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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Belarus (Weißrussland)

Die aktuelle Situation in Belarus

Seit Juni 2021 sind Geflüchtete auf einer Route über Belarus in die Europäische Union unterwegs. Sie versuchen, die Grenzen nach Polen, Litauen oder Lettland zu überqueren, um Asyl zu beantragen. Für viele endet die Flucht an der Grenze zwischen Belarus und Polen. Noch immer sitzen Menschen bei Wintertemperaturen ohne humanitäre und medizinische Unterstützung fest. Doch auch wir können sie nur in sehr begrenztem Umfang erreichen, da wir beispielsweise keinen Zugang zu den Sicherheitszonen erhalten – eine Ausnahme bilden lediglich die Grenzposten in Litauen. 

Aufgrund der dreimonatigen Blockade durch polnische Behörden mussten wir uns trotz des Bedarfs an medizinischer Hilfe aus dem Grenzgebiet in Polen zurückziehen. Wir befürchten, dass angesichts sinkender Temperaturen weitere Menschen sterben. In Belarus und Litauen setzen wir unsere Hilfe fort. 

In Belarus sind wir seit 2015 im Einsatz und behandeln dort vor allem Menschen, die an Tuberkulose erkrankt sind. Wir versuchen verbesserte Therapien für Patient*innen mit multiresistenter Tuberkulose zu finden, die bislang langwierige und mit äußerst problematischen Nebenwirkungen einhergehende Behandlungen durchlaufen mussten.

Unsere Hilfe in Belarus, Litauen und Polen 

  • In Belarus leisten wir weiterhin Spontanhilfe für Geflüchtete, die sich im Land verstreut aufhalten.   

  • In Litauen unterstützten wir unter anderem zwischen dem 11. Oktober und 23. November 121 Menschen psychologisch. Wir verteilten zudem Hilfsgüter wie Hygiene- und Kochutensilien und Kleidung.  

Fluchtroute über Belarus endet an der Grenze

Die Geflüchteten kommen aus dem Irak, aus Syrien, Afghanistan und weiteren Ländern. Sie versuchen, die Grenzen nach Polen, Litauen oder Lettland zu überqueren, um Asyl zu beantragen, doch ihre Flucht endet an der Grenze zwischen Belarus und Polen. Unter anderem Politiker*innen verschiedener EU-Länder beschuldigen den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko, er ermutige die Menschen dazu, sich auf diesen Weg zu machen, um die EU zu destabilisieren.

Gewalttätige Auseinandersetzungen 

Im November eskalierte die Situation als einige Tausend Menschen an der polnischen Grenze ankamen und das Militär versuchte, sie an einem Grenzübertritt zu hindern. Die Menschen harrten dort tagelang bei kalten Temperaturen aus. Sie hatten kaum eine Möglichkeit, an Wasser und Nahrungsmitteln zu gelangen oder sich medizinisch versorgen zu lassen. Meldungen zufolge kamen an der Grenze zwischen August und Ende November 2021 mindestens 15 Menschen ums Leben. Es wird vermutet, dass es weitere Tote gab.

Schutzlos bei Wintertemperaturen  

Inzwischen wurden in Belarus wohl 800 Geflüchtete in einem Warenlager in Bruzgi untergebracht. Immer noch sitzen Menschen zwischen der belarussischen und polnischen Grenze fest. Keines der beiden Länder erlaubt ihnen den Grenzübertritt. Geflüchtete halten sich an verschiedenen Orten in Belarus auf, wo sie in den Wäldern immer kälter werdenden Temperaturen ausgesetzt sind. Auch in den Wäldern in Polen und/oder in Litauen verstecken sich noch Menschen. Sie haben Angst nach Belarus zurückgeschickt zu werden und Gewalt ausgesetzt zu sein. Sie haben praktisch keine Möglichkeit, humanitäre und medizinische Hilfe zu erhalten.

  • 79.6
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 69.7
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 46
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 1.5
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Unsere Hilfe in Belarus 2020

  • 43 Neubehandlungen von Tuberkulose
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Tuberkulose Patientin Ludmila und Arzt Begimkul im Gespräch, Minsk
Unser Arzt Begimkul besucht seine Patientin Ludmila, die wegen Tuberkulose in Minsk behandelt wird.
©Viviane Dalles

Tuberkulose behandeln und innovative Therapien erforschen

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Behandlung von Tuberkulose in Minsk
Dmitry, ein Patient des Tuberkulose-Behandlungszentrums in Minsk, spricht mit unserem Mitarbeiter Andrey. Seit 7 Monaten ist er dort in Behandlung. Das Bild entstand im August 2018.
©Viviane Dalles

Im Jahr 2020 unterstützten wir weiterhin die Behörden bei der Tuberkulose-Behandlung in vier öffentlichen Kliniken der Hauptstadt Minsk sowie in zwei anderen Städten. Die Teams boten Patient*innen, die an resistenten Tuberkuloseformen erkrankt waren, medizinische und psychologische Dienste an. Zudem versorgten sie in der Strafkolonie in Orsha Häftlinge, die unter resistenter Tuberkulose oder Begleitinfektionen litten.   

Minsk gehört auch zu den fünf Standorten, an denen Ärzte ohne Grenzen eine Studie, genannt TB-PRACTECAL, betreute. Wir erforschten 2020 kürzere Behandlungszeiten und innovative Medikamentenregime gegen multiresistente Tuberkulose. Die betroffenen Patient*innen müssen bislang eine über viele Monate bis zu mehr als zwei Jahre andauernde langwierige Therapie durchstehen. Die Nebenwirkungen der Arzneimittel sind oftmals schwerwiegend, sie können unter anderem Depressionen, Psychosen oder Nierenversagen verursachen. Unser Ziel ist es, die Therapie für die Menschen kürzer und erträglicher zu machen.

 

10.01.2022