• Verlauf von Kala Azar ohne Behandlung meistens tödlich
• Kaum Investitionen in Diagnostika und Medikamente
• Etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung erkrankt an vernachlässigten Tropenkrankheiten
Anlässlich des Tages der vernachlässigten Tropenkrankheiten am 30. Januar macht Ärzte ohne Grenzen auf die Ausbreitung von Kala Azar aufmerksam. Rund 90.000 Menschen erkranken jedes Jahr an der Tropenkrankheit. Übertragen von der weiblichen Sandmücke verursacht die Infektionskrankheit Fieber, starke Blutarmut sowie eine Vergrößerung von Lymphknoten, Milz und Leber. Ohne die richtige Behandlung ist Kala Azar fast immer tödlich. Dennoch wird kaum in Diagnostika und Medikamente investiert.
Kala Azar (viszerale Leishmaniose) betrifft vor allem die ärmsten Menschen der Welt, insbesondere in Äthiopien, Brasilien, Kenia und im Sudan. Aufgrund der Klimakrise wird die weibliche Sandmücke jedoch inzwischen häufiger auch im Mittelmeerraum gesichtet. 2023 kam es zu mindestens 202 in Europa erworbenen Fällen von Kala Azar.
Ärzte ohne Grenzen behandelt Patient*innen mit Kala Azar unter anderem im Südsudan. Hier war auch die deutsche Internistin Mirna Abd El Aziz im Einsatz:
Im Südsudan kommen so viele Risikofaktoren für Kala Azar zusammen, die eine Erkrankung begünstigen. Hierzu gehören u.a. Mangelernährung, das Immunsystem schwächende Vorerkrankungen wie die HIV-Infektion, Armut und Fluchtbewegungen. Die Menschen kommen meist mit Fieber in unsere Klinik und dann fängt das Problem schon an. Eine eindeutige Diagnose zu stellen ist aufgrund nicht optimaler Tests oftmals schwer möglich. Und viele wirksame Medikamente gegen Kala Azar gibt es auch nicht. Insbesondere bei Menschen mit einer HIV-Infektion kommt es zu zahlreichen Rückfällen, auch nach erfolgter Therapie. Grundsätzlich kann man Kala Azar schon behandeln. Aber in einem Land, in dem das Gesundheitssystem brachliegt, ist diese Krankheit eine Mammutaufgabe.
Mirna Abd El Aziz, Internistin
Ärzte ohne Grenzen setzt sich dafür ein, dass Kala Azar und andere armutsassoziierte Krankheiten mehr Aufmerksamkeit in Politik und Forschung erlangen. An diesen vernachlässigten Tropenkrankheiten erkrankt etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung, eine Milliarde Kinder sind betroffen.
Wir sehen massive Lücken in der Diagnose und Behandlung von vernachlässigten Krankheiten wie Kala Azar. Diese müssen dringend geschlossen werden. Doch die weltweiten Mittelkürzungen führen dazu, dass sich die Krankheitslast verschärft und die Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte aufs Spiel gesetzt werden. Deswegen fordert Ärzte ohne Grenzen entschlossenes politisches Handeln, auch von der Bundesregierung. Dazu gehört eine nachhaltige Finanzierung globaler Gesundheits- und Forschungsprogramme. Im Mittelpunkt müssen die medizinischen Bedarfe der Menschen stehen, die am stärksten von vernachlässigten Tropenkrankheiten bedroht sind, darunter viele Millionen Menschen in humanitären Krisen.
Melissa Scharwey, Expertin für globale Gesundheit bei Ärzte ohne Grenzen
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