Somalia: Schwere Dürren und ausbleibende Hilfsgelder gefährden Millionen Menschen
Mogadishu/Berlin, 20. Januar 2026. Somalia steht vor einer schweren Gesundheits- und Ernährungskrise. Die Dürre im Land geht mit einem starken Anstieg von Mangelernährung und vermeidbaren Krankheiten einher. Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Internationale Hilfsprojekte haben jedoch immer weniger Mittel zur Verfügung.
Somalia ist eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder weltweit. Viermal infolge ist die Regenzeit ausgefallen. Im November 2025 rief die Bundesregierung Somalias den Dürre-Notstand aus. Die Vereinten Nationen schätzten im September, dass bis Ende 2025 4,4 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit auf Krisenniveau oder schlimmer (laut IPC-Klassifizierung) betroffen sein könnten, darunter 1,85 Millionen Kinder unter fünf Jahren mit akuter Mangelernährung.
Gleichzeitig ist die humanitäre Hilfe auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Seit Anfang 2025 mussten landesweit mehr als 200 Gesundheits- und Ernährungseinrichtungen schließen. Der Einbruch bei der Nahrungsmittelhilfe war so stark, dass jetzt nur noch 350.000 Menschen statt zuvor 1,1 Millionen Menschen pro Monat versorgt werden können.
Laut Vereinten Nationen mussten mehr als 3,3 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. Viele leben in überfüllten Camps in der Umgebung von Baidoa und Mudug. Die in den Camps tätigen Teams von Ärzte ohne Grenzen berichten von immer mehr mangelernährten Patient*innen sowie zunehmenden Ausbrüchen von Masern, Diphtherie, Diarrhöe und weiteren vermeidbaren Krankheiten.
„In unseren Einrichtungen kommen Kinder in kritischem Zustand an, die oft tagelang ohne Nahrung und Wasser unterwegs gewesen sind“, sagt Allara Ali, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Somalia. „Die Dürre hat nicht nur die Brunnen ausgetrocknet, sondern auch die verschiedenen Formen der Unterstützung erodiert, auf die die Familien angewiesen sind. Unsere Teams arbeiten rund um die Uhr und behandeln schwere Mangelernährung und Ausbrüche von Masern und Diphtherie. Aber die schiere Zahl der Betroffenen strapaziert unsere Kapazitäten bis zum Äußersten. Ohne sofortigen Zugang zu Wasser und medizinischer Versorgung werden weitere Menschen an vermeidbaren Ursachen sterben.“
Die Dürre hat die Lebensgrundlagen vieler Familien zerstört und sie gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Viele suchen in überfüllten Camps Zuflucht, in denen es nicht genügend Wasser und Sanitärversorgung gibt. Der Preis für ein 200-Liter-Fass Wasser ist in Baidoa und Mudug auf 2,50 bis 4,00 US-Dollar gestiegen und damit für die meisten unbezahlbar. Teams von Ärzte ohne Grenzen haben in Baidoa von Dezember bis Mitte Januar mehr als sechs Millionen Liter Trinkwasser an Vertriebene verteilt. Aber der Bedarf bleibt enorm.
Die meisten Männer sind arbeitslos. Die Frauen sind schwanger oder kümmern sich um Kinder. Wir können uns kein Wasser leisten. Wir haben fast kein Essen und Wasser und fürchten uns vor Krankheiten wie Cholera.
- Kaltuma Kerow, 35 Jahre alt, lebt im Camp in Baidoa
„Diese Situation ist inakzeptabel, denn sie war vorhersehbar und in weiten Teilen vermeidbar“, sagt Elshafie Mohamed, Landesvertreter von Ärzte ohne Grenzen in Somalia. „Die humanitäre Hilfe ist auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren, sodass Millionen Menschen keinen Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung, Nahrungsmitteln oder Wasser haben. Die internationale Gemeinschaft und die somalischen Behörden müssen dringend handeln.“
Ärzte ohne Grenzen ruft dazu auf, Ernährungsprogramme, Impfkampagnen und die Wasserversorgung sofort auszuweiten. Die Trockenzeit hat begonnen und wird den Bedarf wahrscheinlich weiter in die Höhe treiben. Geber und die internationale Gemeinschaft sollten unverzüglich Notfallmittel für lebensrettende Hilfe bereitstellen und darüber hinaus in längerfristige Hilfe investieren. Dazu gehören grundlegende Gesundheitsdienste und eine klimaresiliente Wasserinfrastruktur.
Für weitere Auskünfte sprechen Sie uns an