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Tuberkulose

Die Tuberkulose (TB) ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Mykobakterien-Stämme verursacht wird – vornehmlich das sogenannte Mycobacterium tuberculosis.  

1,6 Millionen Menschen versterben jährlich daran. Damit ist die Tuberkulose die zweittödlichste Infektionskrankheit nach Covid-19.  

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist etwa ein Viertel der Weltbevölkerung mit dem Erreger infiziert. Die meisten TB-Infizierten haben aber keine Symptome. In diesen Fällen droht keine Ansteckung anderer Menschen. Expert*innen sprechen dennoch von einer Tuberkulose-Epidemie, die aufgrund der veralteten Diagnose- und Behandlungsmittel und das Fehlen eines wirksamen Impfstoffs schwer zu kontrollieren ist. Allein mehr als zehn Millionen Menschen erkranken jährlich neu an einer aktiven TB. Von ihnen geht die Gefahr einer Ansteckung aus. 

Zudem gibt es verschiedene Arten resistenter Tuberkulose (DR-TB) und extensiv arzneimittelresistenter Tuberkulose (XDR-TB), die extrem schwer behandelbar sind. Laut WHO stellt DR-TB eine globale Bedrohung dar, jährlich erkranken rund 500.000 Menschen neu an DR-TB. 

Unsere medizinische Hilfe gegen Tuberkulose 

Unsere Strategie in der Behandlung von Tuberkulose besteht darin, möglichst viele Menschen rechtzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Statt Patient*innen stationär in Kliniken einzuweisen, behandeln wir möglichst viele TB-Kranke ambulant und in lokalen Projekten. Darüber hinaus machen unsere Teams in fast allen Projekten Hausbesuche bei TB-Patient*innen, um sie und ihre Familien über Präventionsmaßnahmen zu informieren und darin zu unterstützen. 

Tuberkulose gehört zu den vernachlässigten Krankheiten, in deren Erforschung unzureichend investiert wird, da sie hauptsächlich Menschen in ärmeren Ländern betrifft. Deshalb setzen wir uns für eine Veränderung dieser Situation ein – mehr zu unserem politischen Engagement erfahren Sie hier.  

Zudem setzten wir uns dafür ein, dass 

  • in klinischen Studien neue Medikamente kombiniert werden, 
  • Therapien verträglicher werden, 
  • mehr Menschen Zugang zu der neuen Behandlung haben, 
  • die Kosten der Behandlung gesenkt werden. 

Wissenswertes über Tuberkulose

Wie erfolgt die Ansteckung mit Tuberkulose?

Die Ansteckung mit den Tuberkulose-Bakterien erfolgt über die Atemwege. Die Tuberkulosepartikel werden von Erkrankten als Tröpfchen abgehustet. Über die Luft gelangen sie in die Atemwege anderer Menschen. Es dauert sechs bis acht Wochen, bis nach einer Ansteckung erste Anzeichen einer Tuberkulose auftreten (Inkubationszeit).  

Weltweit trägt jeder Dritte die Bakterien in sich. Die TB bricht aber nur bei etwa jedem zehnten bis zwanzigsten aus: Eine aktive Tuberkulose droht vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem wie Patient*innen mit Mangelernährung oder einer HIV-Infektion. Gefährdet sind zudem Menschen in Konfliktregionen oder in Regionen mit schlechter Gesundheitsversorgung und unzureichenden hygienischen Bedingungen.  

Ein erhöhtes Risiko für eine aktive Tuberkulose haben auch Kinder unter fünf Jahren, Ältere sowie Menschen in Gefängnissen, Geflüchtetenlagern, Slums oder Regionen mit hoher TB-Rate. 

Welche Symptome haben an Tuberkulose erkrankte Menschen?

Tuberkulose ist zunächst eine Lungenerkrankung. Die aktive Tuberkulose äußert sich durch Symptome wie: 

  • anhaltender, hartnäckiger Husten 

  • blutiger Auswurf 

  • Brustschmerzen 

  • Atemnot 

  • Kurzatmigkeit 

Zudem sind Betroffene stark geschwächt, verlieren Gewicht, haben Nachtschweiß und Fieber.  

TB kann prinzipiell jedes Organ befallen, so beispielsweise auch die Knochen oder das Nervensystem.  

Typische Orte der Ansteckung mit einer aktiven TB sind: 

  • überfüllte Räume in Gemeinschaftsunterkünften 

  • Haushalte mit wenig Platz und schlechter Belüftung 

  • gemeinsame Arbeitsplätze mit Patient*innen 

  • Gesundheitseinrichtungen 

  • Krankenhäuser 

Was ist MDR-TB und XDR-TB?

In den Bakterienpopulationen, die TB verursachen, sind immer auch Erreger vorhanden, die natürlicherweise gegen ein bestimmtes Medikament resistent sind. Diese Bakterien werden bei einer Monotherapie (Behandlung mit nur einem Medikament) oder auch bei einer inadäquaten Behandlung selektioniert und können sich dann ungehindert vermehren. In der Konsequenz kann arzneimittelresistente Tuberkulose (DR-TB) oder extensive arzneimittelresistente Tuberkulose (XDR-TB) entstehen.  

Wenn Patient*innen gegen die beiden wirksamsten Antibiotika (Rifampicin und Isoniazid) resistent sind, spricht man von multiresistenter TB (MDR-TB). Von extensiv arzneimittelresistenter TB (XDR-TB) spricht man, wenn Patient*innen gegen Medikamente der zweiten Generation resistent sind. 

Um zu verhindern, dass die TB-bakterien Resistenzen entwickeln, werden Patient*innen meist mit 3 oder 4 Antituberkulotika behandelt. Therapiestandard ist die Kombination aus Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Pyrazinamid (PZA) und Ethambutol (EMB).  

Kann man Tuberkulose vorbeugen?

Operations- oder Atemschutzmasken, die Tuberkulosepartikel aus der Luft filtern, können vor einer Ansteckung mit TB schützen. Darüber hinaus sollte der Kontakt zu Erkrankten in geschlossenen Räumen vermieden werden.  

In Gesundheitseinrichtungen sollten Patient*innen mit Symptomen schnell diagnostiziert und behandelt werden. Das senkt das Risiko einer Ansteckung für Mitpatient*innen. Außerdem sind effektive Belüftungssysteme in Krankenhäusern wichtig. 

Für abwehrgeschwächte Risikogruppen lohnt eine vorbeugende medikamentöse Behandlung. Betroffene erhalten für drei bis sechs Monate die sogenannte Isoniazid-Präventionstherapie (IPT). Obwohl viel mehr Patient*innen von der IPT profitieren könnten, haben bisher zu wenige Zugang dazu.  
Die IPT eignet sich für: 

  • Menschen mit HIV ohne aktive TB, 

  • Schwangere, 

  • Mitbewohner von TB-Patient*innen, 

  • Kleinkinder in Haushalten mit TB-Kranken, 

  • Personal, das mit TB-Kranken arbeitet. 

Wie wird Tuberkulose diagnostiziert?

In ärmeren Ländern wird die aktive Tuberkulose meist mit einem veralteten Test diagnostiziert, der nach Erregern im schleimigen Sekret der Atemwege (Sputum) unter dem Mikroskop oder in einer Bakterienkultur sucht. Dieser Test dauert bis zu acht Wochen, braucht geschultes Fachpersonal und ein Labor. Bei Kindern und HIV-Infizierten reicht das Sputum für diesen Test meist nicht aus: Der Test entdeckt weniger als die Hälfte aller tatsächlichen Fälle. 

Treffsicherer und innerhalb von zwei Stunden liefert ein neuer molekularer Test namens GeneXpert MTB/RIF die Diagnose. Er weist auch bestehende Resistenzen nach. Wir setzten den molekularen Test in den meisten Projekten ein. Er ist sehr teuer, braucht eine zuverlässige Stromversorgung und ausreichend Sputum der Patient*innen. Kombiniert mit einem Urintest kann er TB auch bei HIV-Patient*innen diagnostizieren. 

Wie wird Tuberkulose behandelt?

Tuberkulose wird grundsätzlich mit einer Kombination von Medikamenten behandelt.  

Grund dafür ist, zum einen, dass sich die Tuberkulosemedikamente in ihren Wirkmechanismen und zellulären Wirkorten (wie Zytosol und Lysosom) unterscheiden.  Zum anderen verhindert eine Kombinationsbehandlung die Selektion medikamentenresistenter Bakterien. 

Da innerhalb der tuberkulösen Läsionen verschiedene Bakterienpopulationen vorkommen und die Erreger unterschiedlich stoffwechselaktiv sind, ergänzen sich die Medikamente bei einer kombinierten Gabe in ihrer Wirksamkeit.   

Eine Behandlung von unkomplizierter TB dauert mindestens sechs Monate.  

Die Behandlung der arzneimittelresistenten Tuberkulose (DR-TB) erfordert die Einnahme eines Medikamentencocktails und kann aktuell bis zu zwei Jahre oder länger dauern. Die Patient*innen nehmen für die Dauer der Behandlung bis zu 20 Tabletten pro Tag ein. Die Medikamente haben viele potenzielle Nebenwirkungen, darunter Psychosen und Taubheit. Und die Heilungsrate beträgt kaum mehr als die Hälfte.  

Im Fall einer XDR-TB ist die Behandlung entsprechend komplexer. Nur jede*r dritte Patient*in mit XDR-TB wird geheilt. 

Enorm wichtig ist, dass Patient*innen die gesamte Behandlung abschließen, auch wenn sie sich schon besser fühlen. Eine unvollständige Behandlung kann zur Entwicklung einer Arzneimittelresistenz führen, die dann wiederum schwieriger zu behandeln ist. Eine dezentralisierte Behandlung, bei der die Patient*innen zu Hause betreut werden, kann ihnen helfen, die Behandlung durchzuhalten und eventuelle Hindernisse zu überwinden. 

Warum ist die TB-Studie TB-PRACTECAL (2021) so bahnbrechend?

Die klinische TB-Studie TB-PRACTECAL (2021) von Ärzte ohne Grenzen hat gezeigt, dass neuere und kürzere rein orale 6-monatige DR-TB-Behandlungsschemata sicherer und wirksamer sind als die bisher akzeptierten Standards.  

Als Reaktion darauf empfahl die WHO im Mai 2022 zwei neue Behandlungsschemata für Menschen mit DR-TB, die die bisherigen ersetzen sollten: Darunter das 6-monatige sogenannte BPaLM-Schema, das in der TB-PRACTECAL-Studie von Ärzte ohne Grenzen mit einer Erfolgsquote von 89 Prozent bewertet wurde. 

Das neue BPaLM-Schema könnte sich zukünftig enorm positiv auf die Qualität der Versorgung vieler der 500.000 Menschen auswirken, die jedes Jahr an DR-TB erkranken.  

Der derzeitige niedrigste Weltmarktpreis für eine sechsmonatige BPaLM-Behandlung ist mit rund 700 US-Dollar jedoch immer noch zu hoch, was die Akzeptanz in Ländern mit hoher TB-Belastung bremsen könnte.  

Die beiden teuersten Medikamente des BPaLM-Schemas, Pretomanid und Bedaquilin, sind beide mit öffentlichen Mitteln entwickelt worden. Sie könnten zu einem deutlich niedrigeren Preis als dem derzeitigen hergestellt und mit Gewinn verkauft werden. Deswegen fordert Ärzte ohne Grenzen, dass der Preis für eine komplette DR-TB-Behandlung nicht mehr als 500 US-Dollar pro Person betragen darf.  

Gibt es eine Impfung gegen Tuberkulose?

Ja, es gibt einen bereits älteren Impfstoff gegen Tuberkulose. Die BCG-Impfung gegen Tuberkulose enthält lebende Bakterien der Rindertuberkulose. Die Impfung besteht aus einer Einzeldosis. 

In Deutschland wird die BCG-Impfung gegen Tuberkulose seit 1998 nicht mehr von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Gründe hierfür sind unter anderem, dass die Ansteckungsgefahr in Deutschland nicht sehr groß ist und der Impfstoff je nach Umständen (z. B. Alter des Geimpften) nur eine Wirksamkeit von 50 bis 80 Prozent hat. Außerdem treten öfter als bei anderen Standardimpfungen unerwünschte Nebenwirkungen auf. 

In Deutschland ist zurzeit kein BCG-Impfstoff zugelassen. Er ist aber international erhältlich und kann auch in Deutschland geimpft werden.