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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe im Irak

  • 72.7
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 68.6
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 1379
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 46.4
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2019

Die Corona-Pandemie hat im Irak alarmierende Ausmaße angenommen. Das Virus trifft auf ein durch Jahre des Konflikts und eine schwere Wirtschaftskrise geschwächtes Gesundheitssystem. In vielen Einrichtungen fehlt es an medizinischem Material und Fachpersonal. Darum unterstützen wir Covid-19-Behandlungszentren und führen Schulungen durch. Gleichzeit helfen unsere Teams dabei, reguläre Gesundheitsdienste aufrecht zu erhalten und bieten psychologische Programme an. Derzeit sind wir in drei irakischen Regierungsbezirken im Einsatz.

Unsere Hilfe im Irak 2019 

  • 125.900 ambulante Beratungen 
  • 89.700 Notaufnahmen 
  • 33.300 psychologische Einzelberatungen 
  • 11.200 begleitete Geburten 
  • 4.390 chirurgische Eingriffe 

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 2003 medizinische Hilfe im Irak.  

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Die Folgen von Konflikten

Der Irakkrieg 2003, Gewalt durch den sogenannten Islamischen Staat und immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen - die jüngere Vergangenheit hat tiefe Spuren im Land hinterlassen. Mehr als 1,8 Millionen Vertriebene leben im Irak noch immer in überfüllten Camps in prekären Lebensumständen ohne ausreichend medizinische Versorgung, Wasser und sanitäre Einrichtungen.  

Auch außerhalb der Geflüchtetencamps ist die Lage angespannt. Seit Oktober 2019 protestieren zehntausende Menschen in Bagdad und anderen irakischen Städten gegen steigende Arbeitslosigkeit und sich verschlechternde Lebensbedingungen. Seither sehen wir in den von uns betreuten medizinischen Einrichtungen die Folgen der von Gewalt begleiteten Massenproteste: Immer wieder erreichen uns Verletze, deren Wunden unsere erfahrenen irakischen Kolleg*innen vom Schweregrad an die Kriegsverletzungen erinnern. 

 

Unsere medizinische Hilfe

Im Fokus unserer Arbeit steht die Unterstützung von Krankenhäusern u.a. in großen Städten wie Bagdad und Mossul. Dazu zählt ambulante und stationäre medizinische Versorgung wie Geburts- und Säuglingshilfe, Behandlung chronischer Krankheiten, Chirurgie und postoperative Versorgung sowie psychologische Hilfe. Zudem sanieren unsere Teams Krankenhäuser und Kliniken in den am stärksten vom Krieg betroffenen Regionen und unterstützen sie mit medizinischem Material. 

Im Medizinischen Rehabilitationszentrum Bagdad erhalten Patient*innen mit schweren Verletzungen eine frühzeitige und umfassende postoperative Behandlung durch ein multidisziplinäres Team aus spezialisierten Ärzt*innen, Pflegepersonal und Physiotherapeut*innen. Auch Psycholog*innen gehören zum Team und begleiten die Patient*innen bei der Verarbeitung von Traumata. 

Covid-19 breitet sich aus

In all unseren Projekten sehen wir die zusätzlichen Gefahren durch die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie. Die Zahlen sind alarmierend: Im Oktober 2020 meldete das Land täglich fast 4.000 Neuinfektionen und wöchentlich etwa 500 Todesfälle.  

„Viele Patient*innen bleiben 15 bis 20 Tage auf der Beatmungsstation. Das bedeutet, dass manchmal neue Erkrankte für zwei, drei Tage auf die Warteliste gesetzt werden, bis sie die erforderliche Behandlung erhalten können“, erklärt Dr. Pedro Serrano Guajardo, der bis vor Kurzem für uns im Irak im Einsatz war. „Besonders schwierig ist es, einen Patienten sterben zu sehen und zu wissen, dass man kein Beatmungsgerät für ihn zur Verfügung hat.“ 

Auch aus den Geflüchtetencamps berichten unsere Mitarbeiter*innen, die häufig selbst zu den Vertriebenen gehören, wie sich die ohnehin schon kritische Situation mit Beginn der Covid-19-Pandemie noch einmal verschlimmert hat. „Familien leben beengt in Ein-Personen-Zelten und haben kaum Zugang zu Hygieneeinrichtungen“, erzählt Tetyana Pylypenko, unsere medizinische Koordinatorin im Irak.

Der Kontakt zu anderen Camp-Bewohner*innen ist unvermeidbar, und angesichts unzureichender Hilfe haben die Menschen keine andere Wahl, als hinauszugehen und irgendeine Arbeit zu suchen, um ihre Familien zu unterstützen, obwohl sie das erhöhte Infektionsrisiko kennen.