Unsere Hilfe im Jemen

In unserem Krankenhaus in Haydan kümmert sich Dr. Fouad um eine Mutter und ihr krankes Kind. Das Foto entstand 2019, vor dem Ausbruch des Coronavirus.

Humanitäre Krise im Jemen: Sechs Jahre Krieg, sechs Jahre täglicher Überlebenskampf

Lebensmittel, Medikamente und Wasser: Nach jahrelangen Kämpfen im Jemen fehlt es den Menschen an allem. Während viele Jemenit*innen ihre Arbeit verloren haben, stiegen die Lebensmittelpreise im Land, so dass die Bevölkerung Hunger leidet. Tausende Kinder sind mangelernährt. Der Ausbruch von Krankheiten wie Cholera sowie die Ausbreitung des Coronavirus machen unseren Einsatz unentbehrlich. Deshalb sind unsere Teams im Land und helfen.

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Hunger, Armut und dazu Covid-19: Unsere medizinische Hilfe im Jemen

“Vertrieben zu werden, meine Angehörigen zu verlieren, mein Zuhause zu verlassen, meinen Besitz und meine Kindheitserinnerungen zurückzulassen - all das hat mich massiv belastet,” berichtet Zainab*. Als Gesundheitsberaterin arbeitet Zainab im Krankenhaus in Houban. Dort klärt sie schwangere Frauen und junge Mütter über Verhütung, Gesundheit und Hygiene auf. Gleichzeitig gibt ihr ihre Arbeit für Ärzte ohne Grenzen selbst Sicherheit und Trost. "Es gibt so viele hilfsbedürftige Menschen, die auf die angebotene Gesundheitsversorgung angewiesen sind, und so viele Mitarbeiter*innen, deren Lebensunterhalt vom Krankenhaus abhängt. Frieden und Stabilität sind alles, was wir im Jemen brauchen.” 

Mehr als 20 Millionen Menschen sind im Jemen auf humanitäre und medizinische Hilfe angewiesen. Viele Gesundheitseinrichtungen sind in Folge der Kämpfe zerstört. Es mangelt an Personal. Selbst dort, wo Krankenhäuser noch intakt sind, kommen viele Patient*innen nicht hin, aus Angst vor Angriffen und, weil sie die Kosten für den Weg dorthin nicht tragen können. Allein im vergangenen Jahr drangen elfmal bewaffnete Personen in Tais in das al-Thawra Krankenhaus ein.

Der Konflikt im Jemen trifft die Jüngsten besonders. Kinder leiden unter Mangelernährung. Schwangere bringen ihre Kinder alleine auf die Welt, was ein hohes Risiko für das Leben von Mutter und Kind bedeutet. Seit Beginn des Konflikts haben unsere Teams mehr als 77.000 Mütter bei der Geburt ihrer Kinder begleitet, die Wunden Zehntausender Verletzter versorgt und Patient*innen mit Verdacht auf Cholera behandelt. Seit Beginn des Krieges im Jemen haben wir 1.110.780 Patient*innen in den Notaufnahmen der Kliniken, in denen wir tätig sind, behandelt. 

Seit diesem Jahr sorgen sich die Menschen zusätzlich davor, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und suchen oft viel zu spät medizinische Hilfe. Dabei ist es für ihre Genesung so wichtig, dass sie beim ersten Anzeichen von Symptomen wie Atembeschwerden kommen. In al-Sahul und in Aden unterstützen wir Covid-19-Behandlungszentren. Hilfe, die jedoch bei weitem nicht ausreicht. 

Aktuelle Informationen zu unserem Einsatz aufgrund der Covid-19-Pandemie finden Sie hier.

Unsere Hilfe im Jemen im Jahr 2019 (in Auszügen)

Im Jemen arbeiteten unsere Teams in zwölf Krankenhäusern und Kliniken und unterstützten mehr als 20 Gesundheitseinrichtungen in 13 Provinzen des Landes.

  • 308.900 ambulante Sprechstunden
  • 31.000 Entbindungen
  • 27.100 chirurgische Eingriffe
  • 75.800 stationäre Neuaufnahmen 
  • 35.100 Cholera-Behandlungen 
  • 1.150 Masern-Behandlungen 

Im April 2019 konnten wir unsere Aktivitäten im chirurgischen Krankenhaus in Aden wieder aufnehmen. Aufgrund der anhaltenden Gewalt behandelten wir dort vor allem Verletzte und Verwundete, allein im August vergangenen Jahres 800 Patient*innen. In Abs in der Provinz Hadscha unterstützten wir das Krankenhauses. Es ist die einzige fachmedizinische Einrichtung für 1,2 Millionen Menschen in der Gegend. In der Provinz Ibb arbeiten unsere Teams in der Notaufnahme, im Operationssaal und auf der Intensivstation eines Krankenhauses im Bezirk Dhi As-Sufal. 

In den meisten Provinzen, in denen wir tätig waren, leisteten wir medizinische Hilfe für Mütter und Kinder. In Hadscha, Saada, Amran, Ibb und Tais versorgten unsere Mitarbeiter*innen 7.326 mangelernährte Kinder stationär. Unser medizinisches Personal und Hebammen begleiteten in Hadscha, Ibb und Tais Schwangere bei der Geburt ihrer Kinder. Da die Frauen aufgrund des Konfliktes oft viel zu spät in den Kliniken ankommen, sterben Mutter und Kind viel zu oft wegen Frühgeburten, Sauerstoffmangel bei der Geburt oder an schweren Infektionen. Angesichts der dramatischen Lage haben wir in al-Qanawes mit dem Bau einer Geburtshilfeklinik begonnen.

Darüber hinaus behandelten wir im Jemen Tausende Patient*innen, die an Infektionskrankheiten wie Cholera, Masern, Diphtherie und Dengue-Fieber erkrankt sind. 

Angriffe, die auch vor Gesundheitseinrichtungen nicht halt machen, erschweren die medizinische Versorgung der Menschen im Land. Sechs Mal wurden bereits Einrichtungen von Ärzten ohne Grenzen seit Beginn des Konflikts bei Luftangriffen getroffen. Krankenhäuser müssen geschützt sowie die Sicherheit des medizinischen Personals, der Patient*innen und Betreuer*innen garantiert werden.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe in Jemen an. 

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Nicht nur im Jemen sind Millionen Menschen auf medizinische Hilfe angewiesen, sondern auch in Flüchtlingslagern, wie in Bangladesch oder in von Konflikten betroffenen Ländern wie Syrien oder der Demokratischen Republik Kongo. Weltweit sind wir in rund 70 Ländern im Einsatz: immer dann, wenn staatliche Gesundheitssysteme an ihre Grenzen geraten und Menschenleben in Gefahr sind. Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie es uns trotz der Coronavirus-Pandemie auch weiterhin, die Versorgung der Menschen in den Ländern sicherzustellen. 

*Unsere Mitarbeiterin hat nur der Veröffentlichung ihres Vornamens zugestimmt.