Unsere Hilfe in Madagaskar

„Die Menschen, die in teilweise sehr abgelegenen Regionen mit geringer Infrastruktur leben, müssen dringend erreicht werden. Die Uhr tickt“, sagt unsere Nothilfe-Leiterin Bérengère Guais über die wichtige Hilfe angesichts der drohenden Hungersnot.

In diesem Jahr leiden die Menschen in den südöstlichen Regionen Madagaskars unter der schwersten Dürre seit 30 Jahren. Die aktuelle Situation verschärft sich zu einem dramatischen Nahrungsmangel – unsere Teams fürchten, dass eine Hungersnot droht. Die meisten Madagas*innen leben in dem am stärksten betroffenen Gebiet nämlich von der Landwirtschaft. Somit hat die Trockenheit und die dadurch ausbleibende Ernte für sie schwerwiegende Konsequenzen. “Wenn die Saison gut ist, bauen wir Reis und Süßkartoffeln an", sagt Mandilsoa, Vorsteher im Dorf Kapila Fonkontany. "Aber in den vergangenen drei Jahren gab es keinen Regen, deshalb können wir nichts anbauen. Wir hoffen, dass der Regen kommt, sonst werden wir sterben." Auch Sandstürme als Folge von Abholzung haben einen Anteil an der Situation. Sie führen dazu, dass ein überwiegender Teil des Ackerlandes mit Sand bedeckt ist und selbst Nahrungsmittel wie Kaktusfrüchte als letzte Notreserve fehlen. Schließlich haben auch die Folgen der Covid-19-Pandemie Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage der Insel. 

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Ein Anstieg von 80 Prozent bei der Mangelernährung macht Hilfe äußerst dringlich

74.000 Kinder sind akut mangelernährt, 12.000 davon schwer - angesichts dieser dramatischen Situation haben wir unsere Hilfe in Madagaskar im März 2021 wieder aufgenommen. Zuletzt hatten wir die Behörden dort 2017 bei der Bekämpfung einer Lungenpest-Epidemie unterstützt. Jetzt betreiben wir in drei Gemeinden des madagassischen Bezirks Amboasary in der südlichen Region Anosy mobile Kliniken. Dabei konzentrieren wir uns auf die Untersuchung und Behandlung von Menschen mit schwerer und mittelschwerer akuter Mangelernährung.

„Dorf für Dorf war es die gleiche Situation: Keine Nahrung mehr, ausgetrocknete Flüsse, nichts wächst auf den Feldern und man beobachtet verkümmertes Vieh. Den Menschen fehlt einfach die Kraft, weiter zu arbeiten und sie haben zusätzlich Angst vor Plünderern, die sich mit dem Wenigen, das übrig ist, davonmachen“, berichtet unser Logistiker Jean Pletinck. 

An Beratungstagen kommen Hunderte von Menschen in die mobile Klinik. Je nach Gesundheitszustand werden sie in das von uns eingerichtete Ernährungsprogramm aufgenommen: „Bisher haben wir in den drei Gemeinden, in denen wir arbeiten, 4.674 Menschen untersucht und 1.136 Patient*innen in unser Programm aufgenommen - darunter 831 Kinder unter fünf Jahren", erzählt unsere medizinische Notfallkoordinatorin Anne Tilkens. "Von diesen Kindern leidet etwa ein Drittel an schwerer akuter Mangelernährung und zwei Drittel an mäßiger akuter Mangelernährung." (Zahlen Stand 13. April 2021)

Die Situation ist ein Notfall und macht weitere Hilfsmaßnahmen notwendig

Mangelernährung führt zu einem geschwächten Immunsystem, was die Betroffenen besonders anfällig für beispielsweise Durchfall- und Hauterkrankungen macht. Eine der Ursachen für diese Begleiterkrankungen ist die Qualität des wenigen Wassers, das zur Verfügung steht. Oft müssen die Menschen stundenlang laufen, um Wasser zu finden. Zusätzlich zu den Kliniken arbeiten wir daher auch an Maßnahmen in den Bereichen Wasser, Hygiene und sanitäre Einrichtungen, um den Zugang zu Wasser und dessen Qualität zu verbessern.

Da die Lage im Bezirk Amboasary laut der Klassifizierung zu „Phasen der Nahrungsmittelsicherheit“ (IPC)1)  einen Notfall darstellt, ist aber allein die medizinische Behandlung von Mangelernährung nicht ausreichend. Unsere Notfallkoordinatorin Julie Reversé erklärt: „ Es gehört zu den wichtigsten Faktoren von Ernährungsprogrammen, dass die Menschen Zuhause selbst ausreichend Nahrungsmittel haben. Daher prüfen wir gerade, ob wir die Arbeit anderer Akteure bei der Nahrungsmittelverteilung selbst ergänzen können.“ Aufgrund fehlender Mittel hat das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) die täglichen Rationen halbiert. In einige betroffenen Dörfer kommt gar keine Hilfe. Wir fordern: Die Ernährungshilfe muss sofort massiv verstärkt werden. 

1) www.ipcinfo.org

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1987 Hilfe in Madagaskar an.