Unsere Hilfe in Myanmar

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen weitete im Jahr 2015 die Hilfe in Myanmar auf die vom Präsidenten ausgerufene Katastrophenregion im Bundesstaat Rakhine und in der Region Sagaing aus: Ende Juli verursachte dort der Wirbelsturm Komen großflächige Überschwemmungen. Es war die schlimmste Naturkatastrophe in Myanmar seit dem Zyklon Nargis im Jahr 2008.

Unsere Hilfe in Myanmar (auch Burma genannt) im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen verteilte im Rahmen der Hilfe in Myanmar in den Townships Kalay und Tamu, Region Sagaing, sowie in den Townships Minbya und Maungdaw, Bundesstaat Rakhine, Wasser- und Hygienematerialien, um das Krankheitsrisiko aufgrund der hygienischen Bedingungen zu verringern. Zudem gaben die Teams Moskitonetze aus, um durch Wasser übertragene Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber zu verhindern, die in diesem Gebiet endemisch sind. In Monywa, Kalay und Tamu schulten die Teams das Personal der Gesundheitsbehörden und Freiwillige darin, potenzielle Brutplätze der Moskitos zu säubern, wie Blumentöpfe oder offene Wassergefäße mit stehendem Wasser. Zudem gingen sie von Haus zu Haus, um die Menschen über die Vorbeugung von Dengue-Fieber aufzuklären. Sie verteilten auch Schnelltests für Dengue-Fieber an die Behörden, deren Personal im Gebrauch der Tests geschult wurde. Ärzte ohne Grenzen betreute außerdem gemeinsam mit den Behörden mobile Kliniken in den wichtigsten Unterkünften der Flutopfer, wie Klöster, Moscheen, einer Schule oder einem Waisenhaus.
  • Im Bundesstaat Rakhine setzte Ärzte ohne Grenzen auch die Hilfe in Myanmar fort, die die Behörden neun Monate lang im Jahr 2014 gestoppt hatten. Dazu gehörten die offiziellen mobilen Kliniken, die Vertriebene in Pauktaw und Sittwe sowie in den ethnischen Rakhine-Dörfern versorgten. Zudem ging es um medizinische Aktivitäten in Maungdaw, im Norden des Bundesstaates. Insgesamt gaben die Teams 84.689 Sprechstunden, unterstützten Masern- und Polio-Impfkampagnen und überwiesen mehr als 900 Patientinnen und Patienten an stationäre Gesundheitseinrichtungen. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung blieb für viele Menschen in Nord-Rakhine auf inakzeptable Weise limitiert, da die Bewegungsfreiheit für die Minderheit der Rohingya stark eingeschränkt wurde und es dort kaum andere nationale oder internationale humanitäre Organisationen gab.
  • Eine Studie von Ärzte ohne Grenzen, die in der Region Wa Special 2 durchgeführt worden war, bestätigte einen Engpass in der basismedizinischen und stationären Gesundheitsversorgung. Zudem gab es laut Studie zu wenig Krankheitsprävention sowie einen Mangel an Impfungen und Geburtshilfe. Ärzte ohne Grenzen weitete die Hilfe in Myanmar daher aus und eröffnete in Lin Haw eine neue Klinik innerhalb einer lokalen Gesundheitseinrichtung. Ab September 2015 betreuten die Teams wöchentlich mobile Kliniken auf dem Markt in Pang Yang. In zwei nahe gelegenen Schulen führten sie zudem allgemeine Gesundheits- und Hygiene-Aufklärungsveranstaltungen durch.
  • Ärzte ohne Grenzen setzte die Hilfe in Myanmar auch in den Regionen Rangun und Tanintharyi sowie in den Bundesstaaten Shan und Kachin fort. Dort leisteten die Teams umfassende Hilfe für 35.000 Menschen, die mit einer HIV-Infektion leben. Die Regierung hat große Fortschritte bei der Ausweitung der HIV-Behandlung erzielt, doch noch immer erhalten nur die Hälfte der schätzungsweise 210.000 Menschen, die eine antiretrovirale Therapie benötigten, diese überlebenswichtigen Medikamente. Die Behandlung war zu zentral ausgerichtet. Ärzte ohne Grenzen unterstützte daher Initiativen des Nationalen Aids-Programms, um die Therapie zu dezentralisieren und somit näher zu den Menschen zu bringen, die sie benötigen. In Dawei begannen die Teams damit, stabile Patientinnen und Patienten an dezentralisierte Standorte des Nationalen Aids-Programms zu überweisen. In allen HIV-Programmen fokussierte sich Ärzte ohne Grenzen auf Risikogruppen, wie Drogengebraucher und Männer, die Sex mit Männern haben, auf Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sowie auf Patienten mit Koinfektionen wie Tuberkulose (TB) , resistente TB oder dem Speicheldrüsenvirus.
  • Im Rahmen der Hilfe in Myanmar boten die Teams auch medizinische und psychosoziale Hilfe für mehr als 700 Personen an, die im Mai und Juni 2015 in Haft kamen, nachdem sie im Golf von Bengalen von verlassenen Schmugglerbooten gerettet worden waren.
  • Im August starteten die Teams zudem ein psychologisches Projekt für Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar, die im Lager Lhokseumawe in Banda Aceh, auf der indonesischen Insel Sumatra, Zuflucht gefunden hatten. Im November 2015 wurden diese Aktivitäten auf zwei Lager in Langsa ausgeweitet.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1992 Hilfe in Burma an.