden abgehalten, 2.495 Notfälle behandelt und bei 51 Geburten geholfen. Im August behandelte Ärzte ohne Grenzen im Bezirk Azaz Patienten mit Symptomen eines chemischen Giftstoffes. 
  • Im Syrien-Konflikt schreckten die Konfliktparteien auch nicht vor direkten Angriffen auf Hilfskonvois zurück, die wichtige medizinische Hilfsgüter transportierten. Dies schränkte die Arbeit in den Krankenhäusern ein und verzögerte wichtige Nothilfelieferungen. 
  • Ab März unterstützte Ärzte ohne Grenzen den Wiederaufbau des Gesundheitssystems und der Infrastruktur nach der Zerstörung eines großen Teils von Kobane (Ein Al Arab). Die Teams bauten ein temporäres Krankenhaus, doch diese Einrichtung wurde bereits im Juni erneut zerstört. Zudem wurden zwei städtische  und drei ländliche Gesundheitsposten, eine kleine stationäre Klinik sowie eine Notaufnahme in der Stadt unterstützt. Die Teams nahmen auch Routineimpfungen wieder auf, führten eine Massenimpfkampagne gegen Masern durch und verteilten Hilfsgüter an 4.000 Familien.
  • Der Syrien-Konflikt spitzte sich 2015 im Nordosten des Landes zu. Ärzte ohne Grenzen arbeitete dort in einer Geburtshilfeklinik. Die Teams halfen bei 1.559 Entbindungen, darunter auch 393 Kaiserschnitte. In drei Kliniken führten die Teams mehr als 35.000 Sprechstunden für die Vertriebenen und die lokalen Bewohner durch. 
  • Ärzte ohne Grenzen unterstützte 2015 auch weiterhin die Atmeh-Verbrennungsklinik in Idlib, in der die Teams mehr als 6.800 Sprechstunden gaben und 5.500 chirurgische Eingriffen vornahmen. Zudem führten 3.100 Patientinnen und Patienten psychologische Gespräche. Mehr als 7.000 Kinder wurden gegen Masern und rund 3.500 Neugeborene gegen Hepatitis B geimpft.
  • In den Provinzen Damaskus und Homs führte der Syrien-Konflikt dazu, dass mehr als eine Million Menschen militärisch belagert wurden. Hinzu kamen mehrere Hunderttausend Menschen in Deir ez-Zor und anderen Gebieten, wo Ärzte ohne Grenzen nicht tätig werden konnte. Offizielle medizinische Lieferungen von Damaskus in diese Gebiete waren streng verboten. Wurde einmal ein Konvoi erlaubt, mussten wichtige Gegenstände wie chirurgisches Material oder Antibiotika an den militärischen Straßensperren entfernt werden. Schwerkranke Patienten durften fast nie aus medizinischen Gründen in Sicherheit gebracht werden. Monatlich wurden in den von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Gesundheitseinrichtungen in diesen Gebieten etwa 300.000 Sprechstunden abgehalten.
  • Während des Syrien-Konflikts wurde Ärzte ohne Grenzen auch in der Provinz Dara´a tätig. Die Teams versorgten sechs Krankenhäuser und Gesundheitsposten mit medizinischen und humanitären Hilfsgütern und gaben technische Unterstützung. Auf diese Weise konnte das syrische medizinische Netzwerk 118.000 ambulante Behandlungen ermöglichen, 5.800 Patienten stationär aufnehmen und bei mehr als 2.000 Entbindungen helfen. Zudem wurden mehr als 8.000 Gewaltopfer versorgt.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2009 Hilfe im Syrien-Konflikt an.

Zudem arbeiten unsere Teams in den Nachbarländern Libanon, Jordanien und Irak. Darüber hinaus unterstützen wir Menschen auf der Flucht mit Projekten in Tunesien, Italien, Griechenland, Serbien und Kroatien und leisten Seenotrettung im Mittelmeer.