New York/Berlin, 21. Januar 2026. Vor einem Jahr erließ die US-Regierung unter Präsident Donald Trump eine Reihe von Dekreten und schränkte den Einsatz der Vereinigten Staaten (USA) für Globale Gesundheit und humanitäre Hilfe drastisch ein. Ein Jahr später ist deutlich, welchen katastrophalen Schaden diese Schritte verursacht haben und welche Verantwortung jetzt andere Geberländer wie Deutschland haben.
Kliniken mussten schließen. Lebensrettende Medikamente hingen in Häfen fest. Mitarbeitende des Gesundheitswesens in vielen Ländern verloren ihre Arbeit. Das Ausmaß der negativen Konsequenzen der Mittelkürzungen der USA wird nach und nach sichtbar, und sie werden weitere weitreichende Auswirkungen haben.
Während die Welt noch unter diesen Mittelkürzungen leidet, ist schon jetzt klar, dass sie nur der Auftakt für eine weitere Umgestaltung der Unterstützung für Globale Gesundheit und humanitäre Hilfe waren. Verschiedene Regierungen hatten schon immer unterschiedliche Prioritäten und Agenden im Zusammenhang mit Globaler Gesundheit. Doch was wir jetzt sehen, ist eine beunruhigende Abkehr von dem fundamentalen Prinzip, dass humanitäre Grundversorgung einen Wert darstellt, ebenso wie die Bekämpfung von Epidemien, Mangelernährung und durch Impfungen vermeidbare Krankheiten und die Unterstützung marginalisierter Menschen.
Mihir Mankad, Leiter der politischen Kommunikation zu globaler Gesundheitspolitik von Ärzte ohne Grenzen in den USA.
Ärzte ohne Grenzen nimmt keine Gelder von der US-Regierung an. In ihren Projekten hat die Organisation im Laufe des vergangenen Jahres dennoch deutlich die Folgen des Rückzugs der US-Regierung aus der internationalen Hilfe für viele Menschen gesehen.
In Somalia führte die Unterbrechung der Hilfe dazu, dass therapeutische Milch monatelang nicht geliefert werden konnte. In den von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Gesundheitseinrichtungen stieg die Zahl schwer mangelernährter Kinder deutlich: In den ersten neun Monaten des Jahres 2024 waren es noch 1.937 schwer mangelernährte Kinder, im gleichen Zeitraum 2025 stieg die Zahl auf 3.355.
Im Renk-County-Krankenhaus im Südsudan zwangen die Kürzungen eine Hilfsorganisation dazu, die Unterstützung für mehr als 50 Krankenhausmitarbeitende abrupt einzustellen. Dies führte zu großen Lücken in der Geburtshilfe. In der Folge nahmen Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr Neugeborene mit gesundheitlichen Komplikationen auf der Kinderstation auf – eine Konsequenz aus mangelnder Vorsorge und Versorgung von Frauen während Schwangerschaft und Geburt. Seit September 2025 unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Entbindungsstation des Krankenhauses.
In der Demokratischen Republik Kongo (DRC) führte die Auflösung von USAID dazu, dass eine Bestellung von 100.000 Kits zur Versorgung von Überlebenden von Vergewaltigungen storniert werden musste. Diese Kits umfassen Medikamente zur Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Teams von Ärzte ohne Grenzen beobachten in der DRC ein extrem hohes Maß an sexualisierter Gewalt. Allein in der ersten Jahreshälfte 2025 versorgten sie rund 28.000 Überlebende sexualisierter Gewalt.
Diese Beispiele aus dem vergangenen Jahr stehen für einen fundamentalen Wandel der Rolle der USA in der Weltgemeinschaft und für ein deutlich geringeres Engagement im Bereich der globalen Gesundheit.
Der Rückzug der USA verschärft die Verantwortung anderer großer Geberländer. Deutschland und die Europäische Union stehen vor einer klaren Entscheidung: Entweder sie füllen die entstehenden Lücken – politisch wie finanziell – oder sie akzeptieren, dass vermeidbares Leid weiter zunimmt.
Wenn ein zentraler Geber wie die USA sich aus der Verantwortung für Globale Gesundheit und Humanitäre Hilfe zurückzieht, ist Wegsehen keine Option. Umso problematischer sind die deutlichen Kürzungen des humanitären Budgets in den vergangenen Haushalten der deutschen Bundesregierung. Humanitäre Hilfe ist kein geopolitisches Verhandlungsinstrument. Sie muss sich am Bedarf orientieren – nicht an Interessen, Deals oder Ideologien.
Lara Dovifat, Leiterin der politischen Abteilung von Ärzte ohne Grenzen Deutschland
Deutschland muss sich klar zu einer bedarfsorientierten, unabhängigen humanitären Hilfe bekennen, den Schutz humanitärer Prinzipien aktiv verteidigen und sicherstellen, dass globale Gesundheitsfinanzierung nicht weiter politisiert oder instrumentalisiert wird.
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