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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Mexiko

  • 77.9
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 72.2
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 192
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 7.8
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Mexiko ist zum Transitland für jährlich mehr als 500.000 Menschen auf der Suche nach Schutz vor extremer Gewalt in ihren Heimatländern geworden. Die Flucht vor Morden, Entführungen, Drohungen und Erpressungen führt die Menschen von Guatemala, Honduras und El Salvador nach Norden durch Mexiko in Richtung USA. Aufgrund zunehmend restriktiver Einwanderungs- und Asylgesetzgebungen werden sie oft bereits in Mexiko inhaftiert und in ihre Herkunftsländer abgeschoben. „Diese Gesetze sind Maßnahmen, die töten“, bringt es unsere Landesexpertin, Carol Bottger, auf den Punkt. „Viele versuchen der Abschiebung zu entgehen und verstecken sich im Land – rechtlos, mittellos und schutzlos.“ Im Bundesstaat Guerrero und in der Grenzstadt Reynosa unterstützen wir Gemeinden und Überlebende von Gewalt, einschließlich sexualisierter Gewalt. Unsere Teams in Mexiko arbeiten außerdem an Projekten zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie mit. 

Unsere Hilfe in Mexiko 2020 

  • 29.200 ambulante Sprechstunden  
  • 9.480 psychologische Einzelgespräche  
  • 2.450 Beratungen zu Familienplanung 
  • 47 Überlebende von Folter behandelt 

 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1985 medizinische Hilfe in Mexiko an.  

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Von Gewalt verfolgt 

In meinem Land ist Töten etwas Normales. Letztes Jahr haben sie mir drei Mal in den Kopf geschossen. Man kann die Narben noch sehen. Was mich am meisten verletzt, ist die Tatsache, dass ich nicht mehr in meinem eigenen Land leben kann. Es verletzt mich, dass ich wie ein Krimineller leben muss, ständig auf der Flucht.“

Ein Geflüchteter aus Honduras, der seinen Namen nicht nennen möchte.

Die zunehmende Abschottungspolitik der USA und Mexikos zwingen die Menschen dazu, immer neue, immer gefährlichere Wege einzuschlagen Sie fallen von Frachtzügen, die sie für ihre Flucht nutzen, oder zwängen sich in überfüllte Lastwagen ohne ausreichend Sauerstoff, Wasser und Nahrung. Auf ihren Wegen werden sie außerdem immer wieder zum Ziel krimineller Banden. 

Verschlossene Grenzen lassen die Menschen schließlich in Mexiko stranden. Dort sind sie erneut Willkür und Gewalt ausgeliefert - sei es bei Massenverhaftungen, nach denen sie abgeschoben werden, oder während ihres Lebens im Verborgenen. „In der Grenzstadt Ciudad Juárez werden sie von Menschenhändlern verfolgt, die darauf aus sind, sie zu entführen und zu erpressen“, erklärt unsere Psychologin Ivanna Servín. Zugang zu sozialer und rechtlicher Betreuung sowie medizinischer Versorgung haben sie nicht. Ihr Leiden ist das Ergebnis einer politikgemachten humanitären Krise, die durch Abschottung provoziert wird, wie auch unser Bericht “No Way Out” zeigt.

Versorgung körperlicher und seelischer Wunden  

Unsere Teams arbeiten an der südlichen und nördlichen Grenze Mexikos sowie an verschiedenen wichtigen Orten innerhalb des Landes. Sie behandeln Patient*innen entlang der gefährlichen Migrationsroute von Süd- und Mittelamerika in die Vereinigten Staaten medizinisch und bieten soziale Unterstützung an. Der Weg ist erbarmungslos: Männer, Frauen und Kinder laufen stundenlang auf gefährlichen Routen. Es fliehen zunehmend auch Menschen aus Venezuela, Haiti oder Kuba, die auf ihrem Weg den gefährlichen Darien Urwald durchqueren müssen. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit in Mexiko liegt daher vor allem auf der psychologischen Hilfe für Migrant*innen und Geflüchtete. 

 In mobilen Kliniken, Unterkünften für Geflüchtete, aber auch in umliegenden Gemeinden versorgen wir zudem Patient*innen mit Gewaltverletzungen, die sie auf der Flucht erlitten haben. Dazu zählen Knochenbrüche, Schuss- und Schnittwunden sowie Spuren von Folter, Verstümmelung und sexualisierter Gewalt. Schon an der südlichen Landesgrenze zu Guatemala betreiben wir Projekte und untersuchen ankommende Flüchtende. Viele von ihnen berichten davon, dass sie extreme Gewalt erlebt haben. Die Folgen wirken sich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch aus, weswegen wir ihnen auch psychologische Unterstützung anbieten.