Unsere Hilfe in den Palästinensischen Autonomiegebieten

Die israelische Armee tötete bei der "Operation Protective Edge" im Gazastreifen 2.286 Menschen. Mehr als 11.000 wurden verletzt. Hunderttausende flohen. Die Behandlung seelischer Erkrankungen ist ein Schwerpunkt unserer Hilfe in den Palästinensischen Gebieten.

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Die Hilfe in Palästina umfasste im Jahr 2016 die medizinische und psychologische Hilfe für Menschen, die durch den anhaltenden Konflikt in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Die Hilfe in den Palästinensischen Autonomiegebieten (auch Palästina genannt) im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen leistete im Jahr 2016 weiterhin Hilfe in Palästina, indem das langfristige psychologische Programm im Westjordanland sowie die Unterstützung für Verbrennungs- und Unfallopfer im Gazastreifen fortgesetzt wurden.
     
  • Zum Jahresbeginn 2016 kam es zu einem Gewaltausbruch im Westjordanland, der sich bis Ende März allmählich wieder legte. Trotzdem erlebten die Menschen im Stadtviertel H2 in Hebron, in dem es viel Militärpräsenz gibt, häufige Auseinandersetzungen. Die Patienten von Ärzte ohne Grenzen wurden diversen schwierigen Situationen ausgesetzt: als Augenzeugen von Gewalt, durch Überfälle auf ihr Zuhause, Festnahmen und den Tod von Familienangehörigen. In der Folge entwickelten sie Angststörungen, Stress und Schlafprobleme. Im Rahmen dieser Hilfe in Palästina betreute Ärzte ohne Grenzen 2016 psychologische Gesundheitsprogramme in den Provinzen Hebron, Nablus, Kalkilia, Bethlehem und Ramallah. Die Teams boten den Überlebenden politischer Gewalt psychologische und soziale Unterstützung an. 4.141 neue Patientinnen und Patienten profitierten von psychologischen Einzel- und Gruppengesprächen, mehr als 70 Prozent von ihnen kamen aus Hebron. Darüber hinaus begingen die Teams die 20-jährige Tätigkeit von Ärzte ohne Grenzen in Hebron mit einer Reihe von öffentlichen Veranstaltungen, die die Bedeutung psychologischer Hilfe in Palästina hervorhoben. Dazu gehörten Mulitmedia-Aktivitäten, Theaterstücke und die Darstellung persönlicher Patientengeschichten.Zusätzlich schulten die Teams medizinische Fachkräfte, Lehrpersonal und Beraterinnen und Berater. So eröffnete Ärzte ohne Grenzen im April 2016 ein innovatives Nothilfeprojekt für die Provinzen Bethlehem und Ramallah, das auf psychologische Nothilfe und psychoedukative Unterstützung setzte. 2016 startete Ärzte ohne Grenzen auch eine Partnerschaft mit der Al-Nadscha-Universität in Nablus, um den ersten Master in klinischer Psychologie zu begründen. Die Teams unterstützten zudem die Station für Verbrennungen in Rafidja-Krankenhaus in Nablus, wo sie sich auf moderate bis schwere Fälle konzentrierten und einen multidisziplinären Ansatz (psychologisch, medizinisch und sozial) verfolgten.
     
  • Die Hilfe in Palästina umfasste auch die Zentren für Verbrennungen und Verletzungen im Gazastreifen, in denen Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2016 mehr als 4.231 Patienten behandelte, von denen die meisten Kinder waren. Die Teams versorgten mehr als 52.000 Wunden, führten rund 36.000 physiotherapeutische Behandlungen und etwa 1.000 beschäftigungstherapeutische Sitzungen durch. Von den drei Kliniken für Verbrennungen und Verletzungen in Gaza-Stadt, Chan Yunis und Bet Lahyia, wurde Letztere erst im Juli 2016 eröffnet. Im Rahmen dieser Hilfe in Palästina startete Ärzte ohne Grenzen eine öffentlichkeitswirksame Kampagne, um auf die Kliniken für Verbrennungen aufmerksam zu machen. Sie erreichte mehr als 35.000 Kinder in Schulen, Kindergärten und Horten. Die chirurgischen Programme in den Krankenhäusern in Al-Schifa und Nasser liefen in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium. Insgesamt wurden dort im Jahr 2016 rund 275 chirurgische Eingriffe vorgenommen, von denen 71 Prozent Kinder unter 16 Jahren betrafen. Da komplexe chirurgische Fälle nicht im Gazastreifen behandelt werden konnten, wurden sie von Ärzte ohne Grenzen an das chirurgische Projekt in Jordanien überwiesen. Aufgrund verwaltungstechnischer Verzögerungen gelang diese Hilfe in Palästina im Jahr 2016 allerdings nur bei neun von 77 Patientinnen und Patienten.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1989 Hilfe in Palästina an.