Unsere Hilfe in Afghanistan

Eine junge Frau (Bildmitte) kam wegen Blutungen nach einer Hausgeburt in Begleitung ihrer Mutter in unsere Geburtsklinik in Chost. Dort wurde sie von unserer Gynäkologin Dr. Severine Culawaerts (links im Bild) behandelt. Geburtshilfe war 2017 ein Schwerpunkt unserer Hilfe in Afghanistan.

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen konzentrierte im Jahr 2017 die Hilfe in Afghanistan auf Notaufnahmen, Kinderheilkunde und Geburtshilfe. Die Mütter- und Kindersterblichkeitsraten in Afghanistan gehören zu den höchsten weltweit.

Unsere Hilfe in Afghanistan im Einzelnen (Auszug):

  • Die Hilfe in Afghanistan umfasste 2017 die Unterstützung von sechs medizinischen Projekten in fünf Provinzen. Die Teams halfen insgesamt bei mehr als 70.000 Geburten.
  • Nach dem Angriff des US-amerikanischen Militärs auf das Unfallzentrum von Ärzte ohne Grenzen in Kundus am 3. Oktober 2015 , bei dem 42 Personen starben, blieben Tausende Menschen in der Region ohne medizinische Hilfe zurück. Danach folgten 1,5 Jahre an Verhandlungen mit allen am Konflikt beteiligten Parteien. Ziel war es, offizielle Vereinbarungen für die künftige Sicherheit von Personal und Patienten zu erhalten. Im Juli 2017 nahm Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Kundus wieder auf und eröffnete eine ambulante Klinik. Auch die kleine Klinik im Bezirk Chardara wurde weiterhin betreut. Für 2019 ist die Eröffnung eines neuen Unfallkrankenhauses in Kundus geplant.
  • Die Hauptstadt Kabul erfuhr in den vergangenen zehn Jahren einen so massiven Bevölkerungszuwachs, dass die Gesundheitseinrichtungen der Stadt die medizinischen Bedarfe nicht mehr decken konnten. Bereits 2009 nahm Ärzte ohne Grenzen die Arbeit im Ahmad-Scha-Baba-Krankenhaus, im Osten Kabuls, auf. Die Teams betreuten dort 2017 die ambulante und stationäre medizinische Versorgung mit einem Fokus auf die Geburtshilfe. Diese Hilfe in Afghanistan umfasste zudem die Säuglingsversorgung und Kinderheilkunde, die Chirurgie, Ernährungshilfe, Familienplanung, Impfungen und Gesundheitsaufklärung. Die Teams unterstützten auch das Labor sowie die Röntgenabteilung und behandelten Patientinnen und Patienten, die an Tuberkulose (TB) oder chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes erkrankt waren. 2017 wurden im Krankenhaus mehr als 116.000 Konsultationen abgehalten und mehr als 2.000 Patienten und Patientinnen monatlich stationär aufgenommen. Die Teams halfen zudem bei rund 20.000 Geburten. Im Kabuler Viertel Dascht-e-Barchi unterstützte Ärzte ohne Grenzen 2017 das einzige Krankenhaus, das für Notaufnahmen und komplizierte Geburten zuständig war. Die Teams betreuten die Wehen- und Entbindungsräume, den Operationssaal für komplizierte Geburten, die Mütterstation mit 30 Betten und die Säuglingsstation mit 20 Betten. Im Rahmen dieser Hilfe in Afghanistan begleiteten die Teams fast 16.000 Geburten, von denen fast ein Drittel komplizierte Entbindungen waren. Zum Jahresende unterstützte Ärzte ohne Grenzen zudem eine weitere Klinik mit Personal, Schulungen und Medikamenten, um die Versorgung von Schwangeren auszubauen.
  • Ärzte ohne Grenzen setzte 2017 auch das Projekt im Boost-Provinzkrankenhaus in Laschkar Gah, Provinz Helmand, fort. Es ist eins von nur drei Überweisungskrankenhäusern im südlichen Afghanistan: Hilfe leisteten die Teams dort, indem sie mehr als 11.000 Geburten begleiteten, rund 90.000 Notaufnahmen versorgten und fast 3.500 schwer mangelernährte Kinder behandelten – 40 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • Im Jahr 2012 hatte Ärzte ohne Grenzen bereits eine Geburtshilfe-Klinik in Chost, im Osten des Landes, eröffnet. Die Teams halfen bei rund 23.000 Entbindungen im Jahr 2017. Zudem unterstützte Ärzte ohne Grenzen fünf Gesundheitszentren in umliegenden Bezirken, um deren Kapazität für einfache Geburten zu erhöhen. Dies ermöglichte es, dass die Klinik in Chost sich auf komplizierte Fälle konzentrieren konnte.
  • Im Rahmen der TB-Hilfe in Afghanistan beendeten 2017 die ersten Patientinnen und Patienten mit resistenter Tuberkulose ihre Behandlung in der Provinz Kandahar. Seit Beginn dieses Projektes wurden 41 Patienten auf resistente TB diagnostiziert. 13 von ihnen wurden mit neuen Medikamenten behandelt, die die Therapie von 20 Monate auf nur neun verringern. Die Hilfe in Afghanistan umfasste auch die Unterstützung des Mirwais-Regionalkrankenhauses in Kandahar.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1980 Hilfe in Afghanistan an.