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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in der Demokratischen Republik Kongo

  • 62.2
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 59.1
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 3173
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 133.1
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2019

Im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo kommt es seit Jahren immer wieder zu Gewaltausbrüchen: Mehr als eine Million Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. Zu den Folgen der Konflikte kommen saisonale und epidemische Krankheitsausbrüche, wie Malaria, Masern, Ebola und seit 2020 Covid-19. Das kongolesische Gesundheitssystem ist diesen Herausforderungen nicht gewachsen. 2021 sind nach dem Ausbruch des Vulkans Nyiragongo mehr als 400.000 Menschen vor der Lava und aus Angst vor neuen Eruptionen geflohen. Von der in Goma verbliebene Bevölkerung haben 500.000 Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser. Infrastruktur, darunter auch öffentliche Gesundheitseinrichtungen, wurde beschädigt. Wir unterstützen drei Projekte in der Stadt Goma, in Sake und in Rutshuru. Wir arbeiten mit den Krankenhäuser zusammen, helfen entlang der Fluchtroute und unterstützen auch im Wasser- und Sanitärbereich.

2019 arbeiteten Teams von Ärzte ohne Grenzen in 21 der 26 Provinzen des Landes. Dabei umfasst unser Hilfsangebot ein breites Spektrum: Impfungen, Operationen, Mutter- und Kindgesundheit, Unterstützung für Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben oder an Krankheiten wie HIV/Aids, Tuberkulose oder Cholera erkrankt sind.

Unsere Hilfe in der D. R. Kongo 2019 

  • 1.687.900 ambulante Sprechstunden 
  • 679.500 Masernimpfungen nach Ausbruch einer Epidemie 
  • 607.400 Malaria-Behandlungen 
  • 37.900 psychologische Einzelgespräche 
  • 37.000 Entbindungen 
  • 10.600 chirurgische Eingriffe 
  • 8.710 Behandlungen infolge sexueller Gewalt 
  • 4.400 Cholerabehandlungen 
  • 2.190 Behandlungen infolge körperlicher Gewalt 
  • 1.310 Behandlungen von HIV-Patient*innen in fortgeschrittenem Stadium 

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1977 medizinische und psychologische Hilfe in der Demokratischen Republik Kongo.  

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“Eine beispiellose Krise“ 

Die fragile Sicherheitslage in der Demokratischen Republik Kongo begrenzt in weiten Teilen des Landes den Zugang der Menschen zu Lebensmitteln und Gesundheitsversorgung. Besonders alarmierend ist die Lage in der nordöstlichen Provinz Ituri, wo Hunderttausende Menschen unter extrem schlechten Lebensbedingungen in provisorischen Unterkünften leben müssen. In dieser Situation breitete sich 2019 und 2020 die größte Ebola-Epidemie in der Geschichte des Landes aus. 

Es ist nicht die erste schwere Notlage in der Region. Aber dieses Mal sind wir nicht nur mit gewaltsamen Massenvertreibungen konfrontiert, sondern auch mit einem sich schnell ausbreitenden Masernausbruch und einer Ebola-Epidemie – und das geschieht alles gleichzeitig.

Moussa Ousman, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen, 2019

Mitarbeiter*innen von Ärzte ohne Grenzen halfen erfolgreich bei der Eindämmung der beiden Epidemien durch die Behandlung von Patient*innen, Aufklärungsarbeit, bei Impfkampagnen sowie bei der Nachverfolgung von Kontaktketten. Im Februar 2021 wurde allerdings erneut ein Ebola-Ausbruch im Nordosten des Landes bestätigt.

Impfkampagne gegen Masern

Bereits 2018 brachen in der Demokratischen Republik Kongo die Masern aus. Im Juni 2019, als die Epidemie offiziell bestätigt wurde, hatte sich der Ausbruch zum größten weltweit entwickelt. Mit einer groß angelegten Masern-Impfkampagne haben unsere Teams mehr als 679.500 Kinder erreicht. Da die Durchimpfungsrate in der D. R. Kongo grundlegend sehr niedrig ist, unterstützen wir darüber hinaus bei der Behandlung von Erkrankten sowie die lokalen Behörden bei Infektions-, Kontroll- und Präventionsmaßnahmen. Etwa 48.000 Kinder haben unsere Mitarbeiter*innen 2019 in unseren Einrichtungen behandelt. 

Hilfe während der Pandemie

Bei ihren Einsätzen in der D. R. Kongo stellen sich unseren Teams große Hürden. Das Land ist weitläufig, die Infrastruktur begrenzt. Nicht selten müssen unsere Teams Material und Medikamente mit Jeeps, Motorrädern oder Kanus über Flüsse, Schlammpisten und durch den Dschungel transportieren. Das Vertrauen der Menschen zu gewinnen ist eine weitere Herausforderung: Verunsicherung in der Bevölkerung macht es erforderlich, dass wir verstärkt Aufklärungsarbeit innerhalb der Bevölkerung leisten. Dabei setzen wir auf die Zusammenarbeit mit Menschen aus den Gemeinden und bilden kongolesische Gesundheitsberater*innen aus.

Seit März 2020 hilft Ärzte ohne Grenzen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie. Eine der wichtigsten Aufgaben, die unsere Mitarbeiter*innen dabei übernehmen ist die Unterstützung der regulären Gesundheitsaktivitäten. Jährlich behandeln wir Hundertausende Malaria-Patient*innen, bieten ambulante Sprechstunden an und unterstützen mit lokal angepassten Programmen HIV/Aids-Patient*innen bei ihrer Therapie. Auch auf Notfälle reagieren unsere Teams und helfen beispielsweise, wenn Menschen nach Gewaltausbrüchen fliehen und in Camps Zuflucht suchen mussten.

Hilfe bei sexualisierter Gewalt 

Im Schatten von Krankheiten und Gewalt existiert in der Demokratischen Republik Kongo ein Thema, das insbesondere in Kriegen und Konflikten heftige Ausmaße annimmt: sexualisierte Gewalt. Seit 2017 die Kämpfe im Land erneut ausgebrochen sind, haben wir Tausende Frauen und Männer behandelt, denen sexualisierte Gewalt angetan wurde. Wir schulen kongolesische Mitarbeiterinnen psychologisch, sodass sie als vertrauenswürdige Anlaufstellen für Betroffene in ihren eigenen Gemeinden bereit stehen. Unsere Aktivitäten in Gesundheitszentren im Nordosten sowie Südwesten der Demokratischen Republik Kongo umfassen zudem Beratung und das Angebot sicherer Abtreibungen sowie die medizinische und psychologische Behandlung für Überlebende sexualisierter Gewalt.