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Helfen mit Satellitendaten

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Portrait von Ann De Schutter.

Ann De Schutter

Ich leite unser „Earth Observation“-Team und unterstütze gemeinsam mit Kolleg*innen unsere Hilfseinsätze mit Satellitendaten und Analysen - auch nach Erdbeben wie jenem in Afghanistan Ende August 2025.

Bei Ärzte ohne Grenzen kann ich Menschen weltweit durch sogenannte „Erdbeobachtung“ helfen. Zusammen mit meinem Team reagiere ich direkt auf Fragen aus dem Einsatzgebiet. Manchmal benötigen wir einfach nur ein Satellitenbild, um unseren humanitären Einsatz genauer zu planen. In anderen Fällen schätzen wir ab, wie viele Menschen sich in einem Camp für Binnenvertriebene befinden oder finden Wege, wie entlegene Gebiete erreicht werden können. In Notfällen wie Naturkatastrophen nutzen wir Satellitenbilder, um Schäden durch Erdbeben oder Überschwemmungen zu analysieren. Da kann das zu jeder Tages- und Nachtzeit vorkommen. Beim Erdbeben in Afghanistan Ende August 2025 haben wir beispielsweise innerhalb der ersten Stunden nach der Katastrophe reagiert. 

Wir haben den Blick „von oben“. Um unseren Kolleg*innen im Einsatz zu helfen, liefern wir mit Satellitenbildern die Vogelperspektive. So können sie wichtige Entscheidungen auf Basis von konkreten Daten treffen. 

Beispiel Erdbeben im August 2025 

Ich bin morgens zur Arbeit gekommen und die ersten Anfragen waren schon da. Wir sammeln dann alle Bilder und Daten, die aus der betroffenen Region verfügbar sind. Satellitenbilder decken in der Regel ein Gebiet von mindestens 100 Quadratkilometern ab – ein riesiges Areal, das von uns analysiert werden muss. 

Wir nehmen große Bilder zur Einschätzung der Lage und können genauer hineinschauen, sobald wir wissen, wo unsere Teams Hilfe leisten können. Innerhalb von 48 Stunden haben wir eine vollständige Karte des größeren Gebiets, kombiniert mit unseren eigenen Daten. Zusammen mit den Informationen unserer Kolleg*innen vor Ort bewerten wir anschließend, wo und wie viel Hilfe benötigt wird. 

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Eine Karte, auf der Afghanistan und Pakistan dargestellt werden.
Ende August 2025 wurden Afghanistan und Pakistan von einem gewaltigen Erdbeben erschüttert.
© MSF

In Afghanistan wurden durch das Erdbeben Häuser und Infrastruktur zerstört. Wir unterstützen jene Menschen, die in Camps für Binnenvertriebene untergekommen sind. In den ersten zwei Wochen nach dem Erdbeben haben wir im Vertriebenenlager Patang in Kundus mehr als 247 Patient*innen behandelt und täglich 5.000 Liter Trinkwasser bereitgestellt. 

Wochen später brauchten viele Menschen noch immer Hilfe. Auch wenn die Medienberichterstattung dazu nachlässt, ist und bleibt die Situation sehr schwierig für die Betroffenen. 

Naturkatastrophen: Satellitenbilder für den Einsatz  

Oftmals sind wir nicht die einzige Organisation, die auf Notfälle reagiert. Die internationale „Disaster Charter“ (Katastrophencharta) ermöglicht humanitären Helfer*innen den Zugang zu wichtigen Daten. Sie wurde auch während des Erdbebens in Myanmar im März 2025 aktiviert. Damals konnten wir dank der gesammelten Daten unter Vermeidung gefährlicher Überschwemmungsgebiete ein provisorisches Krankenhaus aufbauen. So bringen wir schnell Hilfe zu den Menschen, ohne unsere Patient*innen oder Kolleg*innen zu gefährden. 

Wenn keine aktuellen Satellitenbilder verfügbar sind, beauftragen wir Satelliten, eigene Bilder für uns aufzunehmen. Wir definieren das Gebiet und prüfen, wann der Satellit die Region überfliegen wird. Dann bitten wir ihn, ein Bild aufzunehmen – vorausgesetzt, es gibt keine Wolken, die die Sicht blockieren. Danach dauert es etwa eine Woche, bis die Bilder da sind. Wenn Wolken die Sicht blockieren, besonders während der Regenzeit, kann es manchmal Monate dauern, bis wir ein klares Bild bekommen. Wir verarbeiten dieses dann und senden es an unsere Kolleg*innen im Einsatzland. 

Gewaltsame Konflikte: Blick auf zerstörte Kliniken und Camps 

Es ist für mich auch immer wieder herausfordernd, Satellitenbilder zu sichten und zu analysieren. Bei Gewalt oder nach Angriffen ist der Blick auf zerstörte Krankenhäuser und Häuser schockierend. Aber zu wissen, dass wir mit unserer Arbeit den Menschen in den betroffenen Gebieten helfen, gibt mir die Kraft, weiterzumachen. 

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Karte von Port-au-Prince, Haiti.
Vorher-Bild: Nördlich von Port-au-Prince, Haiti, aufgenomen am 1. November 2024. Das Vorher-Bild zeigt den normalen Flusslauf und die Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Flusses leben.
© NOAA, Vantor, Maxar ODP 2024
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Karte von Port-au-Prince,Haiti nach Überschwemmungen.
Nachher-Bild: Nördlich von Port-au-Prince, Haiti, vom 1. November 2025. Rot-bräunliche Sedimente aus Fluss und Küstenlinie deuten auf Sturmfluten hin. Flächen und Siedlungen sind betroffen, zerstörte Felder sind zu erwarten.
© Airbus DS (2025), provided by the Airbus Foundation

Für unsere Hilfe im Vertriebenencamp in Tawila im Sudan (Darfur) war es z. B. wichtig zu wissen, wie viele Menschen dort sind und wie sich die Lage entwickeln würde. Über die Satellitenbilder haben wir analysiert, wie das Camp im Lauf der Zeit gewachsen ist. Die Lage im Sudan spitzte sich dort später zu und wir helfen in Tawila Menschen, die aus al-Faschir dorthin vertrieben werden

So viele Zelte auf so kleinem Raum zu sehen und wie sehr sich ein Camp in kurzer Zeit verändern kann – das hat mir die Augen geöffnet und mich geprägt.

Auch in der Demokratischen Republik Kongo haben wir beobachtet, wie sich ein riesiges Geflüchtetencamp gebildet hat – in Goma. Die Satellitenbilder zu sehen und zu wissen, was die Menschen durchmachen, wiegt schwer. Aber ich weiß, dass ich mit meiner Arbeit unsere Hilfe dort möglich mache. 

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Satellitenaufnahme Nahe Goma  in der DR Kongo.
Die Region nahe Goma in der D.R. Kongo, bevor das Geflüchtetencamp Bulengo entstand.
© MSF
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Satellitenbild der selben Region zu späterem Zeitpunkt.
Das Camp Bulengo Nahe Goma, D.R. Kongo, aus der Satellitenperspektive.

Später war dasselbe Camp fast leer. Viele Menschen mussten es innerhalb weniger Tage wieder verlassen. Diese Informationen sind wichtig, denn nur so können wir unsere Unterstützung an die Situation anpassen. 

Daten unterstützen Einsatzentscheidungen 

Wir nutzen für unsere Analysen möglichst viele verfügbare Daten. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen arbeiten wir dafür auch mit Deep Learning* und KI. Mein Expert*innen-Team kontrolliert dann die Ergebnisse und passt sie für unsere Bedürfnisse an. 

Bei Ärzte ohne Grenzen kann ich Daten und Satellitenbilder nutzen, um weltweit Menschen zu helfen. Ich unterstütze meine Kolleg*innen, indem ich Daten und Informationen bereitstelle, damit sie wichtige Entscheidungen im Einsatz treffen können. So können wir gemeinsam die Unterstützung für unsere Patient*innen bestmöglich planen. 

Mapathon

Gutes Kartenmaterial ist für unsere Nothilfe essentiell. Hilf mit und kartiere zusammen mit anderen Freiwilligen Gebiete, in denen wir weltweit arbeiten.

Naturkatastrophen

Von großen Katastrophen bis hin zu lokalen Notfällen können wir, dank unseres Netzes von Helfer*innen in mehr als 70 Ländern und Versorgungszentren auf der ganzen Welt, schnell reagieren.

* Deep Learning ist ein Unterbereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und bezieht sich auf Algorithmen, die auf künstlichen neuronalen Netzwerken basieren. Diese sind inspiriert von der Struktur und Funktion des menschlichen Gehirns und können komplexe Muster in Daten erkennen und verarbeiten. Das macht sie besonders effektiv für Aufgaben wie Bild- und Spracherkennung.