Unsere Hilfe in Italien

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen versorgte auch 2015 in Italien Flüchtlinge und Migranten. Mehr als 153.000 Menschen gelang in dem Jahr die riskante Reise über das Meer nach Europa. Die meisten kamen aus Ländern wie Eritrea, Nigeria, Somalia, Sudan und Syrien.

Unsere Hilfe in Italien im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen leistete weiterhin medizinische Hilfe in Italien: Flüchtlinge, die an den wichtigsten Häfen in Augusta, Pozzallo, Palermo, Reggio Calabria und Lampedusa ankamen, wurden von den Behörden nur schlecht versorgt. Der mangelnde politische Wille, den Neuankömmlingen zu helfen, führte zu Engpässen im offiziellen Empfangssystem. Für die Flüchtlinge gab es keine Garantien für humanitäre Hilfe oder internationalen Schutz.
  • Ärzte ohne Grenzen unterstützte 2015 die Provinzgesundheitsbehörden in Ragusa. Die Teams untersuchten im Rahmen der Hilfe in Italien Flüchtlinge bei ihrer Ankunft und stellten medizinische Hilfe rund um die Uhr zur Verfügung. Zudem arbeiteten sie im allerersten Empfangszentrum in Pozzallo und boten dort basismedizinische Hilfe an. Bis zum Jahresende führten sie rund 3.000 Konsultationen durch. Viele Patienten litten unter Hauterkrankungen, Atemwegsinfektionen, dem Verdacht auf Tuberkulose (TB) oder Verletzungen.
  • In 16 Empfangszentren der sizilianischen Provinz Ragusa startete Ärzte ohne Grenzen zudem ein psychologisches Programm. 400 Flüchtlinge und Migranten hatten dort zeitweilig eine Unterkunft gefunden. Ein Team von zwei Psychologen und zahlreichen kulturellen Mediatoren untersuchten alle Neuankömmlinge auf einen möglichen psychologischen Bedarf. Sie führten 1.052 psychologische Einzelgespräche und organisierten 69 Gruppengespräche für 549 Personen. Viele Patienten kamen aus Nigeria, Gambia, Senegal, Mali und Bangladesch. 41 Prozent von ihnen wiesen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung auf, andere litten eher unter Niedergeschlagenheit oder Depressionen. 
  • Im Verlauf des Jahres 2015 führte Ärzte ohne Grenzen zahlreiche bilaterale Gespräche und organisierte Öffentlichkeitsveranstaltungen in Italien: Flüchtlinge, so das Ziel, sollten in Empfangszentren gut aufgenommen werden. Im November übergab Ärzte ohne Grenzen dem italienischen Parlament einen Bericht, der die Probleme im Empfangszentrum in Pozzallo detailliert aufzeigte, wie Überbelegung oder schlechte hygienische Bedingungen. Der Bericht zeigte auch Lösungen auf. Da es im Nachgang zu keinen Veränderungen kam, traf Ärzte ohne Grenzen die schwierige Entscheidung, die Aktivitäten in diesem Zentrum einzustellen. ​
  • Da viele Migranten und Flüchtlinge eine riskante und oftmals traumatische Seereise erlebten, bot Ärzte ohne Grenzen den Neuankömmlingen auf Sizilien psychologische Nothilfe an: Ab Mai 2015 stand ein Team auf Abruf bereit, um innerhalb von 72 Stunden nach dem Anruf zu den Anlandestellen zu kommen.  Sie reagierten insgesamt 14 Mal in acht italienischen Häfen und unterstützten so rund 2.500 Personen. 
  • Auch in Rom leistete Ärzte ohne Grenzen psychologische Nothilfe für Flüchtlinge und Migranten, die in einem Transitlager untergebracht waren, das von zivilgesellschaftlichen Aktivisten geleitet wurde. Die meisten Menschen verließen dieses Camp einige Tage nach ihrer Ankunft in Richtung Nordeuropa. Zwischen dem 16. Juli und dem 1. November 2015 bot Ärzte ohne Grenzen im Rahmen dieser Hilfe in Italien Flüchtlingen psychologische Unterstützung  an. Insgesamt 903 Menschen nahmen an Einzel- oder Gruppengesprächen teil. 79 psychologische Einzelberatungsprozesse wurden beendet. Gemeinsam mit der Organisation Ärzte gegen Folter startete Ärzte ohne Grenzen im Oktober 2015 in Rom ein Projekt mit Asylsuchenden, die Folteropfer waren. Das Team hielt 340 Sprechstunden ab. Das Zentrum bot medizinische, psychologische und sozio-juristische Hilfe für Migranten, Flüchtlinge oder Asylsuchende an, die Folter oder gezielte Gewalt erlebt hatten – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem legalen Status.
  • Gegen Jahresende versorgte Ärzte ohne Grenzen im Norden von Italien Flüchtlinge an der Grenze zu Slowenien mit medizinischer Hilfe, Unterkünften und Hilfsgütern. Hunderte Flüchtlinge hatten sich außerhalb der Stadt Gorizia in der Nähe eines Flusses niedergelassen. Im Dezember eröffneten die Teams dort ein temporäres Zentrum aus 25 umgebauten Schiffscontainern für 96 Personen. Das Team kooperierte mit den lokalen Gesundheitsbehörden und dem Roten Kreuz. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilten Hilfsgüter wie Hygieneartikel. Die Flüchtlinge kamen mehrheitlich aus Pakistan und Afghanistan und hatten bereits eine lange Reise über die Balkanländer hinter sich. In den ersten drei Wochen des Projekts erhielten mehr als 200 Personen temporäre Unterkünfte.
  • Weitere Informationen zu Flüchtlingen und Migranten, die in Europa Hilfe suchen, finden Sie auf unseren Einsatzländerseiten zu BulgarienGriechenland und Serbien.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1999 Hilfe in Italien an.

Aktuelle Informationen zu unserer Hilfe für Flüchtlinge finden Sie hier.