Gaza/Westjordanland: Erklärung zur Registrierung von Mitarbeitenden
Um zu verhindern, dass wir unsere Arbeit in den besetzten Palästinensischen Gebieten ab dem 1. März 2026 einstellen müssen, hat Ärzte ohne Grenzen den israelischen Behörden mitgeteilt, dass die Organisation bereit ist, eine selektive Liste mit bestimmten Namen palästinensischer und internationaler Mitarbeitenden weiterzugeben. Das ist eine außergewöhnliche Maßnahme zu der wir uns gezwungen sehen, um unsere lebensrettende Hilfe in den besetzten Palästinensischen Gebieten zu erhalten.
Diese Position ist das Ergebnis umfangreicher Gespräche mit unseren palästinensischen Kolleg*innen und wird nur mit der ausdrücklichen Zustimmung der betroffenen Personen umgesetzt. Ärzte ohne Grenzen hat diese Position in einem Schreiben an die israelischen Behörden mitgeteilt.
Die israelische Regierung hat uns bewusst vor eine unmögliche Wahl gestellt: Entweder wir geben sensible Informationen über unsere Mitarbeitenden/Kolleg*innen weiter oder wir lassen Hunderttausende Palästinenser*innen im Stich, die lebenswichtige medizinische Versorgung benötigen.
Wir haben diese Daten unserer Mitarbeitenden bisher nicht weitergegeben, aus Sorge um die Verwendung dieser Informationen und die Sicherheit unserer Mitarbeitenden. In einem Kontext, in dem seit Oktober 2023 1.700 Mitarbeitende des Gesundheitswesens getötet wurden – darunter 15 unserer Kolleg*innen – sind diese Bedenken berechtigt. Wir würden diese ausgewählten Informationen in der Erwartung weitergeben, dass sie keine negativen Auswirkungen auf unsere Mitarbeitenden oder unsere medizinischen humanitären Einsätze haben.
In monatelangen Verhandlungen mit den israelischen Behörden und den an diesen Diskussionen beteiligten Regierungen haben wir alle anderen Optionen geprüft. Unsere Priorität bleibt die Sicherheit unserer Mitarbeitenden. Gleichzeitig möchten wir weiterhin unabhängige medizinische Versorgung für Palästinenser*innen im Westjordanland und im Gazastreifen leisten, die diese dringend benötigen.
Die Lage in den besetzten Palästinensischen Gebieten ist nach wie vor katastrophal, und die humanitären Bedürfnisse von Millionen von Menschen sind immens. Die Menschen brauchen viel mehr Unterstützung, nicht weniger, und sind auf die Arbeit humanitärer Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen angewiesen.
Seit dem 1. Januar 2026 wird allen unseren internationalen Mitarbeitenden die Einreise in den Gazastreifen verweigert und alle unsere Lieferungen werden blockiert. Obgleich wir besorgt sind, dass diese administrativen Blockaden Teil eines umfassenden Versuchs sind, humanitäre Hilfe zu untergraben, zu diskreditieren und zu diffamieren, suchen wir weiterhin den Dialog mit den israelischen Behörden: zum einen, um die Grundsätze der unabhängigen humanitären Hilfe zu bekräftigen und zum anderen, um unseren medizinischen Einsatz für die Hunderttausenden Palästinenser*innen fortzusetzen, die in ihrer aktuell immensen Not nicht im Stich gelassen werden dürfen.
Im Gazastreifen führte Ärzte ohne Grenzen allein im Jahr 2025 fast 800.000 ambulante Konsultationen durch, behandelte mehr als 100.000 Schwerverletzte und stellte mehr als 700 Millionen Liter Wasser zur Verfügung. Heute sind wir in sechs Krankenhäusern tätig, unterstützen sieben Gesundheitszentren und vier Kliniken und betreiben zwei provisorische Krankenhäuser. Zu Beginn des Jahres unterstützten unsere Teams jedes fünfte Krankenhausbett und jede dritte Entbindung im Gazastreifen. Wir decken den täglichen Wasserbedarf von mehr als 635.000 Menschen – 30 Prozent der Bevölkerung im Gazastreifen.
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