Unsere Hilfe in Afghanistan

Ärzte ohne Grenzen weitete in den vergangenen Jahren die Hilfe in Afghanistan auf die Hauptstadt Kabul aus. Im Osten der Stadt unterstützten die Teams den Ausbau des Krankenhauses Ahmad Shah Baba, so dass es auf die Bedarfe der anwachsenden Bevölkerung effektiv reagieren konnte.

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen konzentrierte im Jahr 2016 die Hilfe in Afghanistan auf den verbesserten Zugang zu Notaufnahmen, pädiatrischer Versorgung und Geburtshilfe. Die Müttersterblichkeitsrate in Afghanistan ist eine der höchsten weltweit.

Unsere Hilfe in Afghanistan im Einzelnen (Auszug):

  • Nach dem Angriff des US-amerikanischen Militärs auf das Unfallzentrum von Ärzte ohne Grenzen in Kundus im Oktober 2015 forderte Ärzte ohne Grenzen in den Verhandlungen mit allen Konfliktparteien ein, dass sie die Neutralität der humanitären Hilfe in Afghanistan anerkennen. Ende 2016 erhielt die Organisation schließlich die Zusage, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie alle Patientinnen und Patienten respektiert würden sowie alle Bedürftigen versorgt werden könnten – unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, politischen Überzeugungen oder sonstigen Zugehörigkeiten. Obwohl diese Zusage in aktiven Konfliktzonen nur schwer verbindlich zu garantieren ist, vertraut Ärzte ohne Grenzen darauf als Voraussetzung dafür, eine mögliche Wiederaufnahme der medizinischen Aktivitäten in Kundus zu prüfen.
    Alle anderen Projekte der Afghanistan-Hilfe von Ärzte ohne Grenzen liefen 2016 weiter – mit erhöhten Patientenzahlen, da sich der Konflikt im Land intensivierte.
  • Die Hauptstadt Kabul erfuhr einen so massiven Bevölkerungszuwachs, dass die Gesundheitseinrichtungen der Stadt die zunehmenden Bedarfe nicht mehr decken konnten. Im Ahmad-Scha-Baba-Krankenhaus, im Osten Kabuls, unterstützten die Teams die ambulante und stationäre medizinische Versorgung mit einem Fokus auf die Geburtshilfe und die Notaufnahme. Diese Hilfe in Afghanistan umfasste zudem die pädiatrische Station sowie die Versorgung von mangelernährten Personen und Tuberkulose-Patienten. Die Teams unterstützten auch das Labor sowie die Röntgenabteilung. Die Bettenanzahl wurde von 46 auf 62 erhöht. Insgesamt hielten die Teams 100.000 Konsultationen ab und halfen bei 18.966 Geburten. Sie begannen zudem ein neues Projekt, um Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Asthma oder Epilepsie zu behandeln. 600 Patienten wurden im Rahmen dieser Afghanistan-Hilfe behandelt.
  • Im Kabuler Viertel Dascht-e-Barchi, dessen Bevölkerung ebenfalls rapide zunimmt, unterstützte Ärzte ohne Grenzen 2016 das Krankenhaus, das dort die einzige Einrichtung für Notaufnahmen und komplizierte Geburten ist. Die Teams betreuten die Wehen- und Entbindungsräume, den Operationssaal für Kaiserschnitte und andere komplizierte Geburten, die Mütterstation, die Säuglingsstation mit und den so genannten Känguru-Raum, in dem kranke Neugeborene in den ersten Tagen ihres Lebens versorgt werden. Im Verlauf dieser Hilfe in Afghanistan unterstützten die Teams 15.627 Geburten, von denen fast 27 Prozent komplizierte Entbindungen waren. Ziel ist es, mehr einfache Geburten an andere Kliniken zu überweisen, um sich auf die komplizierten zu konzentrieren. Auf der Säuglingsstation wurden 1.342 Babys versorgt, bei denen es nach der Geburt zu Komplikationen kam.
  • Im Jahr 2012 eröffnete Ärzte ohne Grenzen eine Geburtshilfe-Klinik in Chost, im Osten des Landes. Die Anzahl der Geburten ist in den vergangenen drei Jahren um 40 Prozent gestiegen: von 15.204 in 2014 auf 21.335 in 2016. Zudem wurden im letzten Jahr 1.746 Neugeborene stationär versorgt. In der Umgebung von Chost unterstützten die Teams zudem drei Gesundheitszentren bei einfachen Geburten.
  • Seit 2009 ist Ärzte ohne Grenzen bereits im Boost-Provinzkrankenhaus in Laschkar Gah, Provinz Helmand, tätig. Es ist eins von nur drei Referenzkrankenhäusern im südlichen Afghanistan: Hilfe leisteten die Teams dort u. a. durch die umfassende Renovierung von Gebäuden und die Erweiterung der Mütterstation. Die Bettenanzahl des Krankenhauses stieg so von 150 auf 327. Die Teams nahmen im Jahr 2016 monatlich 2.750 Patientinnen und Patienten stationär auf und halfen bei 10.572 Entbindungen. Das Krankenhaus verfügt auch über eine Säuglingsstation und eine pädiatrische Abteilung, auf der 2016 auch 2.431 mangelernährte Kinder versorgt wurden. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen betreuten zudem die Abteilung für innere Krankheiten, die Intensivstation und die Notaufnahme. Obwohl es im Verlauf des Jahres zu heftigen Kämpfen in der Provinz Helmand kam, wagten 20 Prozent der Patienten den gefährlichen Weg ins Krankenhaus.
  • Im Rahmen der Hilfe in Afghanistan startete Ärzte ohne Grenzen 2016 ein neues Projekt in der Provinz Kandahar. Die Teams unterstützten dort die Diagnose und Behandlung von resistenter Tuberkulose, eröffneten ein Labor und stellten Wohnraum in der Stadt Kandahar zur Verfügung, um die Patienten während ihrer Therapie unterzubringen. Sie unterstützten zudem das Mirwais-Krankenhaus in Kandahar personell und organisierten Schulungen für die Gesundheitsfachkräfte anderer Kliniken, damit diese Tuberkulose-Fälle besser erkennen können. Im letzten Vierteljahr 2016 wurden dadurch 13 Patienten mit multiresistenter Tuberkulose diagnostiziert.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1980 Hilfe in Afghanistan an.