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Unsere Hilfe in Afghanistan

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Die aktuelle Situation in Afghanistan

Mehr als 40 Jahre Konflikt und Instabilität haben im Alltag der Menschen in Afghanistan ihre Spuren hinterlassen. Die Infrastruktur liegt in Trümmern, die Wirtschaft ist zusammengebrochen. Weit verbreitete Armut und ein schwaches Gesundheitssystem gefährden das Leben vieler Afghan*innen. In den Kliniken mangelt es an Medikamenten und qualifiziertem Personal. Die Wege zu medizinischer Hilfe sind riskant und gefährlich und die Behandlungskosten hoch, so dass viele Patient*innen zu spät oder gar keine Hilfe suchen. Zusätzlich werden Gesundheitseinrichtungen immer wieder angegriffen, wie zuletzt im Mai 2020 unsere Entbindungsstation in Dasht-e-Barchi.

Wie wir in Afghanistan helfen

  • Wir versorgen Schwangere und Neugeborene und bieten kostenlose Geburtshilfe.
  • Wir kümmern uns in Notaufnahmen um die Versorgung von Verletzten und Verwundeten.
  • Wir behandeln Menschen, die zum Beispiel an Tuberkulose oder Covid-19 erkrankt sind.

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Warum wir in Afghanistan helfen

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Geburtshilfe: Mutter Zakia steht am Inkubator, in dem ihr Neugeborenes liegt
Die junge Frau brachte ihre Zwillinge 2019, mehrere Monate vor dem Anschlag, im Krankenhaus in Dasht-e Barchin zur Welt. Eines der Kinder war bei der Geburt unterzuckert und wurde für einige Stunden in den Inkubator gelegt.
©Sandra Calligaro

Der jahrzehntelange Konflikt im Land hat die afghanische Wirtschaft und Infrastruktur zerstört. Viele Menschen sind infolgedessen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung, Gewalt und Armut ist die Sterblichkeitsrate in Afghanistan hoch. Unsere Patient*innen berichten von langen, gefährlichen Wegen, um mangelernährte Babys, Schwangere oder verletzte Angehörige ins Krankenhaus zu bringen. Sie erzählen von Kliniken, in denen es nicht genügend Medikamente oder qualifiziertes Personal gibt. Oft kämpfen sie mit Schulden durch Behandlungskosten.

Unsere Arbeit in Afghanistan wird durch die andauernde Gewalt im Land erschwert. In den letzten Jahren gab es schwere Angriffe auf unsere Krankenhäuser: Im Oktober 2015 zerstörten US-Luftangriffe unser Traumazentrum in Kundus. 42 Menschen wurden getötet. Im Mai 2020 griff eine bewaffnete Gruppe unsere Entbindungsstation im Krankenhaus Dasht-e-Barchi in Kabul an, wobei 16 Mütter und eine bei uns angestellte Hebamme getötet wurden.

  • 66.4
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 63.4
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 2388
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 35.4
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2019

Unsere Hilfe in Afghanistan 2019

  • 307.200 ambulante Sprechstunden

  • 59.900 Geburtshilfen

  • 6.280 chirurgische Eingriffe

  • 1.160 Behandlungen resistenter Tuberkulose

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Zakia hält ihre Zwillinge im Arm
Die junge Mutter hält ihre neugeborenen Zwillinge Abbas und Qasim im Arm.
©Sandra Calligaro

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Medizinische Hilfe von Notfallversorgung bis Tuberkulose-Behandlung

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Badro Noor Mohammad wird wegen medikamentenresistenter Tuberkulose behandelt.
Badro Noor Mohammad und ihre Tochter Zainabo werden in unserem Behandlungszentrum in Kandahar wegen ihrer medikamentenresistenten Tuberkulose behandelt. Sie wohnen seit fast einem Jahr im Gästehaus für Patient*innen.
©MSF/Laura Mc Andrew

Unsere Hilfe in Afghanistan umfasst sechs Projekte in sechs Provinzen, in den wir uns auf die Notaufnahme, Pädiatrie und Geburtshilfe fokussieren. Bereits seit zehn Jahren sind wir im Boost-Provinzkrankenhaus in Laschkar Gah tätig. Es liegt in der konfliktreichen Provinz Helmand und ist eins von nur drei Überweisungskrankenhäusern im südlichen Afghanistan: 2019 begleiteten wir dort mehr als 17.400 Geburten, kümmerten uns um 184.000 Patient*innen in der Notaufnahme und versorgten etwa 87.000 mangelernährte Kinder.

Im Rahmen der Tuberkulose-Hilfe in Afghanistan konzentrieren wir uns auf die Diagnose und Behandlung von Patient*innen mit multiresistenter Tuberkulose in der Provinz Kandahar. Unsere Hilfe umfasste auch die Behandlung herkömmlicher Tuberkulose (TB) im Mirwais-Regionalkrankenhaus und im TB-Zentrum der Provinz.

Lebensrettende Geburtshilfe für Mütter und Kinder

In unserer Klinik in Khost in Afghanistan kommen mehr Kinder zur Welt als in jedem anderen Projekt von Ärzte ohne Grenzen. Dank kostenloser, qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung können wir in unseren beiden Krankenhäusern in der Provinz Khost und Helmand des Leben vieler Mütter und Neugeborenen retten. Ein wichtiger Beitrag in einem vom Krieg gezeichneten Land: Denn nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben in Afghanistan fast 70-mal mehr Mütter bei der Geburt als in Deutschland. Ein Grund dafür ist, dass in dem Land nur knapp mehr als die Hälfte der Geburten durch geschultes Personal begleitet wird. In ländlichen Regionen wie der Provinz Khost wird die Lage dadurch verschärft, dass es nur Frauen erlaubt ist, Patientinnen zu behandeln.

Deshalb ist die Ausbildung von medizinischem Personal ein wichtiger und integraler Bestandteil unserer Arbeit in Afghanistan. Allein in unserer Klinik in Khost arbeiten rund 280 Afghaninnen. Das Projekt ist damit inzwischen der größte Arbeitgeber für Frauen in der Region.

Als Hebammen in Afghanistan sind wir die stillen Führerinnen unseres Landes. Wir stehen am Bett der schwangeren Frauen, die die Zukunft des Landes zur Welt bringen - und wir müssen geschützt werden.

Zahra Koochizad, Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen auf der Geburtsstation im Krankenhaus Dasht-e-Barchi in Kabul

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Geburtshilfe in Dasht-e-Barchi: Zakia mit einem ihrer Zwillinge
Die junge Frau wird in den ersten Tagen nach der Geburt ihrer Zwillinge von ihrer Mutter unterstützt. Die junge Mutter und ihre Zwillinge waren mehrere Monate vor dem Anschlag in Dasht-e-Barchi unsere Patient*innen und konnte gesund entlassen werden.
©Sandra Calligaro

Eine der größten Herausforderungen, mit denen jede Hebamme und schwangere Frau in Afghanistan konfrontiert ist, ist die Unsicherheit. Der Weg in eine Klinik ist riskant, aber auch die Ankunft in einer Einrichtung ist keine Garantie für Sicherheit. Das mussten unsere Patient*innen und Mitarbeiter*innen am 12. Mai 2020 schmerzlich erfahren. Bewaffnete Männer stürmten die Entbindungsstation im Krankenhaus Dasht-e-Barchi in Kabul. Nach dem tödlichen Angriff mit 25 Toten haben wir das Projekt geschlossen. Mit fast 16.000 Entbindungen im Jahr 2019 war die Entbindungsstation Dasht-e-Barchi eines der größten derartigen Projekte von Ärzte ohne Grenzen weltweit.

Covid-19-Behandlungszentrum in Herat

Herat ist ein Covid-19-Hotspot. Schon Ende Februar 2020 gab es dort erste Erkrankte. Nach Jahrzehnten des Krieges war das afghanische Gesundheitssystem ohnehin überlastet, mit der Pandemie verschlechterte sich die Situation weiter. Viele Ärzt*innen und Pflegekräfte erkrankten schwer. Der Mangel an Fachpersonal war überall zu spüren. Patricia Neugebauer war ab Ende April 2020 zwei Monate im Noteinsatz gegen Covid-19 in Herat.

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Patient mit Atemmaske im Covid-19-Behandlungszentrum in Herat
Mohammed Hashim ist der erste Patient im neu eröffneten 32-Betten-COVID-19-Behandlungszentrum in Herat.
©Laura Mc Andrew/MSF

Im Regionalkrankenhaus in Herat untersuchte sie gemeinsam mit afghanischen Kolleg*innen im Mai wöchentlich bis zu 2.000 Menschen. Von 100 Patient*innen waren zu dieser Zeit fünf bis zehn in einem ernsten bis kritischen Zustand. Das zeigt das Ausmaß der Krise. Im Juni eröffneten wir im Gazer-Gah-Krankenhaus ein Covid-19-Behandlunszentrum mit 32 Betten. Doch für viele Menschen ist das Virus nicht ihre größte Sorge. Denn oft wissen sie morgens nicht, woher sie genug Essen für ihre Kinder bekommen sollen. Das spürten wir auch in der Ernährungsstation des Regionalkrankenhauses von Herat, das wir seit Oktober 2019 unterstützen: Wir behandelten dort viele mangelernährte Kinder.