Unsere Hilfe in Niger

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen konzentrierte im Jahr 2015 die Hilfe in Niger auf einen schweren Ausbruch von Meningitis. Zudem kämpfte das Land aufgrund von Gewalt mit steigenden Flüchtlings- und Vertriebenenzahlen.

Die Hilfe in Niger im Einzelnen (Auszug):

  • Im Rahmen der Hilfe in Niger wurde Ärzte ohne Grenzen vor allem in der Region Diffa tätig: Die gewalttätigen Aktivitäten der Gruppe Islamischer Staat der Westafrikanischen Provinz (ISWAP), auch Boko Haram genannt, führten im benachbarten Nigeria dazu, dass viele Menschen in die nigrische Grenzregion Diffa flohen. Es kam auch zu direkten Angriffen in Diffa. Die militärische Reaktion der Regierung führte zu weiteren Vertreibungen. Bis zum Jahresende lebten mehr als 300.000 Rückkehrer, Flüchtlinge und Vertriebene in der Region Diffa unter prekären Bedingungen ohne Zugang zur Gesundheitsversorgung. Gemeinsam mit den Behörden arbeiteten die Teams von Ärzte ohne Grenzen im wichtigsten Gesundheitszentrum für Schwangere und Kinder in Diffa. Zudem umfasste die Hilfe in Niger auch die Unterstützung des Bezirkskrankenhauses in der Stadt Nguigmi sowie mehrerer Gesundheitszentren in Nguigmi und Bosso, die zum Bezirk Diffa gehören. Die Teams boten auch medizinische Hilfe sowie Wasser- und Sanitäraktivitäten im Lager Assaga an, in dem 12.000 nigerianische Flüchtlinge lebten, sowie in Yebi, wo 30.000 Menschen Zuflucht gesucht hatten. Ärzte ohne Grenzen gab in der Region mehr als 142.000 medizinische Sprechstunden. Im Lager Assaga wurden zudem 2.700 Kinder gegen Masern geimpft. In den Ortschaften Gueskerou, Bosso, Chetimari, Gagamari, Assaga, Diffa, Damasak und Djamena verteilen sie mehr als 2.500 Kits mit Hilfsgütern.
  • Die Cholera-Nothilfe, die im Dezember 2014 in der Region Diffa begonnen hatte, lief bis Mitte Januar. Die Teams hatten zwei Cholera-Behandlungszentren in der Stadt Diffa und in Chetimari eröffnet, die eine Kapazität von 130 Betten hatten. Insgesamt wurden 260 Patienten behandelt
  • Die Hilfe in Niger konzentrierte sich zwischen April und Juni 2015 auf den schweren Ausbruch einer Meningitis-Epidemie. Die Teams starteten eine Impfkampagne in Dogondoutchi und Gaya, Region Dosso, für 101.500 Kinder im Alter von zwei bis 14 Jahren. Zudem behandelten sie rund 900 Patientinnen und Patienten, verteilten Medikamente gegen Meningitis an die Gesundheitszentren der Region und unterstützten in der Hauptstadt Niamey ein Krankenhaus mit 430 Betten sowie zehn Kliniken. Allein in Niamey behandelte Ärzte ohne Grenzen mehr als 4.800 Personen. Zum Jahresende kam es erneut zu Meningitis-Fällen in einigen Landesteilen.
  • Region Maradi: Im Rahmen der Hilfe in Niger betreute Ärzte ohne Grenzen in zwei Bezirken umfangreiche Projekte, um schwer mangelernährte Kinder zu behandeln. Die Teams arbeiteten in elf Gesundheitszentren sowie in den Ernährungszentren der Bezirkskrankenhäuser, in denen sie auch die pädiatrische und neonatale Abteilung betreuten. Zudem bekämpften sie Malaria, indem sie Moskitonetze verteilten, die saisonale Malaria-Chemoprävention verabreichten – einer wiederholten Gabe von prophylaktischen Antimalariamitteln – und ambulant unkomplizierte Fälle behandelten. Im Bezirk Madarounfa unterstützte Ärzte ohne Grenzen vier zusätzliche Gesundheitszentren während des Höhepunktes der Malaria-Epidemie. Die Teams hielten fast 10.000 Konsultationen ab. Sie errichteten auch eine temporäre Malaria-Station, um Kinder zu behandeln, die unter einer schweren und komplizierten Malaria litten. Im Bezirk Guidan Roumdji unterstützte Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus das Labor sowie die Blutbank und übergab Ende März 2015 vier der fünf betreuten Gesundheitszentren an die Behörden.
  • Region Tahoua: In zwei Bezirken umfasste die Hilfe in Niger auch die medizinische Versorgung von mangelernährten Kindern. Die Teams betreuten elf ambulante und stationäre Ernährungszentren sowie die pädiatrischen Stationen der jeweiligen Bezirkskrankenhäuser. In Madaoua untersuchten Gemeindegesundheitshelfer in 80 Dörfern Kinder auf schwere akute Mangelernährung. Zudem wurden sie auf HIV getestet. In Bouza führte Ärzte ohne Grenzen eine umfangreiche präventive und kurative Versorgung für Kinder unter zwei Jahren ein. Gleichzeitig wurden die Haupttodesursachen bekämpft, indem die Kinder geimpft wurden und ergänzende Nahrungsmittel erhielten. Die Teams verabreichten zudem Mittel gegen Wurmerkrankungen und Malaria-Prophylaxe.
  • Region Zinder: In Magaria war die Malaria-Epidemie auf ihrem Höhepunkt besonders heftig. Die Hilfe in Niger konzentrierte sich hier auf elf ambulante Ernährungszentren sowie das stationäre Ernährungszentrum und die pädiatrische Station des Bezirkskrankenhauses, in dem im Oktober 2015 insgesamt 800 Kinder versorgt wurden. Zudem belieferten die Teams sieben Gesundheitszonen mit Impfstoffen gegen die häufigsten Kinderkrankheiten und mit der saisonalen Malaria-Chemoprävention. In der Stadt Zinder unterstützten sie die stationäre pädiatrische Station im Nationalen Krankenhaus und ein stationäres Ernährungszentrum. Zudem behandelte Ärzte ohne Grenzen mangelernährte Kinder in Chare Zamna. Die Aktivitäten wurden durch finanzielle Hilfe, Training für das Personal und medizinische Spenden an das Krankenhaus ergänzt, bevor sie Schritt für Schritt an die Behörden übergeben wurden. In der Gesundheitszone Dossono fokussierte ein Team die Hilfe in Niger auf die häusliche Wasserversorgung in 89 Dörfern. Davon profitierten 17.000 Kinder und insgesamt 52.300 Personen.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1985 Hilfe in Niger an.