Unsere Hilfe im Tschad

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Der Bedarf an medizinischer und humanitärer Hilfe in Tschad erhöhte sich im Jahr 2015, da der Konflikt im Nachbarland Nigeria auf Tschad übergriff.

Die Hilfe im Tschad im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen weitete ab März die Hilfe in Tschad aus, um die bedürftigen Menschen medizinisch und humanitär zu versorgen. Bis Mai 2015 waren etwa 18.000 nigerianische Flüchtlinge in Tschad angekommen. Derweil hatte die Gruppe Boko Haram Angriffe im Land gestartet und geriet in Auseinandersetzung mit den Regierungstruppen, was zu weiteren Wellen der Vertreibung führte. Tausende Menschen versammelten sich in Notlagern in der Region Tschadsee, ohne jedoch über angemessene Unterkünfte, Nahrung oder Trinkwasser zu verfügen. 
  • In Baga Sola, wo rund 7.000 Geflüchtete im Dar Es Salam-Camp untergekommen waren, boten die Teams medizinische Hilfe für Flüchtlinge, Vertriebene und für die lokale Bevölkerung an. Sie gaben mehr als 33.400 medizinische Sprechstunden und führten rund 900 psychologische Gespräche, einige für Opfer sexueller Gewalt. Sie verteilten zudem mehr als 2.000 Hygiene- und 660 Wasserreinigungskits. Ab September 2015 verstärkte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Tschad: Mobile Kliniken versorgten die lokale Bevölkerung und die Vertriebenen in Bol. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führten rund 2.700 Konsultationen durch und verteilten 350 Hygiene- sowie 264 Wasserreinigungskits. Im November nahm ein Team die Arbeit im Regionalkrankenhaus in Bol auf, um Mütter und Neugeborene zu versorgen, Ernährungshilfe für Kinder unter fünf Jahren und pädiatrische Dienste für Kinder bis zu 15 Jahren anzubieten.
  • Die Hilfe in Tschad umfasste für Ärzte ohne Grenzen auch weiterhin folgende Schwerpunkte: die Reaktion auf Epidemien und Mutter-Kind-Hilfe. In Bokoro, Region Hadjer Lamis, betreuten die Teams ein Projekt für mangelernährte Kinder, indem sie die Patienten stationär und mobil versorgten. Sie unterstützten auch das staatliche Impfprogramm und behandelten Patienten, die unter Malaria-, Durchfall- und Atemwegserkrankungen sowie Infektionen litten. Sie stellten sicheres Trinkwasser zur Verfügungen und starteten Aktivitäten zur Gesundheitsaufklärung in den Gemeinden. Im Jahr 2015 wurden 4.400 schwer mangelernährte Kinder stationär versorgt.
  • Im Rahmen der Hilfe in Tschad unterstützte Ärzte ohne Grenzen in Am Timan, Region Salamat, das öffentliche Krankenhaus auf der Mütter- und Pädiatrie-Station, übernahm die HIV- und Tuberkulose-Versorgung sowie ein Ernährungsprogramm und betreute drei mobile Kliniken. Das Team führte im Jahr 2015 mehr als 24.400 Konsultationen und 4.400 Schwangerenberatungen durch, behandelte 8.100 Kinder gegen Malaria und half bei 2.100 Entbindungen. Etwa 1.620 Patientinnen und Patienten erhielten eine freiwillige HIV-Beratung inklusive HIV-Test, und es wurden 68 neue Tuberkulosefälle behandelt.
  • In Moissala, Region Mandoul, konzentrierte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Tschad auf die Versorgung von Schwangeren und Kindern unter fünf Jahren. Zudem betreuten die Teams ein pädiatrisches Programm, das die Prävention, Fallermittlung und Behandlung von unkomplizierter und schwerer Malaria umfasste. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führten vier Runden der saisonalen Malaria-Chemoprävention durch. Bei jeder Runde wurden 100.000 Kinder erreicht. Stationär behandelte Ärzte ohne Grenzen mehr als 990 Kinder. Rund 28.800 Kinder unter zwei Jahren erhielten eine Polio-Schluckimpfung, und etwa 14.000 Kinder wurden geimpft, um sie gegen die fünf häufigsten und gefährlichsten Kinderkrankheiten zu schützen. Außerdem impften die Teams 48.000 Kinder gegen Masern.
  • In Abéché, Region Ouaddai, bot Ärzte ohne Grenzten chirurgische Hilfe in Tschad an. Das Team führte im Jahr 2015 insgesamt 928 chirurgische Eingriffe durch, die meisten Patienten wurden bei Autounfällen oder infolge häuslicher Gewalt verletzt.
  • Das Nothilfeteam reagierte auf einen Masernausbruch im April und impfte 80.000 Kinder in Goz Beïda, Region Dar Sila. Zudem lieferte Ärzte ohne Grenzen medizinisches Material und trainierte das Personal des Gesundheitsministeriums in zwei Krankenhäusern in N´Dschamena und Abéché darin, wie ein Massenansturm von Patienten bewältigt werden kann. Ziel war es, besser auf eine große Anzahl schwerverletzter Personen reagieren zu können. 
  • In einigen Landesteilen wurde die Hilfe in Tschad durch die Übergabe der Aktivitäten an andere Organisationen beendet. So beispielsweise im Februar 2015 in Bitoye, Region Gore Sido, wo zuvor Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik medizinisch versorgt worden waren. Im Mai übergab das Team ein basis- und fachmedizinisches Projekt in Tissi, Region Dar Sila, sowie im November ein längerfristiges Pädiatrie- und Ernährungsprogramm in Massakory, Region Hadjer Lamis. Letzteres wurde an die Gesundheitsbehörden übergeben.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1981 Hilfe im Tschad an.