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Belarus

Polen: Behörden blockieren humanitäre Hilfe für Geflüchtete

Amsterdam/Berlin, 6. Januar 2022. Nach dreimonatiger Blockade durch die polnischen Behörden hat Ärzte ohne Grenzen sich aus der Grenzregion zwischen Polen und Belarus zurückgezogen. Das Nothilfeteam sollte Geflüchtete und Migrant*innen auf polnischer Seite unterstützen. Die polnischen Behörden hatten der Organisation mehrfach den Zugang zum Waldgebiet der Grenzregion untersagt, in dem zahlreiche Menschen bei Minusgraden ausharren und dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.   

Teams von Ärzte ohne Grenzen in Belarus, Litauen und Polen ist es nicht gelungen, eine Genehmigung für den Zugang zum Grenzgebiet eines der drei Länder zu erhalten, obwohl sie sich wiederholt an die jeweiligen Behörden gewandt haben. „Wir wissen, dass immer noch Menschen die Grenze überqueren, sich in den Wäldern verstecken und Unterstützung brauchen”, sagt Frauke Ossig, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen für Polen und Litauen. „Unser Ziel ist es, Menschen auf der Flucht zu helfen, wo auch immer sie sich befinden. Doch die Menschen in Polen konnten wir nicht erreichen.” 

Seit Juni 2021 haben Tausende Menschen versucht, von Belarus aus nach Polen, Litauen und Lettland und damit in die EU einzureisen. Als Reaktion darauf hat Polen Grenzzäune errichtet, Militär entsendet und den Ausnahmezustand über das Grenzgebiet verhängt. Die Region wird engmaschig überwacht und der Zugang ist stark eingeschränkt, auch für Hilfsorganisationen, Freiwilligengruppen und Medien. 

Ärzte ohne Grenzen hat aus erster Hand zahlreiche Berichte über Gewalt gehört sowie Fälle gesehen, die von Diebstahl und Zerstörung von Hab und Gut über Einschüchterungen bis hin zu vorsätzlicher Gewalt und körperlichen Übergriffen auf allen Seiten der Grenze reichen. Obwohl Menschen von Grenzsoldaten angegriffen und geschlagen werden, lassen die Behörden weiterhin zu, dass Flüchtende zwischen den Ländern hin- und hergeschoben werden. Aus Angst vor solchen „Pushbacks" versuchen Frauen, Männer und Kinder sich unentdeckt durch das Gebiet zu schlagen und verstecken sich bei extremen Wintertemperaturen ohne Nahrung, Wasser, Unterkunft oder warme Kleidung in den Wäldern. Mindestens 21 Menschen haben dabei im Jahr 2021 ihr Leben verloren.    

Solange unparteiische, nichtstaatliche Akteure diese Menschen nicht mit Hilfsgütern und medizinischer Versorgung erreichen können, wird es bei sinkenden Temperaturen wahrscheinlich zu weiteren Todesfällen kommen, und es bleibt weitgehend den Bewohner*innen der Sperrgebiete überlassen, den Menschen auf der Flucht zu helfen. 

Ärzte ohne Grenzen beendet den Einsatz in der Grenzregion zwischen Polen und Belarus, bleibt aber weiterhin in Polen aktiv. Die Organisation ist dabei, ein Büro in der polnischen Hauptstadt Warschau zu eröffnen. Teams von Ärzte ohne Grenzen unterstützen außerdem Geflüchtete und Migrant*innen in Litauen und Belarus.

Für weitere Auskünfte sprechen Sie uns an

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Holger Vieth
- Pressestelle