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Palästinensische Gebiete

Gazastreifen/Westjordanland: Erklärung zur Weitergabe von Mitarbeitendendaten

Nach monatelangen erfolglosen Versuchen, mit den israelischen Behörden in einen Dialog zu treten, um die Sicherheit unserer Mitarbeitenden im Gazastreifen und im Westjordanland sowie die Unabhängigkeit unserer humanitären Arbeit in den besetzten Palästinensischen Gebieten zu gewährleisten, hat Ärzte ohne Grenzen entschieden, keine Liste seiner palästinensischen und internationalen Mitarbeitenden an die israelischen Behörden weiterzugeben. 

Trotz wiederholter Bemühungen ist es uns nicht gelungen, eine Einigung mit den israelischen Behörden über die für uns erforderlichen konkreten Zusicherungen zu erzielen. Dazu gehören: 

  • dass alle Informationen über Mitarbeitende ausschließlich für die angegebenen administrativen Zwecke verwendet werden.
  • dass daraus keine Gefahr für die Kolleg*innen, deren Namen geteilt wurden, erwächst.
  • dass  Ärzte ohne Grenzen die volle Autorität über alle Personalangelegenheiten und die Verwaltung von medizinischen Hilfsgütern behält.
  • dass jegliche öffentliche Kommunikation, die Ärzte ohne Grenzen diffamiert und die Sicherheit unserer Mitarbeitenden gefährdet, eingestellt wird. 

Deshalb sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir unter den gegenwärtigen Umständen keine Daten von Mitarbeitenden an die israelischen Behörden weitergeben werden. Auch im Rahmen dieses monatelangen Prozesses haben wir keine Mitarbeitendendaten mit den israelischen Behörden geteilt. 

Im März 2025 hatte die israelische Regierung angekündigt, dass Organisationen, die eine Registrierung beantragen, sensible Daten ihrer Mitarbeitenden vorlegen müssen. Wir haben von Anfang an ernsthafte Bedenken hinsichtlich dieser Forderung geäußert. Denn in den besetzten Palästinensischen Gebieten wurden medizinische und humanitäre Helfer immer wieder eingeschüchtert, willkürlich inhaftiert und angegriffen. Seit Oktober 2023 sind 1.700 Mitarbeitende des Gesundheitswesens sowie 15 unserer Kolleg*innen getötet worden.  

Am 30. Dezember gaben die israelischen Behörden dann bekannt, dass unsere bisherige Registrierung abgelaufen sei und wir daher innerhalb von 60 Tagen unsere Arbeit einstellen müssen. In dem Bestreben, alle möglichen Optionen – so begrenzt sie auch sein mögen – zu prüfen, um weiterhin lebenswichtige medizinische Versorgung leisten zu können, haben wir den israelischen Behörden am 23. Januar 2026 mitgeteilt, dass wir als Ausnahmemaßnahme dazu bereit sind, eine selektive Liste mit den Namen palästinensischer und internationaler Mitarbeitender weiterzugeben - unter klaren Bedingungen welche die Sicherheit unserer Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellten. Diese Position hatten wir nach Rücksprache mit unseren palästinensischen Kolleg*innen festgelegt, mit dem klaren Verständnis, dass keine Informationen ohne die ausdrückliche Zustimmung der betroffenen Personen weitergegeben werden würden. 

Inmitten der anhaltenden humanitären Katastrophe im Gazastreifen und der extremen Gewalt gegen Mitarbeitende des Gesundheitswesens zwingen die israelischen Behörden humanitäre Organisationen zu einer unmöglichen Entscheidung: Entweder, sie geben sensible Daten ihrer Mitarbeitenden weiter, oder sie müssen ihre lebenswichtige medizinische Versorgung für die Menschen in den besetzten Palästinensischen Gebieten unterbrechen. 

Sollten wir unsere Arbeit im Gazastreifen und dem Westjordanland einstellen müssen, hätte dies verheerende Auswirkungen, denn die Palästinenser*innen sehen inmitten zerstörter Häuser und dringender humanitärer Bedürfnisse einem brutalen Winter entgegen. Die humanitären Bedingungen sind nach wie vor extrem: nahezu 500 Menschen wurden seit Oktober 2025 trotz Waffenstillstand getötet, grundlegende Versorgungsleistungen, wie Nahrung, Wasser, Unterkünfte, Gesundheitsversorgung, Treibstoff, und Lebensgrundlagen wurden weitgehend zerstört. Das Gesundheitssystem ist nahezu funktionsunfähig und viele spezialisierte Leistungen, wie z.B. die Versorgung von Verbrennungen, sind nicht mehr verfügbar. Allein 2025 haben wir 800.000 Konsultationen durchgeführt, leisteten bei jeder 3. Geburt Hilfe und unterstützten jedes 5. Krankenhausbett. Diese Dienstleistungen können nicht ohne Weiteres ersetzt werden. 

Wir sind weiterhin offen für einen Dialog mit den israelischen Behörden, damit unsere lebenswichtige medizinische Hilfe im besetzten Gazastreifen und Westjordanland aufrechterhalten und sichergestellt werden kann, dass unsere Teams weiterhin lebensrettende medizinische Versorgung für Menschen in Not leisten können.