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Tuberkulose

Mit zehn Millionen Neuinfektionen allein im Jahr 2018  gehört die Tuberkulose (TBC oder TB) zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit. 1,5 Millionen Menschen sind 2018 daran verstorben. Jeder Dritte weltweit ist nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Erreger infiziert. So tragen etwa zwei Milliarden Betroffene die Tuberkulose-Keime in sich. Die meisten TB-Infizierten haben aber keine Symptome und in diesen Fällen droht keine Ansteckung.

Expert*innen sprechen dennoch von einer Tuberkulose-Epidemie. Sie ist durch eine veraltete Diagnose und Behandlung und das Fehlen eines wirksamen Impfstoffs schwer zu kontrollieren. Allein mehr als zehn Millionen Menschen erkranken jährlich an einer aktiven TB. Von ihnen geht die Gefahr einer Ansteckung aus. Zudem entwickelten laut Angaben der WHO zum Beispiel 2018 fast eine halbe Million Menschen eine resistente, schwer behandelbare Tuberkulose.  Die meisten Infizierten haben gar keinen Zugang zu Diagnose oder Behandlung.

Wie erfolgt die Ansteckung mit Tuberkulose?

TB ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Mykobakterien-Stämme verursacht wird – vornehmlich das sogenannte Mycobacterium tuberculosis. Die Ansteckung mit den Tuberkulose-Bakterien erfolgt über die Atemwege. Die Tuberkulosepartikel werden von Patient*innen als Tröpfchen abgehustet. Über die Luft gelangen sie in die Atemwege anderer Menschen. Es dauert sechs bis acht Wochen, bis das Immunsystem messbar auf die Ansteckung reagiert. Experten sprechen von Inkubationszeit.

TBC-Risikogruppen

Weltweit trägt jeder Dritte die Bakterien in sich. Die TB bricht aber nur bei etwa jedem zehnten bis zwanzigsten aus: Eine aktive Tuberkulose droht vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem wie Patient*innen mit Mangelernährung oder einer HIV-Infektion. Gefährdet sind zudem Menschen in Konfliktregionen oder in Regionen mit schlecher Gesundheitsversorgung und unzureichenden hygienischen Bedingungen. Ein erhöhtes Risiko für eine aktive Tuberkulose haben auch Kinder unter fünf Jahren, Ältere sowie Menschen in Gefängnissen, Flüchtlingslagern, Slums oder Regionen mit hoher TB-Rate.

Welche Symptome haben an Tuberkulose erkrankte Patient*innen?

Tuberkulose ist zunächst eine Lungenerkrankung. Die aktive Tuberkulose äußert sich durch Symptome wie:

  • anhaltender, hartnäckiger Husten
  • blutiger Auswurf
  • Brustschmerzen
  • Atemnot
  • Kurzatmigkeit

Zudem sind Betroffene stark geschwächt, verlieren Gewicht, haben Nachtschweiß und Fieber. TB kann prinzipiell jedes Organ befallen, so beispielsweise auch die Knochen oder das Nervensystem.

Kann man der Tuberkulose vorbeugen?

Die Ansteckung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion durch die Luft. Jeder nahe Kontakt zu Betroffenen mit aktiver Tuberkulose birgt ein erhöhtes Risiko.

Typische Orte der Ansteckung mit einer aktiven TB sind:

  • überfüllte Räume in Gemeinschaftsunterkünften
  • Haushalte mit wenig Platz und schlechter Belüftung
  • gemeinsame Arbeitsplätze mit Patient*innen
  • Gesundheitseinrichtungen
  • Krankenhäuser

Wer einer Ansteckung vorbeugen will, sollte zum Beispiel nicht in einem Raum mit Patient*innen mit aktiver TB schlafen. Zudem schützen Operations- oder Schutzmasken, die Tuberkulosepartikel aus der Luft filtern. In Gesundheitseinrichtungen sollten Patient*innen mit Symptomen schnell diagnostiziert und behandelt werden. Das senkt das Risiko von Mitpatient*innen für eine Ansteckung. Außerdem sind effektive Belüftungssysteme in Krankenhäusern wichtig. Ärzte ohne Grenzen macht in fast allen Projekten Hausbesuche bei TB-Patient*innen, um ihnen Hinweise für eine angemessene Belüftung zu geben.

Medikamentöse Prävention der TB

Für abwehrgeschwächte Patient*innen lohnt eine vorbeugende medikamentöse Behandlung. Betroffene erhalten für drei bis sechs Monate die sogenannte Isoniazid-Präventionstherapie (IPT). Obwohl viel mehr Patient*innen von der IPT profitieren könnten, haben bisher zu wenige Zugang.

Die IPT eignet sich für:

  • Menschen mit HIV ohne aktive TB,
  • für Schwangere,
  • für Mitbewohner von TB-Patient*innen,
  • für Kleinkinder in Haushalten mit TB-Kranken,
  • für Personal, das mit TB-Kranken arbeitet.

In Tadschikistan versucht Ärzte ohne Grenzen zurzeit, solche Menschen möglichst früh in ihrem Umfeld ausfindig zu machen und zu behandeln, bevor sie Symptome entwickeln.

Wie wird Tuberkulose diagnostiziert?

In ärmeren Ländern wird die aktive Tuberkulose meist mit einem veralteten Test diagnostiziert, der nach Erregern in dem schleimigen Sekret der Atemwege (Sputum) unter dem Mikroskop oder in einer Bakterienkultur sucht. Dieser Test dauert bis zu acht Wochen, braucht geschultes Fachpersonal und ein Labor. Bei Kindern und HIV-Infizierten reicht oft das Sputum nicht. Der Test erfasst weniger als die Hälfte aller Fälle.

Treffsicherer und innerhalb von zwei Stunden liefert die Diagnose ein neuer molekularer Test namens GeneXpert MTB/RIF. Er weist auch bestehende Resistenzen nach. Ärzte ohne Grenzen setzt den molekularen Test in den meisten Projekten ein. Er ist sehr teuer und braucht eine zuverlässige Stromversorgung und ausreichend Sputum der Patient*innen. Kombiniert mit einem Urintest kann er TB bei HIV-Patient*innen diagnostizieren.

Wie sieht die Tuberkulose-Behandlung aus?

2019 behandelte Ärzte ohne Grenzen in 28 Ländern Betroffene mit Tuberkulose. Schwerpunkt der Arbeit lag auf Ländern mit einer hohen TB-Verbreitung wie Indien, der Russischen Föderation und Südafrika sowie auf Regionen mit eingeschränktem Zugang wie beispielsweise Papua-Neuguinea. Die Strategie besteht darin, möglichst viele Menschen rechtzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Statt Patient*innen stationär in Kliniken einzuweisen, werden möglichst viele TB-Kranke ambulant und in lokalen Projekten betreut. Ziel ist der Zugang auch für Menschen in

  • chronischen Konfliktregionen
  • Flüchtlingslagern
  • Slums
  • Gefängnissen
  • abgelegenen Gebieten

Zudem setzt sich Ärzte ohne Grenzen dafür ein, dass

  • in klinischen Studien neue Medikamente kombiniert werden,
  • Therapien verträglicher werden,
  • mehr Menschen Zugang zu der neuen Behandlung haben,
  • die Kosten der Behandlung gesenkt werden.

Tuberkulose gehört zu den vernachlässigten Krankheiten, in deren Erforschung unzureichend investiert wird, da sie hauptsächlich Menschen in ärmeren Ländern betrifft. Die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen setzt sich für eine Veränderung dieser Situation ein.