Unsere Hilfe in Südafrika

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Im Juli 2015 weitete Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Südafrika aus: In Rustenburg, einer großen Stadt im Platin-Minengebiet Südafrikas, wurde das Kgomotso-Versorgungszentrum eröffnet. Es bietet medizinische Nothilfe und psychosoziale Versorgung für Opfer sexueller Gewalt.

Die Hilfe in Südafrika im Einzelnen (Auszug):

  • In Rustenburg wurde jede dritte Frau nach eigenen Aussagen zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens vergewaltigt. Seitdem Ärzte ohne Grenzen das Projekt eröffnet hat, haben die Gesundheitsaufklärungsteams mit mehr als 25.000 Erwachsenen und Gymnasiasten über sexuelle und genderbasierte Gewalt gesprochen. Mit diesem Projekt verfolgt Ärzte ohne Grenzen das Ziel, ein umfassendes Gesundheitsversorgungsmodell für Opfer sexueller Gewalt in Südafrika anzubieten. Ärzte ohne Grenzen setzt sich dafür ein, dass diese Hilfe in Südafrika im Rahmen der Basisgesundheitsversorgung von Pflegekräften und Psychologen geleistet und nicht länger als zentralisierte Dienstleistung von Ärzten durchgeführt wird. Zudem ist es extrem wichtig, das öffentliche Bewusstsein für das Thema zu erhöhen und Frauen zu ermutigen, ihr Schweigen zu brechen. Denn erste vorläufige Ergebnisse einer Studie von Ärzte ohne Grenzen zeigen, dass bis zu 30 Prozent der Frauen nach einem sexuellen Angriff keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Im April 2015 reagierte ein Team des Eshowe-Projekts auf den Ausbruch fremdenfeindlicher Gewalt in der Küstenstadt Durban. Mehr als 7.000 Migranten aus Malawi, Simbabwe, Mosambik, Kongo und Burundi flohen und suchten Zuflucht in drei hastig errichteten Vertriebenenlagern. Im Rahmen dieser Hilfe in Südafrika leistete Ärzte ohne Grenzen medizinische Versorgung, psychosoziale Beratung, Wasser- und Sanitärlogistik und koordinierte die Hilfsmaßnahmen mit anderen Organisationen wie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und dem UN-Flüchtlingshilfswerk.
  • Das Projekt „Stop Stock Outs“ (SSP) ist eine zivilgesellschaftliche Initiative, in der Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit anderen Organisationen landesweit die Verfügbarkeit wichtiger Medikamente in den Gesundheitszentren überprüft, die Fehlmengen mit den Gesundheitsbehörden im Blick behält und bei Engpässen für eine schnelle Lösung eintritt. Bei der 7. Südafrikanischen Aids-Konferenz in Durban im Juli 2015 wurde der zweite SSP-Bericht veröffentlicht. Es zeigte sich, dass jede vierte Klinik einen Medikamenten-Engpass erlebt hatte und die medikamentösen Fehlmengen tatsächlich eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit darstellten. Dies könnte den Fortschritt unterminieren, den Südafrikas antiretrovirales Behandlungsprogramm, dem weltweit größten, bislang erreicht hat: Mehr als drei Millionen Patienten erhalten die überlebenswichtige Therapie.
     
  • Ärzte ohne Grenzen setzte auch im Jahr 2015 die HIV-Hilfe in Südafrika fort. In Khayelitsa, am Rande Kapstadts gelegen, läuft das älteste HIV-Projekt der Organisation im Land. Es bietet spezielle Hilfe für Kinder, die nicht auf antiretrovirale Medikamente reagieren, und entwickelt innovative Wege, um HIV-positive junge Leute und Schwangere zu unterstützen. Dieses Projekt gilt als Speerspitze der operationalen Forschung, um HIV-infizierte Neugeborene nach der Geburt zu diagnostizieren und zu behandeln. Ärzte ohne Grenzen liefert die Tests und die Behandlung für HIV und Tuberkulose (TB), da die Koinfektionsraten hoch sind. Vor Kurzem wurde erstmals in Südafrika ein Patient mit extensiv resistenter Tuberkulose mit einer Medikamentenkombination behandelt, die u.a. Delamanid und Bedaquilin enthält, den einzigen neuen TB-Arzneimitteln, die in den vergangenen 50 Jahren entwickelt wurden.
     
  • Im Rahmen der HIV-/TB-Hilfe in Südafrika wurde das Programm in Mbongolwane und Eshowe in der Provinz KwaZulu-Natal fortgesetzt. Ärzte ohne Grenzen testete im Jahr 2015 mehr als 60.000 Personen auf HIV, verteilte rund 750.000 Kondome und unterzog mehr als 3.600 Männern einer freiwilligen Beschneidung, die nachweislich das Risiko einer HIV-Übertragung senkt.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1999 Hilfe in Südafrika an.