Unsere Hilfe in Libyen

Unsere Hilfe in Libyen umfasst die Unterstützung von Flüchtlingen und Migrant*innen. Hier behandelt unser Arzt Tankred Stöbe Geflüchtete in einem Internierungslager (Archivbild).

Aktuell: Unser Geschäftsführer, Florian Westphal, sprach am 21. Januar 2020 im Rahmen der Sendung Frontal 21 im ZDF um 21.00 Uhr über die Situation von Geflüchteten und Migrat*innen in Libyen.

Ärzte ohne Grenzen appelliert auch anlässlich der im Januar 2020 in Berlin stattfindenden Libyen-Konferenz wieder an europäische Regierungen, das illegale Zurückbringen von Bootsflüchtlingen nach Libyen durch die EU-unterstützte libysche Küstenwache zu beenden. Außerdem fordern wir, Schutzsuchende aus Libyen unverzüglich in Sicherheit zu bringen. Ein Aufnahmekontingent für 300 betroffene Menschen war von der Bundesregierung geplant. Seither sind in acht Monaten nur neun Personen aus Libyen nach Deutschland gekommen.

Libyen: Flüchtlinge und Migrat*innen fliehen vor Bombardements, Misshandlungen und Folter

Im vergangenen Jahr sind in Libyen Flüchtlinge und Migrant*innen zwischen die Kriegsfronten geraten – eine Situation die anhält. Schon vorher war die Lage der Tausenden in völlig menschenunwürdige Internierungslager gezwungenen Menschen furchtbar. Sie leben dort unter unhaltbaren hygienischen Bedingungen und bekommen keine angemessenen Nahrungsmittel. Manchmal gibt es nicht mehr genug zu essen. Wegen der aktuellen Kämpfe in Tripolis haben allein in der zweiten Januarwoche 2020 mehr als 1.100 Schutzsuchende versucht, über das Mittelmeer zu fliehen. Die allermeisten von ihnen wurden zurück nach Libyen gebracht und in Internierungslager gesperrt.

Die Menschen, die in den Lagern leben, haben oftmals schlimmste Gewalterfahrungen hinter sich, darunter Entführungen, Zwangsarbeit, Misshandlungen, Vergewaltigungen und Folter. Ihre psychische Verfasstheit hat sich seit Beginn der Kriegshandlungen in Libyen massiv verschlechtert. Gefangene vor Ort erzählen unseren Teams immer wieder von Suizidversuchen Mitgefangener. Die Menschen versuchen, aus den Lagern auszubrechen und nehmen dabei große Gefahren in Kauf: Berichten zufolge wurde teilweise auf sie geschossen.

Unser Arzt Tankred Stöbe war für uns bereits in vielen verschiedenen Ländern im Einsatz, u.a. behandelte er in Libyen Migrant*innen und Geflüchtete in Internierungslagern. Er sprach am 07.11.2019 in der Sendung von Markus Lanz im ZDF über die Situation in Libyen. Unser Porträt von Tankred Stöbe zeigt wichtige Stationen seiner Arbeit, darunter einen ausführlichen Einsatzbericht aus Libyen.

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Unsere Hilfe im vom Krieg erschütterten Libyen

Unsere Hilfe in libyschen Internierungslagern und an anderen Orten

Unsere Teams leisten – so gut das für uns wegen des eingeschränkten Zugangs irgendwie möglich ist - in etwa fünf offiziellen Internierungslagern in Libyen Hilfe, darunter auch in Tripolis. Dort sind jeweils zwischen fast 30 und bis 500 Menschen gefangen. Die Ausrichtung und der Umfang der Hilfe ist von Lager zu Lager unterschiedlich. Zu den Aktivitäten gehören medizinische Hilfe und Überweisungen von Patient*innen mit schweren Krankheiten oder Verletzungen in Kliniken. Außerdem verteilen sie u.a. Hilfsgüter und verbessern die Versorgung mit Trinkwasser.

Auch außerhalb der Internierungslager sind Teams im Einsatz, so betreiben wir in u.a. Misrata ein ambulantes Gesundheitszentrum für Migrant*innen, die in der Stadt leben.

Behandlung von Kriegsverletzten

Wir kümmern uns auch um Menschen, die in Libyen Opfer von Kriegsverletzungen geworden sind. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen hat in den Tagen unmittelbar nach dem tödlichen Bombenangriff auf das Internierungslager Tadschura nahe einer Militärbasis östlich von Tripolis Überlebende behandelt und psychologisch betreut. Auch Nahrungsmitteln und Wasser wurden ausgegeben. Überlebende dieses Angriffs, wurden von unserem gemeinsam mit SOS Mediterranee betriebenen Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“ auf dem Mittelmeer gerettet. Sie berichten, dass bei dem Angriff möglicherweise deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen sind, als die 53 offiziell bestätigten.

Ärzte ohne Grenzen leistete erstmals 2011 Hilfe in Libyen.

„Flucht, Gefangenschaft, Gewalt – ein endloser Kreislauf des Leidens“ - ein Bericht über die menschenunwürdigen Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Libyen