Mitarbeiterinnenporträt: Laila Schmidt, Anästhesistin

ÄrztInnen

Kurzprofil

Alter: 47

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Oberärztin im ASANA Spital Leuggern (Schweiz) in der Abteilung für Anästhesie

Ausbildung:

Ich habe Medizin an der Universität in Heidelberg studiert und dann die Facharztausbildung Anästhesie mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin an der Uniklinik in Mannheim absolviert.

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2017 Zentralafrikanische Republik

Sprachkenntnisse:

Ich spreche Deutsch, Englisch und Französisch.

In der Zentralafrikanischen Republik wurde den Patienten und Patientinnen immer vom Französischen in die Landessprache Sango übersetzt. Ich war sehr dankbar, dass Ärzte ohne Grenzen mich vor dem Projekteinsatz nach Brüssel zu einem Französisch-Sprachkurs geschickt hat. Der Sprachkurs war genau auf mein Projekt und meine Aufgaben vor Ort abgestimmt, was mir sehr geholfen hat.

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

"Cox: oder der Lauf der Zeit" von Christoph Ransmayr. Zeit wird hier ganz neu beschrieben - ich hatte in der Zentralafrikanischen Republik auch das Gefühl, die Zeit rast und eine Stunde besteht aus weniger als 60 Minuten.

Musik, die ich gehört habe:

Florent Pagny, Pavlov`s Dogs (v. a. “She came shining”) und Brenda Fassie (Volindela)

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Es war mein erster Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen. Ich habe in der Stadt Bossangoa gearbeitet, im Nordosten der Zentralafrikanischen Republik. Dort steht ein für zentralafrikanische Verhältnisse großes Krankenhaus (180 Betten). In der chirurgischen Abteilung im Krankenhaus, wo ich gearbeitet habe, werden nicht nur medizinische Notfälle behandelt. Ins Krankenhaus kamen auch sehr viele Schwangere, die teilweise lange Wege zum Krankenhaus zurückgelegt hatten. Viele der Frauen benötigten einen Kaiserschnitt, weil sie die Geburt sonst nicht überlebt hätten. Aber auch Patienten, bei denen ein Eingeweidebruch vorlag, infizierte Wunden und Kinder mit Darmdurchbrüchen nach Typhus wurden von uns chirurgisch versorgt.

Zu meinen Aufgaben gehörte zum einen, die Behandlungspläne für die chirurgischen Patienten auf der Intensivstation zu erstellen, bei Notfällen die Narkose durchzuführen, aber auch und vor allem die zentralafrikanische Anästhesieassistentin, die eng mit mir zusammenarbeitete, anzuleiten und zu trainieren. Sie sollte lernen, ohne Anästhesisten auszukommen. Nach der Visite auf der Intensivstation habe ich ihr oft Behandlungs-möglichkeiten zu einem Patienten vorgestellt, bei dem sie im OP, wo sie die Narkose durchgeführt hat, ihr neues Wissen angewendet hat. Dabei habe ich sie begleitet und ihr Tipps gegeben.

Zudem habe ich mit allen Mitarbeitern des Krankenhauses eine Fortbildung durchgeführt, wie eine Wiederbelebung über Herz und Lunge durchgeführt wird.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Ich habe mich mit den anderen internationalen Mitarbeitern im Projekt unterhalten, mit ihnen Volleyball gespielt, viel Musik gehört und/oder einfach an einem erhöhten Platz auf unserem Gelände gesessen und die Aussicht auf den Fluss Ouham genossen.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Das große Interesse der zentralafrikanischen Mitarbeiter, wenn ich ihnen Wissen vermittelt habe. Schön war es auch zu merken, wenn sie das neue Wissen anwenden und selbstständig Herausforderungen lösen konnten. Und meine internationalen Kollegen, die immer ein offenes Ohr für mich hatten, wenn ich mal verzweifelt oder mutlos war. 

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Meine zwei Töchter.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich möchte gerne wieder in Projekte gehen, am liebsten nach Afrika, weil ich in dieser Arbeit (m)einen Sinn fürs Leben gefunden habe.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Der Moment, als ich gemerkt habe, dass meine Anästhesieassistentin, Dinge so macht, wie ich es ihr vermittelt habe – nicht, weil ich es so wollte, sondern weil sie den Sinn verstanden und die Maßnahme als richtig akzeptiert hat.