Unsere Hilfe in Haiti

Unsere Aktivitäten 2016:

Neben den bestehenden Programmen (siehe "Unsere Aktivitäten 2015 im Überblick") hilft Ärzte ohne Grenzen in Haiti nach dem Wirbelsturm im Oktober 2016:
Bitte beachten Sie
- Aktuelles Update zu unseren Aktivitäten nach dem Hurrikan "Matthew"
- Bitte spenden Sie für unsere Hilfe nach dem "Hurrikan Matthew" und unsere weltweiten Aktivitäten
 

 

Unsere Aktivitäten 2015 im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen fokussierte im Jahr 2015 die Hilfe in Haiti auf die Basisversorgung. Das Gesundheitssystem in Haiti ist nicht in der Lage, die grundlegende medizinische Versorgung für die Bevölkerung sicherzustellen, wie die Versorgung von Unfallopfern oder die Unterstützung für Mütter. 

Die Hilfe in Haiti im Einzelnen (Auszug):

  • Ein Teil der Bevölkerung kann es sich finanziell leisten, medizinische Hilfe in Haiti in privaten Kliniken oder sogar außerhalb des Landes zu suchen. Für den größten Teil der Bevölkerung ist die Gesundheitsversorgung allerdings unerschwinglich. Medizinische Einrichtungen sind personell unterbesetzt und verfügen nicht über die finanziellen Mittel, um die laufenden Kosten zu decken und genügend Medikamente vorrätig zu halten. Ohne eine langfristige Unterstützung der haitianischen Regierung und internationaler Geberorganisationen werden die bedürftigsten Bevölkerungsgruppen auch weiterhin keinen Zugang zu medizinischer Hilfe erhalten. Ärzte ohne Grenzen deckte mit der Hilfe in Haiti einige Engpässe im Gesundheitssystem ab, die teilweise schon vor dem Erdbeben im Jahr 2010 bestanden.
  • Viele Haitianer leben in überfüllten und unsicheren Verhältnissen, in denen es oft zu häuslichen Unfällen kommt. Körperliche und sexuelle Gewalt stellen ein Problem der öffentlichen Gesundheit dar, doch es gibt kaum Notaufnahmen für die Betroffenen. 
    Im Drouillard-Krankenhaus betreute Ärzte ohne Grenzen 2015 weiterhin die Verbrennungsstation, die de facto zu einer nationalen Referenzstelle für Verbrennungsopfer geworden ist. 47 Prozent der Patientinnen und Patienten sind jünger als fünf Jahre. Die Teams gaben im Jahr 2015 mehr als 17.550 Sprechstunden und führten rund 3.550 chirurgische Eingriffe durch sowie 12.100 physiotherapeutische Sitzungen und 1.600 psychologische Gespräche. Im Rahmen der Hilfe in Haiti plant Ärzte ohne Grenzen, mehr medizinisches Personal auszubilden und ein Überweisungssystem einzurichten, um sowohl den Behandlungszugang als auch die Therapiequalität für Verbrennungsopfer zu verbessern.
  • In Tabarre betreuten die Teams im Jahr 2015 das Nap-Kenbe-Krankenhaus, das über 122 Betten für die Versorgung von Unfallopfern und chirurgischen Patientinnen und Patienten verfügt. Sie behandelten mehr als 13.000 Notfälle und führten rund 6.400 chirurgische Eingriffe durch. Zudem unterstützten sie den Reha-Prozess durch Physiotherapie sowie soziale und psychologische Hilfe
  • In Martissant nahm Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2015 rund 50.000 Patienten in die Notaufnahme und ins Stabilisierungszentrum auf. Mehr als 30.000 von ihnen erlitten eine Unfallverletzung, etwa 5.000 Fälle wurden aufgrund einer durch Gewalt verursachten Verletzung behandelt. Die restlichen Patientinnen und Patienten erlitten Verbrennungen oder kamen wegen geburtshilflicher Komplikationen bzw. aus anderen Gründen.
  • Da sexuelle und genderbasierte Gewalt im Land bislang unbeachtet blieb, eröffnete Ärzte ohne Grenzen im Rahmen der Hilfe in Haiti die Pran-Men´m-Klinik. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung, die während der 72 Stunden nach einem sexuellen Angriff medizinische Nothilfe sowie längerfristige medizinische und psychologische Unterstützung anbietet. Mehr als ein Drittel der 258 Betroffenen in dieser Klinik waren jünger als 18 Jahre.
  • Im Stadtviertel Delmas 33 der Hauptstadt Port-au-Prince betrieb Ärzte ohne Grenzen auch im Jahr 2015 das Referenzzentrum für geburtshilfliche Nothilfe, das über 148 Betten verfügt. Diese Hilfe in Haiti konzentrierte sich auf Schwangere mit ernsthaften und lebensgefährlichen Komplikationen, wie Präeklampsie, Eklampsie, geburtshilflichen Blutungen, Geburtsstillstand oder Gebärmutterriss. Die Teams leisteten nachgeburtliche Versorgung, Familienplanung, Prävention der HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind sowie Neugeborenversorgung und psychologische Unterstützung. Sie führten im Jahr 2015 mehr als 18.300 Sprechstunden durch, halfen bei rund 6.000 Geburten und nahmen etwa 2.500 Babys auf die Säuglingsstation auf. Außerdem wurden 144 Patientinnen auf die speziell für Schwangere eingerichtete Cholerastation aufgenommen.
  • Der Cholera-Ausbruch, der sich kurz nach dem Erdbeben im Jahr 2010 ereignete, stellt nach wie vor ein öffentliches Gesundheitsproblem dar. 2015 wurden mehr als 2.300 Patientinnen und Patienten in das Diquini Cholerazentrum in Delmas aufgenommen, das über 55 Betten verfügte und gemeinsam von Ärzte ohne Grenzen und den Gesundheitsbehörden betrieben wurde. Etwa 750 Fälle wurden zudem im Cholera-Behandlungszentrum in Delmas Figaro versorgt. Ärzte ohne Grenzen schloss das Cholerazentrum in Martissant im Mai 2015, da es nicht länger benötigt wurde. Allerdings engagierte sich ein Team weiterhin in der epidemiologischen Überwachung. 
  • Ärzte ohne Grenzen beendete die Hilfe in Haiti im Krankenhaus in Léogane im August 2015. Dort hatten die Teams bereits seit 2013 im Chatuley-Hospital die Aktivitäten reduziert. Das Container-Krankenhaus war infolge des Erdbebens 2010 eröffnet worden und verfügte über zwei Operationssäle für Unfallopfer und für Frauen mit komplizierten Schwangerschaften. Im Jahr 2015 halfen die Teams bei 747 Geburten, nahmen 300 Babys auf die Säuglingsstation auf und behandelten 60 Kinder auf der pädiatrischen Station.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1991 Hilfe in Haiti an.