Unsere Hilfe in den Palästinensischen Autonomiegebieten

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Die Hilfe in Palästina umfasste im Jahr 2015 medizinische und psychologische Hilfe für Menschen, die durch den anhaltenden Konflikt in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Die Hilfe in den Palästinensischen Autonomiegebieten (auch Palästina genannt) im Einzelnen (Auszug):

  • Auch 2015 blieb medizinische und psychologische Hilfe in Palästina sehr wichtig für viele Menschen: Die kontinuierliche Ausweitung des israelischen Siedlungsbaus im Westjordanland führte zu mehr Spannungen und Gewalt. Im Oktober wurden zwei Siedler erschossen, angeblich als Racheakt für einen Brandanschlag auf eine palästinensische Familie, die im Juli gestorben war. Die Einwohner von Gaza litten zudem weiterhin unter den Folgen des 50-Tage-Kriegs, der im Jahr 2014 stattfand. Da es nach wie vor Einschränkungen beim Import von Baumaterial gab, konnten sie ihre zerstörten Häuser nicht wiederaufbauen. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden im Jahr 2015 insgesamt 170 Palästinenser und 26 Israelis getötet sowie mehr als 15.300 Palästinenser und 350 Israelis verletzt.
  • Ärzte ohne Grenzen leistete soziale Unterstützung und psychologische Hilfe in Palästina in mehreren Regierungsbezirken: Hebron, Nablus und Kalkilia sowie in Ost-Jerusalem. Die Teams führten mehr als 5.522 Einzel- und Gruppengespräche, von denen mehr als 50 Prozent in Hebron stattfanden (2.959). Ab Oktober entzündete sich hier eine Gewaltspirale, vor allem im Sektor „H2“ der Altstadt. Dies führte zu einer Zunahme der Aktivitäten. In der angespannten Situation suchten viele Bewohner Hilfe für ihre Schlafprobleme, ihre Angst und ihren Ärger. Viele Kinder litten unter Alpträumen und Bettnässen. Mehr als 5.300 Menschen nahmen an Veranstaltungen zur Psychohygiene teil, bei denen Ärzte ohne Grenzen sie über Bewältigungsmechanismen aufklärte. Die Teams trainierten zudem medizinisches Personal, Lehrer und Berater.
  • Im Rahmen der Hilfe in Palästina gedachte Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2015 der zehnjährigen Projekttätigkeit in Nablus. Die Teams veranstalteten mehrere Aktionen, um die Bedeutung der psychologischen Hilfe hervorzuheben. Dazu gehörte eine öffentliche Diskussion, ein interaktives Spiel, drei Patienten-Comics und eine Konferenz zur psychologischen Versorgung.
  • Im Oktober begann Ärzte ohne Grenzen eine Kooperation mit der lokalen Nichtregierungsorganisation Treatment and Rehabilitation Center for Victims of Torture (TRC) in Ost-Jerusalem, um den Menschen leichteren Zugang zu psychologischer Hilfe zu ermöglichen.
  • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter behandelten in den Verbrennungs- und Unfallzentren in Gaza-Stadt und in Chan Yunis mehr als 2.500 Patientinnen und Patienten. Die meisten von ihnen waren Kinder. Die Teams führten rund 35.000 physio- und 1.000 beschäftigungstherapeutische Termine durch. Die Mehrheit der Patienten und Patientinnen litt unter Verbrennungen, die bei häuslichen Unfällen in konfliktbedingt zerstörten Häuser verursacht worden waren. Im September bat Ärzte ohne Grenzen die Behörden, eine dritte Fachklinik im Norden Gazas zu eröffnen. Von Ende 2014 bis April 2015 wurden durch die Verbrennungs-Aufklärungskampagne mehr als 35.000 Kinder in Schulen und Kindergärten erreicht. Eine weitere Kampagne startete im November 2015.
  • Die Hilfe in Palästina umfasste auch ein chirurgisches Programm in den Krankenhäusern in Al-Schifa und Nasser. Gemeinsam mit dem öffentlichen Gesundheitspersonal führte Ärzte ohne Grenzen dort 390 chirurgische Eingriffe durch, meist aufgrund von Verbrennungen.
  • Das Team überwies komplexe Fälle, die nicht in Gaza operiert werden konnten, an das rekonstruktive Chirurgie-Programm von Ärzte ohne Grenzen in Jordanien. Allerdings führten die Verwaltungsprozesse dieser Überweisungen zu Verzögerungen: Nur sechs von 67 Patientinnen und Patienten konnten 2015 erfolgreich an das jordanische Krankenhaus überwiesen werden.
  • Während des Kriegs im Jahr 2014 unterstützte Ärzte ohne Grenzen psychologische Aktivitäten in Gaza. Im April 2015 mussten sie allerdings auf Befehl der Gesundheitsbehörden eingestellt werden und wurden bis zum Jahresende auch nicht wiederaufgenommen.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1989 Hilfe in Palästina an.