Unsere Hilfe im Jemen

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen arbeitet in 11 Krankenhäusern und Gesundheitszentren. Darüber hinaus unterstützen wir im Rahmen unserer Hilfe im Jemen-Konflikt 18 Kliniken und Gesundheitszentren in acht Provinzen: Aden, Al-Dhale, Taiz, Saada, Amran, Hadscha, Ibb und Sanaa. Mehr als 2.000 Menschen arbeiten momentan für Ärzte ohne Grenzen in Jemen, unter ihnen 90 internationale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Aufgrund dieses personellen Umfangs gehört die Hilfe im Jemen-Konflikt zu unseren weltweit größten Programmen.

Unsere Hilfe im Einzelnen (Auszug):

Aden

  • Ärzte ohne Grenzen betreibt ein Notfall-Krankenhaus im Norden der Stadt Aden. Dort werden chirurgische Eingriffe vorgenommen. Die Patienten werden nötigenfalls psychosozial von uns betreut. Wir behandeln dort auch Menschen mit Verletzungen von Landminen und anderen Explosionswaffen, die im Jemen-Konflikt eingesetzt werden. Zudem halten wir im Krankenhaus auch Trainings für das Personal des Gesundheitsministeriums ab.
  • Ein Arzt und eine Pflegekraft machen Krankenbesuche im Zentralgefängnis von Aden. Sie halten etwa 50 Konsultationen wöchentlich ab.
  • Seit Dezember vergangenen Jahres spendet Ärzte ohne Grenzen medizinisches Material an das Ibn Khaldoun-Krankenhaus in Lahj, seit Februar 2016 auch an das Al-Razi-Krankenhaus in Abyan. Wir liefern Medikamente an die dortigen Notaufnahmen und medizinische Vorräte an die Notoperationssäle im Lwandar-Krankenhaus und im Al-Razi-Krankenhaus in Abyan.
  • Für die nationale Blutbank in Aden stellte Ärzte ohne Grenzen 700 Tests bereit. Damit sollen die dortigen Blutspende-Aktivitäten, die durch den Jemen-Konflikt beeinträchtigt werden, wieder in Gang gebracht werden. 

Amran

  • Die Situation in der Provinz Amran im Norden ist relativ ruhig. Daher fliehen viele Menschen aus den Konfliktgebieten im Jemen dorthin. Ärzte ohne Grenzen bietet mittels mobiler Kliniken Beratungen für Vertriebene an. Wir unterstützen das Al-Salam-Krankenhaus und das Huth-Gesundheitszentrum u.a. mit Ausrüstung, logistischer Beratung und Personal.
  • Seit Januar behandeln unsere Teams in Khamer und Huth Patienten mit der parasitären Hautkrankheit Krätze. Sie führen dort im Juli eine Massenbehandlungs-Kampagne durch.

Saada

  • Die Zahl der Luftangriffe in Saada hat abgenommen. Dennoch ist bei den Aktivitäten des von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Al Jumhori-Krankenhaus kein Rückgang zu verzeichnen. Wir behandeln nach wie vor Opfer des Jemen-Konflikts, die durch Landminen und Explosionswaffen verletzt wurden, sowie Patienten, die bei Autounfällen Verletzungen davongetragen haben. Auch in anderen Abteilungen wie der Geburtsstation wird die Arbeit fortgesetzt.
  • Im Razeh-Krankenhaus, das im Januar von einem Geschoss getroffen wurde, unterstützen wir beispielsweise die Notaufnahme. Auch das Hanydan-Gesundheitszentrum, das am 26. Oktober vergangenen Jahres bei einem Luftangriff getroffen und anschließend wiederaufgebaut wurde, unterstützen wir im Rahmen unserer Hilfe im Jemen-Konflikt – ebenso Teile der Arbeit im Noshoor- und Yasnim-Gesundheitszentrum.

Hadscha

  • Obwohl die Sicherheitslage in der Stadt Hadscha relativ stabil war, kommen weiterhin kriegsverletzte Menschen aus der Frontregion des Jemen-Konflikts ins von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Al-Jamoorhi-Krankenhaus. Ärzte ohne Grenzen unterstützt dort seit Juni die Entbindungsstation.
  • In den Vertriebenenlagern des Bezirks Abs versorgt Ärzte ohne Grenzen 16.000 Menschen mit Trinkwasser und stellt Wasser zur Verfügung, um einen minimalen humanitären Standard zu gewährleisten. Die Teams kümmern sich mit mobilen Einsätzen um die Basisgesundheitsversorgung und den Ernährungsstatus der Menschen./li>
  • Das Krankenhaus des Bezirks unterstützt Ärzte ohne Grenzen in einigen Bereichen und überweist komplizierte Fälle an Kliniken an anderen Orten.

Saana

  • Ärzte ohne Grenzen unterstützt im Rahmen der Hilfe im Jemen-Konflikt weiterhin die Notaufnahmen in der Klinik Al-Kuwait in Sanaa, darüber hinaus das Jumhori-Krankenhaus und das Al-Thawra-Krankenhaus. Die drei Kliniken sind die wichtigsten medizinischen Einrichtungen in der Stadt. In den beiden letztgenannten sowie in Randbezirken von Sanaa hilft Ärzte ohne Grenzen kriegsverletzten Patienten – u.a. mit der Ausgabe spezieller Kits. Auch in der nationalen Blutbank in Sanaa stellt Ärzte ohne Grenzen regelmäßig Tests zur Verfügung.
  • Die Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen für das HIV-Programm des Gesundheitsministeriums wird fortgesetzt. Trotz der Spannungen und Gewalt in der Stadt können 97 Prozent der 1.300 Patienten des Projekts weiterhin ihre lebenserhaltenden antiretroviralen Behandlungen in Anspruch nehmen.
  • Die Dialyse-Zentren werden aufgrund des Jemen-Konflikts nicht mehr ausreichend versorgt, weshalb Patienten mit Niereninsuffizienz in Lebensgefahr schweben. Ärzte ohne Grenzen unterstützt daher bis November 2016 vier Dialyse-Zentren in Sanaa, Hadscha, Mahweet und Taiz. Wir müssen uns jedoch darauf konzentrieren, die lebensnotwendige medizinische Hilfe für Verwundete und Gewaltopfer in zehn Provinzen Jemens aufrecht zu erhalten. Darum muss sich dringend eine Organisation finden, in deren Hände man die Betreuung der Dialyse-Patienten legen kann.

Al Dhale

  • In der Provinz Al Dahle unterstützt Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser in Al Dahle, Qataba und das Gesundheitszentrum in Al Azariq. Allein im Januar 2016 haben unsere Teams 5.000 ambulante und Notfallbehandlungen gemacht.

Taiz

  • In Taiz bleibt die Situation aufgrund einiger der schwersten und am längsten andauernden Kämpfe des Jemen-Konflikts kritisch. In die von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Krankenhäuser wurden in den vergangenen Monaten tausende Verwundete eingewiesen. Allein im März, April und Mai wurden 1.700 Kriegsverletzte behandelt. Der Zugang zur Stadt ist für Zivilisten und humanitäre Helfer noch immer sehr schwierig.
  • Im November 2015 eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein Mutter-Kind-Krankenhaus in Al-Houban in der Nähe von Taiz. Täglich werden mindestens 300 Mütter und Kinder im Krankenhaus behandelt und beraten. Außerdem versorgt Ärzte ohne Grenzen die Notaufnahme des Khalifa-Krankenhauses in Taiz mit Medikamenten und Ausrüstung.

Ibb

  • Ibb ist die bevölkerungsreichste Region des Landes. Dort liegen zwei der Frontlinien des Jemen-Konflikts. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Notaufnahme des größten Krankenhauses in der Provinz. Die Klinik ist die wichtigste Referenzeinrichtung für ein Einzugsgebiet von einer halben Million Einwohner. Dort soll Zugang zu einer guten Notfallversorgung geschaffen und die Kapazität für die gleichzeitige Aufnahme einer hohen Zahl von Verwundeten erhöht werden. 600 bis 850 Patienten sehen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wöchentlich in der Notaufnahme, 15-20 Prozent von ihnen leiden an gewaltbedingten Verletzungen.
  • Im Süden der Provinz, nahe an einer der gefährlichen Frontlinien, nahm Ärzte ohne Grenzen ein Krankenhaus wieder in Betrieb und verbesserte u.a. den Umgang mit dem massiven Zustrom an Verwundeten. Schätzungsweise 500.000 Einwohner leben im Einzugsgebiet.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe im Jemen an.