Unsere Hilfe im Irak

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Der Irak-Konflikt verursachte im Jahr 2015 weiterhin massive Vertreibungen und große Not. Gleichzeitig führten Finanzierungslücken zu einer Abnahme internationaler Hilfsmaßnahmen, die sich zudem hauptsächlich auf die eher sicheren kurdischen Gebiete in Irak bezogen.

Unsere Hilfe im Irak-Konflikt im Einzelnen (Auszug):

  • Der Irak-Konflikt hat landesweit bereits zu mehr als 3,2 Millionen Vertriebenen geführt, was die aufnehmenden Gemeinden enorm belastet. Ärzte ohne Grenzen weitete daher im Jahr 2015 die Hilfe in Irak aus: Die Teams leisteten basismedizinische und humanitäre Hilfe für vertriebene Familien, Rückkehrer, verarmte Aufnahmegemeinden und syrische Flüchtlinge in den Provinzen Dohuk, Erbil, Sulaimaniyya, Ninewa, Kirkuk, Salaheddin, Diyala, Bagdad, Najaf, Kerbela und Babil. In diesen elf Provinzen setzte Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken ein, um diejenigen medizinisch zu versorgen, die aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit und unsicheren Lage keine Gesundheitseinrichtung aufsuchen konnten. Die Teams besuchten regelmäßig mehrere Ortschaften und arbeiteten dort in Kliniken, Zelten oder Bussen. In Gebieten mit hoher militärischer Präsenz stellten die Ärzte Überweisungen aus, um den sicheren Transfer der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten, die eine stationäre Weiterbehandlung benötigten. Die Teams überwachten auch den möglichen Ausbruch von ansteckenden Krankheiten.
    Die meisten Gesundheitsprobleme wurden durch die schlechten Lebensbedingungen aufgrund des Irak-Konflikts verursacht: Atemwegs- und Blaseninfektionen, Magen-Darm-Beschwerden, Arthritis und Hauterkrankungen. Ärzte ohne Grenzen konzentrierte sich auch auf chronische Krankheiten, vor allem Bluthochdruck und Diabetes, sowie auf die Mutter-Kind-Versorgung. Weibliche medizinische Fachkräfte waren stets vor Ort, um die Frauen zu einem Klinikbesuch zu motivieren.
  • Ärzte ohne Grenzen verstärkte im Jahr 2015 die psychologischen Aktivitäten, da zunehmend viele Menschen durch den Irak-Konflikt aufgrund wiederholter Gewalterfahrungen oder der prekären Lebensbedingungen traumatisiert wurden. In den Provinzen Kerbela, Najaf und Babil konnten die Teams ihre monatlichen psychologischen Gespräche für die Vertriebenen fortsetzen. Sie führten mehr als 1.500 Einzelgespräche, und 9.220 Personen nahmen an psychosozialen Gruppensitzungen teil. Ärzte ohne Grenzen schulte zudem Gesundheitspersonal und Lehrer, die mit Kindern arbeiteten, in der psychologischen Gesundheitsversorgung. In der Provinz Erbil unterstützte ein Team von Psychologen und Psychiatern syrische Flüchtlinge in den Lagern Kawargosk, Gawilan und Darashakran.
  • In der Provinz Dohuk hielten die Teams rund 21.775 Sprechstunden für Vertriebene ab, die in Rohbauten untergekommen waren. Da die Menschen nach und nach in Lager mit medizinischer Versorgung verlegt wurden, fokussierte Ärzte ohne Grenzen die Aktivitäten zunehmend auf den Bezirk Tel Afar in der Provinz Ninewa. Hier waren viele Gesundheitseinrichtungen durch den Irak-Konflikt zerstört worden, so dass der Bedarf entsprechend groß  war. Die Teams betreuten mobile Kliniken nahe der Frontlinie, da die Menschen sich vor längeren Fahrten zu Kliniken fürchteten und dafür zudem das Geld nicht hatten. Ärzte ohne Grenzen führte dort rund 19.505 Konsultationen für Vertriebene und für die lokale Bevölkerung durch. Viele Patientinnen und Patienten litten unter chronischen Erkrankungen. Die Teams kümmerten sich zudem um die sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung sowie um psychologische Probleme. Auch zwischen Mosul und Erbil wurden mobile Kliniken eingesetzt. Zudem errichteten die Teams eine notchirurgische provisorische Klinik, um diejenigen zu versorgen, die direkt durch den bewaffneten Irak-Konflikt verletzt wurden.
  • In Kirkuk und Umgebung leisteten zwei mobile Teams basismedizinische und psychologische Hilfe. Ein drittes Team versorgte gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden im Camp Laylan Menschen mit chronischen Erkrankungen und kümmerte sich um die sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung. Insgesamt hielten die Teams 48.895 Sprechstunden ab. Als andere medizinische Organisationen nach Kirkuk kamen, übergab Ärzte ohne Grenzen die meisten Aktivitäten in Kirkuk und Umgebung zum Jahresende 2015. Eine mobile Klinik versorgte allerdings weiterhin Vertriebene in kleinen verstreuten Siedlungen entlang der Straße nach Bagdad, nahe Tuz Kurmato. Die dort lebenden Menschen fürchteten sich davor, durch das militarisierte Gebiet zu fahren, um medizinische Hilfe aufzusuchen.
  • Ärzte ohne Grenzen startete Aktivitäten in Bagdad im März 2015. Im Bezirk Abu-Ghraib versorgte zunächst eine mobile Klinik die lokale Bevölkerung und die durch den Irak-Konflikt  Vertriebenen in den Camps Abu-Ghraib und Al-Salam. Aufgrund des enormen Bedarfs nahm ab September ein zweites mobiles Team die Arbeit auf, um auch an anderen Orten des verarmten Bezirks medizinische Hilfe zu leisten. Auch im nördlichen Bezirk Garmian und in der benachbarten Provinz Diyala leistete Ärzte ohne Grenzen basismedizinische Hilfe mit mobilen Kliniken, in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen sowie in drei Vertriebenenlagern in Khannaqin, Provinz Diyala. 
  • Im September reagierten die Teams auf einen Cholera-Ausbruch, der sich auf die Provinzen Dohuk, Kirkuk, Erbil, Bagdad, Diyala, Najaf, Diwaniyya und Babil ausbreitete. Sie nahmen in allen betroffenen Ortschaften Wasser- und Sanitäreinschätzungen vor und unterstützen die Gesundheitsbehörden in allen Krankenhäusern, die mit dem Cholera-Ausbruch zu tun hatten, durch Trainings, Aktivitäten zur Gesundheitsaufklärung, Hygiene- und Infektionskontrolle.
  • Neben dem Irak-Konflikt führte auch der Krieg in Syrien zu großen Bevölkerungsbewegungen. Seit dem Jahr 2012 war Ärzte ohne Grenzen der größte Gesundheitsanbieter im Flüchtlingslager Domeez, dem größten in Irak. Es beherbergte rund 40.000 syrische Flüchtlinge. Die Teams übergaben im Oktober die allgemeinmedizinischen Dienste an die Gesundheitsbehörden. Ärzte ohne Grenzen setzte die Aktivitäten im Bereich chronischer Erkrankungen, sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung sowie die psychologische Hilfe und die Aktivitäten zur Gesundheitsaufklärung fort. Bis zum Jahresende führten die Teams 1.155 Entbindungen durch. In den Lagern Sulaimaniyya und Arabat war Ärzte ohne Grenzen für die Wasser- und Sanitärversorgung sowie für Aktivitäten zur Gesundheitsaufklärung zuständig. Im Dezember unterstützten die Teams die Mütterstation des Kalar-Krankenhauses mit Trainings und Spenden. 
  • Der Irak-Konflikt hat zu vielen sehr schweren Verletzungen geführt, die im Land nicht mehr angemessen operiert und nachversorgt werden können. Seit August 2006 überweisen daher irakische Ärzte aus dem ganzen Land schwerverletzte Patientinnen und Patienten an das chirurgische Krankenhaus in der jordanischen Hauptstadt Amman, das von Ärzte ohne Grenzen betreut wird. Das dortige Team ist spezialisiert auf komplexe chirurgische Fälle, die mehrstufige Behandlungen benötigen: Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie sowie orthopädische und rekonstruktive Verbrennungschirurgie. Die Nachsorge umfasste auch Physiotherapie und psychosoziale Unterstützung.
  • Zeitweise organisierte Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden medizinische Trainingsprogramme für irakische Ärzte. So besuchten Anfang 2015 zwölf irakische Physiotherapeuten einen zehnwöchigen physiotherapeutischen Trainingskurs. Zudem wurde das in Bagdad ansässige Gift-Kontrollzentrum jahrelang unterstützt, indem Ärzte ohne Grenzen Gegengifte lieferte, die aufgrund des Irak-Konflikts für das Gesundheitsministerium nur schwer zu erhalten waren.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2003 Hilfe im Irak-Konflikt an.

Zudem arbeiten unsere Teams in den Nachbarländern SyrienJordanien und Irak. Darüber hinaus unterstützen wir Menschen auf der Flucht mit Projekten in TunesienItalienGriechenlandSerbien und Kroatien und leisten Seenotrettung im Mittelmeer.