Leishmaniose
Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten ausgelöst wird. Weil sich bei der tödlichen Form der Krankheit bei sehr schweren Verläufen die Haut schwarz verfärbt, nennt man sie auch „Schwarzes Fieber“.
Es gibt drei unterschiedliche Formen der Krankheit. Jährlich treten weltweit insgesamt 700.000 bis 1 Million neue Fälle von Leishmaniose auf (WHO).
Wissenswertes über Leishmaniose
Leishmaniose wird durch einzellige Parasiten verursacht. Es gibt mehr als 20 solcher Parasitenarten. Die Erreger werden durch den Biss von infizierten weiblichen Sandfliegen von Mensch zu Mensch übertragen, manchmal auch vom Tier zum Menschen. Es gibt bis zu 90 verschiedene Sandfliegen. Alle ernähren sich von menschlichem Blut, um Eier zu produzieren. Sind die Parasiten in den menschlichen Körper eingedrungen, vermehren sie sich und greifen das Immunsystem an.
Es gibt drei Hauptformen von Leishmaniose:
- Kutane Leishmaniose (CL) ist die häufigste Form der Leishmaniose, die in der Regel Hautgeschwüre an gut sichtbaren Körperstellen verursacht. Sie lässt bei Überlebenden schwere Narben oder sogar Behinderungen zurück.
- Mukokutane Leishmaniose (ML) befällt die Schleimhäute in Mund, Nase und Rachen und zerstört diese häufig komplett.
- Viszerale Leishmaniose (VL) auch Kala Azar genannt - ist die schwerste Form der Leishmaniose. Unbehandelt verläuft sie innerhalb weniger Monate tödlich.
Die drei Hauptformen der Leishmaniose kommen in unterschiedlichen Regionen vor:
- Kutane Leishmaniose (CL): tritt in 89 Ländern auf, vornehmlich im Mittelmeerraum, im Mittleren Osten und Lateinamerika. Jedoch liegt 72% der globalen CL-Last auf Afghanistan, Syrien und Pakistan.
- Mucokutane Leishamniose (MCL): Über 90 % der Fälle von mukokutaner Leishmaniose treten in Bolivien, Brasilien, Äthiopien und Peru auf.
- Viscerale Leishaniose/Kala Azar: Die meisten Fälle treten in Ostafrika (Sudan, Kenia und Äthiopien) mit mehr als 1.000 Fällen pro Jahr auf. Es gibt aber auch Fälle in Mittel- und Südamerika, z.B. in Brasilien.
Die Ausbreitung von Leishmaniose schreitet voran – u.a. im Zusammenhang mit der Ausbreitung von HIV/Aids, da sich diese beiden Krankheiten gegenseitig verstärken. Denn Menschen, die mit HIV oder anderen Krankheiten leben, die das Immunsystem beeinträchtigen, sind anfälliger. Gleichzeitig führt eine Koinfektion von HIV und Leishmaniose zu einer sehr hohen Parasitenlast bei den betroffenen Patient*innen. Dadurch steigt wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese wiederum mit dem Parasiten der Sandfliegen infizieren.
Die Symptome von Leishmaniose variieren je nach Form der Krankheit:
- Kutane Leishamniose (CL):
verursacht Hautläsionen, hauptsächlich Geschwüre, an gut sichtbaren Körperstellen.
- Mukokutane Leishmaniose (MCL):
Geschwüre auf Schleimhäuten von Nase, Mund und Rachen.
- Viscerale Leishmaniose (VL) / Kala Azar:
anhaltendes Fieber, starker Gewichtsverlust, vergrößerte Milz und Leber, starke Anämie (Blutarmut). Bei sehr schweren Verläufen kann sich die Haut schwarz verfärben.
Leishmaniose wird anhand der klinischen Symptome und verschiedenen möglichen Testverfahren diagnostiziert:
- Kutane (CL) und mukokutane Leishmaniose (ML): Nachweis des Parasiten aus Haut- oder Schleimhautmaterial (Abstrich, Hautscraping oder Biopsie).
- Viszerale Leishmaniose (VL): Antikörper-Schnelltest (rK39) liefert innerhalb von 10 bis 15 Minuten ein Ergebnis (WHO). Aus verschiedenen Gründen funktioniert er nicht in allen Regionen gleich verlässlich, so dass ggf. zusätzlich ein anderer Test erfolgen muss. Und/oder: Nadelbiopsie (Gewebeprobe aus Milz, Lymphknoten oder Knochenmark) und Untersuchung der Probe im Labor.
Die Behandlung hängt ab von der Leishmanien-Art, der Schwere der Infektion, der Immunkompetenz und ggf. anderen Erkrankungen der Patient*innen.
Viele kutane Formen (CL) benötigen gar keine systemische, sondern nur eine lokale Therapie. Dazu gibt’s Kryotherapie, intraläsionale Antimonpräparate, ansonsten Miltefosin, liposomales Amphotericin B und Pentamidin.
Die Behandlung von Viszeraler Leishamniose / Kala Azar mit Medikamenten ist regional unterschiedlich, u.a. wegen lokaler Resistenzen. Auch eine HIV-VL-Koinfektion verändert, welche Wirkstoffe die entsprechenden Arzneimittelbeeinhalten müssen.
Viele kutane Formen (CL) benötigen lediglich eine lokale Therapie. Dafür gibt es zahlreiche Präparate.
Einige Organisationen, wie beispielsweise die von Ärzte ohne Grenzen mitgegründete “Drugs for neglected Diseases Initiative” (DNDI) arbeiten an neuen und einfachen Methoden zur Behandlung von Leishmaniose. Sie versuchen Wege zu finden, wie die Therapien verkürzt und wirksameren (Kombinations-)therapien entwickelt werden können. Alle neuen potenziellen Wirkstoffe befinden sich jedoch derzeit noch in der Forschungsphase.
Der Übertragung der viszeralen Leishmaniose kann vorgebeugt oder entgegengewirkt werden, indem die weitere Ausbreitung der Parasiten verhindert wird. So lässt sich zum Beispiel die Zahl der Sandfliegen reduzieren, indem insektizidbehandelte Moskitonetze verwendet oder für den Menschen unbedenkliche Insektizide versprüht werden.
Zur Prävention beitragen kann außerdem
- die wirksame Krankheitsüberwachung nachdem Leishmaniose ausgebrochen ist
- die Aufklärung der Bevölkerung über die Verbreitung der Parasiten
- Schutz durch Kleidung, die möglichst viel Körper bedeckt
- Mittel zur Insektenabwehr
Die Leishmaniose ist eine Krankheit, die verbunden ist mit Armut. Es gibt diverse Faktoren, die das Risiko, an Leishmaniose zu erkranken, erhöhen:
- Ein durch andere Erkrankungen wie HIV, Tuberkulose oder Mangelernährung geschwächtes Immunsystem
- Vertreibung durch Klimawandel (Dürren z.B.) oder Kriege: Wenn Menschen in Gebieten zuflucht suchen, in denen die Sandmücke weit verbreitet ist.
- Einfache oder provisorische Wohnverhältnisse: Schlafen im Freien oder auf dem Boden macht es wahrscheinlicher von der Sandmücke gebissen zu werden.
- Zusätzlich scheinen Umweltveränderungen die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion mit Leishmania-Parasiten zu erhöhen - siehe Frage “Warum ist Leishmaniose eine klimasensible Krankheit?”.
Warum ist Leishmaniose eine klimasensible Krankheit?
Leishmaniose ist eine sogenannte Vektor-Krankheit: Ein Vektor ist ein lebender Organismus - eine Zecke, Fliege oder Stechmücke -, der einen Infektionserreger von einem infizierten Tier auf einen Menschen oder ein anderes Tier überträgt. Im Fall der Leishmaniose ist das die Sandmücke.
Sie lebt an wärmeren Orten, an denen sowohl Feuchtigkeit als auch höhere Temperaturen in regelmäßigen Abständen am Tag vorhanden sind. Die Erderhitzung begünstigt die Vermehrung der Sandmücke. Überschwemmungen sorgen außerdem dafür, dass Larven von einem Ort zum anderen gelangen, sodass sich die Mücke weiter ausbreiten kann.
Sie möchten mehr zum Thema erfahren? Besuchen Sie unsere Seite zu klimasensiblen Krankheiten!
Kala-Azar gehört zu den vernachlässigten Krankheiten, in deren Erforschung unzureichend investiert wird, da sie hauptsächlich Menschen in ärmeren Ländern betreffen.
Ärzte ohne Grenzen setzt sich auch politisch für eine Veränderung dieser Situation ein. Weitere Informationen dazu finden Sie auf unserer Themenseite: Zugang zu Medikamenten.