Südafrika

Umsiedlungen verschlimmern Traumata der Vertriebenen - Ärzte ohne Grenzen über fehlenden Schutz der Migranten besorgt

Ärzte ohne Grenzen ist beunruhigt über die Umsiedlung der Menschen, die durch die kürzlich ausgebrochene Gewalt in Johannesburg vertrieben wurden. Nachdem sie bis zu drei Wochen in unzumutbaren Umständen gelebt haben, werden die Vertriebenen nun von der südafrikanischen Regierung ohne angemessene Informationen über ihre Rechte und andere Möglichkeiten an Orte umgesiedelt, die nicht entsprechend vorbereitet und sicher sind.

"Unsere Patienten sind ohnehin schon von der Gewalt traumatisiert, die sie erleiden mussten, und von den abscheulichen Bedingungen während der Vertreibung", sagte Bianca Tolboom, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen. "Die Menschen erzählen, dass sie wie Tiere behandelt worden sind. Ihnen wurden keine Informationen darüber gegeben, wohin sie gebracht werden, wie lange sie bleiben müssen und wie die Pläne danach sind. Sie sind zu gelähmt, um eine Entscheidung treffen zu können. Diese Verunsicherung verschlimmert ihr Trauma umso mehr."

Die Bereitstellung der Plätze für die Umsiedlung hat am Samstag, den 31. Mai, drei Wochen nach den ersten Gewaltausbrüchen in Johannesburg begonnen. Trotz der Besorgnis, die humanitäre Akteure über den Zustand der Lager und den zeitlichen Rahmen ausgesprochen haben, begann die Umsiedlung einen Tag später.

Die vertriebenen Menschen können sich nicht frei bewegen und sitzen nach den politischen Unruhen, die sie erlebt haben, zwischen der Umsiedlung in ungeeignete Lager und der Rückkehr in ihr Herkunftsland fest. Des weiteren sind die Lager zu diesem Zeitpunkt ungeeignet, die vertriebenen Menschen aufzunehmen: Die Grundversorgung mit Unterkünften, Wasser und Sanitäranlagen kann nicht erfüllt und der Schutz der Menschen kann nicht garantiert werden.

"Eines der Lager befindet sich auf einer staubigen alten Bergwerkshalde. Das Leben an diesem Ort ist besonders schädlich für die Gesundheit, vor allem für jene Menschen, die schon an Atemwegsinfektionen leiden. Dies ist die häufigste Diagnose bei unseren Patienten. Es gibt zu wenige Latrinen, die Zelte stehen zu dicht beieinander und scharfe Gegenstände im Abfall machen den Boden unsicher für Kinder", sagte Rachel Cohen, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. "Wir wurden Zeuge, wie Familien auseinander gerissen wurden und haben unzählige Berichte über Einschüchterungen durch Sicherheitspersonal gehört, das eingestellt wurde, um diesen Ort zu sichern. Die Menschen erzählen uns, dass sie sich gefangen fühlen, dass sie nicht wissen, wo sie sich hinwenden sollen, und dass niemand sich um ihren Schutz kümmert, auch nicht der UNHCR ."

Ärzte ohne Grenzen ist besorgt über Berichte unserer Patienten, dass viele Simbabwer, die von der Gewalt betroffen sind, in den vergangenen Wochen in Südafrika untergetaucht sind. Ärzte ohne Grenzen unterhält seit 2007 Projekte für Flüchtlinge aus Simbabwe in Johannesburg und Musina, nahe der Grenze zu dem südafrikanischen Nachbarland. Die Mitarbeiter wissen daher, dass illegale Flüchtlinge nicht nach Unterstützung fragen, da sie Angst vor der Ausweisung haben. Das Fehlen eines legalen Aufenthaltsrechtes erhöht ihre Angreifbarkeit und hat starke Auswirkungen auf ihren Zugang zu Gesundheitsversorgung.

Unmittelbar nach dem Ausbruch von Gewalt in Johannesburg Anfang Mai begann Ärzte ohne Grenzen mit der medizinischen Hilfe für die vertriebenen Menschen. Seitdem helfen Teams an 15 Orten und behandelten inzwischen mehr als 2.500 Patienten. Helfer verteilten Decken, Hygieneartikel und Plastikplanen an Orten, wo sie dringend benötigt wurden.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1999 in Südafrika und behandelt HIV/Aids und Tuberkulose in Khayelitsha, Kapstadt und Lusikisiki, in der Ostkap-Provinz. Seit Dezember 2007 arbeitet Ärzte ohne Grenzen auch im Zentrum von Johannesburg und in Musina, an der Grenze zu Simbabwe, um die Flüchtlinge aus Simbabwe medizinisch zu versorgen. Infolge der neusten Gewaltausbrüche und Unruhen bietet Ärzte ohne Grenzen der betroffenen Bevölkerung in Kapstadt und Johannesburg Hilfe an.