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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Panama

  • 82.1
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 76.6
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre

Quellen: WHO (2019), MSF International Activity Report 2021 (2022)

Im Süden Panamas hat sich im vergangenen Jahr eine humanitäre Krise entwickelt. Das Land registrierte 2021 eine Rekordzahl von Migrant*innen, viele von ihnen Familien mit kleinen Kindern und schwangere Frauen.  

Sie durchqueren auf dem Weg nach Norden den Darién, einen undurchdringlichen Dschungel zwischen Kolumbien und Panama. Die Menschen fliehen oft aus der großen existentiellen Not in ihren Heimatländern bzw. vor gewalttätigen Konflikten dort. Auf ihrem Weg in Richtung USA sind sie aber häufig erneut extremer Gewalt ausgesetzt: Sie werden ausgeraubt, angegriffen, vergewaltigt oder sogar getötet.  

Unser Team arbeiten aktuell in einem Geflüchtetenzentrum unweit des Darién und bieten den Menschen auf der Flucht medizinisch und psychologisch Betreuung. Darüber hinaus setzen wir uns auch politisch für sichere Migrationsrouten und den Schutz von Migrant*innen sowie menschenwürdige Lebensbedingungen in den Camps ein.

Unsere Hilfe in Panama im Jahr 2021

Unsere Teams waren im Jahr 2021 in zwei Auffangzentren für Geflüchtete und in der Gemeinde Bajo Chiquito tätig. Das Angebot umfasste: 

  • Grundlegende medizinische Versorgung 
  • Behandlung von Überlebenden sexualisierter Gewalt  
  • Psychologische Behandlungen 
  • Psychosoziale Beratungen   

Helfen Sie uns dabei für Menschen auf der Flucht da zu sein.

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Wir sind da, wo wir gebraucht werden

Wir starteten im April 2021 in Bajo Chiquito ein Projekt, um die Migrant*innen medizinisch zu versorgen. Die Gemeinde liegt an den äußeren Rändern des Dschungels und ist nur per Boot in vier Stunden Fahrt erreichbar. Darüber hinaus waren wir in zwei Geflüchtetencamps in der Region tätig.  

Neben der medizinischen Notversorgung boten wir psychologische Unterstützung an, insbesondere für die vielen Überlebenden von körperlicher und sexualisierter Gewalt. Fast die Hälfte unserer Patient*innen waren Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren. 

Unsere Logistiker*innen führten außerdem auch Infrastrukturverbesserungen an Gesundheitseinrichtungen durch und berieten lokale Akteure in Fragen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.  

Der Darién - ein gefährliches Nadelöhr 

Die Durchquerung des Darién Dschungels kann mehr als fünf Tage dauern und ist aufgrund der geografischen Gegebenheiten äußerst schwierig. Das Gelände ist tückisch, es gilt steile Klippen und breite Flüsse zu überwinden, die in der Regenzeit unberechenbar anschwellen. Es gibt giftige Spinnen, Schlangen und Raubkatzen.  

Und als würde das den Weg nicht schon schwierig genug machen, sind bewaffnete Gruppen in diesem Gebiet unterwegs, die die Menschen überfallen, ausrauben und oft auch misshandeln. 

"Am vierten Tag, zwischen dem ersten und zweiten Berg, wurden wir überfallen", erzählt Mimi. "Es waren fünf Angreifer, bewaffnet mit Gewehren und Macheten. Sie griffen uns auf dem Weg an und ich fiel dabei vom Pferd. Ich dachte, das Baby sei verletzt worden." Ihr Mann Paty ergänzt: "Geld, Handys, Papiere, Lebensmittel, Taschen - sie ließen uns mit nichts zurück."

Paty is Ingenieur für Elektromechanik, Mimi Professorin für Islamische Theologie – ursprünglich kommen sie aus der Demokratischen Republik Kongo, sie mussten das Land aber verlassen, weil sie von ethnischer Gewalt betroffen waren. Im Darién brachte Mimi ihr zweites Kind zur Welt.

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Eine Familie: Vater und Mutter mit zwei Kindern, die Mutter hält ein Neugeborenes in den Händen
Tagelang waren sie unterwegs im Regenwald - nun will die Familie weiter, Richtung USA.
©Nuria Gonzalez/MSF

Und wer „nur“ überfallen und ausgeraubt wird, kommt dabei noch verhältnismäßig glimpflich davon: Unsere Teams behandeln viele Überlebende von sexualisierter Gewalt – Männer, Frauen und Kinder.

Menschen aus aller Welt  

Eine große Mehrheit der Menschen, die unsere Teams in Panama treffen, stammt aus Haiti und ist vor der Gewalt und Unsicherheit in ihrem Heimatland geflohen – viele hatten sich zuvor schon in Ländern wie Brasilien und Chile niedergelassen. Aufgrund der dortigen einwanderungsfeindlichen Politik und der durch die Covid-19-Pandemie verursachten Wirtschaftskrise waren sie gezwungen, sich erneut auf die Suche nach Sicherheit und besseren Lebensbedingungen zu machen. Kubaner*innen und Venezolaner*innen sind zwei weitere Nationalitäten, die unter den Migrant*innen stark vertreten sind.   

Mitunter aber kommen die Menschen, die den Darién durchqueren, von weit her: Aus Nepal, Burkina Faso, Ghana, Pakistan oder Indien, um nur einige Herkunftsländer zu nennen – das Gerücht hält sich, der Weg durch den Darién und Zentralamerika sowie Mexiko sei sicher und die beste Möglichkeit, die USA zu erreichen. Und welche Alternative hätten Menschen mit geringen finanziellen Möglichkeiten auch sonst, dorthin zu gelangen? 

10.06.2022