Südsudan: Regierungstruppen bombardieren Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen
Juba/Berlin, 4. Februar 2026. Bei einem Luftangriff der südsudanesischen Regierungstruppen wurde Dienstagnacht das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Lankien im Bundestaat Jonglei getroffen. Dabei wurde ein Mitarbeitender leicht verletzt und das Hauptlager des Krankenhauses zerstört. Ein Großteil der Vorräte zur medizinischen Versorgung ging verloren. Noch am Nachmittag desselben Tages wurde zudem die Gesundheitseinrichtung von Ärzte ohne Grenzen in Pieri, ebenfalls im Bundesstaat Jonglei, von unbekannten Angreifern geplündert.
Die Situation in Lankien hatte sich zuvor verschlimmert. Nachdem Ärzte ohne Grenzen Informationen über einen möglichen Angriff auf die Stadt erhielt, entschied die Organisation, das Krankenhaus zu evakuieren. Die Patient*innen wurden bereits Stunden vor dem Angriff entlassen.
Nach dem Angriff flohen die Mitarbeitenden von Ärzte ohne Grenzen zusammen mit der lokalen Bevölkerung aus Lankien und Pieri. Über ihren Verbleib ist bislang nichts bekannt. Ärzte ohne Grenzen versucht, mit ihnen in Kontakt zu treten.
Wir hatten die GPS-Koordinaten aller unserer Einrichtungen an die Regierung und andere Konfliktparteien weitergegeben und haben die Bestätigung erhalten, dass diese über unsere Standorte informiert sind“, sagt Gul Badshah, Programmverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Die Streitkräfte der Regierung des Südsudans sind die einzige bewaffnete Partei, die in der Lage ist, Luftangriffe im Land durchzuführen“, so Badshah.
Ärzte ohne Grenzen war der einzige Gesundheitsdienstleister, der etwa 250.000 Menschen in Lankien und Pieri versorgte. Die Angriffe auf die Einrichtungen der Organisation an diesen Orten führen nun dazu, dass die Menschen dort keinen Zugang mehr zu medizinischer Versorgung haben.
„Wir sind uns der enormen Bedürfnisse im Land bewusst, müssen jedoch auch die Sicherheit unserer Patient*innen, Mitarbeitenden und Einrichtungen gewährleisten”, sagt Badshah. „Dass wir Ziel von Angriffen werden, ist vollkommen inakzeptabel. Angesichts der aktuellen Lage werden wir die notwendigen Entscheidungen treffen,” sagt Badshah.
Seit Dezember hat die Regierung den humanitären Zugang in Teilen der von der Opposition kontrollierten Gebiete des Bundesstaates Jonglei stark eingeschränkt – und damit die Möglichkeiten von Ärzte ohne Grenzen, in den Gemeinden lebenswichtige medizinische Hilfe zu leisten. Dies hat besonders schwere Folgen für Kinder, schwangere Frauen und Menschen mit chronischen oder lebensbedrohlichen Erkrankungen.
Im vergangenen Jahr wurde Ärzte ohne Grenzen insgesamt acht Mal Ziel von Angriffen und musste zwei Krankenhäuser im Großraum Oberer Nil schließen sowie weitere Aktivitäten zur Gesundheitsversorgung in den Bundesstaaten Jonglei, Oberer Nil und Central Equatoria einstellen.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1983 im heutigen Südsudan präsent, in sieben Bundesstaaten und zwei Verwaltungsbezirken – und ist damit eine der größten medizinischen Hilfsorganisationen im Land. Im Jahr 2025 führten Teams der Organisation mehr als 830.000 ambulante Konsultationen und stationäre Behandlungen von über 93.000 Patient*innen durch, darunter 12.000 Operationen. 107.000 Kinder wurden außerdem auf Mangelernährung untersucht sowie landesweit kritische Überweisungen durchgeführt.
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