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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Nigeria

  • 55.6
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 53.8
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 2380
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 45
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Nordosten des Landes befindet sich der Tschadsee, eine Krisenregion, die sich über vier angrenzende Länder erstreckt. Seit mehr als zehn Jahren herrscht ein gewaltsamer Konflikt zwischen der nigerianischen Regierung und bewaffneten Gruppen – mit dramatischen Folgen: Die Vereinten Nationen schätzen, dass heute mehr als zwei Millionen Menschen als Vertriebene im eigenen Land leben und rund sieben Millionen zum Überleben auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Wir behandeln akute Krankheitsausbrüche wie Masern oder Malaria, konzentrieren uns auf die medizinische Versorgung von Müttern und Kindern im ganzen Land und unterstützen bei Mangelernährung. Wir betreiben außerdem die Sokoto-Klinik zur Behandlung von Noma und in Zamfara führen wir weiterhin Untersuchungen und Behandlungen gegen Bleivergiftungen durch, die auf unsichere Bergbaupraktiken zurückzuführen sind. Unsere Teams sind auch bei Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 involviert.

Unsere Hilfe in Nigeria 2020

  • 432.553 ambulante Konsultationen 
  • 78.941 stationäre Aufnahmen 
  • 127.555 Malariabehandlungen 
  • 22.565 Entbindungen 
  • 18.569 psychologische Einzelgespräche 
  • 23.342 Aufnahmen von Kindern in ambulante Ernährungsprogramme 
  • 10.671 Aufnahmen von Kindern in stationäre Ernährungsprogramme 
  • 3.213 Masernbehandlungen bei Kindern
  • 1.500 Behandlungen von Bleivergiftungen

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1996 Hilfe in Nigeria.

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Auf der Flucht im eigenen Land 

Neben den nördlichen Bundesstaaten Borno und Zamfara sind auch im südlichen Bundestaat Benue Menschen auf der Flucht vor bewaffneten Konflikten. Bis Ende 2020 mussten schätzungsweise 197.000 Menschen aufgrund des Konflikts zwischen Tierzüchtern und Landwirten ihre Heimatorte verlassen. Es geht bei dem seit über 20 Jahren anhaltenden Konflikt vor allem um wirtschaftliche und klimatische Fragen: Zugang zu Land und dessen Verwendung. Nur etwa die Hälfte der vertriebenen Menschen lebt in offiziellen Camps. Es fehlt an Nahrungsmitteln, Wasser, Unterkünften und medizinischer Versorgung: akute Durchfallerkrankungen, die auf den Mangel an sauberem Wasser zurückzuführen sind, sind ein ständiges Gesundheitsrisiko.  

Wir arbeiten gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden in diesen Camps für Geflüchtete in den Bereichen Impfungen, reproduktive und psychische Gesundheit, Ernährungshilfe sowie bei der Behandlung von Überlebenden sexualisierter Gewalt.

Noma: eine vergessene Krankheit 

Die meisten Menschen haben noch nie von dieser Krankheit gehört: Noma, eine schwere bakterielle Infektion mit extremen Folgen. Unbehandelt überlebt nur eine*r von zehn Erkrankten. Bei den Überlebenden bleiben schwere Knochen- und Gewebeschäden im Gesicht zurück, die nur durch umfangreiche chirurgische Eingriffe rekonstruiert werden können. Das Vorkommen von Noma steht in engem Zusammenhang mit extremer Armut, denn die Krankheit betrifft vor allem Kinder, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben und mangelernährt sind.

Image
Menschen schauen einem Mann zu, der etwas zu der Krankheit Noma berichtet
Mitarbeiter des Sokoto Noma Krankenhauses informieren in einer Gemeinde über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Noma.
©Claire Jeantet - Fabrice Caterini / Inediz

Bevor wir mit unserem Programm zur Aufklärung begannen, wussten die Leute wirklich nichts über Noma. Aber jetzt können viele sogar die frühen Anzeichen erkennen, uns anrufen und dabei helfen, Patient*innen zu finden, um sie ins Krankenhaus zu bringen.

Nura Abubakar, Noma-Experte

Die frühzeitige Identifizierung von betroffenen Patient*innen ist wichtig, da bei aktivem Noma die Sterblichkeitsrate hoch ist. Obwohl sich die Covid-19-Beschränkungen im Jahr 2020 auf unsere Noma-Aktivitäten auswirkten, konnten wir dennoch 73 Patient*innen operieren. Sie erhalten zusätzlich therapeutische Ernährung und eine spezielle Physiotherapie. Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist eine umfassende psychosoziale Betreuung, um die Angst der Patient*innen vor den Operationen zu lindern und ihre soziale Isolation sowie gesellschaftliche Tabus zu durchbrechen. Die Entstellungen im Gesicht werden häufig als Folgen von Magie missinterpretiert.

Schnelles Handeln für Überlebende sexualisierter Gewalt 

In zwei Kliniken in Port Harcourt im Bundesstaat Riverstate boten wir Überlebenden sexualisierter Gewalt eine umfassende Gesundheitsversorgung an, einschließlich Prophylaxe gegen HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen, Impfungen gegen Tetanus und Hepatitis B, Notfallverhütung sowie psychologische und soziale Unterstützung. Im Jahun General Hospital im Bundesstaat Jigawa leisteten wir zusätzlich in vier Gesundheitszentren eine umfassende Geburtshilfe sowie prä- und postnatale Notfallversorgung von Neugeborenen. Außerdem behandeln wir Fisteln. Sie entstehen während langer Geburten und wenn Frauen dabei keine professionelle Begleitung wahrnehmen können. Dabei entstehen Löcher zwischen Blase und Darm und betroffene Frauen werden inkontinent. Sie werden wegen ihrer Symptome oftmals auch gesellschaftlich stigmatisiert. Eine vesiko-vaginale Operation hat für betroffene Frauen eine große Bedeutung: Sie ermöglicht die Rückkehr in ein normales Leben. 2020 haben sich 205 Frauen solch einer Operation unterzogen.

 

29.07.2021