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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Bangladesch

  • 74.6
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 70.9
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 1982
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 32.9
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Seit fast 45 Jahren ist Bangladesch ein Zufluchtsland für Angehörige der Rohingya-Minderheit. Sie fliehen vor gezielter Verfolgung und Gewalt in der Region Rakhine im Nachbarstaat Myanmar. 2017 erreichte die Gewalt einen traurigen Höhepunkt: 745.000 Rohingya wurden vertrieben und flohen nach Bangladesch. Mehr als 880.000 Menschen leben seitdem unter prekären Bedingungen in Geflüchtetencamps auf der bengalischen Halbinsel Cox's Bazar. Dort ist Kutapalong das größte Camp der Welt. Ohne Rechtsstatus und die Möglichkeit arbeiten zu gehen, sind die Menschen vollständig von humanitärer Hilfe abhängig. In dieser ohnehin schwierigen Lage für die Geflüchteten kommen seit 2020 die Herausforderungen durch die Covid-19-Pandemie hinzu.  

 

Unsere Hilfe in Bangladesch 2020 

  • 568.369 ambulante Sprechstunden 
  • 27.392 psychologische Einzelgespräche 
  • 3.871 Entbindungen 
  • 10 Millionen Liter chloriertes Trinkwasser bereitgestellt 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1985 medizinische Hilfe in Bangladesch an.

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Leben unter Plastikplanen 

Teils seit mehr als vier Jahren leben die Geflüchteten in Cox’s Bazar in überfüllten Notunterkünften aus Lehm, Plastik und Holz. In der Monsunzeit kommt es in dem hügeligen Gebiet immer wieder zu Erdrutschen und Schlammlawinen, die Tote und Verletzte fordern. „In Rakhine wurden wir ständig bedroht. Im Vergleich zu Myanmar fühlt sich Bangladesch nach wie vor wie ein Paradies an, obwohl die Lebensbedingungen hier unmenschlich sind“, beschreibt ein Geflüchteter seine Lage. Fast eine Million Menschen leben in Cox’s Bazar unter Plastikfolien in notdürftig errichteten Bambushütten. Die Situation in den Camps gefährdet Körper und Psyche: Krankheiten wie Masern, akuter wässriger Durchfall oder Diphtherie sind ein ständiges Gesundheitsrisiko.  

Die Mehrheit der Patient*innen, die wir behandeln, sowohl Kinder als auch Erwachsene, kommen mit Atemwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen und Hautinfektionen. Diese Krankheiten haben vorrangig mit den schlechten Lebensbedingungen zu tun.

Tarikul Islam, medizinischer Teamleiter in Bangladesch

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie  

Ein großer Schwerpunkt unserer Arbeit in Bangladesch liegt auf der Arbeit mit den geflüchteten Rohingya. Unsere Teams arbeiten dabei eng mit den Menschen in den Camps zusammen: Ehemalige Patient*innen werden zu Gesundheitsberater*innen und helfen uns, Ängste ab - und Vertrauen in unsere Arbeit aufzubauen. Wie wichtig dieser Ansatz ist, zeigten seit Beginn 2020 die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, die die ohnehin prekäre Lage der Menschen verschlimmerte: Ihnen fehlen Informationen und die Stigmatisierung Erkrankter ist unter den Bewohner*innen weit verbreitet. Mithilfe der Gesundheitsberater*innen klärten wir die Menschen über die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung und zum Schutz vor der Epidemie auf.

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Ein Mann auf einer Krankenhausliege mit dem Rücken zur Kamera
Mohammad möchte andere Menschen mit Covid-19-Symptomen dazu ermutigen, sich behandeln zu lassen.
©MSF/Daniella Ritzau-Reid

Die Leute sagten, ich sei positiv auf Covid-19 getestet worden, weil ich ein schlechter Mensch sei. Es war so beschämend für meine Familie. Sie waren extrem verängstigt.


Mohammad (Name auf Wunsch geändert) lebt mit seiner Familie in einem der vielen Geflüchtetenzentren in Cox’s Bazar.

Solche Stigmatisierungen halten Menschen mit Covid-19-Symptomen davon ab, in die Gesundheitszentren zu gehen. "Ich habe die Erkrankung durchgestanden, deshalb möchte ich meine Erfahrungen mit allen teilen. So können wir mehr Menschen ermutigen, sich in geeigneten Gesundheitseinrichtungen behandeln zu lassen“, erzählt Mohammad. 

Unser Ansatz, die Gemeindemitglieder eng einzubinden, wurde umso wichtiger, als Ausgangsbeschränkungen und andere behördliche Restriktionen auch die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen großteils zum Erliegen brachten.

Rohingya: Unterstützung für Körper und Psyche 

In den Camps treffen unsere Teams auf stark traumatisierte und mittellose Menschen. Viele von ihnen benötigen akut medizinische Behandlungen. Wir versorgen Verletzungen, schwer infizierte Wunden und helfen bei fortgeschrittenen Komplikationen in der Geburtshilfe. Zudem spielt psychologische Unterstützung eine große Rolle. Die Menschen benötigen diese Hilfe aufgrund ihrer Fluchtgeschichte und den aktuell so belastenden Lebensbedingungen. 

2020 betreuten wir zwölf medizinische Einrichtungen in Cox’s Bazar. In sechs von ihnen richteten wir Isolierstationen zur Behandlung von möglichen Covid-19-Patient*innen ein. Wir beteiligten uns an den öffentlichen Maßnahmen zur Verringerung des Ansteckungsrisikos und verteilten im Camp Ukhiya 300.000 Gesichtsmasken.  

Unsere Angebote richten sich nicht nur an die Angehörigen der Rohingya, sondern generell an Menschen mit geringem Einkommen und anderen Benachteiligungen.

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Ein Mann mit Maske mit einem kleinen Jungen mit Verbänden im Gesicht schauen in die Kamera
Abu Siddik lebt gemeinsam mit seiner Familie im Geflüchtetencamp in Cox's Bazar.
©Hasnat Sohan/MSF

Ich habe Myanmar verlassen, weil mein Haus niedergebrannt wurde. Sie haben gemordet und gefoltert und unsere Frauen schikaniert. Es war nicht sicher. Meine Frau und ich mussten unsere beiden jüngsten Kinder den ganzen Weg tragen. Schließlich überquerten wir den Fluss Naf und kamen in Bangladesch an.

Abu Siddik, Geflüchteter aus Myanmar

Hilfe in der Hauptstadt Dhaka 

Neben unserer Arbeit in den Geflüchtetencamps sind wir auch in der Hauptstadt Dhaka aktiv. In Kamrangirchar, einem Stadtviertel mit Hunderten kleinen Betrieben und Fabriken, betreuen wir ein arbeitsmedizinisches Gesundheitsprogramm. Dazu gehört auch die Mitwirkung an Risikoanalysen und der Bestimmung vorbeugender Gesundheitsmaßnahmen in den Fabriken. Darüber hinaus betreiben wir zwei Kliniken, in denen wir von sexualisierter Gewalt betroffenen Menschen unterstützen.  

 

29.07.2021