Unsere Hilfe in Äthiopien

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen fokussierte 2015 die Hilfe in Äthiopien darauf, gemeinsam mit den nationalen Behörden auf den Ausbruch von Krankheiten zu reagieren und Engpässe in der medizinischen Basis- und Notversorgung für die schnell wachsende Bevölkerung zu füllen, zu der auch viele Flüchtlinge gehörten.

Die Hilfe in Äthiopien im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen leistete weiterhin Hilfe in Äthiopien, obwohl sich die Gesundheitsindikatoren 2015 beträchtlich verbessert hatten. Doch die instabile Wetterlage verursachte Dürreperioden und Überflutungen, was bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu einem beschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung führte. 
  • Region Gambella: Zwischen 2014 und 2015 kamen mehr als 220.000 südsudanesische Flüchtlinge – meist Frauen und Kinder - in der Region Gambella an, die nur über eine beschränkte Infrastruktur verfügt. Bis Mai 2015 leistete Ärzte ohne Grenzen im Flüchtlingslager Leitchuor umfassende Hilfe in einem Gesundheitszentrum und betreute mobile Kliniken in den Transitcamps Burbiey und Matar. Die Lager Leitchuor und Nip-Nip, die in einem für Überflutungen anfälligen Gebiet errichtet worden waren, wurden während der Regenzeit völlig überschwemmt, so dass 40.000 Flüchtlinge nach Jewi umgesiedelt werden mussten. Daraufhin verringerten die Teams die Aktivitäten im Camp Leitchuor und übernahmen das wichtigste Gesundheitszentrum in Jewi, wo sie im Rahmen der Hilfe in Äthiopien medizinische Sprechstunden abhielten, die Notaufnahme und Geburtshilfe betreuten sowie aufsuchende Hilfe leisteten. Im Verlauf des Jahres führten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr als 19.600 ambulante Konsultationen durch.
  • Während der Überflutungen im Jahr 2014 wurde das von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Gesundheitszentrum in Itang, nahe der Lager Kule und Tierkidi, zerstört und musste zeitweilig verlegt werden. Erst im Februar 2015 kehrte das Zentrum an den ursprünglichen Standort mit einer Kapazität von 55 Betten zurück. Die Teams leisteten dort ambulante Hilfe und stationäre Versorgung. Mehr als 200.000 ambulante Konsultationen wurden während es Jahres durchgeführt und 70.000 Malaria-Patienten behandelt. Mobile Kliniken versorgten die Flüchtlinge in den Camps Pagak und Pamdong. Da die Krankenhauskapazität im Flüchtlingslager erhöhte wurde, konnte das Gesundheitszentrum im Juli 2015 geschlossen werden. Von Dezember 2015 bis Januar 2016 weitete Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Äthiopien aus und führte eine Meningitis-Impfkampagne durch, die fast 60.000 Menschen erreichte.
  • Im November 2015 starteten die Teams von Ärzte ohne Grenzen basis- und fachmedizinische Hilfe, die auch die Versorgung von mangelernährten Patienten und solchen mit Tuberkulose (TB) und HIV beinhaltete, in den Lagern in Pugnido, nahe der Stadt Gambella.  Sie schufen zudem ein Netzwerk von Gemeindegesundheitshelfern, um den Ausbruch von Krankheiten zu überwachen und Patienten zur medizinischen Versorgung an das Gesundheitszentrum zu überweisen. Bis Dezember führten sie mehr als 9.700 ambulante Sprechstunden durch.
  • Im Februar 2015 wurde die dritte Runde einer Impfkampagne für Flüchtlingskinder zwischen sechs und 59 Monaten in der Region Gambella durchgeführt. Dabei wurden 13.862 Kinder gegen Pneumokokken und 3.376 Kinder gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Hepatitis B geimpft.
  • Region Somali: Die Hilfe in Äthiopien umfasste auch die medizinische Versorgung und Ernährungshilfe für somalische Flüchtlinge im Aufnahmezentrum Dolo Ado sowie in den Lagern Buramino und Hiloweyn. Davon profitierten die Bewohner des Bezirks, die Flüchtlinge in den fünf Lagern sowie Somalier, die die Grenze passierten und medizinische Hilfe benötigten. In den Lagern Buramino und Hiloweyn erhielten mehr als 2.800 Kinder zusätzliche Nahrung. Die Teams führten zudem 1.300 Schwangerenberatungen durch.
  • Ärzte ohne Grenzen kooperierte mit dem Regionalen Gesundheitsbüro, um die Versorgung in der Klinik in Dolo Ado zu verbessern. 2015 behandelten die Teams erstmals TB-Patienten und richteten eine Blutbank ein. Zudem wurden mehr als 1.800 Patienten in der Notaufnahme versorgt und 1.000 Patienten stationär aufgenommen. Zu den häufigsten Krankheiten gehörten Atemwegsinfektionen und Magen-Darm-Beschwerden.
  • Die Jerar-Zone ist ein Gebiet mit einem niedrigschwelligen Konflikt. Im Rahmen der Hilfe in Äthiopien unterstützte Ärzte ohne Grenzen hier ein Krankenhaus und ein Gesundheitszentrum  sowie mobile Kliniken, die bis zu 23 Ortschaften in den Bezirken Degehabur, Birqod, Ararso und Yocale versorgten. Zum Jahresende wurden die mobilen Kliniken reduziert, um die Angebote zu optimieren und qualitativ zu verbessern. Die Teams eröffneten einen weiteren Standort mit einem Gesundheitszentrum im Bezirk Yocale, der rund um die Uhr Hilfe anbot. Im Krankenhaus in Degehabur betreute Ärzte ohne Grenzen fachmedizinische Dienste und eine TB-Station für überwiesene Notfälle. Zudem wurde im Jahr 2015 ein Wartesaal für Schwangere gebaut. Das medizinische Ernährungszentrum und die TB-Station wurden an das Krankenhaus übergeben. Die Teams versorgten jedoch weiterhin akut mangelernährte Kinder und gefährdete Personen in Jerar. Zudem überwachten rund 76 Gemeindegesundheitshelfer den Ausbruch von Krankheiten in Degehabur und an 26 Standorten außerhalb der Stadt. Darüber hinaus unterstützte Ärzte ohne Grenzen logistisch die Impfkampagnen, die das Regionale Gesundheitsbüro durchführte. 
  • Der Bezirk Fiq in der Nogob-Zone ist ebenfalls ein Gebiet mit einem seit Langem schwelenden Konflikt. Die Teams unterstützten gemeinsam mit den Behörden das Krankenhaus in Fiq und leisteten dort medizinische Hilfe und Ernährungsunterstützung. 
  • In der Warder-Zone fokussierte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Äthiopien auf die Versorgung von Müttern und Kindern. Die Teams boten reproduktive Gesundheitsversorgung und pädiatrische Hilfe an, behandelten Mangelernährte und versorgten Opfer sexueller Gewalt.  Zudem leisteten sie basismedizinische Hilfe im Gesundheitszentrum in Yucub und mit mobilen Kliniken. Im Jahr 2015 führten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund 22.400 ambulante Sprechstunden und 2.700 Schwangerenberatungen durch. Sie nahmen zudem 1.000 Patienten stationär auf. Etwa 1.000 Mangelernährte jedes Alters wurden im Ernährungszentrum versorgt.
  • Die Siti-Zone im Norden der Region Somali litt unter einer schweren Dürre, die zu sehr hohen Mangelernährungsraten führte. Im November ergab eine Untersuchung in den Bezirken Hadigala, Erer und Afdem Mangelernährungsraten von bis zu 14 Prozent unter der nomadischen Bevölkerung. Ärzte ohne Grenzen startete daraufhin im Dezember ein Nothilfeprojekt.
  • Auch der Nordosten Äthiopiens wurde von einer schweren Dürre getroffen. Die Gesundheitsbehörden erteilten Ärzte ohne Grenzen daher die Genehmigung, im Oktober in den Bezirken Gewane und Bidu, im Norden der Afar-Zone, ein Ernährungsnothilfeprojekt zu starten. 
  • Region SNNPR: Ärzte ohne Grenzen weitete die Hilfe in Äthiopien auf die Region südliche Nationen, Nationalitäten und Völker (SNNPR) auf. Hier starteten die Teams ein Nothilfeprojekt, um die epidemiologische Überwachung zu gewährleisten, lokale Kontakte aufzubauen und auf jegliche Gesundheitskrise reagieren zu können. Gemeinsam mit den Regionalen Gesundheitsbehörden wurden sechs Zonen festgelegt, in denen 2015 insgesamt 112 Mitarbeitende des Gesundheitsministeriums in epidemiologischer Überwachung geschult wurden. 
  • Kala Azar: Kala-Azar (viscerale Leishmaniose) ist eine parasitäre Erkrankung, die durch Sandfliegen übertragen wird. Sie ist endemisch in Äthiopien und endet unbehandelt fast immer tödlich. Seit 2003 betreut Ärzte ohne Grenzen in Abdurafi ein Projekt, das kostenlose Diagnose, Behandlung und Überweisungen für die lokale Bevölkerung und Wanderarbeiter anbietet. Die Häufigkeit der Krankheit und die Anzahl der Todesfälle sind seitdem zurückgegangen. Mehr als 2.500 Personen wurden 2015 auf Kala-Azar untersucht und 325 positiv getestete Patienten medizinisch behandelt. Darüber hinaus erhielten 249 akut schwer mangelernährte Patienten in Abdurafi Ernährungshilfe, 325 Patienten wurden gegen Schlangenbisse behandelt.
  • Region Tigray: Im Rahmen der Hilfe in Äthiopien eröffnete Ärzte ohne Grenzen im Februar ein psychologisches Projekt für eritreische Flüchtlinge in den Lagern der Region Tigray. In den Kliniken der Camps in Shimelba und Hitsats boten die Teams ambulante psychosoziale und psychiatrische Hilfe an. In Shimelba wurde zudem ein psychiatrisches Versorgungszentrum für stationäre Fälle eröffnet. Insgesamt wurden mehr als 600 psychologische Einzelgespräche durchgeführt. Hinzu kamen Aufklärungs- und Gesundheitserziehungsaktivitäten in den Gemeinden, um das Stigma psychischer Erkrankungen zu verringern und sicherzustellen, dass diejenigen, die Hilfe benötigten, diese auch in Anspruch nahmen.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1984 Hilfe in Äthiopien an.