Direkt zum Inhalt
Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe im Libanon

  • 80.9
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 77.1
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 627
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 31.3
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Jahrelange Korruption in den Institutionen führte im Libanon zu einer stagnierenden Wirtschaft, Arbeitslosigkeit und einem begrenzten Zugang zu Strom und sauberem Wasser. Eine daraus resultierende rapide Inflation mit bis zu 70 Prozent Wertverlust macht der Bevölkerung außerdem zu schaffen. Im August 2020 erschütterte dann eine gewaltige Explosion die Hauptstadt Beirut: Mindestens 200 Menschen kamen dabei ums Leben und viele Häuser und Geschäfte wurden zerstört. Die Explosion und das darauffolgende Chaos führten zu einem sprunghaften Anstieg der COVID-19-Fälle. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich erneut und die Gesundheitskosten schossen in die Höhe.  

Nach der Explosion eines Tanklasters im August 2021 in einem nordlibanesischen Dorf in der Region Akkar, wurden Berichten zufolge bisher mindestens 20 Menschen getötet und 79 verwundet. Unsere Teams arbeiten mit Einrichtungen in Tripoli wie auch in Beirut bei der Bewältigung des Zustroms von Verletzten zusammen.
 

Unsere Hilfe im Libanon 2020    

  • 152.900 ambulante Sprechstunden  
  • 11.600 psychologische Einzelgespräche  
  • 9.430 stationäre Krankenhausaufenthalte 
  • 4.610 Entbindungen 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1976 medizinische Hilfe im Libanon an.

Eine Folge der Explosion: stark angestiegene Covid-19 Fallzahlen

Nach der Explosion in Beirut gab es mehr als 6.500 Verletzte und etwa 200 Tote. Einige Krankenhäuser in Beirut wurden so schwer beschädigt sowie Mitarbeitende und Patient*innen so schwer verletzt, dass sie ihre Arbeit einstellen mussten. Unsere Kolleg*innen vor Ort halfen unmittelbar bei der Erstversorgung der Patient*innen und lieferten Erste-Hilfe-Kits an den libanesischen Katastrophenschutz. Dem Bedarf entsprechend versorgten wir schließlich auch Verletzte, behandelten chronisch kranke Patient*innen und leisteten psychologische Hilfe. Im Viertel Mar Mikhael, in dem das Ausmaß der Zerstörung groß ist, versorgten wir die Menschen außerdem mit Hilfe von Wassertanks mit sauberem Wasser. 

Image
Das Portrait eines Mannes von vorne, im Hintergrund eine Stadt
Einer unserer Projektkoordinatoren im Libanon: Hammoud al-Shall.
©Tariq Keblaoui

Die Menschen müssen sich entscheiden, ob sie ihr Geld für Nahrungsmittel oder Arzneimittel ausgeben. Die Preise von beidem sind bis zu fünfmal so hoch wie früher. 

Hammoud al-Shall, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. 

Das Gesundheitssystem war nach der Explosion stark überlastet. Insbesondere in Beirut stieg die Zahl der registrierten Covid-19-Fälle sehr stark. Hunderte Patient*innen, die am Abend nach der Explosion gleichzeitig in den Gesundheitseinrichtungen Hilfe suchten, hatten dazu beigetragen. Als die Zahl der infizierten Menschen im ganzen Land zunahm, wandelten wir unser Krankenhaus im Bekaa-Tal in eine COVID-19-Einrichtung um und unterstützten ein Isolationszentrum in Siblin, im Süden des Landes. Unsere Teams boten u.a. auch an mehreren Orten im Libanon COVID-19-Tests an. 

Medizinische Versorgung wird Luxusgut

Seit vielen Jahren kümmern wir uns im Libanon darum, dass Menschen, die beispielsweise an Diabetes erkrankt sind, dauerhafte medizinische Hilfe erhalten.   
„Das Gesundheitssystem im Libanon ist hochgradig privatisiert. Deswegen gibt es immer mehr Menschen, die sich keinen Arzt oder Medikamente leisten können. Wir bieten daher kostenlose medizinische Versorgung und Medikamente für alle Patient*innen.

Eine Reihe von Corona-Maßnahmen verschärfte die Wirtschaftskrise weiter. „Fleisch haben wir seit einem Jahr nicht gegessen. Mit dem Lohn meines Sohnes können wir uns nur Brot, Bohnen und Linsen leisten. So ist das jetzt bei uns“, erzählt unsere Patientin Fawziyya Al-Sahili. Ihr Sohn arbeitet in einem Geschäft und verdient 10.000 libanesische Pfund täglich – nach dem informellen Wechselkurs ist das weniger als ein Euro. Sie leben in einem unfertigen Haus, da sie sich eine Fertigstellung nicht leisten können. 

Unsichere Zukunft 

Der Libanon ist eines der Hauptaufnahmeländer für fliehende Menschen aus Syrien. Viele Bürger*innen – ob Einheimische oder Geflüchtete – hatten bereits vorher mit traumatischen und belastenden Erfahrungen in Zusammenhang mit Krieg oder Vertreibung zu kämpfen. Die immer schlechteren Lebensbedingungen infolge der wirtschaftlichen und politischen Instabilität sind nun eine zusätzliche Bürde für sie. Diese Stressfaktoren haben sich auch auf das psychische Wohlergehen der Bevölkerung ausgewirkt. Zahlreiche Patient*innen, die in unseren Einrichtungen psychologische Hilfe suchen, leiden an Depression, Ängsten und Verzweiflung.  

 

29.07.2021

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Jetzt spenden