Unsere Hilfe in Pakistan

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen konzentrierte im Jahr 2015 die Hilfe in Pakistan auf die Gesundheitsbereiche, zu denen viele Menschen im Land nur beschränkten Zugang hatten: die Behandlung von Infektionskrankheiten, Geburtshilfe und die Versorgung von Neugeborenen.

Die Hilfe in Pakistan im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen fokussierte die Hilfe in Pakistan vor allem auf die Bevölkerungsgruppen, die besonders gefährdet waren und dringend medizinische Hilfe benötigten. Dazu gehörten u. a die Menschen in entlegenen Bergdörfern oder umkämpften Gebieten zwischen Pakistan und Afghanistan, afghanische Flüchtlinge und Bewohner städtischer Elendsviertel. Eine besonders bedürftige Zielgruppe waren dabei Frauen und Kinder: Frauen sterben regelmäßig an vermeidbaren Schwangerschaftskomplikationen, und die Versorgung von Neugeborenen ist vielerorts nicht verfügbar. Jedes zehnte Kind stirbt in Pakistan vor dem 5. Geburtstag. Ärzte ohne Grenzen unterstützte daher auch im Jahr 2015 die Provinz- und Bezirksbehörden bei der Gesundheitsversorgung. Unsere Hilfe in Pakistan wird ausschließlich durch private Spenden finanziert, ohne jegliche institutionellen oder staatlichen Zuschüsse.
  • Die öffentlich finanzierte stationäre pädiatrische Versorgung in Quetta, der Provinzhauptstadt von Belutschistan, reicht nicht aus, um die Bedarfe der Bevölkerung zu decken. Zudem können viele Menschen die Kosten einer privaten Behandlung nicht aufbringen. Bereits im Jahr 2011 hatte Ärzte ohne Grenzen daher ein pädiatrisches Krankenhaus mit 67 Betten in Quetta eröffnet, das über eine Säuglingsstation, ein stationäres Ernährungszentrum für mangelernährte Kinder mit medizinischen Komplikationen, eine Isolier- und eine allgemeinmedizinische Station verfügt. Im Rahmen der Hilfe in Pakistan nahmen die Teams hier 1.300 Kinder stationär auf und behandelten mehr als 1.900 schwer mangelernährte Patienten. Zudem führten sie etwa 4.000 psychologische Einzel- und Gruppengespräche.
  • In Kuchlak, rund 20 Kilometer nördlich von Quetta, betreute Ärzte ohne Grenzen eine Mutter-Kind-Klinik, in der die Teams Sprechstunden, geburtshilfliche Versorgung rund um die Uhr sowie Ernährungshilfe für Kinder unter fünf Jahren anboten. Mehr als 9.100 Kinder wurden 2015 zudem gegen Kinderkrankheiten geimpft. In Kuchlak und im Benazir-Bhutto-Krankenhaus in der Stadt Marriabad behandelten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr als 1.700 Patienten gegen die kutane Leishmaniose, eine durch Sandfliegen übertragene parasitäre Erkrankung, die zu Entstellungen führt und den Organismus schwächt.
  • In der afghanischen Grenzstadt Chaman arbeitete Ärzte ohne Grenzen weiterhin mit den Gesundheitsbehörden im Bezirkskrankenhaus Qila Abdullah zusammen. Die Teams boten dort kostenlose medizinische Hilfe für die lokale Bevölkerung, afghanische Flüchtlinge und Grenzgänger auf der Suche nach ärztlicher Versorgung an. Diese Hilfe in Pakistan fokussierte sich auf Frauen und Kinder und umfasste die reproduktive, pädiatrische und Neugeborenen-Versorgung. Ärzte ohne Grenzen gab im Jahr 2015 insgesamt 10.900 Schwangerenberatungen und half bei 4.400 Geburten. In der Notaufnahme für Unfallopfer wurden zudem 5.800 Patienten behandelt. Mehr als 1.500 schwer mangelernährte Kinder erhielten Ernährungshilfe und 8.200 Kinder lebenswichtige Impfungen. Durch Gesundheitsaufklärung informierten die Teams die Bevölkerung darüber, wie wichtig es ist, vor allem während der Schwangerschaft rechtzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Teams überwachten auch die ambulante Behandlung von Frauen, die das öffentliche Gesundheitspersonal verantwortet.
  • In Dera Murad Jamali im Osten Belutschistans versorgte Ärzte ohne Grenzen im Rahmen der Hilfe in Pakistan mangelernährte Kinder mit medizinischen Komplikationen stationär und betreute zudem die allgemeinpädiatrische Station sowie die Neugeborenen-Abteilung im Bezirkskrankenhaus. Mehr als 8.000 schwer mangelernährte Kinder wurden im Jahr 2015 behandelt.
  • In Bajaur Agency, dem nördlichsten Stammesgebiet, leistete Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe für bedürftige Bevölkerungsgruppen. Da internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier nicht zugelassen waren, koordinierten lokale Kollegen das Projekt. Im zivilen Krankenhaus in Nawagi führten sie 43.000 Sprechstunden und 30.000 Nothilfe-Konsultationen durch. Zudem unterstützten sie die Mutter-Kind-Station. Diese Hilfe in Pakistan umfasste auch Impfungen im Rahmen des erweiterten Nationalen Impfprogramms sowie Ernährungshilfe für mangelernährte Kinder. 2015 wurden mehr als 12.500 Kinder auf Mangelernährung untersucht. Darüber hinaus unterstützten die Teams auch die ambulante Station sowie die Schwangerenberatung in zwei Gesundheitszentren in Talai und Bilot, indem sie Medikamente und medizinisches Gerät zur Verfügung stellten.
  • Im Krankenhaus Sadda Tehsil, Kurram Agency, wurden Kinder unter zwölf Jahren stationär behandelt und rund 600 Sprechstunden wöchentlich durchgeführt. Die Teams behandelten rund 300 Kinder gegen Masern und Folgekomplikationen von Masern. Zudem versorgten sie Patienten mit kutaner Leishmaniose und organisierten die Überweisungen der allgemeinmedizinischen und geburtshilflichen Notfälle des Krankenhauses. In dem kleineren Hospital Alizai behandelte Ärzte ohne Grenzen im Rahmen der Hilfe in Pakistan wöchentlich rund 100 pädiatrische Fälle unter zwölf Jahren.
  • Ärzte ohne Grenzen leistete eine umfassende Versorgung für geburtshilfliche Notfälle im Frauenkrankenhaus in Peschawar. Dies betraf vor allem Frauen mit komplizierten Schwangerschaften und/oder schwierigen Entbindungen aus den Stammesgebieten, aus Peschawar und den umliegenden Bezirken. Zudem wurden weibliche Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Bezirk Peschawar versorgt. Die Klinik verfügte über 33 geburtshilfliche Betten und 18 Betten für Neugeborene. Die Teams nahmen mehr als 5.200 Patientinnen auf und entbanden rund 4.700 Babys im Jahr 2015. Für das Personal, das im basismedizinischen Netzwerk des Krankenhauses tätig war, organisierte Ärzte ohne Grenzen zudem Trainings zu Hochrisikoschwangerschaften und zur Versorgung von Müttern.
  • Die Hilfe in Pakistan erstreckte sich auch auf das rund 200 Kilometer nördlich von Peschawar liegende Bezirkskrankenhaus in Timurgara. Die Teams boten ihre medizinische Expertise in der Notaufnahme, dem Wiederbelebungs- und Beobachtungsraum sowie auf der Neugeborenen-Station an. Sie versorgten im Jahr 2015 komplizierte geburtshilfliche (chirurgische) Fälle und halfen bei 8.395 Geburten. Im März richteten sie eine Herzstation für Patienten mit akutem Koronarsyndrom ein. Im Verlauf des Jahres wurden hier 560 Patientinnen und Patienten aufgenommen. Zusätzlich führten die Teams 4.500 psychologische Gespräche und klärten die Bevölkerung in 6.600 Gesundheitsveranstaltungen über Dengue-Fieber auf. Das Team des notfallchirurgischen Projekts in Hangu hielt mehr als 15.000 Notfall-Sprechstunden, führte 800 chirurgische Eingriffe durch und half bei 3.202 Geburten, bevor die Aktivitäten im September 2015 an die Gesundheitsbehörden übergeben wurden.
  • In einem Elendsviertel von Karachi, Machar Colony, betreute Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit der Organisation SINA Health Education & Welfare Trust eine Klinik, in der die Teams mehr als 102.000 Sprechstunden im Jahr 2015 gaben. Machar ist eine dicht bevölkerte Gemeinde von etwa 115.000 Menschen, die unter schadstoffbelasteten und unhygienischen Bedingungen am Rand von Karachis Fischereihafen leben. Diese Hilfe in Pakistan schloss basismedizinische Versorgung sowie Geburtshilfe, Notaufnahme und Schwangerschaftsnachsorge sowie psychologische Hilfe ein. Die Teams klärten Eltern und Kinder zudem über die Prävention von Krankheiten auf und impften 31.000 Kinder gegen Masern während einer zweiwöchigen Impfkampagne im April. Gleichzeitig behandelten sie Patientinnen und Patienten gegen Hepatitis-C. Letzteres hatte den Vorteil, dass die Patienten kostenlos diagnostiziert und qualitativ hochwertig behandelt wurden, ohne dass sie lange Fahrtzeiten zu einem Krankenhaus in Kauf nehmen mussten.
  • Am 26. Oktober 2015 ereignete sich im Nordosten Afghanistans und im Nordwesten Pakistans ein Erdbeben mit einer Stärke von 7,5 auf der Richterskala. Ärzte ohne Grenzen weitete die Hilfe in Pakistan umgehend aus und versorgte 250 Erdbebenopfer im Bezirkskrankenhaus in Timurgara und im Khar-Hospital in Bajaur Agency. Zudem unterstützten die Teams das öffentliche Gesundheitspersonal bei der medizinischen Nachsorge von schwerverletzten Patienten. Sie verteilten auch mehr als 2.100 Pakete mit Seife, Waschpulver, Eimern und Kochutensilien in Timurgara und den umliegenden Bezirken sowie in mehreren Dörfern im Bezirk Chitral.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe in Pakistan an.