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Unsere Hilfe im Südsudan

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Die aktuelle Situation im Südsudan

Seit Mai ist das Land von den stärksten Überschwemmungen seit Jahrzehnten betroffen. Die Gesundheit von circa 800.000 Menschen ist bedroht. Es fehlt an Nahrung und sauberem Wasser. Vor allem in den Bundesstaaten Jonglei und Unity ist die Lage kritisch. Dort leben 77 Prozent der Betroffenen. Das Wasser hat auch eine unserer Kliniken zerstört. Nun versorgen mobile Teams die Menschen. Mit Schnellbooten bringen wir Patient*innen in kritischem Zustand in Krankenhäuser. In vielen Gebieten steigt das Wasser und die Wettervorhersagen künden weiteren Regen an.  

Aufgrund der Überschwemmungen steigt die Zahl der Binnenvertriebenen, die in den Camps in Bentiu Schutz suchen. 25.000 von mittlerweile 120.000 Vertriebenen leben in provisorischen Unterbringungen. Die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sind unzureichend, die hygienischen Bedingungen mangelhaft. Die Nahrung ist knapp. Hepatitis-E- und Durchfallerkrankungen sowie Mangelernährung nehmen infolgedessen zu. Schon jetzt ist unser Krankenhaus im Camp Bentiu völlig überlastet. 

Ende Oktober trifft ein Notfallteam ein. Medizinisches Personal, Expert*innen für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie Notfallkoordinator*innen unterstützen unser Team im Camp Bentiu sowie in und um die Stadt Bentiu. Wir planen die Wasserversorgung und die sanitären Verhältnisse im Camp zu verbessern: Latrinen entleeren, reinigen und reparieren.

Wie wir im Südsudan helfen

  • In Bentiu betreiben wir ein Krankenhaus mit einer stationären Abteilung, einer Notaufnahme für Kinder und Erwachsene und einer Chirurgie

  • Wir versorgen Vertriebene in den Camps leisten dort Geburtshilfe, bieten psychologische Betreuung sowie Wasser- und Sanitärdienstleistungen an. 

  • Wir kümmern uns um die Gesundheit der Jüngsten: Wir behandeln mangelernährte oder an Malaria erkrankte Kinder und impfen Tausende gegen Masern.   

  • Wir versorgen Verletzte nach Naturkatastrophen oder in Folge von Gewalt und behandeln Patient*innen, die von Schlangen gebissen wurden. 

  • Wir helfen Überlebenden sexualisierter und geschlechtsbezogener Gewalt. 

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Warum wir im Südsudan helfen

Seit 2011 ist der Südsudan unabhängig vom Nachbarstaat Sudan, doch die Hoffnung auf ein besseres Leben hat sich bis heute nicht erfüllt. Rund 7,5 Millionen Menschen, das entspricht in etwa zwei Drittel der gesamten Bevölkerung im Südsudan, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Trotz der Unterzeichnung eines Friedensabkommens und der Bildung einer Einheitsregierung bleibt die Situation bis heute im Südsudan fragil. Es kommt wiederholt zu heftigen Kämpfen. Hunderttausende Südsudanes*innen leiden darunter: Aus Angst um ihr Leben haben viele ihr Hab und Gut aufgegeben und sind vor der Gewalt geflohen.

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Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Old Fangak: Medizinische Hilfe bei schweren Erkrankungen
Unser Krankenhaus in Old Fangak ist der einzige Ort in der Region, um schwere Erkrankungen zu behandeln. Unsere Patient*innen sind oft mehrere Stunden bis mehrere Tage dorthin unterwegs.
©Tetiana Gaviuk/MSF

Hinzu kommen die Folgen der Klimakrise, wie langanhaltende Dürren oder heftige Überschwemmungen, die Ernten zerstören und die Ausbreitung von Krankheiten begünstigen. Neben Nahrung mangelt es an sauberem Wasser und hinreichender Gesundheitsversorgung. Um medizinische Hilfe zu bekommen, müssen die Menschen im Osten des Landes oft mehr als eine Stunde laufen und Sümpfe durchqueren, während sie Patient*innen in Körben oder auf Plastikplanen tragen.  

Angesichts der aufflammenden Gewalt, wachsenden Naturkatastrophen und der Covid-19-Pandemie haben wir unsere Hilfe im vergangenen Jahr entsprechend angepasst. Gleichzeitig führten wir unsere Arbeit in den bestehenden 16 Projekten fort. Im Südsudan betreiben wir Krankenhäuser und Kliniken und unterstützen bestehende staatliche Einrichtungen, vor allem bei der Versorgung von Müttern, Kindern und Neugeborenen sowie bei der Bekämpfung von Krankheitsausbrüchen. Wir bilden lokale Gesundheitshelfer*innen aus und behandeln Krankheiten wie Tuberkulose und Kala-Azar sowie die Folgen von Schlangenbissen. 

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1983 Hilfe im Südsudan. Bis zur Erlangung seiner Unabhängigkeit im Jahr 2011 war der Südsudan ein Teil des Sudans. 

  • 59.4
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 56.4
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 3555
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 77.8
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Unsere Hilfe im Südsudan 2020

  • 688.000 ambulante Konsultationen 

  • 195.300 Malaria-Behandlungen 

  • 6.720 Masern-Behandlungen 

  • 54.300 stationäre Neuaufnahmen 

  • 13.400 Entbindungen 

  • 5.100 chirurgische Eingriffe 

  • 820 Behandlungen infolge sexualisierter Gewalt 

  • 2.340 Behandlungen infolge von körperlicher Gewalt 

  • 2.050 stationäre Aufnahmen von Kindern ins Ernährungsprogramm 

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Geburtshilfe im Südsudan: Ultraschall bei einer Schwangeren
Katharina von Goldacker während ihres Einsatzes im Südsudan: Im Krankenhaus in Lankien macht sie bei einer Schwangeren einen Ultraschall.
©Peter Bräunig

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Zunehmende Gewalt trifft Patient*innen und Mitarbeitende 

Allein zwischen Januar und Oktober 2020 wurden im Südsudan mehr als 2.000 Menschen bei heftigen Kämpfen getötet, unter ihnen einer unserer südsudanesischen Mitarbeiter, und Zehntausende Menschen vertrieben. Im Bundesstaat Jonglei, unter anderem in Pieri, sowie in den beiden Städten Lankien und Pibor im Osten des Landes versorgten unsere Teams Verletzte mit schweren Schuss- und Stichwunden. Schwer verletzte Patient*innen aus Pieri und Lankien brachten wir per Flugzeug in unsere Klinik in der Schutzzone der Vereinten Nationen in Bentiu und operierten sie dort.  

Im Mai zwang die brutale Gewalt in Pibor unser Team, für zwei Tage ihre Arbeit zu unterbrechen, nachdem Mitarbeitende aus Angst um ihr eigenes Leben in abgelegenen Waldgebieten Schutz gesucht hatten. Als im August erneut Gewalt ausbrach, leisteten wir bis Ende des Jahres akute Nothilfe. Wir haben dieses Projekt nunmehr geschlossen, um unsere medizinische Hilfe neu auszurichten und an die dringenden Bedürfnisse an Gesundheitsversorgung vor Ort anzupassen. 

Hilfe für Vertriebene im Südsudan

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Mangelernährung im Südsudan: Nysunday kam in das Ernährungszentrum in Bentiu. Nach erfolgreicher Behandlung konnte er wieder nach Hause.
Der eineinhalbjährige Nyasunday kam mangelernährt in unser Ernährungszentrum in Bentiu. Nach der Behandlung konnte er mit seiner Mutter wieder nach Hause.
©Tetiana Gaviuk/MSF

Im Dezember 2013 – nur zwei Jahre nach der Unabhängigkeit - erschütterten bewaffnete Konflikte den neugegründeten Staat und zwangen Tausende Menschen zur Flucht. Bis heute leben insgesamt fast 1,5 Millionen Südsudanes*innen als Vertriebene im eigenen Land, 118.000 davon allein im Vertriebenencamp in Bentiu. Sie leben dort unter widrigen Bedingungen. Von Januar bis Oktober 2020 haben wir in Bentiu mehr als 80.000 Menschen behandelt, die meisten wegen Malaria und Atemwegsinfektionen.  

Im Mai 2020 erreichte die Covid-19-Pandemie die Vertriebenen im Camp, als erste Infektionen diagnostiziert wurden. Seit mehreren Jahren versorgen wir die Menschen in Bentiu medizinisch: Wir leisten Geburtshilfe, betreuen Überlebende sexualisierter Gewalt, bieten psychologische Beratung und behandeln Patient*innen, die an Tuberkulose, Cholera, Typhus oder Malaria erkrankt sind. Außerdem kümmern wir uns um mangelernährte Kinder.  

Im Juli 2020 kündigte die Mission der Vereinten Nationen zur Absicherung des Friedens im Südsudan (UNMISS) ihren Rückzug aus der Schutzzone in Bentiu an. Der Prozess hat in Bentiu noch nicht begonnen, doch wir hören besorgte Stimmen von Patient*innen. Sie äußern Bedenken hinsichtlich ihrer Sicherheit, sobald die UN den Standort nicht mehr schützt. 

Nun kommen die vielen Hepatis-E- und Durchfallerkrankung hinzu. Im August 2021 fanden wir durch eine Umfrage unter den Bewohner*innen in Bentiu heraus, dass nur rund 27 Prozent der Haushalte ein Stück Seife besaßen. Außerdem haben nur etwa 13 Prozent der Menschen Zugang zu Handwaschplätzen mit Wasser und Seife in der Nähe der Latrinen.  

"Wir haben wiederholt vor den Gesundheitsrisiken gewarnt, die von der unzureichenden Versorgung mit Wasser und sanitären Einrichtungen im Camp Bentiu ausgehen. Das Versäumnis, diese Probleme anzugehen, und die Tatsache, dass die Behörden ihre Wasser- und Abwasserversorgung im vergangenen Jahr tatsächlich reduziert haben, hat nun zu dieser vermeidbaren Situation geführt," sagt unsere Landeskoordinatorin Federica Franco. 

Überschwemmungen sorgen für vermehrte Infektionskrankheiten

Starke Regenfälle lassen immer wieder Flüsse über die Ufer treten und verursachen katastrophale Überschwemmungen. Unterkünfte werden überflutet, Nahrungsmittelvorräte und Ernten zerstört. Verunreinigtes Wasser und stehende Gewässer begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten wie Durchfall. 

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Dorothy I. Esonwune, Projektkoordinatorin in Old Fangak, wartet vor der überschwemmten Schule im Dorf Wangchot auf einen Patienten.
Dorothy I. Esonwune, Projektkoordinatorin in Old Fangak, wartet vor der überschwemmten Schule im Dorf Wangchot auf einen Patienten.
©Tetiana Gaviuk/MSF

Mehr als eine Million Menschen war im vergangenen Jahr im Südsudan von Überschwemmungen betroffen. Angesichts dessen leisteten wir 2020 in den betroffenen Bundesstaaten Greater Pibor, Jonglei, Upper Nile und Unity medizinische Hilfe. Viele Patient*innen, die wir behandelten, litten an Malaria, waren an Masern erkrankt oder mangelernährt.

 

Schlangenbisse: Eine vernachlässigte Gefahr

Schlangenbisse sind für viele Menschen im Südsudan eine große Gefahr für Leib und Leben. So auch für unseren jungen Patienten Anyar. Unsere Physiotherapeutin Birgit Schönharting lernte Anyar während ihres Einsatzes für Ärzte ohne Grenzen im Gebiet Abyei an der sudanesisch-südsudanesischen Grenze kennen. Der Junge wurde – wie so viele dort, die vor ihren Hütten spielen oder auf den Feldern arbeiten – von einer Giftschlange in den Fuß gebissen. „Als ich Anyar in unserer Klinik zum ersten Mal sah, weinte und schrie er vor Schmerzen“, erinnert sich Schönharting. „Ganz behutsam sprach ich ihn an und lächelte ihm zu.“

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Es brauchte mehrere Operationen bis der 5-jährige Anyar wieder laufen konnte. Sein Vater brachte ihn nach einem Schlangenbiss in unsere Klinik in Agok.
©MSF/Damaris Giuliana

Was dann passiert, ist für die Physiotherapeutin eine der bewegenden Erfolgsgeschichten, die sie immer wieder zum Einsatz in Krisengebieten motivieren: Der Junge fasst Vertrauen, beginnt an sich und an die Therapie zu glauben, übt beharrlich. Nach fünf Wochen macht er die ersten freien Schritte. 

Giftschlangen beißen weltweit jedes Jahr rund 2,7 Millionen Menschen. 100.000 Menschen sterben daran und weitere 400.000 tragen bleibende Gewebeschäden und Behinderungen davon. Vergiftungen aufgrund von Schlangenbissen zählen zu den weltweit vernachlässigten Krankheiten. Das heißt, in die Diagnose, Prävention und Behandlung dieser Krankheiten wird unzureichend investiert. Deshalb setzt sich Ärzte ohne Grenzen auch politisch für einen besseren Zugang zu medizinischer Hilfe bei Schlangenbissen ein. 

Zuletzt aktualisiert am: 17. November 2021