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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in den Palästinensischen Autonomiegebieten

  • 75.8
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 72.4
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 329
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 17.6
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2019

Sowohl die Westbank als auch der Gazastreifen stehen seit Jahren im Zentrum des Konflikts in den Palästinensischen Autonomiegebieten und Israel. Die Wirtschaftsblockade führt für die Bevölkerung zu sozialen und ökonomischen Unsicherheiten. Die gewaltsamen Konfrontationen kosten Menschenleben, führen zu schwerwiegenden Verletzungen und Beeinträchtigungen sowie zu psychischen Problemen.

Das Gesundheitssystem ist aufgrund der Situation ebenfalls stark beeinträchtigt. Die Versorgung mit Medikamenten und medizinischen Gütern ist beispielsweise eingeschränkt. Wenn es zur Eskalation von Gewalt kommt und Verletzte versorgt werden müssen, wird in den Palästinensischen Autonomiegebieten noch dringender medizinische Unterstützung benötigt.

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Eskalierter Konflikt - Hilfe für Verletzte

Seit fast 15 Jahren leisten wir in Gaza chirurgische Hilfe für Patient*innen mit Verletzungen und Verbrennungen und betreuen ihre Nachsorge.

Während der im Mai 2021 in Israel und den Palästinensischen Autononomiegebieten eskalierenden Gewalt waren unsere Mitarbeiter*innen unter den unsicheren Bedingungen dieser Tage intensiv im Einsatz. Zudem spendeten wir im Gazastreifen medizinisches Material an zahlreiche medizinische Einrichtungen. In Israel haben wir am 10. und 11. Mai die Palästinensische Rothalbmondgesellschaft in Jerusalem bei der ambulanten Behandlung von Menschen zu unterstützen, die dort bei Auseinandersetzungen verwundet wurden.

Gaza: Geschlossene Übergänge, beschädigte Kliniken

Im Al-Awas-Krankenhaus (Region Dschabalia) betreiben wir eine Chirurgie-Station. Eines unserer Teams arbeitete dort in 24 Stunden-Schichten, um das Personal im Notfallraum und in den Operationssälen zu unterstützen. Dort wurden 100 Verletzte behandelt, die durch Bombardierungen und Raketenangriffe verletzt worden waren. Die Klinik – u.a. unser Büro für Logistik - erlitt durch Bombardierungen in der Nähe Schäden.  

Der Grenzübergang Eres war für zehn Tage geschlossen, so dass es keine Möglichkeit gab, die Vorräte medizinischer Einrichtungen aufzufüllen, in denen Verletzte behandelt wurden. Am 24. Mai konnten schließlich zusätzliche Teams unserer Organisation dringend benötigtes Material wie Blutkonserven in den Gazastreifen bringen. Bereits vor der kürzlichen Eskalation fehlte es dort an grundlegendem Material, bestimmten Medikamenten, Benzin und Elektrizität. Auch jetzt bleibt es weiterhin eine Herausforderung, medizinische Teams und Vorräte nach Gaza zu bringen.  

Am 16. Mai 2021 wurden bei israelischen Luftangriffen in Gaza-Stadt nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mindestens 42 Menschen getötet, darunter zehn Kinder. Durch eine Bombardierung in der Nähe wurde unserer Klinik beschädigt. Deswegen und weil beispielsweise die Zufahrtsstraße zerstört wurde, mussten wir die Einrichtung vorübergehend schließen. Am 20. Mai begannen wir dort aber wieder mit der ambulanten Arbeit. Nach dem Ende der Bombardierungen haben wir all unsere laufenden Aktivitäten wieder aufgenommen.  

Wir weiten die medizinische Versorgung aus

“Wegen der jüngsten Gewalt gibt es eine riesige Zahl neuer Patient*innen, die Behinderungen davongetragen haben und denen mehreren Operationen bevorstehen, die sie über Monate - wenn nicht Jahre - beschäftigen werden”, erklärt unsere Landeskoordinatorin Helen Ottens-Patterson. Menschen in Gaza wurden verletzt oder haben Angehörige verloren, die Infrastruktur wurde zerstört – daher wollen wir unsere Arbeit ausweiten. Neben den Folgen der jüngsten Gewalt darf nicht vergessen, werden, dass auch die Covid-19-Pandemie einen Einfluß auf das Leben der Menschen hat.  

Unsere Hilfe bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie

Die Covid-19-Pandemie hat zu einer weiteren Überlastung des Gesundheitssystems geführt. Daher unterstützen wir in Gaza wichtige medizinische Einrichtungen – wir arbeiten beispielsweise auch auf Intensivstationen. Mit einer Facebook-Kampagne konnten wir im April 2021 eine Million Menschen erreichen und mit Gesundheitsinformationen zu Covid-19 versorgen. Momentan machen wir uns Sorgen, dass es bald einen erneuten Anstieg bei den Covid-19-Infizierten geben könnte, und das einzige Testlabor wurde ebenfalls beschädigt. Wir haben Gesichtsmasken und Hand-Desinfektionsmittel an Menschen verteilt, die durch die Bombardierungen vertrieben wurden.

Auch in der Westbank versuchen wir im Kontext von Covid-19 Menschen zu helfen: Dort ersetzen vorübergehend Telefonate unsere Einzelgespräche bei der psychologischen Unterstützung. Unter anderem helfen wir Menschen in der Westbank (in Hebron, Nablus und Kalkilja) auch generell mit psychologischer Hilfe.

Unsere Hilfe in den Palästinensischen Autonomiegebieten 2019

  • 90.900 ambulante Sprechstunden
  • 2.450 chirurgische Eingriffe

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1989 Hilfe in Palästina an.

In unseren vier Kliniken in Beit Lahia, Gaza-Stadt, Chan Yunis und in der Mitte des Gazastreifens boten unsere Teams 2019 postoperative Wundverbände, Physiotherapie und psychosoziale Hilfe an. Im Krankenhaus Al-Salam, im Süden, sowie im Krankenhaus Al-Awda, im Norden, unterstützten wir die Chirurgie und postoperative Versorgung, boten Behandlungen bei Knochenentzündungen an sowie Physiotherapie und psychologische Hilfe. Im April eröffneten wir das erste Labor zur Analyse von Knochen- und Gewebeproben. Wir unterstützten zudem im Al-Shifa-Krankenhaus die Station für Verbrennungen mit einem Chirurgenteam.

Angesichts der anhaltenden Besatzung und zunehmenden Gewalt setzten wir unsere kostenlose psychologische Hilfe im Westjordanland fort. So machten unsere Expert*innen im Bezirk Hebron Hausbesuche und hielten Einzel- und Gruppengespräche sowie psychotherapeutische Sitzungen ab. In Nablus und Kalkiliya boten wir psychotherapeutische und psychiatrische Hilfe in zwei Kliniken an. In Tubas eröffneten wir im Dezember einen neuen Beratungsraum.