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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Venezuela

  • 76
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 68.3
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 477
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 18.9
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Venezuela befindet sich seit 2014 in einer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krise. Millionen von Menschen sind mit einem gravierenden Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und anderen grundlegenden Gütern konfrontiert. Besonders alarmierend ist der Zustand der öffentlichen Gesundheitsdienste. Landesweit fehlt es in den Krankenhäusern am Notwendigsten. Viele Menschen verlassen wegen der äußerst problematischen Lebensbedingungen Venezuela. Laut UNHCR ist seit 2014 die Anzahl der Venezolaner*innen, die den Flüchtlingsstatus beantragen um 8.000 Prozent gestiegen - das sind 5,4 Millionen Geflüchtete und Migrant*innen und ist somit eine der größten Migrationsbewegungen weltweit. Die meisten von ihnen fliehen in die Nachbarländer Kolumbien oder Brasilien, doch die Bedingungen dort sind äußerst prekär.

Wir unterstützen in Venezuela 38 öffentliche Einrichtungen in sieben Bundesstaaten und stellen technische Dienste zur Verfügung. Dabei konzentrierten wir uns vor allem auf die allgemeine und fachmedizinische Versorgung, Gesundheitsaufklärung und psychologische Unterstützung. Außerdem bieten wir umfangreiche Maßnahmen zur Gesundheitsversorgung von Müttern und zur Familienplanung an und helfen bei der Bekämpfung von Malaria.

Unsere Hilfe in Venezuela im Jahr 2020 

  • 49.027 Malaria-Behandlungen 
  • 6.130 psychologische Einzelgespräche 
  • 305 Behandlungen wegen sexueller Gewalt 
  • 5.714 Verhütungsmittel-Beratungen 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2015 medizinische Hilfe in Venezuela an.

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Sterberate von Müttern und Kindern verringern 

Für viele schwangere Frauen in Venezuela ist es eine Herausforderung, die zentrale Entbindungsklinik zu erreichen, weil es nicht genug Transportmöglichkeiten oder Kraftstoff gibt. Um die Sterblichkeitsrate von schwangeren Frauen, Müttern und Neugeborenen zu verringern, arbeiten wir mit den regionalen Gesundheitsbehörden im Bundesstaat Sucre, im Nordosten des Landes  daran, den Zugang zu hochwertiger medizinsicher Versorgung vor, während und nach Schwangerschaften zu verbessern.  

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Eine pränatale Beratung in einer Klinik in Putucual im Nordosten Venezuelas
Unsere Teams unterstützen die Arbeit in einer Klinik für pränatalen Beratung in Putucual im Nordosten Venezuelas, um die Gesundheitsvorsorge für Schwangere zu verbessern.
©Matias Delacroix

Während jeder Schwangerschaftsuntersuchung nutzen wir Tests, die uns dabei helfen mögliche Komplikationen zu finden, bevor sie zum Problem werden. Wir stellen auch Vitamine wie Eisen und Folsäure zur Verfügung, und Medikamente, zum Beispiel um Harnwegsinfektionen zu behandeln. Maritza Regardiz, Leiterin unserer medizinischen Aktivitäten in Sucre 

Unsere Teams arbeiten auch mit den staatlichen Gesundheitsbehörden zusammen, um über das Thema Familienplanung aufzuklären, denn 33 Prozent der Frauen, die für vorgeburtliche Untersuchungen kommen, sind Jugendliche. Wir verteilen Kondome, orale und injizierbare Verhütungsmittel  und haben das medizinische Personal der Gesundheitszentren über das Einsetzen und Entfernen letzterer geschult. Zwischen Januar und Juli 2021 haben mehr als 6.300 Menschen in Sucre Verhütungsmittel in Gesundheitszentren bekommen. 

Gefährliche Route nach Nordamerika

Seit der Krise steigt die Zahl der Menschen, die ihr Leben riskieren, um das Land zu verlassen. Viele fliehen in die Nachbarländer Brasilien oder Kolumbien. Doch die Umstände sind dort für sie prekär und perspektivlos, weshalb immer mehr sich auf den Weg nach Nordamerika über das sogenannte “Darién-Lücke” machen. Diese Route ist ein tückischer, straßenloser, knapp 100 km langer Dschungelstreifen, der Kolumbien mit Panama verbindet. Unter den 15.000 Migrant*innen, die zwischen Januar und Mai dieses Jahres die “Darién-Lücke” überquerten, sind auch viele Venezolaner*innen. Diejenigen, die es schaffen, berichten oft von Toten, die sie entlang der Route sehen. Niemand kennt die tatsächliche Todeszahl der Migrant*innen, die diese gefährliche Überfahrt nicht schaffen.

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Eine Frau aus Venezuela erzählt über ihre Erfahrungen mit Gewalt
Die Patient*innen berichten neben den Gefahren des Dschungels auch von der Brutalität der kriminellen Banden und von Menschen, die wegen Verletzungen zurückgelassen werden.
©MSF/Sara de la Rubia

 

Ich habe mindestens 10 Leichen im Dschungel gesehen. Man sieht Verletzte, die vielleicht schon seit Tagen dort sitzen und auf den Tod warten.

Angel, 19, aus Venezuela 

 

 

 

Die Menschen sind auch schrecklichen Übergriffen durch Kriminelle ausgesetzt, die auch ihre Habseligkeiten, einschließlich Nahrung und Wasser, stehlen. Oftmals gehen sie mit sexualisierter Gewalt einher. Seit April 2021 behandeln medizinische und psychologische Teams Migrant*innen in Panama, nachdem sie es geschafft haben, den Dschungel zu durchqueren.  

Neuer Durchbruch im Kampf gegen Malaria  

Die Tropenkrankheit Malaria, die in Venezuela fast unter Kontrolle gebracht worden war, hat in den vergangenen zehn Jahren leider wieder zurückgekehrt. Die Regierung hat seit 2016 keine Zahlen mehr veröffentlicht, aber nach Angaben der WHO gab es 2017 mehr als 400.000 Erkrankte, was Venezuela zu einem der am stärksten betroffenen Länder Lateinamerikas macht.

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©Matias Delacroix

In den beiden südlichen Bundesstaaten, Bolívar und Sucre, kommt Malaria am häufigsten vor. Das Klima und die Vegetation bieten die perfekten Bedingungen für die Ausbreitung der Anopheles-Mücke, die die Krankheit überträgt. Seit 2019 arbeiten wir gemeinsam mit dem Malaria-Programm der Regionalkoordinatorin für Umweltgesundheit an einer Strategie zur Eindämmung und Kontrolle von Malaria im Bundesstaat Sucre. In Gesundheitszentren setzen wir auf drei Säulen im Kampf gegen Malaria: Früherkennung und Behandlung, Gesundheitsförderung und Vektorkontrolle. Unter Vektorkontrolle versteht man die Unterbindung der Übertragung der Krankheit durch das übertragende Insekt, den so genannten Vektor. Dazu werden viele Informationen benötigt, wie Anzahl und Form der Arten, durchschnittliche Lebensdauer oder die bevorzugte Tageszeit, zu der sie beißen oder ob sie an zum Beispiel an Hauswänden ruhen. Sobald all diese Informationen vorliegen, werden die Ergebnisse analysiert, um wirksame und nachhaltige Strategien zur Kontrolle zu entwickeln. Dazu gehört beispielsweise die Behandlung von Teichen mit Bio-Viren, die Aufstellung von Zeitplänen für das Besprühen von Hauswänden und die Verteilung von Moskitonetzen.

Im Bereich der Vektorkontrolle arbeiten unsere Teams im Malariaprogramm des Bundesstaates Sucre mit, um das Verhalten der malariaübertragenden Mücken zu studieren und die besten Strategien zu entwickeln, um die Übertragung von Malaria zu verhindern. Seit 2019 konnten wir Malaria im Bundesstaat Sucre Malaria um 80 Prozent eindämmen.  

Unsere Hilfe bei der Bekämpfung von Covid-19 

Zwischen März und November 2020 haben wir in der Hauptstadt Caracas in einem Krankenhaus eine Covid-19-Station eröffnet. Im Grenzstaat Táchira unterstützten wir venezolanische Rückkehrer*innen aus Kolumbien und Gesundheitsfachkräfte in Covid-19-Quarantänestationen.  

In den vergangenen Monaten hat die Inzidenz von Covid-19 in Venezuela erheblich zugenommen. Die Kapazitäten der öffentlichen und privaten Krankenhäuser in Caracas stießen an ihre Grenzen, und die Belegung der Covid-19-Betten lag bei 100 Prozent. 

Wir arbeiten gemeinsam mit den nationalen Behörden an einem Plan zur Stärkung des Gesundheitssystems, um auf eine neue Welle von Covid-19-Fällen vorbereitet zu sein.  

*Name geändert 

 

  10. September 2021