Mitarbeiterporträt: Wilfried Ross, Logistiker

BauingenieurInnen

Kurzprofil

Einsatzland: Syrien
Alter: 55

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Arbeitgeber ist die Deutsche Bahn AG seit 18 Jahren. Über ein Langzeitkonto, in das ich monatlich einen Teil meines Gehaltes einzahle, kann ich mir jährlich ca. 3 Monate Freizeit erwerben, in der ich mit Ärzte ohne Grenzen in ein Projekt gehen kann, ohne meinen Job zu verlieren.

Ausbildung:

Bauingenieur, Vertiefung Siedlungswasserwirtschaft

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2016 Südsudan
2017 Syrien

Sprachkenntnisse:

Englisch: Gut
Französisch: Befriedigend

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Ich habe während meines letzten Einsatzes kein Buch gelesen.

Musik, die ich gehört habe:

In meiner Freizeit habe ich meinen Lieblingsradiosender SWR 1 gehört. Dadurch bekam ich auch recht gute Informationen, was gerade daheim in Deutschland so passiert. Ansonsten habe ich viel die kurdische Musik gehört, die mir meine Mitarbeiter als mp3-Datei geschenkt haben. Noch heute kann ich mich dafür begeistern. 

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich habe in einem Projekt von Ärzte ohne Grenzen in Derek/Syrien die Logistik-Abteilung geleitet. Ärzte ohne Grenzen betreibt dort in zwei Städten jeweils eine ambulante Krankenstation mit angeschlossener Entbindungsstation. Um acht Uhr morgens war Arbeitsbeginn. Zu Beginn jeden Tages hatten wir eine kleine Logistik-Besprechung, in der besprochen wurde, was an diesem und in den kommenden Tagen gemacht werden musste. Nach der Besprechung gingen die Mitarbeiter los, um ihre Aufgaben zu erledigen. Ich habe mich dann meist um die Emails gekümmert und an Besprechungen mit u.a. der medizinischen Abteilung teilgenommen bzw. mit der Koordination über die weiteren strategischen Ziele gesprochen. Zwischendurch habe ich ständig Rücksprachen mit meinen Mitarbeitern geführt. Es war mir sehr wichtig, in engem Austausch mit ihnen zu stehen.

Ein bis zweimal in der Woche bin ich auch zu den Krankenstationen gefahren und habe dort aufgenommen, was alles instand zu setzen und zu reparieren ist. Das gehörte genauso zu unseren Aufgaben wie das Sicherstellen von Strom für das gesamte Projekt. Außerdem waren wir für die Datensicherung zuständig und dafür, dass das Internet funktionierte. Wir sorgten auch dafür, dass unsere Apotheken ausreichend gekühlt waren und die Kühl-und Gefrierschränke funktionierten.

Ebenso müssen sämtliche technischen Anlagen wie z.B. Generatoren sowie die PKW`s nach einem Fristenplan sorgfältig gewartet und notfalls instandgesetzt werden. Als Logistiker war ich auch für die Sicherheit für das gesamte Projekt verantwortlich. Das Mittagessen habe ich mit meinen anderen internationalen Kollegen und Kolleginnen dann regelmäßig gemeinsam im Gästehaus eingenommen, wo wir gewohnt haben. Dort hat uns ein Koch das Essen zubereitet.

Die nationalen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hatten um 17 Uhr Feierabend, und ich habe meistens bis spät in die Abendstunden noch am Computer gearbeitet. Anschließend ging es zum Abendessen. 

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

In unserem Projekt waren die Sicherheitsvorkehrungen relativ strikt, wir waren also in unserer Freizeit meist auf unsere Unterkunft beschränkt. An Wochenenden gingen wir oft paarweise zum Einkaufen in die Ortschaft oder in ein Restaurant zum Essen. Des Öfteren trafen wir uns an Wochenenden mit anderen NGOs zum Essen und zum Austausch.  Am nah gelegenen Stausee konnten wir joggen oder spazieren gehen. Dafür hatten wir die Erlaubnis, und ich habe das oft genutzt - vor allem an Wochenenden.

Ansonsten haben wir am Wochenende im Team oft zusammen gekocht oder einen Film angeschaut.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Langweilig wurde mir nie, und ich habe unglaublich viel gelernt während meiner Zeit in Derek. Am meisten haben mich bislang immer die Mitarbeiter vor Ort begeistert, die mich jedes Mal unglaublich herzlich und geduldig aufgenommen haben. Die Arbeit zusammen mit den Teams macht einfach immer ziemlich Spaß und Freude. Und das Feedback und die Wertschätzung der Mitarbeiter für meinen Einsatz ist für mich immer sehr beeindruckend. Meistens ist es der Anlass für den Wunsch, erneut einen Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen zu machen. Ich sage immer zu mir, diese Erfahrungen sind der Lohn deiner Arbeit und nicht mit Geld zu bezahlen. 

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Dass ich mich frei bewegen kann und auch mal draußen joggen oder spazieren gehen kann.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich möchte gerne weiter mit Ärzte ohne Grenzen zusammenarbeiten, wenn ich die jährliche befristete Freistellung weiter realisieren kann.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Die schönsten Erinnerungen für mich waren immer die an das Zusammensein mit den einheimischen Mitarbeitern oder der Bevölkerung.

In Syrien waren wir abends regelmäßig zusammen essen und haben Musik gemacht, gesungen, getanzt und vor allem viel gelacht. In diesem Rahmen hatte man auch Zeit, sich mit seinen Mitarbeitern privat zu unterhalten und so recht viel Informationen über das Land und das Leben dort zu bekommen.

Im Südsudan habe ich es sehr genossen, in meiner Freizeit mit den Kindern vor dem Gelände von Ärzte ohne Grenzen Fußball zu spielen. Diese Kinder sind mir im Laufe meines Einsatzes so ans Herz gewachsen, dass mir der Abschied sehr schwer gefallen ist.

Diese Momente werde ich wohl nie mehr vergessen.