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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Nigeria

Mangelernährung bedroht das Leben Zehntausender Kinder in Nigeria

In den Bundesstaaten Borno und Zamfara erleben wir einen massiven Anstieg der Zahl mangelernährter Kinder. Seit Januar haben wir allein im Nordwesten des Landes mehr als 50.000 akut mangelernährte Kinder behandelt und 7.000 von ihnen stationär aufgenommen.

Wir bereiten uns darauf vor, in diesem Jahr bis zu 100.000 mangelernährte Kinder im Rahmen unseres Ernährungsprogramms allein im Bundesstaat Katsina zu behandeln. Auch in den Bundesstaaten Kebbi, Sokoto, Zamfara und Kano haben wir unsere Hilfe ausgeweitet. Die Ernährungskrise hat begonnen. Der Höhepunkt der Malariasaison, die den Gesundheits- und Ernährungszustand der Kinder weiter verschlechtern wird, steht noch bevor.
- Michel-Olivier Lacharite, unser Notfallkoordinator

In beiden Regionen ist Mangelernährung ein chronisches Problem. Vertreibung, Gewalt und Armut sowie mangelnder Zugang zu medizinischer Hilfe bringen die Menschen an ihre Grenzen. Am kritischsten ist die Zeit zwischen Juni und September: Zwischen Aussaat und Ernte erreicht die Zahl der mangelernährten Kinder ihren Höchststand.

Obwohl wir in den vergangenen Monaten sowohl humanitäre Organisationen wie UNICEF und das Welternährungsprogramm als auch die Behörden aufgefordert haben, die medizinischen Aktivitäten zu verstärken, wurde nicht genug getan, um eine verheerende Ernährungskrise abzuwenden. Deshalb fordern wir nachdrücklich, dass die akuten Bedürfnisse der Kinder anerkannt werden und lebensrettende Unterstützung zur Priorität zu machen. Gleichzeitig gilt es andere Gesundheitsrisiken wie Masern oder Cholera präventiv zu verringern.

12. Juli 2022

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Warum wir in Nigeria helfen

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Nordosten des Landes befindet sich der Tschadsee, eine Krisenregion, die sich über vier angrenzende Länder erstreckt. Seit mehr als zehn Jahren herrscht ein gewaltsamer Konflikt zwischen der nigerianischen Regierung und bewaffneten Gruppen – mit dramatischen Folgen: Die Vereinten Nationen schätzen, dass heute mehr als zwei Millionen Menschen als Vertriebene im eigenen Land leben und rund sieben Millionen zum Überleben auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Wir behandeln akute Krankheitsausbrüche wie Masern oder Malaria, konzentrieren uns auf die medizinische Versorgung von Müttern und Kindern im ganzen Land und unterstützen bei Mangelernährung. Wir betreiben außerdem die Sokoto-Klinik zur Behandlung von Noma und in Zamfara führen wir weiterhin Untersuchungen und Behandlungen gegen Bleivergiftungen durch, die auf unsichere Bergbaupraktiken zurückzuführen sind. Unsere Teams sind auch bei Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 involviert.

Unsere Hilfe in Nigeria im Jahr 2021

  • 439.700 ambulante Sprechstunden

  • 136.200 Malariabehandlungen

  • 98.900 Krankenhausaufnahmen 

  • 39.000 Kinder in ambulanten Ernährungsprogrammen

  • 17.500 Entbindungen

  • 15.000 psychologische Einzelgespräche

  • 13.200 Kinder in stationären Ernährungsprogrammen

  • 19.900 Kinder gegen Masern behandelt

  • 38.700 Cholerabehandlungen

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1996 Hilfe in Nigeria.

  • 64.1
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 61.2
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 2286
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 52.7
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: WHO (2019), MSF International Activity Report 2021 (2022)

Auf der Flucht im eigenen Land 

Neben den nördlichen Bundesstaaten Borno und Zamfara sind auch im südlichen Bundestaat Benue Menschen auf der Flucht vor bewaffneten Konflikten. Bis Ende 2020 mussten schätzungsweise 197.000 Menschen aufgrund des Konflikts zwischen Tierzüchtern und Landwirten ihre Heimatorte verlassen. Es geht bei dem seit über 20 Jahren anhaltenden Konflikt vor allem um wirtschaftliche und klimatische Fragen: Zugang zu Land und dessen Verwendung. Nur etwa die Hälfte der vertriebenen Menschen lebt in offiziellen Camps. Es fehlt an Nahrungsmitteln, Wasser, Unterkünften und medizinischer Versorgung: akute Durchfallerkrankungen, die auf den Mangel an sauberem Wasser zurückzuführen sind, sind ein ständiges Gesundheitsrisiko.  

Wir arbeiten gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden in diesen Camps für Geflüchtete in den Bereichen Impfungen, reproduktive und psychische Gesundheit, Ernährungshilfe sowie bei der Behandlung von Überlebenden sexualisierter Gewalt.

Noma: eine vergessene Krankheit 

Die meisten Menschen haben noch nie von dieser Krankheit gehört: Noma, eine schwere bakterielle Infektion mit extremen Folgen. Unbehandelt überlebt nur eine*r von zehn Erkrankten. Bei den Überlebenden bleiben schwere Knochen- und Gewebeschäden im Gesicht zurück, die nur durch umfangreiche chirurgische Eingriffe rekonstruiert werden können. Das Vorkommen von Noma steht in engem Zusammenhang mit extremer Armut, denn die Krankheit betrifft vor allem Kinder, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben und mangelernährt sind.

Image
Menschen schauen einem Mann zu, der etwas zu der Krankheit Noma berichtet
Mitarbeiter des Sokoto Noma Krankenhauses informieren in einer Gemeinde über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Noma.
©Claire Jeantet - Fabrice Caterini / Inediz

Bevor wir mit unserem Programm zur Aufklärung begannen, wussten die Leute wirklich nichts über Noma. Aber jetzt können viele sogar die frühen Anzeichen erkennen, uns anrufen und dabei helfen, Patient*innen zu finden, um sie ins Krankenhaus zu bringen.

Nura Abubakar, Noma-Experte

Die frühzeitige Identifizierung von betroffenen Patient*innen ist wichtig, da bei aktivem Noma die Sterblichkeitsrate hoch ist. Obwohl sich die Covid-19-Beschränkungen im Jahr 2020 auf unsere Noma-Aktivitäten auswirkten, konnten wir dennoch 73 Patient*innen operieren. Sie erhalten zusätzlich therapeutische Ernährung und eine spezielle Physiotherapie. Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist eine umfassende psychosoziale Betreuung, um die Angst der Patient*innen vor den Operationen zu lindern und ihre soziale Isolation sowie gesellschaftliche Tabus zu durchbrechen. Die Entstellungen im Gesicht werden häufig als Folgen von Magie missinterpretiert.

Schnelles Handeln für Überlebende sexualisierter Gewalt 

In zwei Kliniken in Port Harcourt im Bundesstaat Riverstate boten wir Überlebenden sexualisierter Gewalt eine umfassende Gesundheitsversorgung an, einschließlich Prophylaxe gegen HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen, Impfungen gegen Tetanus und Hepatitis B, Notfallverhütung sowie psychologische und soziale Unterstützung. Im Jahun General Hospital im Bundesstaat Jigawa leisteten wir zusätzlich in vier Gesundheitszentren eine umfassende Geburtshilfe sowie prä- und postnatale Notfallversorgung von Neugeborenen. Außerdem behandeln wir Fisteln. Sie entstehen während langer Geburten und wenn Frauen dabei keine professionelle Begleitung wahrnehmen können. Dabei entstehen Löcher zwischen Blase und Darm und betroffene Frauen werden inkontinent. Sie werden wegen ihrer Symptome oftmals auch gesellschaftlich stigmatisiert. Eine vesiko-vaginale Operation hat für betroffene Frauen eine große Bedeutung: Sie ermöglicht die Rückkehr in ein normales Leben. 2020 haben sich 205 Frauen solch einer Operation unterzogen.

 

29.07.2021