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Konflikt und Krieg

Kriege bringen Menschenleben in Gefahr, selbst wenn die Waffen wieder schweigen. Konflikte zerstören die Grundlagen, die Menschen brauchen, um gesund zu bleiben: Die Versorgung mit Wasser und ausreichend Essen gerät in Gefahr, Gesundheitseinrichtungen werden beschädigt oder zerstört. Viele Menschen, unter ihnen auch Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens, werden zur Flucht gezwungen. Krankheiten und Epidemien sind Menschen in Konfliktregionen nahezu schutzlos ausgeliefert. Und auch die psychische Belastung macht krank.

Essenzielle Grundversorgung 

In etwa einem Viertel der weltweiten Projekte von Ärzte ohne Grenzen unterstützen wir Menschen, die in Kriegs- oder Konfliktgebieten leben. Unter anderem in Syrien und im Jemen sehen wir, welches Leid Jahre des Krieges über ein Land und seine Menschen bringen. 

Zehntausende Zivilist*innen werden Opfer willkürlicher Angriffe, Gesundheitseinrichtungen werden absichtlich ins Visier genommen, die zivile Infrastruktur wird beschädigt. Patient*innen mit chronischen Erkrankungen können ebenso wenig zuverlässig versorgt werden, wie medizinische Notfälle. Der Bedarf steigt, während die Gesundheitsversorgung immer weiter eingeschränkt wird. Kinder verpassen Impfungen, was den Schutz ganzer Gemeinschaften aufs Spiel setzt. Krankheiten, wie Cholera, Masern oder Covid-19 können sich nahezu ungehindert ausbreiten. 

Hilfe im Notfall und darüber hinaus

Unsere Teams versuchen jene Menschen zu erreichen, die Hilfe am Dringendsten benötigen. Wir bauen Feldkrankenhäuser auf, versorgen Menschen in abgelegenen Gebieten mit mobilen Kliniken, unterstützen bestehende Einrichtungen und leisten medizinische Versorgung in Geflüchtetencamps. Bei komplizierten Kriegsverletzungen helfen wir mit postoperativer Versorgung sowie Rehabilitationsangeboten. Unsere Mitarbeiter*innen leisten darüber hinaus während Konflikten auch grundlegende Versorgung, wie Geburtshilfe und die Betreuung chronisch Erkrankter. Wir reagieren auf Epidemien und stehen traumatisierten Menschen mit psychologischer Hilfe zur Seite. 

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Physiotherapeutin prüft Heilung einer Beinverletzung
Im Al Awda-Krankenhaus in Gaza, in den Palästinensische Autonomiegebieten, bieten wir unseren Patient*innen postoperative Betreuung bei schweren Verletzungen.
©Virginie Nguyen Hoang

Einsatz in Gewaltkontexten

Balsam für seelische Narben

Immer wieder beobachten unsere Mitarbeiter*innen, das unvorstellbare Ausmaß an Gewalt, das Kriege und Konflikte mit sich bringen. Neben den körperlichen Spuren, hinterlassen diese extremen Formen von Brutalität psychische Narben. Insbesondere Folter, wie sie den Menschen in den Internierungslagern in Libyen angetan wird, oder sexualisierte Gewalt, von der uns nicht nur die geflüchteten Rohyngia in Bangladesch berichten, traumatisieren die Menschen ein Leben lang. In vielen Projekten weltweit versorgen unsere Teams Überlebende dieser grausamen Formen der Gewalt.  

Helfer*innen unter Beschuss

Sei es im Jemen, Afghanistan oder der Zentralafrikanischen Republik - immer wieder haben wir in den vergangenen Jahren erleben müssen, dass Angriffe auf medizinische Einrichtungen, Krankenwagen und Zufluchtsorte für Geflüchtete verübt wurden. Wir verurteilen diese Kriegsverbrechen auf das Schärfste und fordern die Einhaltung internationalen humanitären Rechts.

Wir bleiben neutral

Bei unserer Hilfe in Konfliktgebieten bleiben wir entsprechend der humanitären Prinzipien neutral. Was zählt, ist allein die medizinische Notwendigkeit. Wir versuchen diejenigen Menschen zu erreichen, die Hilfe am dringendsten benötigen. Damit das gelingt, sprechen wir mit allen Konfliktparteien. So gewinnen wir gerade in komplexen Situationen mit vielen Akteuren, wie in der Zentralafrikanischen Republik, das notwendige Vertrauen. Dass wir keine Seite bevorzugen, bedeutet nicht, das wir auf allen Seiten eines Konflikts präsent sind. Das kann daran liegen, dass uns Parteien trotz Gesprächen kein Zugang gewähren, an der aktuellen Sicherheitslage in einem Gebiet oder daran, dass die wichtigsten medizinischen Bedürfnisse bereits gedeckt sind. 

Für die Miniserie „5 Tage im Jemen: Ein Krankenhaus nahe der Front“ hat ein Kamerateam unsere Mitarbeiter*innen und ihre Patient*innen fünf Tage lang in ihrem Alltag begleitet. Die Serie dokumentiert die schrecklichen Folgen des Krieges im Jemen und gewährt seltene Einblicke in den Alltag der Helfer*innen.