Unsere Hilfe im Jemen

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen setzte die Hilfe im Jemen-Konflikt unter erschwerten Bedingungen fort. Der bewaffnete Konflikt eskalierte 2015 ,  wodurch die ohnehin bereits massiven medizinischen und humanitären Bedürfnisse der Menschen erneut verschärft und der Zugang zur Gesundheitsversorgung stark eingeschränkt wurde.

Unsere Hilfe im Jemen im Einzelnen (Auszug):

  • Der Jemen-Konflikt weitete sich 2015 beträchtlich aus: Die Bewegung der Huthi rückte weiter vor und übernahm im Januar die Macht im Präsidentenpalast in Sanaa. Der bisherige Präsident Hadi floh nach Aden, eine von Saudi-Arabien unterstützte Koalition unterstützte seine Regierung und begann Luftangriffe, um das verlorene Territorium zurückzuerobern. In der Zwischenzeit gelang es Kämpfern von Al-Kaida und dem so genannten Islamischen Staat, ihre Präsenz im Land zu verstärken. Zum Jahresende schätzten die Vereinten Nationen, dass 2.800 Menschen getötet und etwa 2, 5 Millionen Menschen im Land vertrieben worden waren. Das Gesundheitssystem wurde durch den Jemen-Konflikt stark geschwächt, da Fachkräfte flohen, Einrichtungen zerstört und medizinische Lieferungen unterbrochen wurden.
  • Ärzte ohne Grenzen konnte die Projekte in Aden aufrechterhalten, als die Stadt durch eine Frontlinie geteilt wurde. In anderen Gebieten wurden die Aktivitäten 2015 ausgeweitet, ungeachtet der Angriffe auf das von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Krankenhaus in Haydan, Provinz Saada, am 26. Oktober und auf die Zeltklinik in Al- Houban, Provinz Taiz, am 2. Dezember 2015. Zudem kam es zu einer Benzinblockade. 
  • Die Provinz Saada war das am stärksten durch den Jemen-Konflikt betroffene Gebiet. Ab März 2015 gab es tägliche Luftangriffe, die viele zivile Gebiete ins Visier nahmen. Auch Gesundheitseinrichtungen waren betroffen, so dass der Zugang zu medizinischer Hilfe in einigen Bezirken beinahe unmöglich war. Ab April unterstützte Ärzte ohne Grenzen die Notaufnahme und Geburtshilfe im Krankenhaus in Haydan, musste allerdings die Aktivitäten nach dem Luftangriff im Oktober unterbrechen. Die Teams konnten erst im Dezember die Arbeit in einem nicht zerstörten Gebäudeteil wiederaufnehmen. Ab Mai arbeitete ein Team im Krankenhaus Al Jomhouri in Saada-Stadt. Das Team versorgte mehr als 6.110 Patienten in der Notaufnahme und unternahm rund 2.900 chirurgische Eingriffe. Ab November unterstützte ein weiteres Team das Krankenhaus in Shiara.. Ärzte ohne Grenzen half bei mehr als 100 Geburten wöchentlich und behandelte etwa 1.000 Patienten und Patientinnen in der Notaufnahme. 
  • Von April bis August intensivierte sich der Jemen-Konflikt in der Provinz Ad Dhale. Ärzte ohne Grenzen weitete die Hilfe in Krankenhäusern aus, wie in Al-Salaam und Al-Azariq. Insgesamt hielten die Teams rund 60.000 Konsultationen ab, unternahmen mehr als 700 chirurgische Eingriffe und überwiesen etwa 1.000 Patientinnen und Patienten an andere Einrichtungen.
  • Zwischen März und Juli verschärfte sich der Jemen-Konflikt auch in Aden. Im Stadtbezirk Sheikh Othman betreute Ärzte ohne Grenzen weiterhin das Unfallzentrum. Darüber hinaus leisteten die Teams psychologische und physiotherapeutische Hilfe. Diverse Mal kam es zu einem Massenansturm von Verletzten, bei dem mehr als 100 Verletzte gleichzeitig eingeliefert wurden. Viele der Patientinnen und Patienten waren Kinder, die durch Landminen und nicht explodierte Sprengmittel verwundet worden waren. Die Teams hielten rund 7.778 Notsprechstunden und nahmen 4.300 kriegsbedingte chirurgische Eingriffe vor. Auf dem Höhepunkt des Jemen-Konflikts gab es nur drei Notaufnahmezentren in den städtischen Bezirken von Aden.
  • In der Stadt Taiz, in der etwa 600.000 Menschen leben, intensivierten sich die Kämpfe ab Juli 2015. Einige Bewohner waren in einer Enklave gefangen, die unter Beschuss genommen wurde. Ärzte ohne Grenzen unterstützte die Krankenhäuser auf beiden Seiten der Frontlinie durch Medikamentenlieferungen. Im Stadtbezirk Al-Houban unterstützten die Teams drei Krankenhäuser. In der Enklave wurden die Krankenhäuser Al-Thawra und Al-Rawda beliefert. Insgesamt hielten die Teams mehr als 15.400 Sprechstunden in der Notaufnahme, behandelten 6.800 Personen mit Kriegsverletzungen, unternahmen 1.100 chirurgische Eingriffe und legten 10.900 Wundverbände an. Zudem verteilten sie Hilfsgüter.  Im November eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein Mutter-Kind-Krankenhaus im Stadtbezirk Al-Houban. Die Teams hielten etwa 7.800 Sprechstunden ab und behandelten 7.500 Personen in der Notaufnahme.
  • Während des Jemen-Konflikts im Jahr 2015 setzte Ärzte ohne Grenzen auch das Projekt im Krankenhaus Al-Salam fort. Im Amran-Krankenhaus führten die Teams 3.000 chirurgische Eingriffe und 28.200 Notfallbehandlungen durch, nahmen  5.500 Patientinnen und Patienten stationär auf und halfen bei 2.900 Geburten. 
  • Ab Mai arbeitete Ärzte ohne Grenzen im Gesundheitszentrum Beni Hassan in der Provinz Hajjah und startete mobile Kliniken für rund 15.000 Vertriebene. Die Teams hielten Sprechstunden ab und verteilen Hilfsgüter sowie 240.000 Liter Wasser täglich. Im Juli zog das Projekt in das größere Abs-Krankenhaus um. Ab August wurde auch das Jamoorhi-Krankenhaus in der Stadt Hajjah unterstützt. Allein in der Notaufnahme wurden mehr als 4.550 Patientinnen und Patienten behandelt. 
  • Trotz des Jemen-Konflikts setzte Ärzte ohne Grenzen das HIV-Programm im Al-Gumhuri-Krankenhaus in Sanaa-Stadt fort und versorgte so 770 Menschen mit antiretroviralen Medikamenten. 
  • Zwei Wirbelstürme trafen im November auf die südöstliche Küste Jemens. Die Teams richteten eine mobile Klinik in Mukalla ein. Sie hielten rund 300 Sprechstunden ab und verteilten Decken, Wasserkanister und Waschutensilien an etwa 200 vertriebene Familien.  Rund 50 Kilometer weiter an der Westküste errichteten sie im Bezirk Borom Mayfa 14 Wassertanks für 400 Familien.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe im Jemen an.