Direkt zum Inhalt
Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Haiti

Jetzt spenden

Spendenbetrag

Meine Spende wird dort eingesetzt, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird.

Die aktuelle Situation in Haiti

Seit Ende April erleben die Menschen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince eine neue Welle der Gewalt. Mit teilweise sehr schweren Schussverletzungen erreichen Verwundete unser Krankenhaus in Tabarre, eine der wenigen noch verbliebenen medizinischen Einrichtungen im Norden der Stadt. Seit dem 24. April haben wir mehr als 96 Menschen mit Schussverletzungen behandelt. Die Zahl der Menschen, die jede Woche in unserer Traumaklinik Hilfe suchen, hat sich im Vergleich zu Mitte April verdreifacht. 

Im August 2021 waren rund 19.000 Menschen vor der ausufernden Gewalt geflohen und suchten in schlecht ausgestatteten Sammelunterkünften, wie Schulen oder Kirchen, Zuflucht. Hier boten wir den Menschen durch mobile Kliniken medizinische Versorgung an und verbesserten die Wasser- und Sanitäranlagen.

Die Gewalt auf den Straßen beeinträchtig den Zugang zu medizinischer Versorgung dramatisch. Krankenwagen können einige Stadtteile nicht erreichen, so dass Verletzte manchmal mehrere Tage warten müssen, bevor sie behandelt werden können. Gleichzeitig scheitern Patient*innen an blockierten Straßen auf ihrem Weg in Gesundheitseinrichtungen. Im Norden der Stadt, der besonders stark von der Gewalt betroffen ist, waren fünf medizinische Einrichtungen in der letzten Zeit nicht funktionsfähig. Zwei weitere private Krankenhäuser setzten ihre Tätigkeit aus, nachdem eine*r ihrer Mitarbeiter*innen entführt worden war.

"Funktionierende medizinische Strukturen unter diesen Bedingungen aufrecht zu erhalten, ist eine tägliche Herausforderung. Einige unserer Mitarbeiter*innen können nicht nach Hause gehen. Jeder Weg bedeutet für sie ein enormes Risiko. Wir organisieren deshalb 24-Stunden-Rotationen, einige Mitarbeiter*innen waren schon mehrere Tage hintereinander nicht mehr zu Hause." 

Serge Wilfrid Ikoto, unser medizinischer Referent im Krankenhaus von Tabarre 

Unsere Teams arbeiten trotz der für sie schwierigen Sicherheitslage weiter und haben mittlerweile auch die Arbeit im Notfallzentrum in Cité Soleil, Drouillard, wieder aufgenommen.

Wie wir in Haiti helfen

  • Aufgrund des schweren Erdbebens im August 2021 leisteten unsere Teams in Port-Salut, Les Cayes und Jérémie Hilfe und versorgen Verletzte und Verwundete. 

  • Medikamente, Verbände, Infusionen sowie Zelte und Material für die Wasser- und Sanitärversorgung aus unserem Logistikzentrum in Brüssel wurden nach Haiti geliefert, um bis zu 30.000 Menschen zu versorgen. 

  • Zudem behandeln wir in unserem Unfallkrankenhaus in Port-au-Prince Schwerverletzte nach Unfällen oder in Folge von Gewalt und versorgen Überlebende von sexualisierter Gewalt.  

Warum wir in Haiti helfen

Image
Marie Amonise Pierre Louis ist Gesundheitsberaterin bei Ärzte ohne Grenzen und klärt hier über Hygienemaßnahmen auf
Aufklärung über Megaphon - Marie Amonise Pierre Louis arbeitet als Gesundheitsberaterin in Baradères, Haiti. Auch hier waren die Folgen des Erdbebens 2021 deutlich zu spüren.
©Pierre Michel Jean | K2D

Seit der Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse im Juli 2021 und dem Erdbeben, das im August den Süden Haitis erschütterte, verschärft sich die schwere politische, soziale und wirtschaftliche Krise im Land. Für die Menschen in Haiti ist es sehr schwierig, medizinische Hilfe zu bekommen. Die politische und wirtschaftliche Krise des Landes geht einher mit Gewalt. Vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince kämpfen Gangs um Stadtgebiete, was für die Bewohner*innen schlimme Auswirkungen hat. Das Gesundheitspersonal leidet unter ausfallenden Gehältern und ist Ziel von Angriffen – Streiks im medizinischen Bereich gab es häufig. Angesichts der schwierigen Situation für die Menschen, haben wir in Haiti umfangreiche Projekte. 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals im Jahr 1991 Hilfe in Haiti an.

  • 66.2
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 61.8
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 1316
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 23.4
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Unsere Hilfe in Haiti im Jahr 2020

  • 3.776 ambulante Konsultationen in der Notaufnahme 

  • 1.629 Behandlungen wegen sexualisierter Gewalt 

  • 3.699 Behandlungen wegen körperlicher Gewalt 

Image
Patient*innen bei der Phyisiotherapie in unserem Unfallkrankenhaus in Port-au-Prince
In unserem Unfallkrankenhaus in Port-au-Prince behandeln wir Menschen, die bei Unfällen oder durch Gewalt lebensbedrohlich verletzt worden sind.
©Guillaume Binet/MYOP

Unterstützen Sie unsere weltweite Nothilfe!

Jetzt spenden
Image
Ein durch das Erbeben zerstörtes Haus in Haiti
Zerstörte Häuser in Les Cayes: Auch das örtliche Krankenhaus wurde stark beschädigt. Unsere Teams unterstützen das Personal bei der Versorgung von Kindern und Neugeborenen, die vorübergehend in Zelte verlegt wurden.
©Steven Aristil

Schnelle Nothilfe angesichts des Erdbebens im August 2021 im Süden Haitis

Kolleg*innen aus Port-à-Piment und ein medizinisches Notfall-Team aus Port-au-Prince waren schnell vor Ort in Les Cayes und konnten mit der Versorgung von Verletzten beginnen. In Port-à-Piment mussten wir Patient*innen in ein Zelt evakuieren, da das Gebäude des Krankenhauses selbst beschädigt wurde. In den folgenden Monaten begannen wir damit, eine neue Entbindungsklinik zu bauen. Zudem versorgten wir Patient*innen in mobilen Kliniken, verteilten lebensnotwendige Hilfsgüter und installierten Trink- und Abwasserversorgungssysteme in drei Gemeinden. 

“Die wenigen haitianischen Mitarbeiter*innen im Saint Antoine-Krankenhaus in Jérémie hatten bereits Außerordentliches geleistet, als unsere Teams ankamen: Wunden versorgt, Knochenbrüche fixiert und einige Patient*innen nach Port-au-Prince ausgeflogen.” 

Xavier Kernizan, haitianischer Chirurg im Einsatz für Ärzte ohne Grenzen

Image
Eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen behandelt einen sitzenden Mann am Bein.
Kein Dach über dem Kopf - viele Menschen haben bei dem Erdbeben ihr Zuhause verloren. Auch die Wasserversorgung war stark eingeschränkt, viele mussten alternative Wasserquellen finden.
©Pierre Michel Jean | K2D

Bereits einige Tage nach dem Erdbeben machte sich ein weiteres Team nach Baradères in Nippes auf, um die Lage zu beurteilen. Die Stadt war fast vollständig von allen Verkehrswegen abgeschnitten. Wir behandelten Patient*innen außerhalb des Krankenhauses, aus Angst, das Gebäude könnte einstürzen. Schon vor dem Erdbeben gab es für die Bewohner*innen in der Region wenig Möglichkeiten medizinisch versorgt zu werden. Aus diesem Grund erreichten uns bei Beginn unserer Aktivitäten auch Menschen, die unabhängig von der Katastrophe medizinische Hilfe benötigten.  

Viele Familien schliefen unter freiem Himmel in der Nähe ihrer zerstörten Häuser. Einige errichteten aus Holz behelfsmäßige Behausungen. Die Überschwemmungen in Folge des Tropensturms Grace, der über das Erdbebengebiet zog, verschlimmerte die Situation , viele Betroffene waren  von Hilfe abgeschnitten, da Wege unpassierbar waren. Wer nach dem Beben im Freien oder in Zelten Zuflucht fand, den trafen die starken Regenfälle besonders hart.  

Mehr als eine halbe Millionen Menschen in der Region sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Fachmedizinische Angebote in Port-au-Prince 

Glücklicherweise wurden die medizinischen Einrichtungen in Port-au-Prince durch das Erdbeben am 14. August 2021 nicht zerstört, so dass wir unsere Arbeit fortsetzen konnten. Hier behandelten wir auch Verletzte aus dem Erdbebengebiet. Unsere Teams unterstützen außerdem die Notaufnahme im Universitätskrankenhaus und operierten und versorgten Patient*innen im Unfallkrankenhaus in Tabarre.

In unserem Krankenhaus in Drouillard, Cité Soleil kam es im Februar 2021 zu einer Reihe von Angriffen. Aus Sicherheitsgründen sahen wir uns gezwungen, die Einrichtung bis auf die Notaufnahme zeitweise zu schließen. Die Patient*innen brachten wir im Krankenhaus in Tabarre unter. Inzwischen haben wir unsere Aktivitäten jedoch wieder aufgenommen. Zudem unterstützten wir ein Geburtshilfezentrum.

Nach Wochen intensiver Straßenkämpfe wurde im Juni unser Notfallzentrum im Stadtviertel Martissant von Schüssen getroffen. Da wir die Sicherheit unserer Patient*innen und Kolleg*innen nicht mehr gewährleisten konnten, mussten wir die Einrichtung schweren Herzens schließen.

Hilfe nach sexualisierter Gewalt

Im Stadtviertel Delmas 33 betreuten wir eine Klinik, die Überlebende sexualisierter Gewalt versorgte. Im Februar eröffneten unsere Teams eine zweite Klinik im Norden des Landes. Zudem unterstützten wir Mütter und Säuglinge in Port-à-Piment und Port Salut, im Süden des Landes. Um das Bewusstsein für sexualisierte Gewalt und Gesundheit insbesondere bei Jugendlichen zu schärfen, schulen wir außerdem Mitarbeitende öffentlicher Krankenhäuser. 

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2022