Unsere Hilfe in Myanmar

Eine HIV-Beratungssitzung in einer Klinik von Ärzte ohne Grenzen im Rahmen unserer Hilfe in Myanmar

Unsere Hilfe für aus Myanmar geflüchtete Rohingya:

In Myanmar ist es im Sommer 2017 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, in deren Folge 420.000 Angehörige der muslimischen Minderheit Rohingya ins benachbarte Bangladesch flüchteten. Sie wohnen dort in notdürftig eingerichteten Lagern. Zwei der Lager in Kutupalong und Balukhali sind mittlerweile zu einem riesigen Flüchtlingslager verschmolzen, in dem rund 500.000 Menschen leben. Es gibt zu wenig Unterkünfte, Trinkwasser, Nahrungsmittel und sanitäre Einrichtungen. Für die geflüchteten Rohingya stockt Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Bangladesch auf. Wir sorgen uns um jene, die derzeit noch in Myanmar leben. (September 2017)

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen setzte im Jahr 2016 als wichtiger Gesundheitsanbieter die medizinische Hilfe in Myanmar fort. Die Aktivitäten unterstützten das Ministerium für Gesundheit und Sport. In einigen Regionen musste die Arbeit aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden.

Unsere Hilfe in Myanmar im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen blieb im Rahmen der Hilfe in Myanmar der wichtigste HIV-Gesundheitsanbieter in Darwei, Region Tanintharyi. Die Teams behandelten im Jahr 2016 insgesamt 2.355 HIV-Infizierte und fokussierten dabei auf Hochrisikogruppen wie Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, Männer, die Sex mit Männern haben, sowie Migranten. Sie unterstützten die Behörden dabei, das Behandlungsangebot zu dezentralisieren. Im Verlauf des Jahres wurden 742 stabile Patienten zur Weiterversorgung an die Behörden überwiesen. Zudem verbesserte Ärzte ohne Grenzen 2016 die Diagnosekapazität durch die Einführung eines technischen Geräts, welches die Viruslast der Patienten mit HIV erkennt.
     
  • Diese Hilfe in Myanmar umfasste auch die Behandlung von HIV-Patientinnen und Patienten, die unter Begleiterkrankungen wie Tuberkulose, der viralen Augenerkrankung CMV-Retinitis oder Hepatitis-C litten. 2016 begannen einige Hepatitis-C-Patienten eine neue, günstigere und wirksamere orale Behandlung in Dawei und Rangun.
     
  • Da sich die politische Situation in der Region Wa Special 2, Shan-Staat, verschlechterte, waren die Arbeitsbedingungen für das internationale Personal von Ärzte ohne Grenzen nicht mehr sicher genug. Die Aktivitäten mussten dort daher eingeschränkt werden. In den entlegenen Townships Pang Yang und Lin Haw hingegen gaben die Teams mehr als 9.000 Konsultationen in Gesundheitszentren und mobilen Kliniken. Zudem unterstützten sie im Rahmen der Hilfe in Myanmar Impfkampagnen der Gesundheitsbehörden.
     
  • Ebenfalls im Shan-Staat beteiligte sich Ärzte ohne Grenzen zwischen Januar und März 2016 an einer Auffrischungs-Impfkampagne der Behörden für 10.951 Kinder im Township Lahe, Region Sagaing. Die Kinder wurden gegen eine Reihe von Krankheiten immunisiert, wie Polio, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Masern, Hepatitis-B und Haemophilus influenzae Typ b.
     
  • Im Rahmen der Hilfe in Myanmar versorgte Ärzte ohne Grenzen in zwei Kliniken in Rangun 16.869 Patienten, die unter HIV, Tuberkulose (TB) oder multiresistenter Tuberkulose litten. Zudem wurde der erste Patient mit extrem resistenter Tuberkulose innerhalb des „Stop-TB“-Programms behandelt.
     
  • In der zweiten Jahreshälfte wurden die Konflikte in den Staaten Kachin und im Norden von Shan intensiver, wodurch der Zugang für die Patienten und das Personal zu den Klinken schwieriger wurde. In Kachin versorgte Ärzte ohne Grenzen rund 11.020 Patienten, die unter HIV, TB oder multiresistenter Tuberkulose litten. Die Teams hielten auch 68 psychologische Konsultationen in einem Lager für Vertriebene ab. Im Rahmen der Hilfe in Myanmar behandelten sie in Shan 4.628 Patienten gegen HIV und multiresistente Tuberkulose. Ein mobiles Team gab im Norden des Staates rund 900 basismedizinische Konsultationen.
     
  • Die Angriffe auf die Grenzpolizei im nördlichen Rakhaing-Staat führten zu einem vollständigen Abbruch der humanitären Hilfe, wodurch Tausende Patienten mehr als zwei Monate lang ohne Zugang zu basismedizinischer Hilfe blieben. Im ersten Vierteljahr 2016 hielt Ärzte ohne Grenzen nur rund 2.000 Konsultationen ab. Zum Vergleich: Der monatliche Durchschnitt lag zuvor bei etwa 15.000 Sprechstunden. Überweisungen in Krankenhäuser konnten ebenso nicht vorgenommen werden, was die Wahrscheinlichkeit vermeidbarer Todesfälle erhöhte. Mitte Dezember 2016 durfte das Programm teilweise wieder anlaufen, allerdings in eingeschränkten Gebieten. Kontrollposten erschwerten den Menschen den Zugang zu fachmedizinischer und akuter medizinischer Versorgung. Dies betraf vor allem die Rohingyas, die zu einer muslimischen Minderheit im Land gehören. Die Hilfe in Myanmar wurde auch dadurch beeinträchtigt, dass die Bewegungsfreiheit des internationalen Personals von Ärzte ohne Grenzen eingeschränkt wurde und somit weder die Teams vor Ort unterstützt werden konnten noch Ärzte ohne Grenzen über die dringenden humanitären Bedarfe in der Region aufklären konnte.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1992 Hilfe in Myanmar an.