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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Nigeria

  • 55.6
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 53.8
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 2448
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 47.2
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2019

Nigeria liegt südlich der Sahara. Im Nordosten des Landes befindet sich der Tschadsee, eine Krisenregion, die sich über insgesamt vier Länder erstreckt. Seit mehr als zehn Jahren herrscht ein gewaltsamer Konflikt zwischen der nigerianischen Regierung und bewaffneten Gruppen – mit dramatischen Folgen: Tausende Menschen wurden getötet oder starben infolge von Mangelernährung, Masern und Malaria. Die UNO schätzt, dass heute mehr als zwei Millionen Menschen als Binnenvertrieben im Land leben und rund sieben Millionen zum Überleben auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Es fehlt an Lebensmitteln, Wasser, Unterkünften und medizinischer Versorgung.

Unsere Hilfe in Nigeria 2019

  • 287.200 ambulante Sprechstunden
  • 64.600 stationäre Aufnahmen
  • 53.300 Malariabehandlungen
  • 18.900 Entbindungen
  • 18.600 psychologische Einzelgespräche
  • 12.400 Aufnahmen von Kindern in ambulante Ernährungsprogramme
  • 9.200 Aufnahmen von Kindern in stationäre Ernährungsprogramme
  • 8.200 Masernbehandlungen bei Kindern
  • 290 Behandlungen von hämorrhagischem Fieber

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1996 Hilfe in Nigeria.

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Auf der Flucht im eigenen Land

Neben der Krisenregion um den Tschadsee sind auch im Bundesstaat Benue im Südosten Nigerias Menschen auf der Flucht vor bewaffneten Konflikten. 2018 mussten Tausende Menschen aufgrund des Konflikts zwischen Hirten und Bauern ihre Heimatorte verlassen. Die fragile Sicherheitslage hindert sie an einer Rückkehr in ihre Dörfer. Nur etwa die Hälfte der Vertriebenen lebt in offiziellen Lagern in und um Makurdi herum, alle anderen leben in informellen Siedlungen. Krankheiten wie Malaria, akuter wässriger Durchfall oder Krätze sind ein ständiges Gesundheitsrisiko.

Dort, wo es keine festen Unterkünfte gibt, leiden unsere Patient*innen an Atemwegsinfektionen. Wir sehen Probleme wie unsachgemäße Abfallentsorgung, Überbelegung und stehendes Wasser, in dem sich Moskitos vermehren können.

 

Sauberes Trinkwasser und Unterkünfte für Vertriebene

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit in Nigeria liegt auf einer Verbesserung der Lebensqualität in den Camps. Wir unterstützen das nigerianische Gesundheitsministerium, indem wir für die Vertriebenen sowie Menschen aus den umliegenden Gemeinden kostenlose medizinische Grundversorgung anbieten. Patient*innen in kritischem Zustand überweisen wir zur fachärztlichen Behandlung ins Krankenhaus. In solchen Fällen übernehmen wir die Kosten für den Eingriff und alle notwendigen Medikamente, da öffentliche Gesundheit in Nigeria nicht kostenlos ist und viele Menschen sich die Behandlung nicht leisten können.

Per LKW liefern wir sauberes Trinkwasser in die Camps. Darüber hinaus verteilen wir lebenswichtige Hilfsgüter wie Hygiene-Sets und bauen Latrinen und Duschen. In einem Lager haben wir Hunderte von Unterkünften gebaut, um die Bewohner*innen vor Regen und Wind zu schützen.

 

Noma: eine vergessene Krankheit

Die meisten Menschen haben noch nie von dieser Krankheit gehört: Noma, eine schwere bakterielle Infektion mit extremen Folgen. Unbehandelt überlebt nur eine von zehn erkrankten Personen. Bei den Überlebenden bleiben schwere Knochen- und Gewebeschäden im Gesicht zurück, die nur durch umfangreiche chirurgische Eingriffe rekonstruiert werden können.

Die Erkrankung steht in engem Zusammenhang mit extremer Armut. Sie betrifft Familien, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben und deren Kinder mangelernährt sind. Auch Vorerkrankungen wie Masern oder Malaria können einen Einfluss haben.

Samuel Joseph, Krankenpfleger

In den betroffenen Regionen wissen viele Menschen nicht, auf welche Symptome sie achten müssen oder wie sie der Krankheit vorbeugen können. Zudem sind die nächsten Kliniken meist viele Kilometer entfernt. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit in Sokoto im Nordwesten Nigerias sind daher Besuche in den umliegenden Gemeinden, bei denen wir die Menschen über die Krankheit, Präventionsmaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten aufklären.

Im Sokoto-Noma-Krankenhaus werden viele Betroffene mehrmals operiert, erhalten therapeutische Ernährung und eine spezielle Physiotherapie. Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist eine umfassende psychosoziale Betreuung, um die Angst der Patient*innen vor den Operationen zu lindern und ihre soziale Isolation zu durchbrechen.

Der 20-Jährige Bilya hat Noma überlebt. Niemand in seiner Heimatstadt wusste, was mit ihm geschah, die Krankheit zerstörte seine Nase und die Oberlippe innerhalb kürzester Zeit. Lesen Sie hier mehr über seine Geschichte und über unsere Hilfe für Noma-Patient*innen in Nigeria.

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Junger Mann ohne Nase lehnt vor Fenster
Bilya, ein 20-jähriger Noma-Patient aus einem Dorf nahe der Grenze zu Niger, wartete fast vier Jahre lang auf seine erste Operation.
©Claire Jeantet - Fabrice Caterini/INEDIZ