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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Bangladesch

  • 74.6
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 70.9
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 1871
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 29.4
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2019

Seit mehr als 40 Jahren ist Bangladesch ein Zufluchtsland für Angehörige der Rohingya-Minderheit. Sie fliehen vor gezielter Verfolgung und Gewalt in Rakhine im Nachbarstaat Myanmar. 2017 erreichte die Gewalt einen traurigen Höhepunkt: 745.000 Rohingya wurden vertrieben und flohen nach Bangladesch. Mehr als 900.000 Menschen leben seitdem unter prekären Bedingungen in Geflüchtetencamps auf der bengalischen Halbinsel Cox's Bazar. Ohne Rechtsstatus und die Möglichkeit arbeiten zu gehen, sind sie vollständig von humanitärer Hilfe abhängig.

Unsere Hilfe in Bangladesch 2019

  • 556.300 ambulante Sprechstunden
  • 27.700 psychologische Einzelgespräche
  • 3.400 Entbindungen
  • 338 Millionen Liter chloriertes Trinkwasser bereitgestellt

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1985 medizinische und psychologische Hilfe in Bangladesch.

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Leben unter Plastik

Teils seit mehr als drei Jahren leben die Geflüchteten in Cox’s Bazar in überfüllten Notunterkünften aus Plastik und Bambus. In der Monsunzeit kommt es in dem hügeligen Gebiet immer wieder zu Erdrutschen und Schlammlawinen, die Tote und Verletzte fordern. „Im Vergleich zu Myanmar fühlt sich Bangladesch nach wie vor wie ein Paradies an, obwohl die Lebensbedingungen hier unmenschlich sind“, beschreibt ein Geflüchteter seine Lage. Fast eine Million Menschen leben in Cox’s Bazar unter Plastikfolien in notdürftig errichteten Bambushütten. Die Situation in den Camps gefährdet Körper und Psyche. Krankheiten wie Masern, akuter wässriger Durchfall oder Diphtherie sind ein ständiges Gesundheitsrisiko.

Die Mehrheit der Patient*innen, die wir sehen, sowohl Kinder als auch Erwachsene, kommen mit Atemwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen und Hautinfektionen. Diese Krankheiten haben meist mit den schlechten Lebensbedingungen zu tun.“

Tarikul Islam, medizinischer Teamleiter in Bangladesch

Hilfe durch Aufklärung

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit in Bangladesch liegt auf der Arbeit mit den geflüchteten Rohingya.
Unsere Teams arbeiten dabei eng mit den Geflüchteten zusammen. Ehemalige Patient*innen werden zu Gesundheitsberater*innen und helfen uns, Ängste ab - und Vertrauen in unsere Arbeit aufzubauen. Wie wichtig dieser Ansatz ist, zeigen seit Beginn 2020 die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Mangelnde Informationen und Stigmatisierung Erkrankter sind weit verbreitet unter den Bewohner*innen. Mithilfe der Gesundheitsberater*innen klären wir die Menschen über die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung und zum Schutz vor der Epidemie auf.

Die Leute sagten, ich sei positiv auf Covid-19 getestet worden, weil ich ein schlechter Mensch sei. Es war so beschämend für meine Familie. Sie waren extrem verängstigt."

Solche Stigmatisierungen halten Menschen mit Covid-19-Symptomen davon ab, in die Gesundheitszentren zu gehen. "Ich habe die Erkrankung durchgestanden, deshalb möchte ich meine Erfahrungen mit allen teilen. So können wir mehr Menschen ermutigen, sich in geeigneten Gesundheitseinrichtungen behandeln zu lassen.“

 

Hilfe für Körper und Psyche

In den Camps treffen unsere Teams auf stark traumatisierte und mittellose Menschen. Viele von ihnen benötigen akute medizinische Behandlungen. Wir versorgen gewaltbedingte Verletzungen, schwer infizierte Wunden und helfen bei fortgeschrittenen Komplikationen in der Geburtshilfe. Zum Jahresende 2019 betreuten wir drei Krankenhäuser, drei Kliniken, einen Gesundheitsposten, zwei fachmedizinische Zentren sowie vier Einrichtungen für die Versorgung möglicher Infektionskrankheiten.

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"Ich habe Myanmar verlassen, weil mein Haus niedergebrannt wurde. Sie haben gemordet und gefoltert und unsere Frauen schikaniert. Es war nicht sicher. Meine Frau und ich mussten unsere beiden jüngsten Kinder den ganzen Weg tragen. Schließlich überquerten wir den Fluss Naf und kamen in Bangladesch an."

Abu Siddik, Geflüchteter aus Myanmar

Hilfe in Dhaka

Auch psychologische Hilfe spielt eine große Rolle. Insbesondere für geflüchtete Rohingya, aber auch für Bangladescher*innen mit psychischen Erkrankungen wie Psychosen, Angstzuständen oder Epilepsie bieten wir spezialisierte psychosoziale Hilfe an. Denn neben unserer Arbeit in den Geflüchtetencamps sind wir auch in der Hauptstadt Dhaka aktiv. In Kamrangirchar, einem Stadtviertel mit Hunderten kleinen Betrieben, betreuen wir ein arbeitsmedizinisches Gesundheitsprogramm. Darüber hinaus betreiben wir eine mobile Klinik, bieten Schwangerschaftsberatungen an und helfen bei Entbindungen.