Unsere Hilfe im Tschad

Hebamme Maimouna untersucht ein Neugeborenes im Vertriebenenlager Tataveron. Unsere Hilfe in Tschad umfasste 2016 vor allem die Behandlung der vielen Vertriebenen in der Region des Tschadsees.

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Im Jahr 2016 setzte Ärzte ohne Grenzen die medizinische Hilfe in Tschad fort. Tausende Menschen in der Region des Tschadsees wurden zur Flucht gezwungen, da es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der bewaffneten Gruppe Boko Haram und den nationalen Streitkräften kam.

Die Hilfe in Tschad im Einzelnen (Auszug):

  • Die Hilfe in Tschad leistete Ärzte ohne Grenzen mithilfe mobiler Kliniken von den Standorten Baga Sola, Bol, Liwa und Kiskawa aus. Die Teams boten ambulante medizinische und psychologische Hilfe an, um die Vertriebenen und die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Die meisten Krankheiten waren auf die prekären Lebensbedingungen und die schlechten hygienischen Bedingungen zurückzuführen. Die Teams unterstützten auch das Gesundheitszentrum in Tchoukoutalia und boten nigerianischen Flüchtlingen im Lager Dar es Salam psychologische Hilfe an.
  • Im regionalen Krankenhaus in Bol kooperierten die Teams mit den Behörden und arbeiteten auf der Mütterstation und in der Pädiatrie sowie im Ernährungszentrum. Ein wichtiger Fokus ihrer Arbeit lag auf der Geburtshilfe, Gynäkologie und Säuglingsversorgung. Im Rahmen dieser Hilfe in Tschad halfen die Teams bei 409 Geburten und versorgten mehr als 1.000 Kinder im Ernährungszentrum und in der Pädiatrie.
  • Im Moissala, Region Mandoul, betreute Ärzte ohne Grenzen ein pädiatrisches Programm, das die Prävention, Fallermittlung und Behandlung von Malaria umfasste. Auch Schwangere wurden in dieses Projekt einbezogen. Die Teams nahmen rund 2.300 Kinder auf die Malariastation des Krankenhauses auf und behandelten 43.000 Kinder und 7.500 Frauen in den Kliniken des Bezirks. Zudem führten sie im Jahr 2016 vier Runden der saisonalen Malaria-Chemoprävention durch, die jedes Mal mehr als 110.000 Kinder erreichten. Bei dieser Behandlungsmethode nehmen die Kinder vier Monate lang an drei Tagen im Monat drei Amodiaquine-Tabletten und eine Sulfadoxine/Pyrimethamine-Tablette. Außerdem verabreichten sie Nachfolgeimpfungen an diejenigen Kinder, die ihre Routinespritze nicht erhalten hatten. Während des Höhepunktes der Malaria-Epidemien im Herbst organisierten die Teams Anti-Mücken-Sprühaktivitäten, um die Ausbreitung der Krankheit zu verringern.
  • In Am Timan, Region Salamat, umfasste die Hilfe in Tschad zahlreiche Aktivitäten: Die Teams unterstützten die Pädiatrie und Geburtshilfe sowie das Labor im Krankenhaus. Zudem betreuten sie ein Ernährungsprogramm und HIV-/Tuberkulose-Patienten. Die ambulanten Teams arbeiteten in drei Gesundheitszentren. Mehr als 7.000 tschadische Flüchtlinge, die zuvor in der Zentralafrikanischen Republik gelebt hatten und aufgrund des Konflikts von dort zurückkehren mussten, profitierten auch von dieser Hilfe in Tschad.
  • Im September 2016 reagierte das Nothilfeteam von Ärzte ohne Grenzen auf den Ausbruch einer Hepatitis E-Epidemie, nachdem es in Am Timan zu mehreren Fällen von Gelbfieber gekommen war. Mehr als 600 nationale und internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter behandelten die Patienten, verteilten sauberes Wasser sowie Hygienematerialien, klärten die Bevölkerung über die Krankheit auf und ermittelten aktiv Krankheitsfälle. Dabei wurden sie von vielen Gemeindegesundheitshelfern und Chlor-Sprayern unterstützt.
  • Im Jahr 2016 behandelte Ärzte ohne Grenzen im Rahmen der Hilfe in Tschad 2.176 schwer mangelernährte Kinder. Erstmals führten die Teams ein präventives Mangelernährungsprojekt für fast 30.000 Kinder unter zwei Jahren in Bokoro und Umgebung durch. Zudem verteilten sie Seife, Moskitonetze und Nahrungsergänzungsmittel an Mütter in 15 ländlichen Ortschaften – zum Schutz ihrer Kinder.
  • Ärzte ohne Grenzen übergab im Jahr 2016 alle Aktivitäten in Bokoro, Region Hadscher-Lamis, an die Behörden. Darunter waren 15 Kliniken für mangelernährte Kinder im Alter von sechs Monaten und fünf Jahren sowie ein stationäres Ernährungszentrum mit einer Intensivstation in der Stadt Bokoro. Die nationale und internationale Hilfe in Tschad muss dringend verstärkt werden, um Mangelernährung vorzubeugen und zu bekämpfen.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1981 Hilfe in Tschad an.