Tschad

Erlanger Ärztin hilft im Tschad Anke Raber behandelte sieben Monate für "Ärzte ohne Grenzen" im Tschad

BUCKENHOF - Die Warnung des Auswärtiges Amt ist unmissverständlich: "Von Reisen nach Tschad wird derzeit dringend abgeraten". Die Ärztin Anke Raber aus Buckenhof war dennoch sieben Monate in dem afrikanischen Land. Im Süden hat die 31-Jährige für "Ärzte ohne Grenzen" vor allem Kinder behandelt.

Als der kleine, etwa einjährige Avenir ("Zukunft") in das Krankenhaus in Goré kommt, leidet er, wie so viele Kinder im Tschad, an Mangelernährung und Malaria. Auch Avenir durchläuft die Therapie mit bis acht Mahlzeiten am Tag und einer Malaria-Behandlung. Nach etwa zwei Wochen war Avenir geheilt, lässt sich fotografieren und macht auch sonst den Eindruck, ein gesundes Kind zu sein.

Im Süden "nicht sehr dramatisch"

Anke Raber erzählt diese Geschichte eines medizinischen Erfolgs in einem der ärmsten Länder Afrikas, in einem Land mit 20-prozentiger Kindersterblichkeit, in einem Land, in dem Bürgerkrieg erst seit rund drei Jahren beendet ist. In einem Land, dessen Nachbarn Sudan und Zentralafrikanische Republik sich in bürgerkriegsähnlichen Konflikten befinden.

Im Süden des Tschad, sagt Anke Raber, "ist die Lage nicht sehr dramatisch". Dort befindet sich zwar ein Flüchtlingslager mit etwa 30.000 Menschen aus der Zentralafrikanischen Republik, aber seit etwa zwei Jahren herrsche weitgehend Ruhe.

 

Häufig zu spät in Behandlung

107 Betten stehen in dem Krankenhaus in Goré zur Behandlung von Kindern zur Verfügung. Leider, sagt die Ärztin, "kommen viele kranke Kinder relativ spät zur Behandlung". Das liege vor allem daran, dass die Wege ins Krankenhaus manchmal sehr weit seien. Außerdem gibt es kein Handynetz und kein Radio. Die Menschen erfahren meistens durch Hörensagen von der Anwesenheit der Ärzte. "Im Tschad sterben deshalb viele Kinder an heilbaren Krankheiten, weil sie viel zu spät gebracht werden", sagt Anke Raber.

Die Medizinerin hat in Erlangen studiert, war dann drei Jahre in der Schweiz an einem Krankenhaus tätig und ging im November 2007 sechs Monate für "Ärzte ohne Grenzen" in den Jemen. "Es war schon immer mein Ziel, bei einer humanitären Organisation zu arbeiten", sagt sie.

 

Zuhause abschalten

Vor allem in Norden Jemens gibt es immer wieder aufflammende religiös begründete Kämpfe zwischen der schiitischen "Al-Shabab al-Mou'min" und der jemenitischen Armee. Ziemlich genau zwischen den Fronten unterhält "Ärzte ohne Grenzen" ein Krankenhaus, Anke Raber war sechs Monate lang dort und behandelte in der chirurgischen Abteilung Kriegsverletzungen. "Die Sicherheitsvorkehrungen im Jemen waren deutlich drastischer als im Tschad", sagt die 31-Jährige.

Ihr Engagement für Krisengebiete zeichnete sich schon während ihres Studiums ab: sie machte Praktika in Kamerun, Uganda und Jordanien. "Eigentlich wollte ich nur einmal in ein Krisengebiet, jetzt sind es schon zwei geworden", so Anke Raber. Nur wenige Wochen nach dem Engagement im Jemen schickte sie "Ärzte ohne Grenzen" in den Tschad. "2008 war ein total ereignisreiches Jahr für mich", sagt die Medizinerin.

Zuhause in Buckenhof genießt sie jetzt das Zusammensein mit ihrer Familie und ihren Freunden. "Hier kann ich abschalten". In ein paar Wochen wird Anke Raber am Institut für Tropenmedizin in Hamburg einen Kurs besuchen und danach wieder für "Ärzte ohne Grenzen" in Krisengebieten unterwegs sein. "Es ist für mich wichtig, für Menschen wie im Jemen oder im Tschad da zu sein" sagt sie.

 

"Unglaublich herzliche Menschen"

Im Jemen lernte sie "unglaublich herzliche Menschen" kennen. Im Tschad erlebte sie "extreme Armut" und sah sterbende Kinder und hatte wenig Möglichkeiten zu helfen. Eine Erfahrung, die Anke Raber von ihren beiden Auslandsaufenthalten mitbrachte, ist die Erkenntnis, "das der medizinische Fortschritt nicht für alle Menschen gilt".

Egbert M. Reinhold