Unsere Hilfe im Jemen

Im seit Jahren andauernden Konflikt im Jemen kämpft die Bevölkerung täglich um ihr Überleben. Nun ist noch die Coronavirus-Pandemie hinzugekommen - unser Projektkoordinator berichtet von der sehr schwierigen Lage in der Stadt Aden.
Aurelie Baumel/MSF

Aktuelle Informationen zu unserem Einsatz aufgrund der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier.

Der Konflikt im Jemen bedeutet für die Bevölkerung seit 2015 enormes Leid. Seit 2017 verschlimmerte sich die Lage noch einmal deutlich. Das Leben gleicht nach mehr als fünf Jahren Krieg täglich einem Überlebenskampf - Lebensmittel, Wasser und Medikamente sowie Treibstoffe und Transportmöglichkeiten fehlen. Immer mehr Menschen werden arbeitslos, und steigende Preise machen ihnen zu schaffen. Der Ausbruch von Krankheiten, Kämpfe und kaum noch intakte Gesundheitseinrichtungen sowie fehlendes medizinisches Personal verschärfen die furchtbare humanitäre Lage in Jemen.

Kriegsparteien nehmen Bevölkerung und zivile Einrichtungen unter Beschuss

Zivilisten, medizinisches Personal und Gesundheitseinrichtungen wurden von allen Kriegsparteien angegriffen. Auch unsere Arbeit ist dadurch immer wieder gefährdet. Unsere Krankenhäuser wurden mehrmals von Luftangriffen getroffen. Wir appellieren immer wieder an die Konfliktparteien, dass sie internationales humanitäres Recht respektieren und den Schutz von Zivilisten, medizinischen Einrichtungen und Personal gewährleisten müssen. Die problematische Sicherheitslage und administrative Einschränkungen behindern uns immer wieder dabei, Patient*innen, die Hilfe benötigen, zu erreichen. Umgekehrt kommen Menschen aufgrund der Situation zu spät in unsere medizinischen Einrichtungen: In lebensbedrohlichen Situationen – etwa, wenn eine Frau bei Geburtsproblemen dringend Hilfe benötigt und jede Minute zählt -, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Auch angesichts der gegenwärtigen Coronavirus-Pandemie beobachten wir das.

Coronavirus-Pandemie: Es muss dringend mehr getan werden

Das Covid-19-Behandlungszentrum, das wir in Aden betreiben, ist beispielsweise das einzige im gesamten Südjemen. Wir fordern daher die Vereinten Nationen und die Geberstaaten dazu auf, mehr für den Jemen zu tun. Das Land braucht z.B. mehr Sauerstoffkonzentratoren, und für das Gesundheitspersonal muss Schutzausrüstung organisiert werden. Außerdem müssen die örtlichen Behörden alles ihnen Mögliche tun, um die Hilfe internationaler Organisationen wie unserer zu erleichtern.

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Unsere Hilfe in Jemen (2015 - April 2019)

  • Wir haben fast 132.860 Menschen mit kriegs- oder gewaltbedingten Verletzungen in unseren Einrichtungen versorgt
  • In eigenen oder von uns unterstützen Einrichtungen haben wir fast 1.110.780 Patient*innen in der Notaufnahme behandelt
  • Unsere Teams haben mehr als 90.200 chirurgische Eingriffe vorgenommen
  • Wir haben mehr als 41.400 junge Patient*innen in der Kinderstation aufgenommen und bei mehr als 77.900 Geburten Hilfe geleistet
  • Außerdem haben unsere Teams 127.680 Patient*innen mit Verdacht auf Cholera behandelt

 

Unsere Aktivitäten im Rückblick:

Aufgrund des seit fünf Jahren anhaltenden Konflikts setzten wir auch 2019 unsere Hilfe im Jemen fort. Häufige Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen verhinderten, dass die Zivilbevölkerung medizinische Hilfe in Anspruch nehmen konnte.

Unsere Hilfe im Jemen im Einzelnen (Auszug):

  • Unsere Hilfe im Jemen umfasste die Arbeit in zwölf Krankenhäusern und Kliniken. Die Teams unterstützten zudem mehr als 20 Gesundheitseinrichtungen in 13 Provinzen des Landes. Unsicherheit und Zugangsbeschränkungen hinderten sie daran, verlässliche Daten über den Nahrungsmittel- und humanitären Bedarf einzuholen. In den Provinzen Hadscha, Sa´ada Amran, Ibb und Tais versorgten sie 7.326 mangelernährte Kinder stationär.
  • Im April nahmen wir im Rahmen unserer Hilfe im Jemen die Aktivitäten im chirurgischen Krankenhaus in Aden wieder auf. Wiederholt kam es wegen anhaltender Konflikte zur Aufnahme von sehr vielen Verletzten. Allein im August nahmen wir 800 gewaltbedingte chirurgische Eingriffe vor.
  • Unsere Hilfe im Jemen umfasste auch die Unterstützung des Krankenhauses in Abs, Provinz Hadscha. Es ist die einzige fachmedizinische Einrichtung für 1,2 Millionen Menschen.
  • In der Provinz Ibb betreuten wir die Notaufnahme, den Operationssaal und die Intensivstation eines Krankenhauses im Bezirk Dhi As-Sufal.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe in Jemen an.