Mitarbeiterporträt: Rudi Hacker, Arzt

ÄrztInnen

Kurzprofil

Einsatzland: Südsudan
Alter: 36

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Zentrale Notaufnahme im Krankenhaus Wolfsburg

Ausbildung:

Facharzt Innere Medizin, Zusatzbezeichnung Notfallmedizin

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2017/18 Haiti
2018/19 Südsudan

Sprachkenntnisse:

Ich spreche Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Im Projekt habe ich für die Arbeit ausschließlich Englisch genutzt. Arabisch wäre sicherlich noch hilfreich gewesen. Mit anderen Expats habe ich auch öfter Französisch gesprochen. 

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Die Känguru Trilogie von Marc-Uwe Kling

Musik, die ich gehört habe:

Monolink

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Da es sich um ein Notfall-Projekt handelte, gab es keinen wirklichen Alltag. Wir haben in einem abgeschiedenen Gebiet des Südsudans für fast 100.000 Menschen, die zuvor keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung hatten, ein Krankenhaus eröffnet. Jeden Tag haben wir Kinder und Erwachsene behandelt und parallel dazu Pflegekräfte und Hilfsärzte und -ärztinnen ausgebildet. Diese hatten noch nie in einem Krankenhaus gearbeitet. Daher mussten wir mit einfachen Dingen beginnen: Wie verdünnt man ein Medikament und verabreicht es intravenös? Wie legt man eine Patientenkurve an und verordnet die Therapien? Wie legt man eine Magensonde? Es war faszinierend zu sehen, wie unglaublich motiviert und talentiert die nationalen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gelernt haben. Nach drei Monaten konnten sie schon selbstständig die meisten Erkrankungen behandeln.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

In meiner Freizeit habe ich meditiert oder Karten gespielt.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Beeindruckt hat mich vor allem der uneingeschränkte Optimismus und die Motivation der Menschen, die ich im Südsudan getroffen habe.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Meine Familie und meine Freunde haben mir gefehlt.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich werde eine gewisse Zeit in Deutschland arbeiten, um die Verbindung zur westlichen Medizin nicht zu verlieren, die doch deutlich anders ist. In naher Zukunft werden aber mit Sicherheit weitere Einsätze folgen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Am Abend bevor wir das Krankenhaus eröffneten, gebar eine Mutter Drillinge und brachte sie zu uns. Als ich die Babys zum ersten Mal sah, wog jedes der drei Kinder nur etwa ein Kilogramm. Sie waren unterkühlt und unterzuckert. Mein erster Gedanke war, dass sie keine Überlebenschance hatten. Doch sie belehrten mich eines Besseren. Nach vier Wochen Behandlung entließen wir alle drei in gutem Zustand. Die Mutter besuchte uns etwas später wieder und hatte einen großen Korb dabei. Als sie das Tuch darüber zurückzog und die Drillinge zum Vorschein kamen, strahlten mir drei kräftige Säuglinge und sechs glückliche und gesunde Augen entgegen. Das war ein unvergesslicher Moment.