Unsere Hilfe in Jemen-Konflikt

Im seit Jahren andauernden Konflikt im Jemen kämpft die Bevölkerung täglich um ihr Überleben.

Der Konflikt im Jemen bedeutet für die Bevölkerung seit 2015 enormes Leid. Seit 2017 verschlimmerte sich die Lage noch einmal deutlich. Das Leben gleicht nach fast fünf Jahren Krieg täglich einem Überlebenskampf - Lebensmittel, Wasser und Medikamente sowie Treibstoffe und Transportmöglichkeiten fehlen. Immer mehr Menschen werden arbeitslos, und steigende Preise machen ihnen zu schaffen. Der Ausbruch von Krankheiten, zunehmende Kämpfe und kaum noch intakte Gesundheitseinrichtungen sowie fehlendes medizinisches Personal verschärfen die furchtbare humanitäre Lage im Jemen.

Kriegsparteien nehmen Bevölkerung und zivile Einrichtungen unter Beschuss

Zivilisten, medizinisches Personal und Gesundheitseinrichtungen wurden von allen Kriegsparteien angegriffen. Auch unsere Arbeit ist dadurch immer wieder gefährdet. Unsere Krankenhäuser wurden mehrmals von Luftangriffen getroffen. Wir appellieren immer wieder an die Konfliktparteien, dass sie Internationales humanitäres Recht respektieren und den Schutz von Zivilisten, medizinischen Einrichtungen und Personal gewährleisten müssen. Die problematische Sicherheitslage und zunehmende administrative Einschränkungen behindern uns immer wieder dabei, Patient*innen, die Hilfe benötigen, zu erreichen. Umgekehrt kommen Menschen aufgrund der Situation zu spät in unsere medizinischen Einrichtungen. In lebensbedrohlichen Situationen – etwa, wenn eine Frau bei Geburtsproblemen dringend Hilfe benötigt und jede Minute zählt -kann dies schwerwiegende Folgen haben.

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Unsere Hilfe im Jemen*

  • Wir haben fast 132.860 Menschen mit kriegs- oder gewaltbedingten Verletzungen in unseren Einrichtungen versorgt
  • In eigenen oder von uns unterstützen Einrichtungen haben wir fast 1.110.780 Patient*innen in der Notaufnahme behandelt
  • Unsere Teams haben mehr als 90.200 chirurgische Eingriffe vorgenommen
  • Wir haben mehr als 41.400 junge Patient*innen in der Kinderstation aufgenommen und bei mehr als 77.900 Geburten Hilfe geleistet
  • Außerdem haben unsere Teams 127.680 Patient*innen mit Verdacht auf Cholera behandelt

*Seit 2015 bis April 2019

Vertreibungen im Jemen

Das Beispiel des Bezirks Abs im Westen des Jemen zeigt, wie problematisch die Situation der Bevölkerung ist und unter welch schwierigen Bedingungen humanitäre Hilfe geleistet wird. Im Norden dieses Bezirks, in dem bereits 100.000 Vertriebene unterkommen mussten, kam es ab März 2019 erneut zu Kämpfen. Dabei mussten 20.000 Menschen erneut fliehen. Den meisten Vertriebenen mit Norden von Abs fehlt es immer noch am Nötigsten zum Überleben: an Unterkünften, Nahrungsmitteln, Wasser und medizinischer Hilfe. Wir sind sehr besorgt, dass der Konflikt in diesem Teil des Jemen weiter eskalieren könnte, was nicht nur die schon Vertriebenen, sondern 400.000 weitere Menschen betreffen würde. Das „Abs Rural Hospital“, in dem wir arbeiten, ist das einzige Krankenhaus der Region Abs und angrenzender Bezirke, das lebensrettende Hilfe leisten kann. Aufgrund der Erfahrungen, die wir im Jemen mit Bombardierungen machen mussten, appellieren wir ein weiteres Mal an die Konfliktparteien, sicherzustellen, dass medizinische Einrichtungen wie diese auf keinen Fall angegriffen werden. Gleichzeitig appellieren wir an andere humanitäre Akteure, ihre Aktivitäten in der Region aufzustocken, damit die Menschen wenigstens die grundlegendste Hilfe erhalten.

Cholera im Jemen

Zwischen Januar und März 2019 beobachteten wir eine besorgniserregende Zunahme von Cholera-Fällen in unseren Einrichtungen in den Provinzen Aden, Amran, Hadscha, Sanaa, Ibb und Tais. Zunächst behandelten wir 400 Patient*innen pro Woche, später stieg die Zahl auf 1.200. Entsprechend erweiterten wir unsere Einrichtungen bzw. eröffneten drei neue an anderen Orten im Jemen. Seit Ende April gibt es im ganzen Land weniger von Cholera-Fälle. Cholera tritt in Jemen regelmäßig auf – die Kriegssituation, durch die die medizinische Infrastruktur zusammengebrochen ist, trägt aber zu einer stärkeren Ausbreitung bei.

19.9.19

Unsere Aktivitäten im Jemen im Rückblick 2018:

Ärzte ohne Grenzen setzte die Hilfe in Jemen im Jahr 2018 fort, da der Konflikt erneut eskalierte und Zivilisten überall im Land zur Zielscheibe wurden. 

Unsere Hilfe in Jemen im Einzelnen (Auszug):

  • Unsere Hilfe in Jemen umfasste die Arbeit in 13 Krankenhäusern und Kliniken. Die Teams unterstützten zudem 20 Gesundheitseinrichtungen in 12 Provinzen des Landes. In mehreren Gebieten mussten wir jedoch unsere Aktivitäten aufgrund von wiederholten Angriffen auf medizinisches Personal und Kliniken einstellen. Landesweit hielten wir rund 535.600 Konsultationen ab, nahmen 63.100 Patientinnen und Patienten stationär auf, halfen bei 24.400 Geburten, führten 24.600 größere chirurgische Eingriffe durch und behandelten rund 12.700 Cholera-Patienten.
  • Im August weiteten wir unsere Hilfe in Jemen aus und eröffneten nach einer militärischen Offensive in der Provinz al-Hudaida ein chirurgisches Krankenhaus in Mocha. Bis Jahresende nahmen wir dort rund 1.300 größere chirurgische Eingriffe vor. Gleichzeitig überwiesen wir Patientinnen und Patienten an unser Unfallzentrum in Aden. Hier nahmen die Teams als 5.400 Eingriffe vor. Nach einer weiteren Offensive leisteten wir im September medizinische und chirurgische Nothilfe im al-Salakhana-Krankenhaus. Als die Kämpfe im November weiter eskalierten, war dieses Krankenhaus eins von nur drei öffentlichen Krankenhäusern, die in der Region noch in Betrieb waren. Unsere Hilfe in Jemen umfasste 2018 auch die Renovierung und Unterstützung anderer Krankenhäuser in der Provinz al-Hudaida: in al-Udayn, Far al-Udayn und Ad Dahi.
  • Die Provinz Saada gehörte 2018 zu den am schlimmsten vom Krieg betroffenen Provinzen des Landes.  Wir setzten unsere Arbeit im Haidan-Krankenhaus in der gleichnamigen Stadt Saada fort.
  • Am 11. Juni wurde unser Cholera-Behandlungszentrum in Abs, Provinz Hadscha, bombardiert. Zudem mussten wir unsere Projekte in der Provinz Ad Dhale schießen, nachdem wir dort zweimal gezielt angegriffen wurden. Ende Dezember beendeten wir auch die Hilfe für das Krankenhaus in Razeh, Provinz Saada, da es zu nah an der Frontlinie lag. 
  • Da es riesige Engpässe in der Versorgung von Frauen und Kindern gab, leistete Ärzte ohne Grenzen 2018 im Rahmen der Hilfe in Jemen Geburtshilfe und pädiatrische Versorgung in den Provinzen Ad Dhale, Amran, Hadscha, Ibb und Tais.
  • An der Westküste des Landes kam es 2018 zu einem chirurgischen Engpass. Auf der 450 Kilometer langen Strecke zwischen al-Hudaida und Aden war das Krankenhaus in Mocha die einzige Einrichtung mit einem Operationssaal. Zwischen August und Dezember operierten wir im Rahmen der Hilfe in Jemen mehr als 150 Personen, die durch Landminen verletzt worden waren.
  • Ende 2018 eröffneten die Teams ein neues Cholera-Behandlungszentrum in Ibb. Zudem behandelten sie 570 Patientinnen und Patienten in Abs, Ad Dhale, Ibb und Tais, die an Diphtherie erkrankt waren. In den Provinzen Saada, Hadscha und Amran behandelten sie 1.981 an Malaria erkrankte Menschen. Im Rahmen der Hilfe in Jemen mussten Massenimpfkampagnen wiederholt verschoben werden, da die Behörden keine Zugangserlaubnis erteilten.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe in Jemen an.