Unsere Hilfe im Südsudan

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Krieg, fehlende medizinische Versorgung und Mangelernährung bestimmen die aktuelle Lage im Südsudan. Erfahren Sie hier mehr zu unserer Hilfe während der Ernährungskrise.

Im Südsudan-Konflikt reagierte Ärzte ohne Grenzen 2015 auf den immensen medizinischen Bedarf infolge der anhaltenden Gewalt gegen Zivilisten und einer außergewöhnlich schweren Malaria-Epidemie. Unsere Arbeit im Rückblick:

Unsere Hilfe im Südsudan-Konflikt im Einzelnen (Auszug):

  • Der Südsudan-Konflikt belastet die Menschen schwer. Das Land hat mehr als zwei Jahre anhaltende Gewalt gegen die Zivilbevölkerung hinter sich. Es gibt mittlerweile mehr als eine Million Vertriebene, und Hunderttausende hatten monatelang keinen Zugang zu medizinischer oder humanitärer Hilfe . Dies betrifft vor allem die Bundesstaaten Jonglei, Unity und Upper Nile.  Ärzte ohne Grenzen weitete die Programme im Land aus, doch der Zugang zu den hilfsbedürftigen Menschen wurde oft durch Kämpfe  oder Angriffe auf medizinische Einrichtungen unterbrochen. Hinzu kamen häufige Medikamenten-Engpässe, sogar in den Gebieten, in denen nicht gekämpft wurde. Darüber hinaus erlebte das Land eine der schlimmsten Malaria-Epidemien seit vielen Jahren. Ärzte ohne Grenzen behandelte  2015 insgesamt 295.000 Malariapatienten – fast zehnmal mehr als im Vorjahr.
  • Im Bundesstaat Unity eskalierte der Südsudan-Konflikt  zwischen April und November 2015, so dass Hunderttausende Menschen aus ihren Dörfern fliehen mussten. Viele versteckten sich im Buschland und in den Sümpfen. Ärzte ohne Grenzen wurde über Exekutionen, Massenvergewaltigungen, Entführungen und über die Auslöschung ganzer Dörfer informiert. Fünf südsudanesische Teammitglieder wurden getötet inmitten extremer Gewalt. 13 Kolleginnen und Kollegen gelten weiterhin als vermisst. Ärzte ohne Grenzen musste sich zeitweilig im Mai aus Nyal und im Mai und Oktober aus Leer zurückziehen. Die Anzahl der Menschen an den von den Vereinten Nationen (UN) eingerichteten Schutzplätzen für Zivilisten in Bentiu, im Norden des Bundesstaates Unity, stieg bis zum Jahresende von 45.000 auf 100.000 Schutzsuchende an. Ärzte ohne Grenzen betrieb dort das einzige Krankenhaus und erweiterte umgehend die Kapazitäten. Außerdem betreuten die Teams mobile Kliniken und ein Ernährungsprogramm im südlichen Teil des Bundesstaates sowie in der Stadt Bentiu, wann immer die Sicherheitslage es zuließ. Viele Patientinnen und Patienten mit gewaltbedingten Verletzungen wurden für chirurgische Eingriffe in das von Ärzte ohne Grenzen betriebene Krankenhaus nach Leer gebracht.  Der Südsudan-Konflikt führte auch dazu, dass Tausende Menschen in den Norden des Bundestaates Jonglei flohen, wo die Teams ein Projekt in Old Fangak eröffneten:  Sie boten dort Hilfe in einer Klinik an, betreuten mobile Kliniken und transportierten Überweisungsfälle per Boot ins nächste Krankenhaus. Zudem eröffneten die Teams eine weitere Klinik in Mayom, einer entlegenen Ortschaft im Norden des Bundesstaates Unity. Sie versorgten die Patienten basismedizinisch und ermöglichten stationäre Überweisungen ins Krankenhaus nach Agok. Ärzte ohne Grenzen reagierte auch auf den Ausbruch von Krankheiten wie Masern, Malaria oder Meningitis im Flüchtlingslager Yida, in dem rund 70.000 sudanesische Flüchtlinge untergebracht waren.
  • Im Bundesstaat Upper Nile wirkte sich die Zuspitzung im Südsudan-Konflikt ebenfalls negativ auf den Zugang der Bevölkerung zu den Projekten von Ärzte ohne Grenzen entlang des Flusses Weißer Nil aus. Im Mai 2015 wurde der Fluss zur Frontlinie, so dass die humanitäre Hilfe sehr eingeschränkt wurde. Die Menschen in Wau Shilluk hatten monatelang nur einen sehr beschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Tausende Zivilisten überquerten den Fluss auf der Suche nach Schutz und Hilfe. Die Bevölkerung am UN-Schutzstandort in Malakal wuchs von 21.000 auf 48.000 Menschen. Sie lebten dort unter unhygienischen und menschenunwürdigen Bedingungen an einem völlig überfüllten Standort. Ärzte ohne Grenzen betreute auch dort das einzige Krankenhaus. Die Teams reagierten auf große Krankheitsausbrüche, einschließlich Malaria, Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen. In Wau Shilluk erweiterte Ärzte ohne Grenzen die Kapazität des Basisgesundheitszentrums, um Patienten auch stationär versorgen zu können. Darüber hinaus leisteten die Teams medizinische Hilfe im Lager Doro für sudanesische Flüchtlinge, die aus dem Konfliktgebiet im Bundesstaat Blue Nile geflohen waren. Von dieser Hilfe profitierte auch die lokale Bevölkerung des Bezirks Maban. Ärzte ohne Grenzen übergab die medizinischen Programme für sudanesische Flüchtlinge in den Lagern in Batil und Gendrassa an andere Hilfsorganisationen.
  • Neben dem Südsudan-Konflikt wurde die Bevölkerung auch durch eine ungewöhnlich schwere Malaria-Saison gebeutelt – und das bereits im zweiten Jahr in Folge. Der Ausbruch im Nordwesten wurde durch landesweite Medikamentenengpässe in offiziellen Gesundheitseinrichtungen verschärft. In den Projekten von Ärzte ohne Grenzen in Agok, Aweil, Bentiu, Doro, Gogrial, Mayom und Yida kam es zu einem dramatischen Anstieg von Krankheitsfällen. Umgehend erweiterten die Teams die Kapazitäten, starteten große Malaria-Programme und verstärkten ihre Unterstützung für andere Gesundheitseinrichtungen in der Umgebung. 
  • Hinzu kam, ebenfalls im zweiten Jahr in Folge, ein Cholera-Ausbruch. Ärzte ohne Grenzen behandelte die Patienten und Patientinnen und stellte technisch-logistische Hilfe für das Cholera-Behandlungszentrum im Krankenhaus in Bor, Bundesstaat Jonglei, zur Verfügung. Ein weiteres Team eröffnete in der Hauptstadt Juba ein Cholera-Behandlungszentrum und impfte dort mehr als 160.000 Personen gegen die Krankheit. Im Bundesstaat Western-Equatoria betreute Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken und spendete medizinisches Material. Im September stellten die Teams nach der Explosion eines Tanklasters , die mehr als 200 Menschen in Maridi tötete und etwa 100 Personen verletzte, die chirurgische Versorgung zur Verfügung und spendeten medizinisches Material. 
  • Trotz des Südsudan-Konflikts führte Ärzte ohne Grenzen das HIV-Programm in Yambio fort. 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1983 Hilfe im Südsudan-Konflikt an.