Sudan: Ärzte ohne Grenzen startet Nothilfe in Nord-Kordofan nahe der Frontlinie
Nahe einer der aktivsten Frontlinien im Sudan ist es Teams von Ärzte ohne Grenzen gelungen, im Geflüchtetencamp von al-Obeid mit dem Aufbau neuer Wasser- und Sanitärinfrastruktur zu beginnen. Dort leben schätzungsweise 25.000 Menschen unter prekären Bedingungen. Das Risiko von Krankheitsausbrüchen ist hoch.
Die Region Kordofan ist eine der instabilsten und aktivsten Konfliktzonen und für humanitäre Organisationen besonders schwer zugänglich. In Al-Mina Al-Muwahad, dem zentralen Geflüchtetencamp von al-Obeid in Nord-Kordofan, ist die Sanitärversorgung für die etwa 25.000 dort lebenden Menschen völlig unzureichend. Zeitweilig müssen sich 500 Menschen eine Latrine teilen. Auch sauberes Trinkwasser ist knapp: Pro Person stehen nur drei Liter pro Tag zur Verfügung. Dies erhöht das Risiko von Krankheitsausbrüchen erheblich. Insbesondere Kinder, Schwangere und ältere Menschen sind gefährdet.
Teams von Ärzte ohne Grenzen installieren daher nun Wasserbehälter und bauen zusätzliche Latrinen. Zudem unterstützen sie die Krankheits- und Ernährungsüberwachung des Gesundheitsministeriums und koordinieren mit den lokalen Behörden die medizinische Versorgung im Lager sowie im Lehrkrankenhaus von al-Obeid.
„Viele der ursprünglichen Einwohner von al-Obeid sind nicht mehr hier. Stattdessen beherbergt al-Obeid heute zehntausende Vertriebene, die zu verschiedenen Zeitpunkten des Krieges hier Zuflucht gesucht haben“, sagt Al Tayeb Mahmoud Mahammed, Teamleiter von Ärzte ohne Grenzen in al-Obeid. „Da die Frontlinie weniger als 40 Kilometer entfernt ist, kommen fast täglich neue Menschen in die Stadt. Die Menschen, die hier ankommen, sind zutiefst verängstigt, da die Kämpfe immer näher rücken. Dennoch fühlen sie sich hier sicherer als dort, wo sie hergekommen sind und Gewalt, Plünderungen und Schlägen ausgesetzt waren.“
„Da die Kämpfe weitergehen und die Zahl der Vertriebenen steigt, ist der humanitäre Bedarf im gesamten Sudan nach wie vor immens und wird größtenteils nicht gedeckt“, sagt Marta Cazorla, Leiterin der Projekte im Osten des Sudan. „Die jetzige Hilfe ist ein wichtiger Schritt, aber es wird dringend viel mehr benötigt“.
„Immer wieder verhindern Zugangsbeschränkungen und administrative Blockaden im Sudan, dass lebensrettende Hilfe die Menschen erreicht”, sagt Lara Dovifat, Leiterin der politischen Abteilung von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Humanitärer Zugang darf kein Faustpfand im Konflikt sein, sondern muss von allen Konfliktparteien uneingeschränkt gewährt werden. Auch die Bundesregierung ist gefordert, ihren politischen Einfluss deutlich zu nutzen, damit sichere und verlässliche Wege nach Darfur, Kordofan und in alle betroffenen Regionen geöffnet werden."
Laut der Internationalen Organisation für Migration wurden seit Beginn des Konflikts im Sudan am 15. April 2023 mehr als 15 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, darunter 11,5 Millionen Binnenvertriebene im Sudan und etwa vier Millionen Menschen, die auf dem Höhepunkt der Krise über die Grenzen in Nachbarländer geflohen sind. Ärzte ohne Grenzen betreibt oder unterstützt 20 Krankenhäuser und 16 Gesundheitszentren im Sudan. Die medizinischen Teams bieten chirurgische Versorgung, Wundversorgung, Physiotherapie, Geburtshilfe, Ernährungs- und Kinderheilkunde, allgemeine Gesundheitsversorgung, routinemäßige und reaktive Impfkampagnen sowie psychologische Betreuung in acht der 18 Bundesstaaten des Landes an.
Für weitere Auskünfte sprechen Sie uns an