Unsere Hilfe im Jemen-Konflikt

Zivilisten zahlen höchsten Preis, so auch der 7-jährige Tamer. Im Traumazentrum des Mutter-Kind-Krankenhauses in Tais behandeln wir seine Schrapnellverletzungen. Seit 2017 ist der Jemen-Konflikt noch einmal eskaliert.

Zivilisten zahlen im Jemen-Konflikt den höchsten Preis

Der Jemen-Konflikt bedeutet für die Zivilbevölkerung seit 2015 enormes Leid. Seit 2017 eskalierte der Konflikt noch einmal deutlich. Der Ausbruch von Krankheiten, zunehmende Kämpfe und kaum noch intakte Gesundheitseinrichtungen verschärfen die furchtbare humanitäre Lage im Jemen. Allein in den ersten zwei Novemberwochen 2018 behandelten wir 510 Patienten mit Kriegswunden. Viele von ihnen erreichten eine Klinik jedoch so spät, dass sie leider nicht mehr gerettet werden konnten. 

Die Menschen im Jemen-Konflikt sehen sich einer Vielzahl von lebensbedrohlichen Umständen gegenüber: Sie werden Opfer schwerer Luftangriffe, insbesondere in den nördlichen Teilen des Jemen. Es gibt Bodenkämpfe an mehreren aktiven Frontlinien. Eine zerstörte Infrastruktur und die geringe Anzahl funktionsfähiger Krankenhäuser sowie das Fehlen von medizinischem Personal, Medikamenten und medizinischen Hilfsgütern kostet weitere Menschenleben. 

„Da viele Gesundheitseinrichtungen im stark beschädigt oder zerstört wurden, müssen die meisten Jemeniten weite Strecken zurücklegen, um versorgt zu werden“, sagt Jana Brandt, die für uns die Projekte im Jemen mitkoordiniert. „Schwangere mit Komplikationen kommen zu spät, Menschen mit kriegsbedingten Verletzungen verlieren wertvolle Minuten, bevor sie stabilisiert werden."

Ärzte ohne Grenzen ist eine der wenigen Organisationen, die mit jemenitischen und internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in elf Provinzen des Landes arbeiten, um das Leid der Menschen zu lindern.

Unsere Hilfe 2017 im Rückblick (Auszug):

Neben den Folgen des Krieges und der mangelnden Gesundheitsversorgung gab es Ausbrüche von Cholera, Diphtherie und Masern, die vor allem Kleinkinder und Schwangere schwer treffen. 

  • Als Reaktion auf die neuerliche Eskalation des Jemen-Konflikts weiteten wir unsere Aktivitäten im Jahr 2017 aus. Unsere Teams arbeiteten in 13 Krankenhäusern und Gesundheitszentren in 12 Provinzen und unterstützten 20 öffentliche Gesundheitseinrichtungen. Sie kehrten auch in die Krankenhäuser nach Haydan und Abs zurück, die 2015 und 2016 bombardiert worden waren.  Wir setzten 1.790 nationale und internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und unterstützten 1.000 Fachkräfte des öffentlichen Gesundheitssystems. Zudem spendete Ärzte ohne Grenzen 500 Tonnen Medikamente und Material. Unsere Teams führten zudem im Jahr 2017 landesweit 19.728 chirurgische Eingriffe aus, halfen im Mutter-Kind-Krankenhaus in Tais bei mehr als 7.900 Geburten und belieferten mehr als 20 öffentliche Krankenhäuser und Gesundheitszentren mit Medikamenten und chirurgischem Material.
  • Beispielhaft für die Folgen des Jemen-Konflikts für die Bevölkerung ist der Cholera-Ausbruch in 2017: Als die Epidemie im April ausbrach, eröffneten wir sofort 37 Cholera-Behandlungszentren und Ausgabestellen für eine Trinklösung zur Rehydration in 9 der 22 Provinzen des Landes. Im Jahresverlauf nahmen wir 101.475 Patientinnen und Patienten in die Cholera-Behandlungszentren auf. Allein in Haddscha , einer der am stärksten von der Cholera-Epidemie betroffenen Provinzen, nahmen die Teams allein 15.769 Patientinnen und Patienten in das Cholera-Behandlungszentrum von Abs auf. Inmitten des Jemen-Konflikts eröffneten die Teams in der Provinz Ibb Behandlungszentren, schulten das Krankenhauspersonal und überwiesen die anfälligsten Patienten an die Behandlungszentren. In der dritten Juniwoche, als die Epidemie ihren Höhepunkt erreichte, nahm Ärzte ohne Grenzen 11.139 Patientinnen und Patienten auf.
  • Nach Abflauen der Cholera-Epidemie, kam es zu einem Ausbruch von Diphtherie. Dabei galt die Krankheit als ausgemerzt – der letzte Diphtherie-Fall im Jemen wurde 1992 gemeldet, die letzte Epidemie im Jahr 1982. Fast 70 Prozent der Verdachtsfälle des neuerlichen Ausbruchs wurden in der Provinz Ibb verzeichnet. Die Krankheit endet unbehandelt in ca. 40 Prozent der Fälle tödlich. Trotz des Jemen-Konflikts eröffnete Ärzte ohne Grenzen Diphtherie-Behandlungszentren im Krankenhaus in Nasser, Provinz Ibb, sowie im Al-Nasr-Krankenhaus in Ad-Dhale. Die Teams betreuten zudem zwei andere Krankenhäuser in Yarim und Dschibla, setzten ein Überweisungssystem mit Rettungswagen in Gang und unterstützten den Transport von Blutproben ins Labor. Im Jahr 2017 behandelte Ärzte ohne Grenzen mehr als 400 Diphtherie-Patientinnen und Patienten.
  • Der Jemen-Konflikt führte dazu, dass seit 2015 vier der 32 jemenitischen Nieren-Behandlungszentren schließen mussten. Den 28 noch verbleibenden Kliniken mangelte es oft an Nachschub, so dass Behandlungen unterbrochen wurden. Ärzte ohne Grenzen importierte in den vergangenen Jahren mehr als 800 Tonnen Dialyse-Material und stellte mehr als 83.000 Dialyse-Sitzungen für rund 800 Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Zudem unterstützten die Teams sechs Dialyse-Behandlungszentren. Drei von ihnen wurden mittlerweile an andere Organisationen übergeben. Inmitten des Jemen-Konflikts benötigen 4.400 Personen mit Nierenversagen dringend medizinische Hilfe.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe an, im aktuellen Jemen-Konflikt seit 2007. Lesen Sie hier am Beispiel, wie wir mit Ihrer Spende für unseren Einsatz im Jemen helfen.