Unsere Hilfe im Irak

Im Nordirak behandeln unsere Teams Geflüchtete aus Nordsyrien u.a. in mobilen Kliniken, wie hier im Dorf Khaleh nahe der irakisch-syrischen Grenze.

Aktuell: Unsere Hilfe im Irak angesichts der türkischen Militäroperation in Nordsyrien

Mehr als 12.500 Menschen sind angesichts der türkischen Militäroperation bereits aus Syrien in den Irak geflohen. Unsere Teams haben in der irakischen Grenzregion mit medizinischer Grundversorgung und psychologischer Erste Hilfe begonnen.

Im Flüchtlingscamp Bardarasch haben wir ein Gesundheitszentrum eröffnet, da viele der dort untergekommenen Geflüchteten mit den psychischen und physischen Folgen ihrer Flucht zu kämpfen haben. Sie zeigen Symptome von Depressionen, Ängsten und posttraumatischen Belastungsstörungen zusammenhängen, sowie körperliche Symptome ohne medizinische Ursache, wie Muskelverhärtungen, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen.

Hilfe für geflüchtete Syrer*innen im Nordirak

Unsere Teams im Camp gehen von Zelt zu Zelt, sprechen mit den Menschen und überweisen diejenigen, die am dringendsten Hilfe brauchen an das neue Gesundheitszentrum. Zudem fördern und stärken sie die Widerstandsfähigkeit der Geflüchteten, indem sie ihnen Tipps zur Stressbewältigung und psychosozialen Gesundheit geben. Darüber hinaus leisten wir in dem Gesundheitszentrum im Bardarasch-Camp auch medizinische Grundversorgung für die Geflüchteten, die unter Atemwegsinfekten, Durchfallerkrankungen oder chronischen Erkrankungen leiden. Das Flüchtlingscamp wurde ursprünglich 2014 für Vertriebene aus Mossul errichtet, die inzwischen in ihre Heimat zurückkehren konnten. Seit Beginn der türkischen Militäroperation wurden rund 11.000 Flüchtlinge aus Syrien dort untergebracht – das Camp hat damit seine Kapazitätsgrenze bereits erreicht.

Entlang der syrischen Grenze leisten wir außerdem in den Flüchtlingslagern Al-Walid und Sahelaim im Nordirak Hilfe. Mobile Kliniken bieten an beiden Standorten eine grundlegende Gesundheitsversorgung an. Auch auf der anderen Seite der Grenze, in Nordwest-Syrien, geht unsere Unterstützung angesichts der türkischen Militäroperation weiter. Aus Nordost-Syrien mussten wir unsere internationalen Mitarbeiter*innen abziehen und dort die Mehrzahl unserer Aktivitäten einstellen.

Unsere Hilfe angesichts der Unruhen im Irak

Seit dem 25. Oktober 2019 kommt es im Irak erneut zu Unruhen. In Bagdad stehen wir in ständigem Kontakt mit mehreren Gesundheitseinrichtungen, um diese bei Bedarf zu unterstützen und medizinische Nothilfe zu leisten. Im nächstgelegenen Krankenhaus am Tahrirplatz, das auf neurologische Eingriffe spezialisiert ist, haben wir zusammen mit dem medizinischen Personal einen Notfalldienst eingerichtet. Patient*innen werden direkt vor Ort behandelt oder an andere Krankenhäuser der Stadt überwiesen.

Auf Grund der Unruhen im Irak haben wir auch unsere personellen Kapazitäten im medizinischen Rehabilitationszentrum in Bagdad erhöht, um postoperative Hilfe für Patient*innen zu leisten, die aus anderen Krankenhäusern der Stadt zu uns überwiesen werden. Wir verfolgen aufmerksam die Entwicklungen in Bagdad und anderen Städten, um bei dringendem Bedarf zusätzliche medizinische Hilfe zu leisten.

5.11.2019

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Unsere Aktivitäten im Rückblick:

Ärzte ohne Grenzen setzte 2018 die medizinische Hilfe im Irak fort: Mehr als zwei Millionen Vertriebene lebten im Land, und viele Gesundheitseinrichtungen waren zerstört oder beschädigt.

Unsere Hilfe im Irak im Einzelnen (Auszug):

  • Im Jahr 2018 umfasste unsere Hilfe im Irak diverse Aktivitäten: basismedizinische Versorgung, Behandlung chronischer Krankheiten, Geburtshilfe, Kinderheilkunde und Notversorgung, Chirurgie sowie psychologische Hilfe. Wir sanierten Krankenhäuser und Kliniken in vom Krieg betroffenen Regionen und rüsteten sie aus, um das irakische Gesundheitssystem zu stärken. Insgesamt hielten die Teams 197.600 ambulante Konsultationen ab, führten rund 38.500 psychologische Einzelgespräche, halfen bei 11.100 Geburten und nahmen 3.780 größere chirurgische Eingriffe vor.
  • In der Provinz Anbar leisteten unsere Teams basismedizinische Hilfe, behandelten chronische Krankheiten und boten psychologische Hilfe in zwei Vertriebenenlagern an. In der zweiten Jahreshälfte übergaben sie diese Hilfe im Irak an andere Akteure. Im April eröffnete Ärzte ohne Grenzen eine ambulante Klinik im Ramadi-Lehrkrankenhaus, um Patientinnen und Patienten mit moderaten und schweren psychischen Störungen zu behandeln.
  • In der Provinz Diyala behandelten wir im Rahmen der Hilfe im Irak chronische Krankheiten, boten psychologische Hilfe sowie sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung in Jalawla, Sadiya und in den Vertriebenenlagern in Chanaquin an.
  • In der Provinz Erbil leistete Ärzte ohne Grenzen psychologische, psychiatrische und psychosoziale Hilfe in vier Lagern nahe Erbil sowie in Kalak.
  • Unsere Hilfe im Irak ging auch in der Provinz Kirkuk weiter. Dort hielten die Teams fast 14.500 ambulante Konsultationen ab und behandelten chronische Krankheiten in Al-Abassi und Hawidscha ab.
  • In der Provinz Ninewa weiteten wir unsere Hilfe im Osten und Westen der Stadt Mossul aus. Im Süden der Stadt hielten wir 18.000 Konsultationen ab, boten Intensiv-Versorgung an und behandelten Brandwunden in einer Klinik mit 62 Betten. Die Teams nahmen 2018 fast 2.500 chirurgische Eingriffe vor. In Nablus lief ein großes Geburtshilfe-Programm: Wir halfen bei 5.300 normalen Geburten, nahmen 1.120 Kaiserschnitte vor und behandelten 34.500 Personen in der Notaufnahme.
  • In der Provinz Salahddine bot Ärzte ohne Grenzen im ersten Halbjahr medizinische und psychologische Konsultationen in Tikrit an.
  • Unsere Hilfe im Irak umfasste auch die Unterstützung der Behörden, als es zum Ausbruch des Krim-Kongo-Hämorrhagischen-Fiebers kam. Zudem wurden mehr als 111.000 Kinder gegen Masern in der Provinz Ninewa geimpft.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1991 Hilfe im Irak-Konflikt an.