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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Südafrika

  • 67.7
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 60.7
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 227
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 11.9
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2019

Südafrika gilt als Beispiel für einen erfolgreichen Friedensprozess. Mit den ersten freien Wahlen endete 1994 das rassistische System der Apartheid. Dennoch stehen die Menschen im Land vor großen Herausforderungen. Es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit, das Bildungssystem ist unzureichend und es mangelt an Gesundheitsversorgung. Aufgrund einer Verflechtung historischer und struktureller Gewalt, wirtschaftlicher Not und traditioneller Geschlechterdynamik sind viele Frauen, besonders jene mit Kindern, von männlichen Partnern abhängig. Das steigert die Gefahr von sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt. Südafrika hat weltweit mit die höchsten Raten an Vergewaltigungen und Femiziden.

Unsere Hilfe in Südafrika 2019

  • 18.600 Patient*innen in antiretroviraler Behandlung
  •  1.390 Neubehandlungen von Tuberkulose
  •  630 Behandlungen infolge sexualisierter Gewalt

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1986 medizinische und psychologische Hilfe in Südafrika.

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Hilfe für Überlebende sexualisierter Gewalt

Unsere Fahrer sind oft die erste Person, die Überlebende sexualisierter Gewalt treffen. Daher haben sie ein psychologisches Erste-Hilfe-Training absolviert, um die Überlebenden mit Mitgefühl ansprechen und gleichzeitig sekundäre Traumata vermeiden zu können.

Sie können sich vorstellen, ich bin ein Mann, und die Frau wurde von einem Mann missbraucht. Sie muss ins Auto steigen, und manchmal bin ich mit ihr allein im Auto. Sie wissen also, wie sich das anfühlt. Sie müssen sie wissen lassen, dass sie an einem sicheren Ort ist, dass sie bei Ihnen sicher ist.

Einer unserer Fahrer

In Rustenburg, westlich der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria, unterstützen wir ein Projekt zur Behandlung von Opfern sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt. In Zusammenarbeit mit dem regionalen Gesundheitsministerium leiten wir vier "Kgomotso Care Centers" (KCC) in den ärmeren Siedlungen in und um Rustenburg herum. Kgomotso bedeutet auf Setswana "Ort des Trostes". In jedem Zentrum betreuen forensisches Pflegepersonal, Berater*innen und Sozialarbeiter*innen, die Klient*innen. Sie behandeln Verletzungen, helfen bei der Prävention von HIV, Geschlechtskrankheiten und ungewollten Schwangerschaften und leisten psychologische Beratung sowie wichtige soziale Unterstützung.

 

Gemeindebasierte HIV-Präventions- und Teststrategien

Ein weiterer Fokus unserer Arbeit liegt auf einem Thema, das in Südafrika epidemische Ausmaße angenommen hat: Das Land hat weltweit die meisten HIV-Patient*innen. Zuletzt konnten wir durch unseren verstärkten Einsatz jedoch einen großen Erfolg erzielen: 2019 erreichte unser großangelegtes kommunales HIV/TB-Projekt in der Provinz KwaZulu-Natal an der Ostküste Südafrikas als erstes die „90-90-90-Ziele“ von UNAIDS, dem Programm der Vereinten Nationen. In Südafrika kennen jetzt 90 Prozent der Menschen, die mit HIV leben, ihren Status, 94 Prozent von ihnen werden mit antiretroviralen Medikamenten behandelt und bei 95 Prozent der Behandelten ist kein HI-Virus mehr im Blut nachweisbar. „Wie wir in Eshowe die 90-94-95 erreicht haben? Durch die Kraft der Zusammenarbeit“, erklärt Musa Ndlovu, unser stellvertretender Koordinator in Eshowe in der Provinz KwaZulu-Natal.

Zu Beginn dieses Projekts konnten sich die Menschen nicht einmal vorzustellen, über HIV zu sprechen. Heute halten die Leute sogar unsere Fahrzeuge an und fragen nach einem HIV-Test. Wir haben es nicht für die Gemeinde getan, sondern mit ihr.

Musa Ndlovu, stellvertretender Koordinator in Eshowe

Der Fokus des Projekts liegt auf gemeindebasierten HIV-Teststrategien und auf der Präventionsarbeit für HIV-gefährdete Gruppen, insbesondere in ländlichen Gebieten. Lokale Helfer*innen führen umfangreiche Tür-zu-Tür-Tests durch und verteilen orale Selbsttest-Kits sowie Verhütungsmittel. Zusätzlich entwickeln wir stetig HIV-Screening-Strategien weiter.