Unsere Hilfe in Syrien

Viele Menschen aus dem Süden der Region Idlib in Syrien flüchteten vor Krieg und Gewalt in Richtung Norden. Im Deir Hassan-Lager finden sie aber keine Sicherheit, sondern vor allem schlechte hygenische Bedingungen vor. (Video vom 24.03.2020).

Seit 2011 ist Krieg in Syrien: Millionen Kinder und Erwachsene sind auf der Flucht. Rund 13 Millionen Syrer*innen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viele von ihnen sind bereits mehrfach vertrieben worden. Sie übernachten unter freiem Himmel, in Zelten oder in bereitgestellten Gebäuden wie ehemaligen Schulen. Doch auch hier sind sie nicht sicher.  Besonders schwierig ist die Situation in der Region rund um Idlib im Nordwesten des Landes. Laut UN-Angaben wurden alleine seit Dezember 2019 nahezu eine Million Menschen durch Kampfhandlungen vertrieben. Wir leisten überall dort Hilfe, wo es noch möglich ist. 

Unsere Hilfe im Nordwesten Syriens: In den Camps der Region Idlib fehlt es den Menschen an allem

Den Menschen in den Flüchtlingslagern der Region Idlib fehlt es an allem: Die Wasser- und Sanitäreinrichtungen reichen nicht aus. Zelte fehlen ebenso wie Material zum Heizen oder Hygieneartikel. Gleichzeitig ist es schwierig, insbesondere medizinische Hilfe für die Menschen in Idlib bereitzustellen. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen und die wenigen verbliebenen Einrichtungen blieben nicht sicher vor den Auswirkungen des Konflikts.

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Unsere Teams leisten mobile Hilfe in der Basisgesundheitsversorgung und für die Müttergesundheit. Sie verteilen Hilfsgüter und verbessern die Wasser- und Sanitärversorgung. Zudem betreiben wir eine speziell auf Patient*innen mit Verbrennungen ausgerichtete Station, auf der Operationen inklusive Hautverpflanzungen vorgenommen werden, und in der Menschen auch Physiotherapie und psychologische Unterstützung erhalten. Zudem helfen unsere Mitarbeiter*innen im Nordwesten Syriens bei regulären Impfkampagnen. Aus der Ferne unterstützen wir zudem verschiedene Krankenhäuser und Gesundheitszentren in der Umgebung von Idlib (und im Nordosten auch in der Umgebung von Aleppo). Ebenfalls aus der Ferne unterhalten wir mit drei Krankenhäusern Management-Partnerschaften.

Unsere Hilfe im Nordosten Syriens: 700.000 Vertriebene in verwüstetem Gebiet – eine anhaltende humanitäre Krise

Im Nordosten Syriens entwickelt sich eine andauernde humanitäre Krise. Die meisten der 700.000 Vertriebenen in dem verwüsteten Gebiet sind fast vollständig von humanitärer Hilfe abhängig. Das Wasser ist knapp, es gibt soziale Unruhen und SARS-CoV-2 breitet sich aus. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie haben verheerende Folgen für die noch verfügbaren Gesundheitsdienste und für das Gesundheitspersonal. 

Unsere Teams sind an verschiedenen Orten im Einsatz: Wir haben medizinische Programme in Rakka, Hasakeh und im Gouvernement Aleppo. Auch in Al Rakka, in Kobane/Ain Al Arab, in Tal Kochar/Yaroubiyah sowie den Lagern Al Hol und Washokani sind wir aktiv.

Im Al-Hol-Lager, dem größten Camp im Nordosten Syriens, setzen sich unsere Mitarbeiter*innen zum Beispiel für eine Verbesserung der Situation ein. In dem stark gesicherten Lager können sich die Menschen nicht frei hinaus- und hineinbewegen. 65.400 Menschen, meist Frauen und Kinder, werden dort in erschreckenden Verhältnissen festgehalten: Im Schnitt teilen sich sieben Menschen ein Zelt. "Gegenwärtig ist fast keine medizinische Versorgung verfügbar, da viele Gesundheitseinrichtungen aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 geschlossen wurden“, sagte Will Turner, unser Notfall-Manager für Syrien im Herbst 2020. Die Folgen sind verheerend: In nur einer Augustwoche starben sieben Kinder, alle unter fünf Jahren. „Wir hörten schreckliche Berichte über Mütter, die auf der verzweifelten Suche nach medizinischer Versorgung von Klinik zu Klinik unterwegs waren.“ Von den ehemals 279 öffentlichen Gesundheitszentren der Region sind derzeit nur noch drei in Betrieb.

Viele Gesundheitseinrichtungen wurden bei Kämpfen zerstört. Einrichtungen, die noch in Betrieb sind, haben mit Material- und Personalknappheit zu kämpfen und können den Bedarf nach medizinischer Versorgung ohnehin schon nicht decken. Die Covid-19-Pandemie hat die Situation erschwert. Seit Auftreten der ersten Covid-19-Fälle gab es im Norden Syriens nie ausreichend Testkapazitäten, so dass die tatsächliche Ausbreitung des Virus in der Region nur schwer zu messen ist. Die Gesundheitseinrichtungen in der Region verfügen zudem nicht über ausreichend Material, wie zum Beispiel Sauerstoff, um Erkrankte angemessen versorgen zu können. 

Wir leisten humanitäre Hilfe im Nordosten und Nordwesten Syriens in den Provinzen Idlib und Aleppo im Nordwesten sowie Rakka und Hassakeh im Nordosten. Im Nordosten betreiben wir ein therapeutisches Ernährungszentrum für mangelernährte Kinder – dort mussten wir im Juli 2020 71 Prozent mehr Patient*innen aufnehmen. Schließlich haben wir allein im Juli 15,2 Millionen Liter gechlortes Wasser verteilt und weitere 69,3 Liter entsprechend behandelt, damit andere sie verteilen konnten. 

Aufgrund der Unsicherheit sowie der schwierigen Zugangsbedingungen sind unsere Aktivitäten jedoch begrenzt. In Regionen, zu denen unsere Teams Zugang haben, betreiben oder unterstützen wir Krankenhäuser und Gesundheitszentren und verteilen Hilfsgüter in Vertriebenenlagern. In Regionen, zu denen kein direkter Zugang möglich ist, unterstützen wir Gesundheitseinrichtungen aus der Ferne mit Spenden von Medikamenten, medizinischem Material oder finanziellen Mitteln sowie Trainings und medizinischer Beratung. Zu den von der syrischen Regierung kontrollierten Gebieten haben wir nach wie vor keinen Zugang – auch nach mehrfacher Anfrage und selbst nach Beginn der Covid-19-Pandemie nicht.
 

Aktuelle Informationen zu unserem Einsatz aufgrund der Covid-19-Pandemie in Syrien finden Sie hier.

Unsere Aktivitäten im Rückblick:

  • 515.100 ambulante Sprechstunden
  • 169.100 Routineimpfungen
  • 14.800 Entbindungen, einschließlich Kaiserschnitten
  • 37.200 stationäre Aufnahmen
  • 7.280 psychologische Einzelgespräche
  • 13.500 chirurgische Eingriffe

Ärzte ohne Grenzen setzte 2019 die Hilfe in Syrien fort, da Millionen Menschen aufgrund des anhaltenden Konflikts dringend medizinische und humanitäre Hilfe benötigten.

Unsere Hilfe in Syrien im Einzelnen (Auszug):

  • Unsere Hilfe in Syrien wurde auch im Jahr 2019 durch Unsicherheit und Zugangsbeschränkungen stark begrenzt. 
  • Im Nordwesten Syriens lebten Hunderttausende Vertriebene, nachdem die Regierung und ihre Alliierten in der Provinz Idlib eine Offensive gestartet hatten. Schulen, Krankenhäuser, Marktplätze und Vertriebenenlager wurden während der Angriffe getroffen und zerstört.  Im Rahmen unserer Hilfe in Syrien unterstützten wir zahlreiche Krankenhäuser und Kliniken in den Provinzen Idlib und Aleppo. Wir setzten auch das Co-Management in drei Referenzkrankenhäusern fort. In Atmeh betreuten wir eine Station für Verbrennungen: Unsere Teams nahmen chirurgische Eingriffe vor, legten Wundverbände an und boten Physiotherapie sowie psychologische Hilfe an. Zudem unterstützten sie Impfprogramme in Kliniken und Vertriebenenlagern und stellten überlebenswichtige Medikamente für rund 100 Patient*innen mit Nierenerkrankungen in Idlib zur Verfügung. Da aufgrund des Konflikts die Anzahl vertriebener Menschen in den Lagern zunahm, verstärkten wir unsere Hilfe in Syrien durch die Verteilung von Hilfsgütern, Wasser- und Sanitäraktivitäten sowie die Lieferung von medizinischem Nothilfematerial. Zudem stellten wir in den Camps mehr mobile Kliniken zur Verfügung.
  • Im Nordosten des Landes starteten wir im Januar 2019 ein großes Nothilfeprogramm in der Provinz al-Hasaka: Wir verteilten im Lager al-Hol Hilfsgüter und eröffneten eine Klinik mit einem umfassenden medizinischen Angebot. Diese Hilfe in Syrien umfasste auch Wasser- und Sanitäraktivitäten. In der Provinz al-Rakka flammte der Konflikt im Oktober wieder auf, so dass die Vertriebenen das Camp Ain Issa, in dem wir tätig waren, fluchtartig verließen. In der Stadt Rakka betreuten wir weiterhin ein Gesundheitszentrum, sanierten einen Teil des Krankenhauses und unterstützten diverse Krankenhausstationen. Das Team blieb auch weiterhin in der Geburtshilfeklinik in Kobane/Ain Al Arab tätig (Provinz Aleppo). Zudem verteilten wir im Rahmen unserer Hilfe in Syrien im Oktober dringend benötigte Hilfsgüter in den Vertriebenencamps in Tal Tamer, al-Hasaka und Newroz.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2009 Hilfe in Syrien an.

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Nicht nur in Syrien fehlt ein funktionierendes Gesundheitssystem. In der Demokratischen Republik Kongo tun wir alles dafür, einen erneuten Ebola-Ausbruch klein zu halten, um eine größere Katastrophe zu verhindern. Weit weg jeder Aufmerksamkeit kümmern wir uns um Menschen in der krisengeschüttelten Zentralafrikanischen Republik oder in Venezuela mit Medikamenten und gesundheitlicher Versorgung, die sie ohne uns nicht bekämen. 

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