Unsere Hilfe in Indien

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Im Mittelpunkt der Hilfe in Indien stand für Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2015 die Diagnose und Behandlung von HIV, Tuberkulose (TB) und Kala-Azar für die Menschen zu verbessern, die keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung hatten.

Unsere Hilfe in Indien im Einzelnen (Auszug):

  • Die Hilfe in Indien konzentrierte sich für Ärzte ohne Grenzen darauf, einige Engpässe in der medizinischen Versorgung zu beheben und die Kapazitäten des Gesundheitssystems zu erweitern: Ein beträchtlicher Teil der indischen Bevölkerung kann sich keine basismedizinische Versorgung leisten, da die Menschen sehr arm sind und das Gesundheitssystem nicht ausreichend ausgestattet ist. In den Dörfern des Bundesstaats Chhattisgarh leisteten die Teams wöchentlich basismedizinische Hilfe mit mobilen Kliniken und versorgten zudem Vertriebene in den Bundesstaaten Andhra Pradesh und Telangana. Dort gab es nur einen beschränkten Zugang zu medizinischer Hilfe, da in dem Gebiet seit Langem ein niedrigschwelliger Konflikt schwelt. Im Bundesstaat Chhattisgarh bot das Mutter-Kind-Zentrum im Bezirk Bijapur eine geburtshilfliche, neonatale und pädiatrische Versorgung an. Im Rahmen der Hilfe in Indien leistete Ärzte ohne Grenzen dort mit mobilen Kliniken basis- und fachmedizinische Dienste.  Die Teams gaben mehr als 56.400 Sprechstunden und behandelten rund 13.800 Malaria-Patienten.
  • In der Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Mumbai boten die Teams psychosoziale und ambulante medizinische Hilfe für Patientinnen und Patienten mit HIV, resistenter Tuberkulose, Hepatitis B und C an. Zudem versorgten sie Patienten, die unter Koinfektionen litten. Sie unterstützten auch die Infektionskontrolle für resistente TB und kooperierten eng mit dem Sewri-TB-Krankenhaus, um dessen Kapazitäten zu erhöhen. Zum Jahresende hin erweiterte Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Indien: Die Teams kooperierten mit dem Nationalen Tuberkulose-Kontrollprogramm, um im Osten Mumbais die Anzahl der Menschen zu reduzieren, die sich mit TB anstecken und daran sterben. Die Fallzahlen waren hier besonders hoch.
  • Der nordöstliche Bundesstaat Manipur wies eine der höchsten HIV-Raten landesweit auf. Ärzte ohne Grenzen begann daher im Jahr 2015 mit der Behandlung von HIV-Patienten, die gleichzeitig unter einer Hepatitis-C-Koinfektion litten. Dies betraf mehr als ein Viertel aller Patientinnen und Patienten. Zudem setzten die Teams das umfassende Versorgungsprogramm für HIV- und TB-Patienten in Churachandpur, Chakpikarong und Moreh fort sowie die Unterstützung einer lokalen Nichtregierungsorganisation, die intravenöse Drogengebraucher mit einer oralen Ersatztherapie versorgte.
  • Im Bundesstaat Bihar ist die Tropenkrankheit Kala-Azar (viszerale Leishmaniose) im Bezirk Vaishali endemisch. HIV-Patienten sind besonders gefährdet, sich mit Kala-Azar zu infizieren. Nach intensiver Lobbyarbeit von Ärzte ohne Grenzen führte die indische Regierung im Oktober 2014 die Einmaldosis „Liposomal Amphotericin B“ als Medikament der ersten Therapielinie ein. 2015 behandelten die Teams 582 Kala-Azar-Patienten, die Hälfte der Vorjahreszahl.
  • Im November weitete Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Indien um ein Fieberprojekt im Bezirkskrankenhaus in Asansol im Bundesstaat Westbengalen aus. Bis zum Jahresende behandelten die Teams 178 Kinder mit akutem Fieber. Das Projekt umfasste die kostenlose Diagnose und Behandlung sowie für Kinder im Alter von zwei Monaten bis 14 Jahren eine Überweisung an andere Einrichtungen. Zu den häufigen Ursachen des Fiebers gehörten die Tropenkrankheiten Dengue Fieber und Chikungunya.
  • Ärzte ohne Grenzen betreute in Kaschmir in mehreren Bezirken psychologische Programme. Die Teams kooperierten mit einer lokalen Produktionsfirma, um eine TV-Seifenoper namens „Aalav, Baya Aalav“ zu realisieren. Sie wurde 2014 und 2015 ausgestrahlt. Die Sendung hob die kostenlosen psychologischen Beratungsangebote von Ärzte ohne Grenzen hervor. Gemeinsam mit der psychologischen Abteilung der Universität Kaschmir und dem angeschlossenen psychiatrischen Krankenhaus führte Ärzte ohne Grenzen zudem im Rahmen der Hilfe in Indien eine Studie durch. Dabei ging es darum, die Häufigkeit von psychisch bedingten Krankheiten in der Region zu ermitteln, zu denen auch Depression, Angststörungen und posttraumatischer Stresserkrankungen gehören. Die Studienergebnisse wurden im Mai 2016 veröffentlicht.
  • Im November eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein neues Behandlungszentrum für Betroffene von sexueller und genderbasierter Gewalt in Dehli. In der Klinik Unmeed Ki Kiran erhielten Menschen rund um die Uhr medizinische Hilfe nach einem sexuellen Angriff oder nach häuslicher Gewalt. Darunter waren auch Kinder. Die Teams behandelten die körperlichen Verletzungen der Patientinnen und Patienten und versorgten sie mit der Postexpositions-Prophylaxe, um die Übertragung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen zu vermeiden. Die Betroffenen erhielten zudem Beratung und Schwangerschaftstests, falls es nötig war. Zudem wurden die Patientinnen und Patienten überwiesen, falls sie juristische Beratung oder eine Notunterkunft benötigten. Die Teams führten auch Aufklärungsveranstaltungen durch, um auf die Bedeutung rechtzeitiger medizinischer und psychologischer Hilfe aufmerksam zu machen.
  • Die Hilfe in Indien konzentrierte sich im Dezember 2015 auf Chennai, wo es aufgrund heftiger Regenfälle zu weitflächigen Überflutungen gekommen war, so dass viele Menschen aus ihren zerstörten Häusern fliehen mussten. Ärzte ohne Grenzen verteilte 500 Hygiene-Kits mit Zahnpasta, Waschpulver, Seife, Handtüchern etc. und 500 Kits für Unterkünfte, die unter anderem Bodenmatten und Decken enthielten, sowie rund 1.000 Moskitonetze.
  • Im August übergab Ärzte ohne Grenzen das Ernährungsprogramm an das medizinische Kolleg und Krankenhaus sowie an die Behörden in Darbhanga. Dies wurde möglich, da die Versorgung erfolgreich in das öffentliche Gesundheitssystem integriert worden war. Zwischen 2009 und 2015 wurden mehr als 17.000 Kinder unter fünf Jahren, die unter akuter Mangelernährung litten, in diesem Projekt behandelt.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1999 Hilfe in Indien an.