Mitarbeiterporträt: Steffen Hess, Kinderarzt

ÄrztInnen

Kurzprofil

Einsatzland: Äthiopien
Alter: 42

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Kinderkardiologie am Klinikum Stuttgart

Ausbildung:

Kinderarzt, Weiterbildung in Kinder-Intensivmedizin und Kinderkardiologie

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2006 Tschad

2017 Äthiopien, Somali-Region

Sprachkenntnisse:

Englisch, Französisch, Spanisch

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Note from the Hyena’s Belly“ von Negia Mezlekia

Musik, die ich gehört habe:

Somalische Volksmusik, die unsere Fahrer gerne im Auto laufen hatten.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich war in einem Ernährungszentrum für schwer mangelernährte Kinder in der äthiopischen Somali-Region im Einsatz. Bei der morgendlichen Visite für die kleinen Patientinnen und Patienten waren neben den diensthabenden Krankenpflegerinnen und –pflegern noch ein Übersetzer und die Ernährungsassistenten dabei. Danach habe ich mich um neu zugewiesene Kinder gekümmert, im benachbarten Gesundheitszentrum ausgeholfen oder auch hin und wieder unsere Medikamentenvorräte gecheckt. Nach den kränksten Kindern musste ich mehrmals täglich schauen. Nachmittags standen häufiger Trainings für das einheimische Pflegeteam auf dem Programm oder auch mal ein Treffen mit den lokalen Gesundheitsbehörden. Den Abend habe ich oft mit dem Laptop verbracht, für Materialbestellungen, Statistiken oder die Vorbereitung der Trainingseinheiten. Ab und an sorgte ein Ausflug mit den mobilen Teams in weiter entfernte Ortschaften oder Vertriebenenlager für Abwechslung. Aus diesen Orten mussten wir fast immer einige besonders kranke Kinder mit in unser Ernährungszentrum nehmen, um sie versorgen zu können.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Oft bin ich einfach durch den Markt des kleinen Ortes geschlendert, in dem sich unser Projekt befand. Dort gab es zwar nicht viel zu kaufen, aber nach kurzer Zeit kannten mich alle Dorfbewohner, und es ist erstaunlich, wie gut man sich mit Händen und Füßen auch ohne gemeinsame Sprache unterhalten kann.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Das Zusammenleben mit den einheimischen Mitarbeitern, die (wenn sie nicht direkt aus dem Projektort stammten) gemeinsam mit uns internationalen Mitarbeitern untergebracht waren. Ich habe so viel über die somalische Kultur und das Leben dort gelernt. Und die Mitarbeiter lernt man in abendlichen Gesprächen noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen, als bei der Visite im Ernährungszentrum.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Meine Familie. Und ab und zu mal ein bisschen frisches Obst und Gemüse; das war in der Wüstenregion nicht zu bekommen.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich werde in Deutschland weiter als Kinderkardiologe arbeiten, momentan je zur Hälfte in der Klinik und in der Praxis. Wenn es für mich, meine Familie und meine Arbeit organisierbar ist, bin ich in der Zukunft auch gerne wieder für Ärzte ohne Grenzen im Einsatz. 

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Am schönsten waren die Momente, in denen wir im Ernährungszentrum kleine Patienten nach langer Zeit endlich wieder nach Hause entlassen konnten; wenn ein Kind, das vorher tagelang nur apathisch in die Luft gestarrt hatte, uns zum Abschied ein Lächeln geschenkt hat.