Sudan: Drohnenangriffe auf zivile Einrichtungen – Ärzte ohne Grenzen behandelt 167 Menschen in zwei Wochen
Berlin/Port Sudan, 20 Februar 2026. Wiederholte Drohnenangriffe der sudanesischen Streitkräfte (SAF) und der Rapid Support Forces (RSF) treffen zivile Gebiete und kritische Infrastrukturen, darunter Schulen, Märkte und Gesundheitseinrichtungen. In den ersten beiden Februarwochen haben Teams von Ärzte ohne Grenzen 167 Patient*innen behandelt. Sie hatten Verletzungen im Brust- und Bauchbereich, mehrfache Knochenbrüche, Kopfverletzungen und Wunden durch Drohnensplitter.
„Der Krieg im Sudan wird mit Drohnen abseits der Frontlinien geführt. Unsere Teams behandeln regelmäßig eine große Zahl von Patient*innen nach Drohnenangriffen, darunter Frauen und Kinder. Diese Angriffe dienen dazu, Versorgungslinien zu unterbrechen und zivile Infrastruktur zu beschädigen”, sagt Esperanza Santos, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen.
Am 15. Februar behandelte ein Team von Ärzte ohne Grenzen in Adré im Osten des Tschad 18 Zivilist*innen, darunter vier Frauen und drei Kinder. Sie waren nach Drohnenangriffen der SAF auf einen Markt im grenznahen Adikong in West-Darfur verletzt worden. Am 6. Februar nahm Ärzte ohne Grenzen 29 Verletzte im Krankenhaus in Tine auf, ebenfalls im Osten des Tschad. Bei diesen Drohnenangriffen der RSF im benachbarten Sudan waren mindestens 10 Menschen getötet worden.
„Unter den Patient*innen war ein neunjähriger Junge. Er hatte eine große Schrapnellwunde am Auge, Frakturen im Gesicht und zwei Finger verloren. Selbst bei optimaler Versorgung wird wahrscheinlich eine dauerhafte Behinderung bleiben. Zur weiteren Behandlung musste er in die tschadische Hauptstadt Ndjamena verlegt werden”, sagt Virginia Moneti, medizinische Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Tine.
Nach mehreren Drohnengriffen in Zentral-Darfur behandelten Teams der Organisation in Zalingei diesen Monat ebenfalls 29 Patient*innen.
Ärzte ohne Grenzen fordert die Kriegsparteien auf, Zivilist*innen und humanitäre Hilfe zu schützen. „Die jüngsten Vorfälle zeigen ein besorgniserregendes Muster in der Kriegsführung im Sudan. Drohnenangriffe beschränken sich nicht auf militärische Ziele. Manchmal folgen mehrere Angriffe auf denselben Ort und verursachen verheerende Schäden. Zivilist*innen werden getötet und verletzt, unter eklatanter Missachtung des humanitären Völkerrechts”, fügt Esperanza Santos hinzu.
Ärzte ohne Grenzen ist zutiefst alarmiert über diese Situation. Wenn zivile Gebiete und humanitäre Infrastruktur angegriffen werden, können humanitäre Helfer*innen nicht sicher arbeiten und die lebenswichtige Versorgung der Menschen wird unterbrochen oder erschwert. Dabei ist der humanitäre Bedarf im Sudan immens und eine sofortige Ausweitung der Hilfe für die Menschen von entscheidender Bedeutung.
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