Unsere Hilfe in Jordanien

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Arbeitsauflagen und eine Verringerung der internationalen Finanzhilfe erschweren in Jordanien Flüchtlingen aus Syrien den Zugang zu medizinischer Versorgung.

Unsere Hilfe in Jordanien im Einzelnen (Auszug):

  • Seit Dezember 2014 mussten in Jordanien Flüchtlinge aus Syrien für medizinische Hilfe in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen bezahlen. Doch ihre finanziellen Mittel schwinden, da sie keine legale Arbeitserlaubnis erhalten. Gleichzeitig haben internationale Geberländer ihre Finanzmittel gesenkt. Und das, obwohl Jordanien als eines der wenigen stabilen Länder in der Region nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks mehr als 600.000 syrische Geflüchtete registriert hat und die Infrastruktur des Landes daher unter ungeheurem Druck steht. 
  • Es gibt einen riesigen Behandlungsbedarf im Bereich chronischer Krankheiten. Ärzte ohne Grenzen weitete daher 2015 in Jordanien für Flüchtlinge aus Syrien und bedürftige Jordanier ein Projekt zur Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, Herzkreislaufstörungen und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung aus. In der Provinz Irbid wurden die Aktivitäten in der öffentlichen Basisgesundheitsklinik in Ibn Sina fortgesetzt. Eine zweite Klinik in Ibn Rushd wurde gemeinsam mit einer lokalen Organisation im April 2015 eröffnet, und im August wurden Hausbesuche eingeführt. Bis zum Jahresende führten die Teams mehr als 20.000 Konsultationen für neue Patientinnen und Patienten in diesen Kliniken durch.
  • Ein Mütter- und Säuglingsprojekt von Ärzte ohne Grenzen wurde im Januar 2015 in eine Fachklinik verlegt. Ab Februar konnten dort auch Kaiserschnitte erfolgen. Bis Dezember hatten die Teams mehr als 3.900 Schwangere aufgenommen und bei rund 3.400 Geburten geholfen. Sie führten auch psychologische Gespräche mit 274 Patientinnen. Drei Viertel von ihnen waren Augenzeugen eines gewaltsamen Todes geworden, und ein Drittel hatte einen nahen Familienangehörigen verloren und/oder ihr Zuhause wurde zerstört. Die Neugeborenen-Intensivstation wurde 2015 auf acht Betten erweitert sowie auf vier Inkubatoren und vier Gitterbetten. Im September behandelte das Team erstmals einen Säugling mit nasaler kontinuierlicher positiver Überdruckbeatmung. Insgesamt wurden 498 Babys auf der Intensivstation behandelt.
  • Da Ärzte ohne Grenzen weiterhin im Al-Ramtha-Regierungshospital, Provinz Irbid, tätig war, konnten in Jordanien Flüchtlinge aus Syrien, die schwer kriegsverletzt waren, nahe der syrischen Grenze behandelt werden. Gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden leisteten die Teams chirurgische Nothilfe und allgemeinmedizinische stationäre Hilfe. Sie boten zudem Physiotherapie und psychologische Hilfe an. In der Notaufnahme wurden im Jahr 2015 insgesamt 863 Verletzte behandelt, von denen 315 operiert werden mussten. Außerdem führten die Teams 1.600 psychologische Einzelgespräche. Ärzte ohne Grenzen unterstützte eine postoperative Einrichtung mit 40 Betten im Flüchtlingslager Zaatari, Provinz Mafraq. Sie nimmt Patientinnen und Patienten aus Al-Ramtha und anderen jordanischen Krankenhäuser auf, damit sie dort nachversorgt werden und gesunden können. Die Teams führten dort im Jahr 2015 zudem 1.540 psychologische Einzelgespräche durch.
  • Das rekonstruktive chirurgische Projekt bietet in Jordanien Flüchtlingen aus benachbarten Ländern, die schwer kriegsverletzt sind, fachchirurgische Hilfe an. Im Februar zog das Krankenhausprojekt in Amman in ein neues Hospital um. Das Team führte im Verlauf des Jahres 880 chirurgische Eingriffe durch: im Bereich Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie sowie Orthopädie und plastische Chirurgie. Außerdem erhielten die Patienten physiotherapeutische und psychologische Unterstützung. Ein Netzwerk von Ärzten in der Region überweist die Schwerverletzten: 2015 kamen 58 Prozent aus Syrien, 30 Prozent aus Irak und sieben Prozent aus Palästina. Ärzte ohne Grenzen eröffnete ein voll ausgestattetes mikrobiologisches Labor im Krankenhaus, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit infizierten Verletzungen zu verbessern. Es kommen häufig Infektionen vor, deren Erreger gegen die üblichen Antiobiotika resistent sind. Dies ist eine große medizinische Herausforderung in der Region. Das neue Labor wird dazu beitragen, dass Patienten mit Kriegsverletzungen, die infektiöse Komplikationen aufweisen, besser behandelt werden können.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2006 Hilfe in Jordanien an.