Thailand

Ärzte ohne Grenzen zieht sich nach 35 Jahren zurück - Behörden verweigern Genehmigung

Die Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen beendet ihre Projekte in Thailand, nachdem die Behörden des Landes eine Genehmigung für die medizinische Versorgung von Migranten ohne legalen Status verweigert haben. In monatelangen Verhandlungen war deutlich geworden, dass Thailand keine Erlaubnis dafür erteilen würde. Nach Einschätzung von Ärzte ohne Grenzen benötigt diese Bevölkerungsgruppe in Thailand jedoch dringend medizinische Hilfe. Die Organisation war gezwungen, in diesem Jahr die Projekte in der Region Samut Sakhon im Zentrum des Landes und am Drei-Pagoden-Pass an der Grenze zu Myanmar zu beenden, obwohl die Teams die einzige Gesundheitsversorgung für 55.000 Menschen in der Region sicherstellten.

Ärzte ohne Grenzen beendet damit den längsten Einsatz in der Geschichte der Organisation. Die Arbeit in Thailand begann im Jahr 1976 mit der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen aus Kambodscha, die vor dem Regime der Roten Khmer geflohen waren. In den 80er Jahren leistete Ärzte ohne Grenzen Hilfe für Flüchtlinge aus Birma, dem heutigen Myanmar. Seit den 90er Jahren spielte die Organisation eine Schlüsselrolle bei der Behandlung von HIV/Aids-Patienten und engagierte sich für die Ausweitung der Therapie. Nach dem Jahr 2000 waren die Mitarbeiter mehrfach nach Naturkatastrophen im Einsatz und betreuten Flüchtlinge vom Volk der Hmong im Norden des Landes medizinisch.

In diesen 35 Jahren hat sich die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in Thailand stark verbessert. Thailand hat etwa als eines der ersten Länder eine kostenlose Behandlung von HIV-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten eingeführt. Dennoch sind heute einzelne Bevölkerungsgruppen von dieser Versorgung ausgeschlossen: Gastarbeiter ohne Papiere und Bewohner von abgelegenen Gebieten an den Grenzen des Landes haben oft keinen Zugang zu einer medizinischen Basisversorgung.

Obwohl die Behörden versuchen, Migranten offiziell zu registrieren, leben schätzungsweise 1,5 Millionen bis 2 Millionen Personen noch immer ohne Papiere im Land und können somit keine ärztliche Versorgung in Anspruch nehmen. Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die Situation dieser Bevölkerungsgruppe, konnte aber leider mit den Behörden keine Einigung erzielen, die es ermöglicht hätte, ihre Versorgung zu verbessern. Die Organisation beendet nun zwar ihr letztes permanentes Projekt in Thailand, wird die Lage im Land aber weiterhin aufmerksam verfolgen, um in Krisensituationen schnell reagieren zu können.