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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Italien

  • 85.5
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 81.3
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 27
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 2.7
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

In den vergangenen Jahren führte die restriktive Politik der italienischen Regierung gegenüber Geflüchteten und Migrant*innen beispielsweise dazu, dass teilweise Häfen für private Seenotrettungsschiffe geschlossen wurden. An Land gibt es Engpässe bei der Versorgung dieser und anderer benachteiligter Menschen. Für sie stellen wir an verschiedenen Orten medizinische Angebote bereit: Seit Juli 2021 arbeiten wir z.B. erneut auf der italienischen Insel Lampedusa, wo wir Überlebende von Seenotvorfällen medizinisch und psychologisch unterstützen. Zu unseren Aktivitäten bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie gehören Maßnahmen, die die Hygiene- und Gesundheitsbedingungen von Bewohner*innen informeller Siedlungen und Unterkünften in Rom stärken sollen. Außerdem arbeiten wir in Aufnahmezentren in Sizilien in der Gesundheitsaufklärung und unterstützen Infektionsvorbeugung- und Kontrolle. 

 

Unsere Hilfe in Italien 2020

  • 274 ambulante Sprechstunden für Covid-19-Patient*innen

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1999 medizinische Hilfe in Italien an.

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Von der Covid-19-Pandemie schwer getroffen 

Italien war 2020 das erste europäische Land, das von Covid-19 schwer getroffen wurde. Anfang März begannen wir daher mit der Arbeit in Krankenhäusern in der Region Lombardei, wo es die meisten infizierten Menschen gab. Wir unterstützen in den Bereichen Infektionsprävention und -kontrolle sowie bei der Patient*innenversorgung. Anschließend weiteten wir unsere Aktivitäten auf andere Regionen aus. Wir konzentrierten uns dabei auf besonders vulnerable Gruppen: Unsere Teams arbeiteten in Pflegeheimen, Gefängnissen, Zentren für Migrant*innen, Unterkünften für obdachlose Menschen, informellen Siedlungen und besetzten Häusern. Zudem unterstützten wir zivilgesellschaftliche Gruppen, die Hilfe leisteten, und betreuten mehrsprachige Aktivitäten zur Gesundheitsförderung und bei Online-Sitzungen zur psychologischen Hilfe.

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Zwei Frauen schauen sich an
Unsere Kolleginnen im Krankenhaus in Lodi. Viele der Mitarbeiter*innen wurden durch die Covid-19-Pandemie stark traumatisiert.
©MSF/Davide Arcuri

Als wir in Lodi in der Lombardei ankamen, waren viele Krankenhausmitarbeiter*innen offensichtlich traumatisiert. Sie waren geschockt, wie schnell alles kritisch geworden war. Sie wollten darüber reden – wir hörten zu. Offen zu reden und zu weinen vor Menschen, die verstehen, was man selbst erlebt, ist sehr wichtig. Es zeigt: Du bist nicht allein. Es gibt Kraft weiterzumachen.

Unsere Notfallkoordinatorin Claudia Lodesani

Obwohl unsere Nothilfe-Maßnahmen im Rahmen der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie im Juli 2020 Juli endeten, führten wir andere Covid-19-Aktivitäten weiter. In den Außenbezirken von Rom unterstützten wir z.B. bei der Früherkennung und Behandlung von Covid-19-Erkrankten. In Palermo reagierten wir auf Ausbrüche in Unterkünften für obdachlose Menschen und in Zentren für Migrant*innen.

Hilfe für traumatisierte Geflüchtete und Migrant*innen 

 

Im Sommer 2020 gab es auf der italienischen Insel Lampedusa einen starken Anstieg an Migrant*innen und Geflüchteten. Die meisten kamen aus Libyen und Tunesien über die tödliche Route durch das Mittelmeer. Zwei Monate lang unterstützten und schulten wir die medizinischen Teams des nationalen Gesundheitsdienstes in der Triage. Denn viele Männer, Frauen und Kinder kommen mit Verletzungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen an: Oftmals waren sie zuvor Monate oder Jahre unterwegs gewesen. Vielfach waren sie Situationen ausgesetzt, in denen sie keine medizinische Hilfe erhalten konnten. Bei der Überquerung des Mittelmeers geraten sehr viele in Seenot und treiben tagelang auf dem Wasser. Dadurch dehydrieren die Menschen stark. Durch die gefährliche Salzwasser-Benzinmischung, in der sie in den engen Booten sitzen müssen, tragen sie vielfach schwere Verätzungen davon. 

Zudem wurden viele Migrant*innen und Geflüchtete durch Erlebnisse während ihrer Reise traumatisiert:  Z.B. durch lebensbedrohliche Situationen bei der Fahrt über das Mittelmeer oder während sie in libyschen Camps schutzlos zwangsinterniert worden waren. Die Lebensbedingungen sind dort katastrophal: Erpressungen und Folter sind an der Tagesordnung. Wir boten in Lampedusa Angekommenen daher psychologische Erste Hilfe an.

Unterstützung an der norditalienischen Grenze 

An der italienischen Grenze zu Frankreich, der Schweiz und Slowenien, wo Migrant*innen und Geflüchtete unterwegs sind, waren und sind wir weiterhin präsent. Die Menschen werden an der Grenze zurückgedrängt und körperlich misshandelt. Wir haben daher die schrecklichen Lebensbedingungen und den inakzeptablen Umgang mit ihnen angeprangert.  

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Menschen die hintereinander durch den Schnee laufen
Eine afghanische Familie bei dem Versuch die Grenze zwischen Italien und Frankreich zu überqueren.
©Francesca Volpi

Dank eines umfassenden Solidaritätsnetzwerks, das in der Region aufgebaut wurde, können wir Menschen auf der Durchreise erreichen. Die gesamte Unterstützung wird von Freiwilligen bereitgestellt. Ärzte ohne Grenzen hat uns Schlafsäcke, Decken, Schuhe und Kleidung gespendet, die wir an Menschen auf der Durchreise verteilen - alles wichtige Dinge, damit sie ihren Weg auch in den Wintermonaten fortsetzen können.

Luca Daminelli, Aktiver in einem zivilgesellschaftlichen Solidaritätsnetzwerk 

Wir arbeiten mit lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, um Hilfsgüter zu verteilen. Außerdem bieten wir Durchreisenden eine medizinische Versorgung an.

 

29.07.2021