Unsere Hilfe in Libyen

Unsere Hilfe in Libyen umfasst die Unterstützung von Flüchtlingen und Migranten. Hier behandelt unser Arzt Dr. Tankred Stöbe Geflüchtete in einem Internierungslager (Archivbild 2017).

2019 sind in Libyen Flüchtlinge und Migranten zwischen die Kriegsfronten geraten. Schon vorher war die Situation der fast 5.700 in völlig menschenunwürdige Internierungslager gezwungenen Menschen furchtbar. Sie leben dort unter unhaltbaren hygienischen Bedingungen und bekommen keine angemessenen Nahrungsmittel. Manchmal gibt es nicht mehr genug zu essen. 

Die Menschen, die in den Lagern leben, haben oftmals schlimmste Gewalterfahrungen hinter sich, darunter Entführungen, Zwangsarbeit, Misshandlungen, Vergewaltigungen und Folter. Ihre psychische Verfasstheit hat sich seit Beginn der Kriegshandlungen in Libyen massiv verschlechtert. Gefangene vor Ort erzählen unseren Teams immer wieder von Suizidversuchen Mitgefangener. Die Menschen versuchen, aus den Lagern auszubrechen und nehmen dabei große Gefahren in Kauf: Berichten zufolge wurde teilweise auf sie geschossen.

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Unsere Hilfe im vom Krieg erschütterten Libyen (Auszug)

Unsere Hilfe in libyschen Internierungslagern

Im Mai war es unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen beispielsweise erstmals möglich, Flüchtlinge und Migranten in den Internierungslagern Sintan und Gharjan südlich von Tripolis zu behandeln. Die meisten sind aus Eritrea und Somalia geflohen. Unsere Teams leisten – so gut das für uns irgendwie möglich ist – psychologische und medizinische Hilfe in etwa sieben offiziellen Internierungslagern in Libyen. Dort sind jeweils zwischen 100 bis 700 Menschen gefangen. Sie verteilen u.a. Hilfsgüter, verbessern die Versorgung mit Trinkwasser und überweisen Patienten mit schweren Krankheiten oder Verletzungen in Kliniken. Teams von Ärzte ohne Grenzen leisteten medizinische Hilfe und verteilten Hygieneartikel, Babymilch und Nahrungsmittel. Die Situation der Gefangenen bleibt aber vollkommen untragbar. Im Lager in Sintan sind weiterhin 585 Menschen gefangen. Die Insassen des Gefangenenlagers in Gharjan wurden nach den heftigen Kämpfen um die Stadt im Juli nach Tripolis gebracht.

Behandlung von Kriegsverletzten

Wir kümmern uns auch um Menschen, die in Libyen Opfer von Kriegsverletzungen geworden sind Ein Team von Ärzte ohne Grenzen hat in den Tagen unmittelbar nach dem tödlichen Bombenangriff auf das Internierungslager Tadschura nahe einer Militärbasis östlich von Tripolis Überlebende behandelt und psychologisch betreut. Auch Nahrungsmitteln und Wasser wurden ausgegeben.

Schutzsuchende müssen in Sicherheit gebracht werden

Ärzte ohne Grenzen appelliert immer wieder an europäische Regierungen, das völkerrechtswidrige Zurückbringen von Bootsflüchtlingen nach Libyen durch die EU-unterstützte libysche Küstenwache zu beenden. Außerdem fordern wir, Schutzsuchende aus Libyen in Sicherheit zu bringen.

Unsere Aktivitäten im Rückblick 2018:

Ärzte ohne Grenzen setzte 2018 die Hilfe in Libyen fort, da das Land trotz anhaltender Instabilität Ziel für Migranten aus Afrika sowie Transitland für Migranten, Asylsuchende und Geflüchtete war, um über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

Die Hilfe in Libyen im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen leistete medizinische Hilfe in Libyen für Migranten und Geflüchtete, die willkürlich in Haftanstalten festgehalten wurden. Im Jahr 2018 hielten unsere Teams insgesamt 46.900 ambulante medizinische Konsultationen ab, gaben 1.160 Schwangerenberatungen und behandelten 180 neue Tuberkulose-Patientinnen und Patienten. Viele Menschen in den Haftanstalten waren sehr gefährdet, wie unbegleitete Minderjährige, stillende Frauen und ihre Säuglinge sowie Überlebende von Menschenhandel. Letztere waren über einen längeren Zeitraum festgehalten worden, wurden gefoltert und extremer Gewalt ausgesetzt, wie der Tötung von Familienangehörigen. Unsere medizinische Hilfe in Libyen war notwendig, da die Bedingungen in den Haftanstalten sehr prekär waren: Die Zentren waren überfüllt, es mangelte an Nahrung, Trinkwasser und Latrinen. All dies begünstigte die Ausbreitung von Atemwegsinfektionen, Tuberkulose, Durchfall- und Hauterkrankungen, wie Krätze. Psychische Störungen und Traumata wurden durch die ungewisse Länge der Inhaftierung noch verschlimmert.
  • In den Haftanstalten in Tripolis, Misrata, al-Chums und Zliten hielten unsere Teams im Rahmen der Hilfe in Libyen mehr als 31.500 ambulante Konsultationen ab und überwiesen rund 1.000 Patienten an Krankenhäuser. Dutzende Male erhielten wir in Misrata und al-Chums Zugang zu Menschen, die von der libyschen Küstenwache oder kommerziellen Schiffen nach Libyen zurückgebracht worden waren. Damit wurde gegen das internationale Flüchtlingsrecht und maritime Konventionen verstoßen. Unsere Teams hielten zudem mehr als 140 Erste-Hilfe-Sprechstunden an den Anlegepunkten der Schiffe im Jahr 2018.
  • Ärzte ohne Grenzen setzte die Arbeit in der Stadt Bani Walid fort, die eine Art Drehscheibe für Schmuggler und Schleuser war. Wir hielten 810 medizinische Sprechstunden für Überlebende ab und überwiesen rund ein Dutzend Patientinnen und Patienten an Krankenhäuser in Misrata und Tripolis.
  • Die Mehrheit der Migranten und Geflüchteten lebten außerhalb von Haftanstalten. Im Rahmen unserer Hilfe in Libyen hielten wir rund 2.500 ambulante medizinische Konsultationen in Tawergha und Misrata ab, von denen sowohl die lokale Bevölkerung als auch die Migranten profitierten. Zudem boten wir Vor- und Nachsorge für Schwangere in Bani Walid an.
  • Wir beendeten unsere Aktivitäten, die wir im Rahmen der Hilfe in Libyen in Bengasi, im Osten des Landes, angeboten hatten.

Ärzte ohne Grenzen leistete erstmals 2011 Hilfe in Libyen.

„Flucht, Gefangenschaft, Gewalt – ein endloser Kreislauf des Leidens“ - ein Bericht über die menschenunwürdigen Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Libyen