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Unsere Hilfe im Südsudan

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Die aktuelle Situation im Südsudan

Ein kleines behelfsmässiges Floss aus Plastikplanen und trockenem Gras treibt den Nil hinab. Darauf eine ganze Familie, acht Personen. Das jüngste Kind ist noch ein Baby. Alles, was sie noch haben, sind einige Kleidungsstücke und ein paar Kochgefässe.  

Hinter ihnen ist ihr Dorf fast vollständig von den Fluten überschwemmt. Vor den Fluten geflohen, leben die Menschen in behelfsmäßigen Unterkünften und Camps. In ihr Zuhause können sie nicht zurück, denn Dörfer, Schulen und Gesundheitseinrichtungen sind zerstört. Die Felder stehen unter Wasser und das Vieh ist ertrunken oder vertrieben - die Menschen sind ihrer Lebensgrundlage beraubt. Die gestiegenen Preise machen es schwer, Nahrung zu beschaffen. Auch die Zahl der Menschen, die an Malaria oder akut wässrigem Durchfall erkranken, ist hoch.

Wie wir im Südsudan helfen

  • In Bentiu betreiben wir ein Krankenhaus, das inzwischen 175 Betten umfasst. Dort gibt es eine stationäre Abteilung, eine Notaufnahme für Kinder und Erwachsene und eine Chirurgie.  

  • Wir leiten mobile Kliniken und nutzen Boote, um auch Menschen in Überschwemmungsgebieten zu erreichen.

  • Wir versorgen Vertriebene in den Camps, leisten dort Geburtshilfe, bieten psychologische Betreuung, sowie Wasser- und Sanitärdienstleistungen an. 

  • Wir kümmern uns um die Gesundheit der Jüngsten: Wir behandeln mangelernährte oder an Malaria erkrankte Kinder. Außerdem bieten wir Masernimpfungen an.  

  • Wir versorgen Verletzte nach Naturkatastrophen oder in Folge von Gewalt und behandeln Patient*innen, die von Schlangen gebissen wurden. 

  • Wir helfen Überlebenden sexualisierter und geschlechtsbezogener Gewalt. 

  • Wir bilden lokale Gesundheitshelfer*innen aus. 

  • Wir fordern die internationale Gemeinschaft dazu auf, schneller und gezielter auf die humanitäre Krise im Südsudan zu reagieren. 

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Warum wir im Südsudan helfen

Seit 2011 ist der Südsudan unabhängig vom nördlichen Nachbarstaat Sudan, doch die Hoffnung auf ein besseres Leben hat sich bis heute nicht erfüllt. 2013 begann ein Bürgerkrieg im Land, der bis 2018 anhielt. Trotz der Unterzeichnung eines Friedensabkommens und der Bildung einer Einheitsregierung bleibt die Situation bis heute im Südsudan fragil. Es kommt wiederholt zu heftigen Kämpfen. Hunderttausende Südsudanes*innen leiden darunter: Aus Angst um ihr Leben haben viele ihr Hab und Gut aufgegeben und sind vor der Gewalt geflohen. Schätzungen der WHO zufolge sind rund 8,3 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Hinzu kommen die Folgen der Klimakrise, wie langanhaltende Dürren oder heftige Überschwemmungen, die Ernten zerstören. Neben Nahrung mangelt es an sauberem Wasser und hinreichender Gesundheitsversorgung. 

Angesichts der aufflammenden Gewalt und wachsenden Naturkatastrophen, betreiben wir Krankenhäuser und Kliniken und unterstützen bestehende staatliche Einrichtungen, vor allem bei der Versorgung von Müttern, Kindern und Neugeborenen sowie bei der Bekämpfung von Krankheitsausbrüchen. Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1983 Hilfe im Südsudan.  

Überschwemmungen sorgen für Ernteausfälle und Ausbreitung von Infektionskrankheiten 

Die Auswirkungen der Überschwemmungen sind verheerend: Nach vier katastrophalen Flutjahren in Folge steht etwa ein Drittel des Südsudans unter Wasser. Starke Regenfälle lassen immer wieder Flüsse über die Ufer treten. Hunderttausende Menschen mussten fliehen, Millionen von Tieren verendeten und Tausende Hektar Ackerland wurden zerstört. Dadurch nimmt die Ernährungsunsicherheit im Land weiter zu. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass mehr als 75 Prozent der Bevölkerung im Südsudan auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Unsere Teams beobachten einen besorgniserregenden Anstieg der Fälle von mittelschwerer bis schwerer akuter Mangelernährung: Zwischen Januar und September 2022 wurden beispielsweise mehr als 4.200 mangelernährte Kinder in unseren Einrichtungen  behandelt.

Die nötige Infrastruktur, um dort Hilfe zu leisten, wo sie am meisten gebraucht wird, wird durch die Wassermassen stark eingeschränkt:

“Die Überschwemmungen erschweren unsere Arbeit und wir haben Mühe, die Menschen zu erreichen,” erzählt Aline Serin, unsere Einsatzleiterin im Südsudan. “Viele Straßen des Landes sind durch die Überschwemmungen unpassierbar geworden. An einigen Einsatzorten von Ärzte ohne Grenzen konnten unsere Flugzeuge nicht landen, da die Landebahnen überflutet waren.”

Verunreinigtes Wasser und stehende Gewässer begünstigen zudem die Ausbreitung von Infektions- oder über das Wasser übertragene Krankheiten wie Malaria, Durchfall oder Hepatitis E. Allein von Juli bis September 2022 behandelte Ärzte ohne Grenzen über 81.000 Malariafälle. 

Der Kinderarzt Dr. Nicolas Aschoff war neun Monate im Südsudan in einem Vertriebenencamp im Einsatz. Im Podcast berichtet er von außergewöhnlichen Geburten, therapeutischer Ernährung und der Herausforderung, Patient*innen mit mehreren Krankheiten zu behandeln.

Zunehmende Gewalt trifft Patient*innen und Mitarbeitende 

Besonders im Bundesstaat Jonglei begünstigt die typischerweise von Januar bis April andauernde Trockenzeit Gewalt, Vertreibung und Viehraub. Gewaltsame Konflikte zwischen Gemeinden zwingen Zehntausende Menschen in die Flucht und bedrohen auch unsere Teams. So wurde im Jahr 2020 einer unserer südsudanesischen Mitarbeiter bei Kämpfen getötet. Die instabile Sicherheitslage erschwert unsere Arbeit erheblich und führt dazu, dass wir unseren Einsatz in dieser Region zum Teil unterbrechen müssen. 

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Geflüchtete Menschen laufen in einem Vertriebenenlager im (Süd)Sudan.
Ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen kümmert sich um Vertriebene in einem Lager in Abyei, einer Sonderverwaltungszone im (Süd)Sudan. © Christina Simons.

Bis heute leben laut den Vereinten Nationen insgesamt fast 2,27 Millionen Südsudanes*innen als Vertriebene im eigenen Land. Sie leben oft in Camps unter unmenschlichen Bedingungen, wie beispielsweise in Bentiu. Seit mehreren Jahren versorgen wir die Menschen dort medizinisch: Wir leisten Geburtshilfe, betreuen Überlebende sexualisierter Gewalt, bieten psychologische Beratung und behandeln Patient*innen, die an Tuberkulose, Cholera, Typhus oder Malaria erkrankt sind. Außerdem kümmern wir uns um mangelernährte Kinder.  

Schlangenbisse: Eine vernachlässigte Gefahr

Schlangenbisse sind für viele Menschen im Südsudan eine große Gefahr für Leib und Leben. So auch für unseren jungen Patienten Anyar. Unsere Physiotherapeutin Birgit Schönharting lernte Anyar während ihres Einsatzes für Ärzte ohne Grenzen im Gebiet Abyei an der sudanesisch-südsudanesischen Grenze kennen. Der Junge wurde – wie so viele dort, die vor ihren Hütten spielen oder auf den Feldern arbeiten – von einer Giftschlange in den Fuß gebissen. „Als ich Anyar in unserer Klinik zum ersten Mal sah, weinte und schrie er vor Schmerzen“, erinnert sich Schönharting. „Ganz behutsam sprach ich ihn an und lächelte ihm zu.“

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Es brauchte mehrere Operationen bis der 5-jährige Anyar wieder laufen konnte. Sein Vater brachte ihn nach einem Schlangenbiss in unsere Klinik in Agok.
©MSF/Damaris Giuliana

Was dann passiert, ist für die Physiotherapeutin eine der bewegenden Erfolgsgeschichten, die sie immer wieder zum Einsatz in Krisengebieten motivieren: Der Junge fasst Vertrauen, beginnt an sich und an die Therapie zu glauben, übt beharrlich. Nach fünf Wochen macht er die ersten freien Schritte. 

Giftschlangen beißen weltweit jedes Jahr rund 2,7 Millionen Menschen. 100.000 Menschen sterben daran und weitere 400.000 tragen bleibende Gewebeschäden und Behinderungen davon. Vergiftungen aufgrund von Schlangenbissen zählen zu den weltweit vernachlässigten Krankheiten. Das heißt, in die Diagnose, Prävention und Behandlung dieser Krankheiten wird unzureichend investiert. Deshalb setzt sich Ärzte ohne Grenzen auch politisch für einen besseren Zugang zu medizinischer Hilfe bei Schlangenbissen ein. 

Zuletzt aktualisiert am: 16. Januar 2023