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Mangelernährung

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Medizinische Hilfe bei Mangelernährung

Ärzte ohne Grenzen behandelt weltweit Menschen bei Mangelernährung, zum Beispiel im Südsudan, in Sierra Leone oder in Indien. Viele unsere Patient*innen sind Kinder. Mangelernährung ist einer der Gründe für eine hohe Kindersterblichkeit. Sie ist für fast jeden zweiten Todesfall bei unter Fünfjährigen verantwortlich. Vor allem in ärmeren Ländern gelingt es oft noch nicht, bedürftigen Kindern Zugang zu einer ausgewogenen, nährstoffreichen und energiereichen Nahrung zu ermöglichen.

Mangelernährung entsteht, wenn Menschen Fette, Kohlenhydrate, Proteine und Nährstoffe nicht oder im falschen Verhältnis zueinander mit ihrer täglichen Ernährung aufnehmen. Mangelernährung kann in jedem Alter auftreten, in ärmeren Ländern sind vor allem Kleinkinder und Frauen betroffen. Weltweit zeigen etwa 224 Millionen Kinder Symptome einer Mangelernährung. Jedes Jahr werden etwa 20 Millionen Babys untergewichtig geboren. Im Jahr 2000 gab es 11,6 Prozent Frauen im gebärfähigen Alter mit Mangelernährung. Im Jahr 2016 traf Mangelernährung weltweit nur noch 9,7 Prozent der Frauen. Jede dritte Frau im gebärfähigen Alter leidet zudem an Blutarmut. Blutarmut ist  häufig eine Folge eines Mangels an Folsäure und Vitamin B12.

Unsere Hilfe

  • 2018 behandelten wir weltweit insgesamt 74.200 Kinder mit Mangelernährung stationär. 132.900 Kinder wurden in ambulante Ernährungsprogramme aufgenommen.
  • Wir beteiligen uns an der Forschung basierend auf unserer Felderfahrung. Bislang haben wir Artikel in über 100 Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Diese Artikel haben oft die klinische Praxis verändert und wurden für die humanitäre Lobbyarbeit genutzt.

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Wissenswertes über Mangelernährung

Wie entsteht Mangelernährung?

Eine Mangelernährung entsteht, wenn Kohlenhydrate, Proteine, Fette und wichtige Mikronährstoffe gar nicht, unzureichend, im Übermaß oder nicht im richtigen Verhältnis zueinander mit der täglichen Nahrung aufgenommen werden. Die Ursachen für eine Mangelernährung sind zahlreich:

  • Armut (vor allem in ärmeren Ländern) und bewaffnete Konflikte
  • Kau- und Schluckbeschwerden
  • Krebs
  • einseitige oder falsche Ernährung
  • Depression
  • soziale Isolation zum Beispiel im Alter

Zu den Mikronährstoffen zählen Vitamine und Mineralien. Sie ermöglichen es dem Körper, Enzyme, Hormone und andere Substanzen zu produzieren, die für ein gesundes langes Leben ebenso wie für eine gute Entwicklung des noch kindlichen Organismus notwendig sind. Da Kinder und Jugendliche bis zum Alter von etwa 20 Jahren wachsen, ist ihr gesamter Organismus auf eine regelmäßige und ausreichende Versorgung mit diesen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen angewiesen. Werden Kindern und Jugendlichen über eine längere Zeit weder ausreichend Energie noch Nährstoffe zugeführt, hat das gravierende Folgen.

Eine chronische Mangelernährung wirkt sich langfristig massiv auf die weitere Entwicklung der Kinder aus:

  • Es kommt zu einem Mangel an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.
  • Das Längenwachstum gerät ins Stocken.
  • Das Körpergewicht nimmt ab.
  • Die Anfälligkeit für Krankheiten wie Durchfall und andere Infektionserkrankungen nimmt deutlich zu.
  • Die physischen und kognitiven Potentiale können nicht ausgeschöpft werden.
  • Das Risiko zu sterben nimmt zu.

Eine Mangelernährung ist jedoch selten ein isoliertes Problem. Kinder mit einer chronischen oder wiederkehrenden Mangelernährung leben meist in einem Umfeld, das durch zusätzliche Probleme gekennzeichnet ist. Dazu zählen

  • schlechte sozioökonomische Bedingungen,
  • eine schlechte Gesundheit der Mutter,
  • eine ungesunde oder unzureichende Ernährung der Mutter,
  • eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten (Mangelernährung ist bei Kindern nachweislich für mehr Krankheiten verantwortlich als jede andere Ursache)
  • eine unangemessene, ungesunde oder unzureichende Ernährung,
  • eine unangemessen Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern im frühen Alter.
  • Vorkommen von Naturkatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen, Erdbeben
  • Unstete Lebensbedingungen durch Bevölkerungswachstum, Diskriminierung, Kriege, Flüchtlingsbewegungen

Besondere Risikogruppen

In nahezu jedem Land auf der Welt gibt es Menschen, die an einer Mangelernährung leiden.
Die Mangelernährung trifft sie in vielen verschiedenen Lebenslagen.
Prinzipiell zählen zu den am meisten gefährdeten Gruppen:

  • Kinder unter fünf Jahren
  • Jugendliche
  • Schwangere
  • stillende Frauen
  • ältere Menschen
  • chronisch Kranke
  • Geflüchtete

Risiko Alter

  1. Eine Mangelernährung wirkt sich einerseits massiv auf die Entwicklung von Kleinkindern aus. Das kritische Alter liegt zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Denn in diesem Alter stillen viel Mütter nicht mehr ausschließlich, sondern sie füttern zu. Muttermilch enthält die natürliche, nötige Zusammensetzung an Energie und allen Mikronährstoffen. Bei Zusatznahrung ist diese Voraussetzung oft nicht gegeben. Zudem besteht neben einer potentiell ungenügenden Zusammensetzung immer das Risiko, dass die Mütter – vor allem in ärmeren Ländern – nicht genug Zusatznahrung für ihre Babys bekommen. Ab dem Zeitpunkt der Zufütterung ist die Gefahr der Mangelernährung daher deutlich erhöht.
  2. Mangelernährung trifft oft auch ältere Menschen, sowohl in ärmeren Ländern wie auch in Industrieländern. Ältere Menschen leben oft sozial isoliert, sind chronisch krank sind mitunter körperlich oder geistig bereits eingeschränkt, so dass sie sich oft nicht mehr um eine tägliche ausgewogene Ernährung kümmern können.

Risiko Armut

Wer arm ist, ist den Risiken der verschiedenen Formen der Mangelernährung weltweit weitaus stärker ausgesetzt als Menschen, die genug Geld haben, um sich ausgewogen zu ernähren und die sozial und finanziell eingebunden sind. Armut verschärft also das Risiko des Einzelnen für eine Mangelernährung immens. Das gilt in Industrienationen wie in ärmeren Ländern.

Chronische Mangelernährung bringt – im globalen Zusammenhang gesehen – aber auch oft Probleme für ganze Gesellschaften mit sich. Denn eine Mangelernährung

  • erhöht die Kosten für die Gesundheitsversorgung,
  • verringert die Produktivität,
  • verlangsamt das Wirtschaftswachstum.

Welche Symptome haben Patient*innen, die an Mangelernährung leiden?

Eine Mangelernährung entwickelt sich nicht über Nacht, sondern setzt eine längere Zeit der unzureichenden Versorgung mit Energie, Protein, Fetten und Nährstoffen voraus. Da Nährstoffe unzählige Funktionen überall im Körper erfüllen, zeigt sich eine Mangelernährung dann mit vielen unterschiedlichen, teils auch unspezifischen Symptomen. Die Folgen der Mangelernährung sind je nachdem, welche Substanzen fehlen, unterschiedlich.

Ein Mangel an Kohlenhydraten führt zu:

  • Kopfschmerzen
  • Kreislaufstörungen
  • mangelnde Konzentrationsfähigkeit
  • Sehstörungen
  • Gewichtsverlust

Ein Mangel an Eiweißen führt zu

  • einer Schwächung des Immunsystems
  • einem Abbau an Muskelmasse
  • Gewichtsverlust
  • Eisenmangel
  • Blutarmut
  • blasser, trockener Haut
  • anhaltender Müdigkeit und Erschöpfung

Ein Mangel an Mikronährstoffen führt zu vielen spezifischen wie unspezifischen Symptomen:

  • Schwächegefühl
  • Müdigkeit
  • Antriebsarmut
  • Gewichtsverlust
  • Appetitlosigkeit mit weiterer Mangelernährung
  • Abbau der Skelettmuskulatur
  • Verlust an Muskelkraft
  • Störungen im Bewegungsablauf
  • Erhöhtes Risiko für Stürze und Knochenbrüche
  • Abnahme der Herzmuskelmasse und der Pumpkraft
  • Herzrhythmusstörungen
  • Atemstörungen
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen
  • Verzögerte und gestörte Wundheilung
  • Erhöhtes Risiko für Druckgeschwüre
  • Neurologische Störungen wie Demenz

Häufige Mangelerkrankungen

Die Bekämpfung der Mangelernährung weltweit in all ihren Formen ist eine der größten globalen Gesundheitsherausforderungen. Vor allem die Nährstoffe Jod, Vitamin A und Eisen sind in Bezug auf die öffentliche Gesundheit weltweit am wichtigsten. Besteht hier eine Mangelernährung, bedroht das die Gesundheit und Entwicklung der betroffenen Bevölkerung immens.

  1. Jodmangel trifft weltweit 200 Millionen Menschen, viele Betroffene leiden an einer vergrößerten Schilddrüse. Jodmangel gibt es vor allem in Gebieten, deren Böden und somit das Grundwasser nur wenig Jod enthalten. Bei Kleinkindern kann es zu Gehirnschäden und irreversiblen Beeinträchtigungen der geistigen Entwicklung kommen. In schweren Fällen verursacht Jodmangel körperliche und geistige Unterentwicklung und Taubstummheit.
  2. Eisenmangel betrifft weltweit etwa zwei Millionen Menschen, vor allem in ärmeren Ländern. Da sich arme Menschen wenig tierische Produkte wie Fleisch leisten können, entfällt eine wichtige Eisenquelle. Infektionskrankheiten und Parasiten tragen zu der so entstehenden Blutarmut bei.
  3. Einen Vitamin A-Mangel gibt es vor allem bei Vorschulkindern, weltweit sind 40 Millionen betroffen. Der Vitamin A-Mangel führt zu Nachtblindheit, Augenödemen, in extremen Fällen zur Erblindung. Der Verlauf von Krankheiten wie Masern, Durchfall und Atemwegsinfektionen verschlimmert sich durch den Vitamin A-Mangel, die Sterblichkeitsrate ist erhöht.
  4. Weitere Mangelkrankheiten, die bei armen Menschen vermehrt auftreten, sind
  • Vitamin-C-Mangel (Skorbut)/li>
  • Niacinmangel (Pellagra)
  • Thiaminmangel (Beri-Beri)
  • Zinkmangel

Wie wird Mangelernährung diagnostiziert?

Eine Mangelernährung hat viele Folgen – und lässt sich anhand vieler verschiedener Faktoren ermessen. Aus Mangel an zuverlässigen messbaren Indikatoren kann der Ernährungszustand beispielsweise einer ganzen Bevölkerungsgruppe aber immer nur geschätzt werden. Dazu werden Faktoren herangezogen wie

  • Nahrungsmittelverzehrmenge
  • Nährstoffversorgung
  • Ernährungsstatus
  • Kindersterblichkeit

Um den Zustand einer Mangelernährung beispielsweise bei Kindern festzustellen, befragen die Ärzt*innen die Mütter zunächst ausführlich zu den Ernährungsgewohnheiten. Danach führen sie eine fundierte körperliche Untersuchung der Kinder durch. Verschiedene Parameter geben einen Überblick über die Ernährungssituation eines Menschen:

  1. Körpergröße
  2. Körpergewicht
  3. Body-Mass-Index (BMI): Dieser Wert ergibt sich, wenn das Körpergewicht (kg) durch das Quadrat der Körpergröße (qm) dividiert wird. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge liegt bei einem BMI von weniger als 18,5 kg/qm eine Mangelernährung vor. Der BMI ist eine Maßeinheit, die vor allem in den Industrienationen als Grad des Ernährungszustands herangezogen wird.
  4. Messung der Oberarmweite mithilfe des sogenannten MUAC-Bands: MUAC (Mid Upper Arm Circumference) bezeichnet den mittleren Oberarmumfang. Mithilfe des speziellen MUAC-Maßbands wird der Ernährungszustand von Kindern in ärmeren Ländern zwischen sechs Monaten und fünf Jahren gemessen. Ärzt*innen legen dabei das Band um den Oberarm der kleinen Patient*innen, ziehen das Ende durch den dafür vorgesehenen Schlitz und lesen den Umfang ab. Je nach Oberarmumfang zeigt die Farbskala des Bandes eine andere Farbe an:  
  • Rot (< 11,5 cm): akute Mangelernährung
  • Orange (11,5-12,5 cm): Mangelernährung
  • Gelb (12,5-13,5 cm): Gefahr für Mangelernährung
  • Grün (>13,5 cm): normaler Ernährungszustand

Wie wird Mangelernährung behandelt?

Eine schwere akute Mangelernährung ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der dringend behandelt werden muss. Die Therapie einer Mangelernährung kann mehrere Monate andauern und bei schweren Formen einen stationären Aufenthalt der Patient*innen auf einer Intensivstation erfordern. Die meisten Betroffenen von Mangelernährung werden heute aber ambulant und zuhause von ihren Familien behandelt – und dann zu Folgeterminen in eine Klinik bestellt. Diese Strategie führt bei mehr als 90 Prozent der Patient*innen zu einem normalen Ernährungsstatus und der Entlassung aus einer stationären Behandlungssituation.

Basis der Therapie der Mangelernährung ist meist die sogenannte RUTF-Nahrung (Ready To Use Therapeutic Foods, RUFT). RUTF beinhaltet Pasten und Kekse auf Erdnussbasis, die einen hohen Nährstoff- und Proteingehalt haben und somit viel Energie liefern. Mit RUTF können heute Millionen Kinder mit Mangelernährung, die älter als sechs Monate sind, aber noch keine medizinischen Komplikationen haben, ambulant behandelt werden.

Die therapeutische Fertignahrung ist unkompliziert und

  • wird verbrauchsfertig produziert,
  • muss nicht gekühlt oder gekocht werden,
  • kann umgehend verzehrt werden,
  • enthält kein Wasser. Das Risiko, dass mit der Nahrung neue, zum Beispiel bakterielle Erreger übertragen werden, ist somit deutlich reduziert.

Bei Mangelernährung sind mehrere kleine Mahlzeiten im Tagesverlauf sinnvoller als drei große. Die Patient*innen sollten zudem ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Mitunter lässt sich eine schwere Mangelernährung auch nur durch eine bilanzierte Trinknahrung beheben. Diese enthält alle lebensnotwendigen Nährstoffe in ausreichenden Mengen und kann sowohl zur alleinigen Ernährung als auch ergänzend zur normalen Kost eingesetzt werden.

Im Jahr 2018 behandelte Ärzte ohne Grenzen weltweit insgesamt 74.200 Kinder mit Mangelernährung stationär. 132.900 betroffene Kinder wurden in ambulante Ernährungsprogramme aufgenommen. In diesen Projekten besuchen mobile Teams von Ärzte ohne Grenzen abgelegene Gesundheitszentren. In jedem Dorf ist die Prozedur dieselbe: Die Mütter stellen ihre Kinder vor. Jedes Kind wird gewogen, gemessen und gründlich untersucht. Die Kinder, die zum ersten Mal kommen, werden auf Malaria getestet. Wenn nötig, erhalten die Patient*innen zusätzlich Medikamente, die vom Apotheker des mobilen Teams ausgehändigt werden. Schließlich erhält jede Mutter eine Wochenration der therapeutischen Fertignahrung für ihr Kind.

Vorbeugung der Mangelernährung

Die Mangelernährung von beispielsweise Kindern in ärmeren Ländern hängt maßgeblich von dem Zugang zu ausreichend Nahrungsmitteln ab. Dieser Zugang ist in vielen Regionen auch von saisonalen Bedingungen wie zum Beispiel der Regenzeit abhängig. In einigen Regionen führen die Teams von Ärzte ohne Grenzen daher Projekte zur Prävention von Mangelernährung durch. Die vorbeugenden Projekte verhindern, dass Kinder zum Beispiel nach einer jährlichen „Hungerlücke“ erkranken. Das ist die heikle Zeit, in der die Nahrungsmittelvorräte aufgebraucht sind und man darauf wartet, dass die neue Ernte eingebracht wird. Die Teams richten dann vor der Regenzeit Ambulanzen ein. In Gegenden beispielsweise in Afrika und Asien, wo mit schweren Verläufen von Mangelernährung zu rechnen ist, verteilen die Teams von Ärzte ohne Grenzen Nahrungsergänzungsmittel an gefährdete Kinder.