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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Niger

  • 63.6
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 61.3
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 1469
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 26.8
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Der Niger liegt am südlichen Rand der Sahara und ist Teil der Sahelzone. Diese Region ist besonders stark von multiplen Krisen betroffen. Ein Problem ist unter anderem die extreme Trockenheit, die sich durch die aktuelle Klimakrise weiter verschärft. Insbesondere zwischen Mai und September kämpfen die Menschen regelmäßig mit saisonal bedingter Dürre und Nahrungsmittelknappheit. Zusätzlich leiden sie seit Jahren unter den Folgen gewaltsamer Zusammenstöße zwischen bewaffneten Gruppen, wodurch es zu Vertreibungen kommt Niger ist auch ein Transitland für Menschen, die aus Libyen fliehen. Außerdem werden immer wieder Migrant*innen von Algerien aus in das Niemandsland der Grenzregion zu Niger illegal abgeschoben. Um die Gesundheitsversorgung dieser besonders vulnerablen Menschen, aber auch der Bevölkerung im Allgemeinen zu unterstützen, bieten wir in vielen Teilen des Landes integrierte Gedundheitsprogramme an. Unter unseren Patient*innen sind auch sehr viele Kinder. Wir arbeiten in den Gemeinden vielfach mit dem dortigen Gesundheitspersonal zusammen.

Unsere Hilfe in Niger 2020

  • 681.161 ambulante Behandlungen
  • 291.618 Malaria-Behandlungen
  • 55.295 Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert
  • 26.995 Kinder Kinder in ambulanten Ernährungsprogrammen

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1985 medizinische Hilfe in Niger an.

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Ausgeliefert auf der Suche nach Schutz 

In der Sahelzone grenzen die südwestlichen Regionen des Niger, Tillabéri und Tahoua, an Mali und Burkina Faso. In allen drei Ländern kämpfen die Menschen mit Krisen, Vertriebene fliehen im Dreiländereck oftmals von einem in das andere Land und auch zurück. Im Niger wurden mehr als 97.000 Menschen infolge gewaltsamer Konflikte zwischen bewaffneten nichtstaatlichen Gruppen und dem nigrischen Militär vertrieben. Auch in der südöstlichen Region Diffa bleibt die Sicherheitslage nach wie vor angespannt.  

Niger ist darüber hinaus ein wichtiges Transitland für Migrant*innen, Asylsuchende und andere Menschen, die aus Libyen fliehen und versuchen, die Sahara in Richtung Norden zu durchqueren oder die aus Algerien abgeschoben werden. Hunderttausende nehmen jedes Jahr den gefährlichen Weg durch die Wüstenregion Agadez im Norden des Niger. Kriminelle Banden machen daraus ein Geschäft, bei dem viele in den Sanddünen der Ténéré-Wüste ihr Leben verlieren.

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Ein Raum ohne Fenster, in dem Menschen auf Decken auf dem Boden liegen oder herumstehen
Junge Geflüchtete in einem von uns unterstützten Gesundheitszentrum in Assamaka.
©Mariama Diallo/MSF

Sie durchsuchten uns und zogen uns die Unterwäsche aus – das war erniedrigend. Ich hatte 2.500 Euro bei mir, und die Beamten nahmen alles mit. Sie schlugen mich so brutal, dass ich ins Krankenhaus musste. 

Traoré ya Madou, Geflüchteter in Assamaka (Agadaz), Niger 

 

Trotz der Schließung der Grenze während der Pandemie setzte sich die systematische und illegale Abschiebung von Migrant*innen aus Algerien nach Niger auch 2020 fort. Unsere Teams in Agadez spendeten lebenswichtige medizinische Hilfsgüter, leisteten psychosoziale Unterstützung und führten Such- und Rettungsaktionen nach Migrant*innen durch, die sich in der Wüste verirrt oder aufgegeben hatten.

Unsere Hilfe zur Eindämmung von Covid-19 

Die ersten Monate des Jahres sind für unsere Teams in Niger normalerweise die arbeitsärmsten. Ab März 2020 intensivierte sich unsere Arbeit im Land mit der Ausbreitung von Covid-19.  In der Hauptstadt Niamey traten die meisten Infektionen auf, daher bauten wir ein Behandlungszentrum, um die Patient*innen. Wir unterstützen auch das Covid-19-Callcenter in Niamey und einige Gesundheitseinrichtungen in anderen Großstädten.   

Unsere Teams beobachten in den Gemeinden beim Thema Covid-19-Impfungen immer wieder eine gewisse Unsicherheit. Diese überträgt sich auch auf andere wichtige Impfkampagnen, wie die von uns ausgeführten Auffrischungsimpfkampagne gegen Masern. Gerüchte und Falschinformationen, die seit vergangenem Jahr rund um den Coronavirus-Impfstoff kursieren, sind die häufigste Ursache hierfür. Das war vor der Covid-19-Pandemie nicht vorgekommen und mindert bisherige Erfolge gegen Masern- und Meningitis-Epidemien.

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Dr. Maman Karsou
Unser Notfallkoordinator in Niger, Dr Maman Karsou.
©Mario Fawaz/MSF

Während sich die Welt mit Covid-19 auseinandersetzt, können wir nicht zulassen, dass die Anstrengungen, die über Jahre hinweg bei der Bekämpfung anderer Epidemien in Ländern wie Niger unternommen wurden, umsonst waren. 

Dr. Maman Karsou, 
Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen

Aufklärungsarbeit rund um Falschinformation zu den Corona-Impfstoffen ist deshalb auch ein verstärktes Anliegen von Dr. Karsou und seinem Team. “Die Verantwortung liegt bei allen: den Gemeinden, den Behörden, den medizinischen und humanitären Organisationen und den Gebern.”

Prävention gegen Malaria und Mangelernährung 

Ein Fokus unserer Arbeit im südlichen Niger liegt auf der Behandlung von Malaria und Mangelernährung. Jährlich sind rund eine Million Kinder von akuter Mangelernährung betroffen, für rund 50.000 von ihnen endet die Krankheit tödlich. Insbesondere zwischen Juni und November - während der Regenzeit - kommt es zu einem sprunghaften Anstieg von Malariainfektionen. Zur gleichen Zeit müssen wir auch vermehrt mangelernährte Kinder in unseren Einrichtungen behandeln. 

Bereits seit 2005 arbeiten wir mit dem nigrischen Gesundheitsministerium zusammen, um Kinder gegen Malaria zu impfen und mittels Screenings auf Mangelernährung zu testen. Um die Zahl der Patient*innen mit Komplikationen zu reduzieren, konzentrieren wir uns weiterhin auf die Entwicklung präventiver und dezentralisierter Ansätze. Wir schulen nigrische Gesundheitsberater*innen, damit sie unkomplizierte Malariafälle testen und behandeln, Ernährungsscreenings vornehmen und leichte Durchfallerkrankungen bei Kindern behandeln können.  

Niger hat in den vergangenen zehn Jahren bemerkenswerte Fortschritte bei der Senkung der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren gemacht, aber Mangelernährung und Malaria - die Hauptursachen für den Tod von Kindern - sind weiterhin weit verbreitet.

 

29.07.2021