Unsere Hilfe in Venezuela

Erschöpft aber glücklich: Nach der Geburt reicht unsere Pflegerin, Sandra Platas, der Mutter Alicia Jimenez ihr Neugeberones. Mehr als eine Stunde brauchte sie, um in das Krankenhaus zu kommen.

Aktuell: Zur Situation angesichts der Krise in Venezuela

Die anhaltende Wirtschaftskrise in Venezuela hat das Gesundheitssystem schwer getroffen. Noch vor 50 Jahren galt das Land als führend in Südamerikas Kampf gegen Malaria. 2019 wies Venezuela mit 320.000 Infizierten jedoch die meisten Malaria-Kranken des Subkontinents auf. Seit 2016 leistet Ärzte ohne Grenzen Hilfe in Venezuelas Bundesstaat Bolivar in der Gemeinde Sifontes und unterstützt das nationale Malaria Programm.

2019 informierten unsere Teams 55.000 Menschen bei Aufklärungskampagnen, verteilten 65.000 Moskito-Netze, behandelten 85.000 Malaria-Patient*innen, desinfizierten 530 Haushalte und verteilten 250.000 Malaria-Diagnosesets. Seitdem hat sich die Zahl der Malaria-Fälle in Sifontes um 40 Prozent verringert.

Auch in anderen Regionen Venezuelas leistet Ärzte ohne Grenzen Hilfe. In Las Claritas im Osten des Landes unterstützen wir eine lokale Gesundheitseinrichtung bei der Prävention und Behandlung von Malaria sowie in den Bereichen reproduktive Gesundheitsversorgung, Familienplanung und Geburtshilfe. 2020 wollen wir den Zugang für die Bevölkerung zum Gesundheitswesen weiter erleichtern. In Tumeremo, einer Stadt im Bundesstaat Bolivar, werden wir ein Regionalkrankenhaus unterstützen und die Versorgung ausweiten.

(15.01.2020)

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Im Jahr 2019 leistete Ärzte ohne Grenzen Hilfe in Venezuela, da die politische und wirtschaftliche Krise sich verschärfte und Millionen Menschen nicht über genügend Nahrungsmittel, Medikamente und andere wichtige Güter verfügten.

Unsere Hilfe in Venezuela im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen weitete im Jahr 2019 die Hilfe in Venezuela aus: Viele Krankenhäuser landesweit erhielten keinen Nachschub an Medikamenten oder medizinischem Material, manchmal verfügten sie nicht einmal mehr über Trinkwasser. Unsere Teams sanierten Kliniken und Gesundheitsposten, verteilten medizinische Hilfsgüter und renovierten Wasser- und Sanitäreinrichtungen.
  • Im Bundesstaat Amazonas sanierten wir zwei Krankenhäuser und drei Gesundheitszentren. Im Bundesstaat Anzoátegui profitierten 25.307 Patient*innen von unserer Hilfe in Venezuela. In der Hauptstadt Caracas, eine der gewalttätigsten Städte weltweit, boten unsere Teams medizinische und psychologische Hilfe für Überlebende sexueller und städtischer Gewalt an. Dabei arbeiteten sie mit lokalen Organisationen und öffentlichen Einrichtungen in Libertador und Sucre zusammen. Im Rahmend dieser Hilfe in Venezuela hielten sie 575 medizinische Konsultationen und 3.836 psychologische Gespräche ab. Wir unterstützten zudem das Vargas- Krankenhaus, eine der größten medizinischen Einrichtungen der Stadt, mit technischer Beratung.
  • Im Bundesstaat Bolívar kooperierten wir mit dem nationalen Malaria-Programm in Sifontes, wo es die höchsten Malariaraten landesweit gab. Im Bundesstaat Sucre, wo ebenfalls viele Malariafälle auftraten, entdeckten wir den Brutplatz für infizierte Moskitos. Unsere Hilfe in Venezuela umfasste die Diagnose und Behandlung von mehr als 100.000 Patient*innen, die Verteilung von Moskitonetzen, Aufklärungskampagnen und verbesserte Maßnahmen zur Eindämmung von Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden.
  • Unsere Hilfe in Venezuela erstreckte sich auch auf den Bundesstaat Delta Amacuro. Dort leisteten wir logistische und technische Unterstützung für das nationale Immunisierungsprogramm. Wir verabreichten Routineimpfungen an 2.397 Personen gegen Krankheiten, wie Polio, Masern, Hepatitis B, Diphtherie und Gelbfieber.
  • 2019 kam es auch zu Nothilfeeinsätzen: Nach gewaltsamen Ausschreitungen im ersten Quartal stellten wir Medikamente zur Verfügung und boten psychologische Hilfe an. Beim nationalen Stromausfall im März, als es zu Trinkwasserengpässen kam, umfasste unsere Hilfe in Venezuela die Prävention und Behandlung von Cholera.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals im Jahr 2015 Hilfe in Venezuela an.