Unsere Hilfe im Jemen-Konflikt

Der 12-jährige Ali wurde bei einem Luftangriff verletzt und in unserem Gesundheitszentrum Al-Salam behandelt. Wir haben unsere Hilfe wegen des anhaltenden Jemen-Konflikts stark ausgeweitet.

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Der Jemen-Konflikt eskalierte 2017 erneut. Zunehmende Kämpfe und der Ausbruch von Krankheiten verschärften die bereits furchtbare humanitäre Lage im Land.

Unsere Hilfe im Jemen-Konflikt im Einzelnen (Auszug):

  • Der Jemen-Konflikt führte im Jahr 2017 dazu, dass das Gesundheitssystem weiter kollabierte und Krankheiten wie Cholera und Diphtherie um sich greifen konnten. Selbst wenn einige Kliniken noch in Betrieb waren, konnten sich die Menschen oft die Transportkosten dorthin nicht mehr leisten. Ärzte ohne Grenzen weitete daher im Jahr 2017 die Aktivitäten aus. Die Teams arbeiteten in 13 Krankenhäusern und Gesundheitszentren in 12 Provinzen und unterstützten 20 öffentliche Gesundheitseinrichtungen. Sie kehrten auch in die Krankenhäuser nach Haydan und Abs zurück, die während des Jemen-Konflikts in den Jahren 2015 und 2016 bombardiert worden waren. Ärzte ohne Grenzen setzte 1.790 nationale und internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und unterstützte 1.000 Fachkräfte des öffentlichen Gesundheitssystems. Zudem spendete die Hilfsorganisation 500 Tonnen Medikamente und Material. Die Teams führten im Jahr 2017 landesweit insgesamt 19.728 chirurgische Eingriffe aus, halfen im Mutter-Kind-Krankenhaus in Tais bei mehr als 7.900 Geburten und belieferten mehr als 20 öffentliche Krankenhäuser und Gesundheitszentren mit Medikamenten und chirurgischem Material.
  • Der Cholera-Ausbruch im Jahr 2017 ist beispielhaft für die Auswirkungen des Jemen-Konflikts auf die Bevölkerung: Ohne den Krieg wäre es nicht so schwer gewesen, an sauberes Trinkwasser zu kommen, den Müll zu entsorgen und medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ärzte ohne Grenzen nahm im Jahresverlauf 101.475 Patientinnen und Patienten in die Cholera-Behandlungszentren auf. Als die Epidemie im April 2017 ausbrach, eröffneten die Teams sofort 37 Cholera-Behandlungszentren und Ausgabestellen für eine Trinklösung zur Rehydration in 9 der 22 Provinzen des Landes. In Haddscha, einer der am stärksten von der Cholera-Epidemie betroffenen Provinzen, nahmen die Teams allein 15.769 Patientinnen und Patienten in das Cholera-Behandlungszentrum von Abs auf. Dies entspricht fast einem Sechstel aller Patienten, die Ärzte ohne Grenzen während des Ausbruchs aufnahm. Inmitten des Jemen-Konflikts eröffneten die Teams in der Provinz Ibb Behandlungszentren, schulten das Krankenhauspersonal und überwiesen die anfälligsten Patienten an die Behandlungszentren. In der dritten Juniwoche, als die Epidemie ihren Höhepunkt erreichte, nahm Ärzte ohne Grenzen 11.139 Patientinnen und Patienten auf.
  • Nachdem die Cholera-Epidemie abgeflaut war, kam es zu einem Ausbruch von Diphtherie. Fast 70 Prozent der Verdachtsfälle wurden in der Provinz Ibb verzeichnet. Die Krankheit kann unbehandelt in 40 Prozent der Fälle tödlich enden. Sie galt nach systematischen Impfkampagnen für Kinder in den meisten Ländern weltweit als ausgemerzt. Der letzte Diphtherie-Fall in Jemen wurde 1992 gemeldet, der letzte Ausbruch im Jahr 1982. Trotz des Jemen-Konflikts eröffnete Ärzte ohne Grenzen Diphtherie-Behandlungszentren im Krankenhaus in Nasser, Provinz Ibb, sowie im Al-Nasr-Krankenhaus in Ad-Dhale. Die Teams betreuten zudem zwei andere Krankenhäuser in Yarim und Dschibla, setzten ein Überweisungssystem mit Rettungswagen in Gang und unterstützten den Transport von Blutproben ins Labor. Im Jahr 2017 behandelte Ärzte ohne Grenzen mehr als 400 Diphtherie-Patientinnen und Patienten.
  • Der Jemen-Konflikt führte dazu, dass seit 2015 vier der 32 jemenitischen Nieren-Behandlungszentren schließen mussten. Den 28 noch verbleibenden Kliniken mangelte es oft an Nachschub, so dass Behandlungen unterbrochen wurden. Ärzte ohne Grenzen importierte in den vergangenen Jahren mehr als 800 Tonnen Dialyse-Material und stellte mehr als 83.000 Dialysesitzungen für rund 800 Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Zudem unterstützten die Teams sechs Dialyse-Behandlungszentren. Drei von ihnen wurden mittlerweile an andere Organisationen übergeben. Inmitten des Jemen-Konflikts benötigen 4.400 Personen mit Nierenversagen dringend medizinische Hilfe.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe an, im aktuellen Jemen-Konflikt seit 2007. Lesen Sie hier am Beispiel, wie wir mit Ihrer Spende für unseren Einsatz im Jemen helfen.