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Unsere Hilfe in Haiti

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Die aktuelle Situation in Haiti

Seit Ende April 2022 erleben die Menschen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince eine neue Welle der Gewalt. Menschen erleiden teils sehr schweren Schussverletzungen und brauchen dringend medizinische Hilfe. Trinkwasser und Treibstoff sind Mangelware, was die Lage massiv verschärft. Ein neuer Cholera-Ausbruch ist eine der Auswirkungen dieser Situation. Die Folgen des Mangels an sauberem Wasser in diesem Kontext sind verheerend, ebenso wie die Tatsache, dass viel zu wenige medizinische Einrichtungen noch arbeitsfähig sind. Unsere Organisation warnt vor einer Gesundheitskatastrophe in dem Land und hat die Aktivitäten weiter verstärkt, indem die chirurgischen Kapazitäten einiger Projekte sowie die Maßnahmen zur Prävention und Behandlung von Cholera ausgebaut wurden.

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Eingang Cholera-Behandlungszentrum Port-au-Prince
Blick in eines unserer Cholera-Behandlungszentren im Viertel Cité Soleil in Port-au-Prince, Haiti.
©Alexandre Marcou/MSF

Die Gewalt auf den Straßen und der Mangel an Treibstoff beeinträchtigen den Zugang zu medizinischer Versorgung dramatisch. Krankenwagen können einige Stadtteile nicht erreichen, so dass Verletzte manchmal mehrere Tage warten müssen, bis sie behandelt werden können. Gleichzeitig scheitern Patient*innen an blockierten Straßen auf ihrem Weg in Gesundheitseinrichtungen und der öffentliche Nahverkehr funktioniert aufgrund der Benzin- und Dieselknappheit nicht mehr.  Seit einigen Tagen sind die meisten Krankenhäuser in der Stadt, die genauso wie unsere medizinischen Einrichtungen auf Generatoren angewiesen sind, gezwungen, ihre Leistungen einzuschränken und möglicherweise zu schließen, weil der Treibstoff knapp wird.

Vergangene Woche kam eine schwangere Frau in unser Krankenhaus in Cité Soleil, die einen Not-Kaiserschnitt benötigte. Wir versuchten, sie in eine medizinische Einrichtung zu verlegen, in der sie diese Art von Behandlung erhalten könnte, aber sie starb. Ob es nun an der Unsicherheit auf den Straßen liegt oder daran, dass die Gesundheitseinrichtungen nicht mehr funktionieren. Solche Vorfälle ereignen sich jeden Tag in Port-au-Prince.

Luxamilda Jean-Louis, Ärztin

 

Wie wir in Haiti helfen

  • Wir behandeln Menschen in vier Cholera-Behandlungszentren in der Hauptstadt Port-au-Prince. Außerdem sorgen wir an Ausgabestellen für die Chlorierung von Wasser und informieren die Menschen an Orten, die stark vom Choleraausbruch betroffen sind. Seit dem Ausbruch der Cholera, der am 2. Oktober 2022 offiziell bestätigt wurde, haben unsere Teams täglich mehr als hundert Patient*innen behandelt, die Cholera-typische Symptome hatten.

  • Insgesamt arbeiten wir in Haiti gegenwärtig in sieben Projekten in Port-au-Prince, im Süden des Landes und in Artibonite. Wir versorgen Gewalt- und Unfallopfer, behandeln Patient*innen mit Verbrennungen, unterstützen Überlebende sexualisierter Gewalt und sind im Bereich sexueller Gesundheit aktiv. 

Warum wir in Haiti helfen

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Marie Amonise Pierre Louis ist Gesundheitsberaterin bei Ärzte ohne Grenzen und klärt hier über Hygienemaßnahmen auf
Aufklärung über Megaphon - Marie Amonise Pierre Louis arbeitet als Gesundheitsberaterin in Baradères, Haiti. Auch hier waren die Folgen des Erdbebens 2021 deutlich zu spüren.
©Pierre Michel Jean | K2D

Seit der Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse im Juli 2021 und dem Erdbeben, das im August den Süden Haitis erschütterte, verschärft sich die schwere politische, soziale und wirtschaftliche Krise im Land. Für die Menschen in Haiti ist es sehr schwierig, medizinische Hilfe zu bekommen. Die politische und wirtschaftliche Krise des Landes geht einher mit Gewalt. Vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince kämpfen Gangs um Stadtgebiete, was für die Bewohner*innen schlimme Auswirkungen hat. Das Gesundheitspersonal leidet unter ausfallenden Gehältern und ist Ziel von Angriffen. Angesichts der schwierigen Situation für die Menschen, haben wir in Haiti umfangreiche Projekte.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals im Jahr 1991 Hilfe in Haiti an.

  • 64.8
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 63.3
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 1487
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 34.7
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: WHO (2019), MSF International Activity Report 2021 (2022)

Unsere Hilfe in Haiti im Jahr 2021

  • 25.000 Notaufnahmen

  • 3.220 Behandlungen aufgrund von Gewalt 

  • 1.560 Behandlungen aufgrund von sexueller Gewalt 

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Patient*innen bei der Phyisiotherapie in unserem Unfallkrankenhaus in Port-au-Prince
In unserem Unfallkrankenhaus in Port-au-Prince behandeln wir Menschen, die bei Unfällen oder durch Gewalt lebensbedrohlich verletzt worden sind.
©Guillaume Binet/MYOP

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Ein durch das Erbeben zerstörtes Haus in Haiti
Zerstörte Häuser in Les Cayes: Auch das örtliche Krankenhaus wurde stark beschädigt. Unsere Teams unterstützen das Personal bei der Versorgung von Kindern und Neugeborenen, die vorübergehend in Zelte verlegt wurden.
©Steven Aristil

Schnelle Nothilfe angesichts des Erdbebens im August 2021 im Süden Haitis

Kolleg*innen aus Port-à-Piment und ein medizinisches Notfall-Team aus Port-au-Prince waren schnell vor Ort in Les Cayes und konnten mit der Versorgung von Verletzten beginnen. In Port-à-Piment mussten wir Patient*innen in ein Zelt evakuieren, da das Gebäude des Krankenhauses selbst beschädigt wurde. In den folgenden Monaten begannen wir damit, eine neue Entbindungsklinik zu bauen. Zudem versorgten wir Patient*innen in mobilen Kliniken, verteilten lebensnotwendige Hilfsgüter und installierten Trink- und Abwasserversorgungssysteme in drei Gemeinden. 

“Die wenigen haitianischen Mitarbeiter*innen im Saint Antoine-Krankenhaus in Jérémie hatten bereits Außerordentliches geleistet, als unsere Teams ankamen: Wunden versorgt, Knochenbrüche fixiert und einige Patient*innen nach Port-au-Prince ausgeflogen.” 

Xavier Kernizan, haitianischer Chirurg im Einsatz für Ärzte ohne Grenzen

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Eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen behandelt einen sitzenden Mann am Bein.
Kein Dach über dem Kopf - viele Menschen haben bei dem Erdbeben ihr Zuhause verloren. Auch die Wasserversorgung war stark eingeschränkt, viele mussten alternative Wasserquellen finden.
©Pierre Michel Jean | K2D

Bereits einige Tage nach dem Erdbeben machte sich ein weiteres Team nach Baradères in Nippes auf, um die Lage zu beurteilen. Die Stadt war fast vollständig von allen Verkehrswegen abgeschnitten. Wir behandelten Patient*innen außerhalb des Krankenhauses, aus Angst, das Gebäude könnte einstürzen. Schon vor dem Erdbeben gab es für die Bewohner*innen in der Region wenig Möglichkeiten medizinisch versorgt zu werden. Aus diesem Grund erreichten uns bei Beginn unserer Aktivitäten auch Menschen, die unabhängig von der Katastrophe medizinische Hilfe benötigten.  

Viele Familien schliefen unter freiem Himmel in der Nähe ihrer zerstörten Häuser. Einige errichteten aus Holz behelfsmäßige Behausungen. Die Überschwemmungen in Folge des Tropensturms Grace, der über das Erdbebengebiet zog, verschlimmerte die Situation, viele Betroffene waren von Hilfe abgeschnitten, da Wege unpassierbar waren. Wer nach dem Beben im Freien oder in Zelten Zuflucht fand, den trafen die starken Regenfälle besonders hart.  

Mehr als eine halbe Millionen Menschen in der Region sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Fachmedizinische Angebote in Port-au-Prince 

Glücklicherweise wurden die medizinischen Einrichtungen in Port-au-Prince durch das Erdbeben am 14. August 2021 nicht zerstört, so dass wir unsere Arbeit fortsetzen konnten. Hier behandelten wir auch Verletzte aus dem Erdbebengebiet. Unsere Teams unterstützen außerdem die Notaufnahme im Universitätskrankenhaus und operierten und versorgten Patient*innen im Unfallkrankenhaus in Tabarre.

In unserem Krankenhaus in Drouillard, Cité Soleil kam es im Februar 2021 zu einer Reihe von Angriffen. Aus Sicherheitsgründen sahen wir uns gezwungen, die Einrichtung bis auf die Notaufnahme zeitweise zu schließen. Die Patient*innen brachten wir im Krankenhaus in Tabarre unter. Inzwischen haben wir unsere Aktivitäten jedoch wieder aufgenommen. Zudem unterstützten wir ein Geburtshilfezentrum.

Nach Wochen intensiver Straßenkämpfe wurde im Juni unser Notfallzentrum im Stadtviertel Martissant von Schüssen getroffen. Da wir die Sicherheit unserer Patient*innen und Kolleg*innen nicht mehr gewährleisten konnten, mussten wir die Einrichtung schweren Herzens schließen.

Hilfe nach sexualisierter Gewalt

Im Stadtviertel Delmas 33 betreuten wir eine Klinik, die Überlebende sexualisierter Gewalt versorgte. Im Februar eröffneten unsere Teams eine zweite Klinik im Norden des Landes. Zudem unterstützten wir Mütter und Säuglinge in Port-à-Piment und Port Salut, im Süden des Landes. Um das Bewusstsein für sexualisierte Gewalt und Gesundheit insbesondere bei Jugendlichen zu schärfen, schulen wir außerdem Mitarbeitende öffentlicher Krankenhäuser. 

Zuletzt aktualisiert: 20.10.2022