Unsere Hilfe im Jemen-Konflikt

Der 12-jährige Ali wurde bei einem Luftangriff verletzt und in unserem Gesundheitszentrum Al-Salam behandelt. Wir haben unsere Hilfe wegen des anhaltenden Jemen-Konflikts stark ausgeweitet.

Unsere Hilfe im Jemen-Konflikt
2017 geht unsere Hilfe im Jemen-Konflikt weiter. So haben wir beispielsweise seit Beginn des verheerenden Cholera-Ausbruchs mehr als 103.000 Patientinnen und Patienten in 37 Behandlungszentren sowie mobilen Rehydrations-Stationen behandelt. Seit Juni ist die Zahl der bei uns in Behandlung befindlichen Fälle deutlich zurückgegangen und wir konnten den Großteil unserer Cholera-Zentren schließen. Die allgemeine Gesundheitsversorgung der Menschen ist aufgrund des Krieges jedoch weiterhin fatal und es besteht dringender Hilfsbedarf. Am 9. November 2017 haben wir die von Saudi-Arabien geführte Koalition dazu aufgefordert, uns unverzüglich ungehinderten Zugang zum Land zu gewähren. In den Tagen zuvor hatte das Militärbündnis keine Flüge von Ärzte ohne Grenzen in den Jemen zugelassen. (November 2017)
 
Unsere Aktivitäten im Rückblick (2016):
Ärzte ohne Grenzen setzte im Jahr 2016 die Hilfe im Jemen-Konflikt unter schwierigen Bedingungen fort.
Unsere Hilfe im Jemen-Konflikt im Einzelnen (Auszug):

  • Der Jemen-Konflikt führte im Jahr 2016 dazu, dass Hunderte von Gesundheitseinrichtungen landesweit ihren Betrieb einstellen mussten. Ärzte ohne Grenzen weitete daher die Aktivitäten aus: Zum Jahresende arbeiteten die Teams in zwölf Krankenhäusern und unterstützten mindestens 18 andere Kliniken. 1.600 nationale und 82 internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren dort tätig.
    Zwischen Oktober 2015 und August 2016 verlor Ärzte ohne Grenzen durch den Jemen-Konflikt 26 Kolleginnen und Kollegen sowie Patientinnen und Patienten bei vier verschiedenen Bombenangriffen auf Gesundheitseinrichtungen. Die Teams mussten sich daraufhin aus sechs Krankenhäusern im Norden des Landes zurückziehen. Im November nahmen sie die Aktivitäten wieder auf.
     
  • In der Provinz Saada arbeitete Ärzte ohne Grenzen im Al-Jomhuri-Krankenhaus. Die Teams betreuten die Geburtshilfe, die Chirurgie und die stationäre Versorgung der Patienten. Im Schihara-Krankenhaus unterstützten sie die Geburtshilfe und Notaufnahme. Dieses Krankenhaus wurde im Januar 2016 durch eine Rakete getroffen. Das Gesundheitszentrum in Haidan wurde im Oktober 2015 bombardiert. Bis August 2016 setzte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe dort fort.
     
  • In der Provinz Hadscha leistete Ärzte ohne Grenzen während des Jemen-Konflikts medizinische Nothilfe im Al-Jomhuri-Krankenhaus. Zudem betreuten die Teams im Abs-Krankenhaus die Notaufnahme, die stationäre Versorgung sowie die Geburtshilfe und Pädiatrie. In Abs eröffneten sie zudem Anfang Dezember eine stationäre Ernährungshilfestation im Krankenhaus und überwiesen komplizierte Fälle an die Krankenhäuser nach Hadscha, Sanaa und Hudaida.
     
  • Viele Menschen flohen vor dem Konflikt in die relativ ruhige Provinz Amran. Dort unterstützte Ärzte ohne Grenzen das Al-Salam-Krankenhaus und vier Gesundheitszentren. Die Teams spendeten auch Medikamente und logistisches Material. Im Mai 2016 starteten sie eine Kampagne zur Behandlung der Krätze und verteilten Seife sowie andere Hygieneartikel in den Vertriebenenlagern in Chamir und Huth.
     
  • In der Hauptstadt Sanaa arbeiteten die Teams von Ärzte ohne Grenzen in der Notaufnahme und im Operationssaal im Al-Kuwait-Krankenhaus und spendeten Nothilfematerialien an die Krankenhäuser al-Jomhuri, al-Thaura und al-Sabeen.
     
  • Trotz des Jemen-Konflikts setzte Ärzte ohne Grenzen die Unterstützung des staatlichen HIV-Programms in Sanaa, Tais, Mukalla, Aden und Hudaida fort: 2.529 HIV-Patientinnen und Patienten erhielten weiterhin ihre antiretroviralen Medikamente.
     
  • Die Versorgung der Dialysezentren wurde durch den Jemen-Konflikt stark beeinträchtigt. Ärzte ohne Grenzen unterstützte Zentren in Sanaa, Saada und Hadscha, Tais und Mahweet.
     
  • In der bevölkerungsreichen Provinz Ibb arbeiteten die Teams im Al-Thaura-Krankenhaus sowie im ländlichen Krankenhaus des Bezirks Thi al-Sufal.
     
  • In der Provinz Tais tobte der Jemen-Konflikt am heftigsten im Jahr 2016. Ärzte ohne Grenzen leistete medizinische Nothilfe auf beiden Seiten der Front und versorgte in erster Linie Menschen, die durch Luftangriffe, Schüsse oder Landminen verletzt wurden. Zudem unterstützten die Teams ein Mutter-Kind-Krankenhaus, ein Unfallzentrum sowie vier Krankenhäuser.
     
  • In einigen Gebieten von al-Dhale kam es im August zu heftigen Kämpfen. Ärzte ohne Grenzen unterstützte das Al-Nasr-Krankenhaus, das Al-Salaam-Krankenhaus, die Thee-Iljal-Klinik in Katabah und das Gesundheitszentrum in Damt.
     
  • In Aden setzte Ärzte ohne Grenzen die notchirurgische Versorgung im Krankenhaus fort: Allein im Jahr 2016 wurden 5.790 Patienten in der Notaufnahme behandelt. Zudem unterstützten sie während des Jemen-Konflikts das Al-Rasi-Krankenhaus in Abjan mit chirurgischer Hilfe und Medikamenten.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe an, im aktuellen Jemen-Konflikt seit 2007.